21.12.2010

Weihnachten - Am Tag - 25.12.2010

(Fortsetzung)

Etliche von Ihnen haben jetzt schon richtig vermutet: Wenn man etwas gleich zwei-
mal hintereinander gesagt bekommt, dann muss es sich dabei um etwas besonders Wichtiges handeln.

Dann muss das so wichtig und dringend sein, dass die Verantwortlichen dafür die vielleicht etwas irritierende Wiederholung in Kauf nehmen. Dies erinnert ein wenig an ein ganz wichtiges Telefonat, das man mit jemand unbedingt führen muss. Vielleicht ein Gespräch, bei dem es um eine eilige oder lebensentscheidende Angelegenheit geht. Da probiert man und probiert man auch immer wieder, bis man den Gesprächspartner endlich am Apparat hat und ihm alles genau schildern kann.
So ist es auch mit dem heutigen Evangelium. Da werden wir bildlich gesprochen auch immer wieder an den Apparat gerufen. Gott ist derjenige, der uns da wieder und wieder anwählt. Aber hören wir den Klingelton überhaupt?
Vielleicht haben wir in Glaubensfragen gerne auch mal auf „lautlos“ gestellt, damit wir nicht unnötig gestört werden?!
Im Evangelium klingt jedenfalls eine gewisse Enttäuschung mit an: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ - Das klingt nun wirklich nicht nach purer, himmelhoch jauchzender Weihnachtsfreude.
Da kommt Gott also zu den Menschen, da macht er sich ganz klein, da schenkt er uns seinen Sohn, und die meisten Menschen tun so, als sei er ein unerwünschter Staubsauger-Vertreter.
Was der Evangelist Johannes da beschreibt, ist auch die Erfahrung der jungen Kirche einige Jahrzehnte nach Jesu Tod und Auferstehung. Jubel und Begeisterung sind mancherorts verflogen, und die religiösen Strohfeuer, die so hell bei vielen Gläubigen aufleuchteten, sie sind längst im Alltagstrott erloschen. - Das ist fast wie mit dem Weihnachtsbaum. Wenn die Saison beendet ist, dann wird eilig abgeräumt, weggeworfen und weggepackt. Weihnachten ist kaum außer Sichtweite, da richtet man sich vielleicht schon auf Karneval ein.
Es hat also schon seinen guten Grund, wenn wir dieses herrliche Evangelium in so kurzer Zeit gleich zweimal hören. Es sagt uns so eindringlich wie nur irgend möglich: Ihr Getauften alle, kapiert das doch! Unser Gott ist wahrhaftig zu uns gekommen. Er hat nicht mal ein bisschen Mensch gespielt, weil es im Himmel ja so langweilig ist und er mal was erleben wollte. Er hat sich nicht etwa als Mensch verkleidet, um sich dann auf Erden dünne machen zu können, wenn es brenzlig wird. Nein, sagt Johannes, und die Kirche lehrt es:
Das Wort Gottes ist wirklich und wahrhaftig Fleisch geworden.
Nicht geboren so ähnlich wie ein Mensch, sondern geboren wie wir Menschen alle.
Johannes formuliert dann weiter: „Und das Wort ist Fleisch ge-
worden und hat unter uns gewohnt.“
- Genauer heißt es im Urtext allerdings nicht einfach nur wohnen, sondern „zelten“. - Gott schlägt also mitten unter uns sein Zelt auf – was für ein schönes und ergreifendes Bild!
Er steht also nicht irgendwo auf einem unbeweglichen Denkmal-Sockel, um sich dann und wann bei Bedarf von uns verehren zu lassen. Nein, Gott ist mittendrin im wirklichen Leben. Er hat uns nicht im Dunkeln sitzen lassen. Er ist wirklich da, wo wir sind. Er zieht mit uns in unserer Unstetigkeit, wenn wir mal wieder irgendwo die Zelte abbrechen müssen auf dem Weg zu unserem Ziel. Er geht mit uns durch dick und dünn.

Unsere Aufgabe als getaufte Christen ist vor allem die, dafür zu sorgen, dass unsere Telefonverbindung zu Gott auch möglich wird, dass sie auch tatsächlich zustande kommt. - Sie wissen ja: Wenn man das Telefon nicht richtig aufgelegt hat oder wenn man durch alles Mögliche die Leitung ständig besetzt hält, dann kann Gott uns anrufen, so oft er will – er wird uns nicht erreichen. Bei uns ist dann immer die Leitung besetzt.
Der heutige Evangelientext schildert aber nicht nur Gottes ewiges Ja-Wort und seine überwältigende Güte uns Menschen gegenüber. Der Text belässt es auch nicht bei der traurigen Aussage, dass Gott von vielen ach so beschäftigten Gotteskindern auf Erden nicht wirklich im Herzen aufgenommen wird, obwohl sie ihm in der Taufe so feierlich und sogar mit Zeugen die Treue geschworen haben.
Nein, der heutige Text ist eigentlich ein positiver Text, ein Text großer Hoffnung. Während die einen, die eigentlich mit Gottes Anruf rechnen sollten, ihn einfach ignorieren, gibt es Gott sei Dank auch andere.
Im Evangelium heißt es dazu: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ - Es gibt sie also, die Menschen, die nicht dauernd besetzt sind mit allem möglichen Alltagskram.
Es gibt sie also, die den Telefonhörer abnehmen und sich anhören, was Gott ihnen zu sagen hat.
Sie werden reich beschenkt, denn ihnen wird Gott helfen, nicht nur auf dem Papier des Taufscheines Kinder Gottes zu werden. Wer Gott wirklich und ehrlich sein Herz öffnet, den lässt er nicht im Stich, den lässt er nicht im Dunkeln sitzen.
Was für ein Glück für diese Gläubigen: Gott will ihm und ihr Licht und Stärke sein, ja sogar Kraft für jeden Tag, herrlich wie die leckerste Süßigkeit und ergreifend wie die schönste Liebeserklärung. – So will es der gute Gott für uns alle. Da haben wir sein Wort drauf.
Einfach wunderbar – wenn das so ist, dann ist ja tatsächlich Weihnachten!

Predigt OStR Eberhard Gottsmann
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