06.09.2012

Prominenten-Aufruf zu "Ökumene jetzt": Kommentatoren sehen klaren Fehlstart

(Fortsetzung)

Besonders kritisch wird dabei die „Unbestimmtheit“ des vorgelegten Textes gesehen, der bemerkens-
wert „unkonkret“ formuliert ist, und das, obwohl man doch ausdrücklich Kirchenvertreter nicht mit ins Boot genommen hatte, damit man „nicht so sehr auf Kom-
promissformeln achten“ musste, wie etwa Herr Thierse es formulierte.
Wer will das nicht, mehr Ökumene? Einige Kritiker des Aufrufs wundern sich, dass man ausgerechnet als Politiker zur Einheit aufruft, die man selbst im politischen Raum nicht zustande bringt. Wenn man etwa sieht, wie uneins man sich dort gegenüber fundamentalen Fragen des Lebensschutzes zeigt, dann könnte man versucht sein, das berühmte Kehren vor der eigenen Haustüre
zu empfehlen. Und selbst eine Harmonisierung der zahlreichen Wahltermine oder eine Reduzierung der zahlreichen Posten und Pöstchen hat man nicht hin-
gekriegt.
Ökumene jetzt – das klingt erst einmal gut. Aber wie? Alle an den runden Tisch oder in den Stuhlkreis und dann per Mitgliederabstimmung entscheiden, was Glaubensinhalt ist und was nicht? Und wer diesen Weg dann nicht mitgehen will, der kann sich in noch einer weiteren Glaubensgemeinschaft eine neue Heimat suchen? Und was soll die Voreingenommenheit gegenüber Theologie und Amtskirche, die offen im Aufruf und in Erklärungen einiger Erstunterzeichner zutage tritt? - Manche finden es z.B. gar nicht komisch, wenn der SPD-Vorsitzende Frank-Walter Steinmeier fordert: „Ökumene muss den Ort der Inszenierung verlassen“ und damit zeigt, wie viel oder wie wenig er über tatsächlich schon stattfindende Ökumene weiß.
Die Kernfrage ist aber, was die angestrebte Ökumene ganz konkret beeinhaltet, und da kneifen die Verfasser des Aufrufs. Dieser erschöpfe sich in „theologischen Selbstverständlichkeiten“ und lasse „jede konkrete Handlungsperspektive vermissen“, urteilt z.B. die evangelische Zeitschrift „Chrismon“, die „ein Meister-
stück an Unschärfe“ und „ökumenischen Jargon“ in einigen Formulierungen ausgemacht hat. In der „Tagespost“ wird man noch deutlicher. Markus Reder sieht in diesem Promi-Aufruf eine Beschädigung der Ökumene-Bemühungen. Der Aufruf „strotzt vor poli-
tischer Selbstgerechtigkeit“, heißt es weiter, und er tue so, „als ob die Verantwortlichen (in den Kirchen) Beton-
köpfe seien, die die Ökumene blockierten“. Hier werde politisiert, und die mediale Inszenierung gewinne „die Oberhand über theologische Redlichkeit“.
Da ist es beispiels-
weise wenig erfreulich, wenn im Aufruf der zumindest für Katho-
liken zentrale Begriff „Eucharistie“ ebenso wenig auftaucht wie etwa das Beten. Wie soll da „ungeduldig“ rasch ei-
ne Kirchengemeinschaft denkbar sein, wenn etwa von offizieller evangelischer Seite ehrlicherweise erklärt wird, die katholische Vorstellung von der vollen Einheit sei mit der evangelischen „nicht kompatibel“. Kein Wunder, wenn z.B. die Überzeugung der Katholiken von der Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi evangelischerseits damit kommentiert wird, es „bedürfe keiner Wandlung der Elemente“, und Christus sei (nur) im Moment der Mahlgemeinschaft gegenwärtig, sprich: Überzählige Hostien können also beliebig ent-
sorgt werden.
Manche Kritiker des Aufrufs sehen eine mit der Politik verquickte deutsche Nationalkirche kommen, wenn sich die Meinung der Unterzeichner durchsetzen sollte. Das allerdings hätte uns gerade noch gefehlt…!
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Vatikandokument über Ökumenismus
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Renovabis erinnert an Ostkirchen (Aktionsheft pdf)
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Beispiel: Konkrete Ökumene im Bistum Magdeburg (pdf)
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Vortrag Prof. Dr. Joseph Schumacher:
„Das Unaufgebbare…“ (pdf) 
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FAZ: „Christliche Politiker fordern…“ >>BITTE KLICKEN !
Erzbischof Zollitisch warnt… >> BITTE KLICKEN !
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Evangelische Zeitschrift „CHRISMON“
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Kommentar in „DIE TAGESPOST“
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Der Papst ist wohl doch früher aufgestanden…!


Papst: Viele Ökumene-Schritte…

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8 Kommentare:

Der Thuriferar hat gesagt…

Ich kann diesen Seitenhieb-Aufruf, der die Kirchenleute als reformunwillig einordnet, absolut nicht gutheißen.
Da haben die Leser des Aufruf-Blogs sich fast zu 100 Prozent dagegen ausgesprochen - was für eine Pleite für die Aufruf-Macher rund um Herrn Lammert!

Anonym hat gesagt…

Die Hoffnung auf eine Ökumene, in der die protestantischen Ketzer reumütig zur einzig wahren, römisch-katholischen Kirche zurückkehren werden, wie die verblichene DDR in die BRD, stirbt eben nie. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass die evangelische und katholische Kirche in einer anderen Situation sind, als weiland die DDR. Der sind scharenweise die Schäfchen abhanden gekommen, der BRD nicht. Heute laufen beiden Kirchen die Gläubigen davon. Wenn man also Ökumene wirklich will, müssten sich beide bewegen. Wenn man wirklich will. Allerdings glaube ich, dass der Leidensdruck bei den Protestanten deutlich geringer ist, als in der katholischen Hierarchie; also muss man sich in Geduld üben, bis die katholische Kirche so weit ist, Ökumene zu wollen.

Heinrich T. hat gesagt…

Vielleicht sollte man dafür sorgen, dass es in der Politik mehr Ökumene gibt, sprich: gemeinsames Handeln. Durch Zusammenlegen von Parlamenten und Parteien könnte eine Menge Geld gespart werden.

Studiosus hat gesagt…

Wie in einigen Zeitungskommentaren schon richtig erkannt wurde, helfen uns die Sprechblasen der Aufruf-Politiker nicht wirklich weiter.
Die Basis soll einfach die Ökumene voranbringen, egal wie. Das ist das simple Rezept. Wozu brauchen wir auch jahrzehntelange theologische Forschung - alles nur störend.
Leute, vereinigt euch, und gut isses.
Tolles Rezept, oder?

Agi Maurer hat gesagt…

Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb.
Diese Art Ökumene, die die Probleme ausklammert und sich selber in die Tasche lügt, mag zwar politisch gewollt sein, ist aber ein Haus,
das auf Sand gebaut ist.
Wenn Leute wie Günther Jauch jetzt auf einmal mehr Ökumene fordern, darf die Frage erlaubt sein: Was haben Sie denn selbst bisher konkret dafür getan?

Christian Fischer hat gesagt…

Ach, wie gut, dass wir solche Promis haben - sonst wüssten wir gar nicht, wie einfach doch Ökumene zu haben ist, unter Ausschluss der Theologie. O heilige Einfalt!

Anonym hat gesagt…

Bei den Unterzeichnern fehlt eigentlich nur noch Klaus Wowereit!

Mike Ruuss hat gesagt…

Wer bei dem Unterschied zwischen katholisch und evangelisch an Äpfel und Birnen denkt, der hat aber ja wohl gar nichts verstanden! Warum nur akzeptiert man beiderseits die Taufe? Die Gemeinsamkeiten überwiegen doch wohl. Letztendlich ist es eine reine Machtfrage (Amt), nicht umsonst sind es genau diese Machthaber auf beiden Seiten, die man zurecht außen vor gelassen hat und die jetzt laut aufschreien.

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