12.09.2012

Predigt 24. Sonntag im Jahreskreis B -- 16.09.2012

(Fortsetzung) 
Eine weitere heidnische Kultstätte befindet sich in einer riesigen, dunklen Höhle am Fuße des Felsens: ein Heilig-
tum des griechischen Gottes Pan. Er gilt als so etwas wie ein Universalgott in der komplizierten Götterwelt. Dessen Gunst sollte man sich auf jeden Fall sichern...
Die Umfrage Jesu findet also in der Nähe dieses Zentrums heidnischer Götterverehrung statt. Das ist natürlich kein Zufall. Jesus hätte seine Frage überall stellen können, aber er hat bewusst diesen Ort dafür gewählt. Hier prallen die religiösen Meinungen und Weltanschauungen aufeinander. Es ist ein Ort der Entscheidung: Orientiere auch ich mich an der heid-
nischen Götterwelt, die jede Menge Gottheiten für jeden Bedarf im Angebot hat? Oder gehe ich selbst hinter Jesus her? - Ich habe die Auswahl, aber ich komme auch nicht drumherum, mich hier definitiv festzulegen, wer meiner Überzeugung nach der wahre Gott ist.
Das steht den Jüngern im Evangelium jetzt auch bevor. Jesus stellt ihnen eine weitere Frage, und dieser zwei-
ten Frage Jesu kann niemand ausweichen. Jesus fragt die Jünger ganz direkt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“
Jetzt heißt es Farbe bekennen! Jesus grenzt die Jünger in seiner Frage ausdrücklich von der Allgemein-
heit ab. Er sagt:
„Ihr aber…“
Das heißt jetzt: Raus damit! Ihr müsst innerlich abstimmen: Seid ihr wirklich anders als die anderen? Wo steht ihr eigentlich selbst? Was habt ihr in all der Zeit mit mir verstanden? Wer bin ich in euren Augen?
Nun könnte man nach heutigem Verständnis erwarten, dass jetzt eine große Diskussion unter den Jüngern Jesu beginnt. Jeder könnte sicher seinen interessanten Beitrag leisten, wie er selbst Jesus sieht. Gerade das geschieht jedoch nicht! – Stattdessen spricht nur einer für alle. Einer hat den Mut, den Mund aufzumachen und ein Glaubens-Bekenntnis im Namen aller abzulegen.
Es ist Simon Petrus. Simon Petrus kann Menschen führen. Wenn ihm nur nicht manchmal das Tempera-
ment so durchginge! Ein Stichwort dazu mag genügen: Bei der Verhaftung Jesu ist es Petrus, der voller Eifer sein Schwert zieht, einen Diener des Hohenpriesters angreift und am Ohr verletzt.
Kaum ist jetzt die Frage Jesu ausgesprochen, ist Petrus schon mit einem klaren Bekenntnis zur Stelle: „Du bist der Messias!“ - Was heißt das aber: der Messias? In der parallelen Bibelstelle bei Matthäus (16,16) steht es noch deutlicher: „der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“.
Viele Jahrhunderte lang warten die gläubigen Juden bereits auf den Messias, der von Propheten ange-
kündigt worden war. Das hebräische Wort dafür („Mashiah“) wird in der griechischen Übersetzung zu „Christus“. Er ist der Gesalbte Gottes, der wahre König aller Welt. Und nun ist Petrus derjenige Jünger, der das für alle klar formuliert: Ja, du bist der Christus, der Mes-
sias, der lange ersehnte Retter!
Als Reaktion Jesu würden wir jetzt eigentlich ein öffent-
liches großes Lob für Petrus erwarten. Petrus hat sich schließlich mit seiner schnellen Antwort weit vorgewagt. Offenbar sind alle anderen mit seiner Aussage einer Meinung, denn niemand äußert sich sonst.
Statt eines Lobes gibt es von Jesus jedoch eine Belehrung, ja, sogar ein Verbot. Im Evangelium heißt es:
„Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen. Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohen-
priestern und den Schriftgelehrten verworfen werden;
er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auf-
erstehen. Und er redete ganz offen darüber.“

Das Verbot Jesu hat seinen guten Grund. Wenn die Jünger jetzt Jesus überall lauthals als den Messias verkünden würden, könnte das zu einer Gefahr für seinen eigentlichen Auftrag werden. Das Volk sehnt sich nach einem Messias, wie Jesus es eben nicht sein will. Die Menschen wollen einen Befreier aus der Knecht-
schaft der römischen Besatzer, einen Anführer zur Auflehnung gegen die verhassten Eindringlinge. Gesucht und erhofft wird ein Messias und König, der allen mehr Freiheit und mehr Wohlstand bringt.
Solch ein Messias will Jesus nun wirklich nicht sein.
Da wäre er ganz gründlich missverstanden. Er ist der Menschen-Retter für das Reich Gottes und nicht für ein Reich der Juden oder von sonstwem. Daher schildert er in seinem Verbot an die Jünger auch seinen bevor-
stehenden Leidensweg.
Sicher ist vielen Jüngern jetzt das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Ihre Sache hatte so hoffnungsvoll begonnen. Eine richtige Erfolgs-
geschichte war das. Immer mehr Menschen wollen Jesus hören.
So setzen auch die Jünger all ihre Hoffnungen auf ihn. Sie haben alles auf eine Karte gesetzt und folgen ihm nach, wohin er auch geht.
Wirklich, wohin er auch geht? - Auch nach Jerusalem, auch ins Leiden?
Wieder ist es Petrus, der für alle spricht. Er will es dies-
mal besonders geschickt anstellen. Er nimmt Jesus beiseite. Nicht im großen Jüngerkreis, sondern von Mann zu Mann und unter vier Augen will er mit Jesus reden. In unserer Einheitsübersetzung steht nur kurz: „und er machte ihm Vorwürfe.“ - Das ist wieder einmal sehr sanft ausgedrückt. Deutlicher ist da folgende genauere Übersetzung: „er herrschte Jesus an.“ -
Hier wird sofort klar: das war keine höfliche Entgegnung von Petrus, sondern ganz heftige Kritik an Jesus, ja fast schon so etwas wie Meuterei. Petrus will Jesus unbe-
dingt von dieser Idee abbringen, nach Jerusalem zu ziehen, in das sichere Leiden, in den sicheren Tod. 


Nun dreht sich Jesus um, allen Jüngern zu und beendet den Versuch des Petrus wie mit einem Paukenschlag: „Weg mir dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“  Genauer heißt es eigentlich: „Schweig, Satan! Geh hinter mich!“
Jesus stellt damit ganz energisch klar, dass Petrus an dieser Stelle auf den großen Durcheinanderwerfer, auf die Tricks des Teufels hereingefallen ist. Jesus sagt Petrus aber auch sofort, was jetzt von ihm zu tun ist: Geh wieder hinter mich! - Das heißt: Reihe dich wieder ein, geh sofort an deinen zugewiesenen Platz, komm wieder zurück in meine Spur!
Jesus reagiert so knallhart, weil er den Versucher viel besser durch-
schaut als wir alle. Der Satan versteht es nämlich ganz meisterhaft, die Sünde besonders appetitlich zu verpacken. Schon im Paradies präsentiert er sich als der schlaue Ratgeber, der angeblich doch nur das Beste für die Menschen will. Bis heute hat sich seine Masche bewährt, bei der er z.B. behauptet: Einmal ist doch keinmal! Ach, das merkt doch keiner! Alle anderen machen das doch auch!
Du kannst ja auch jederzeit damit aufhören!
Lass dir das doch nicht durch die Lappen gehen!

So und so ähnlich können die Sprüche sein, die der Versucher uns einflüstert. Das ist fast wie beim Rau-
chen: Probiere doch einfach mal aus, wie dich das entspannt, wie gut dir das tut! - Am Ende vom Lied bestimmt jedoch oft genug nicht der Mensch, wie es weitergeht, sondern die Sucht, von der er abhängig geworden ist. Der Humorist Mark Twain schildert das auf seine unnachahmliche Art, wenn er feststellt:
„Mit dem Rauchen aufzuhören ist die einfachste Sache der Welt. Ich habe das schon 100 mal geschafft…“

Den Schluss des heutigen Evangeliums bildet eine Belehrung Jesu, die an alle Zuhörer gerichtet ist, an die Jünger und an alle anderen: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“
So etwas hört man natürlich nicht gerade gerne. Sich selbst ver-
leugnen -
das klingt verdächtig nach schmerzhafter Aufopferung, nach blindem Gehorsam, nach jeder Menge Unangenehmem, vielleicht sogar nach einem frommen Leistungswettbewerb.
So ist es jedoch nicht gemeint. Sich verleugnen – das steht hier bei Jesus im direkten Zusammenhang mit der Nachfolge: Wenn du mir nachfolgen willst, sagt er, dann kannst du das unmöglich nach deiner eigenen Rezeptur hinkriegen, mit deinem eigenen Dickkopf.
Die Kreuze im Leben stehen für uns eben nicht da zur beliebigen Auswahl. Jeder „nehme sein Kreuz auf sich“, sagt Jesus. Bei der Nachfolge Jesu geht es eben nicht zu wie bei einer Party mit großem Büffet, wo man sich nach Lust und Laune einfach das leckerste Häppchen herauspicken kann. Nein, für Jünger Jesu gibt es keine Selbstbedienung. Auch das Leiden kannst du dir nicht aussuchen, und das ist sicher gut so. Jeder hat eben sein Kreuz, sein spezielles Kreuz.
Viele von uns haben sicher schon so ein Kreuz im Leben erfahren. Oft genug steht es ganz plötzlich vor einem, unerwartet groß und angsteinflößend. Nie im Leben hätte man sich gerade dieses Kreuz selber aus-
gesucht. Und auf der Schulter tragen und lange mit sich herumschleppen mag man es schon gar nicht. Diese Last drückt, und sie drückt um so mehr, je länger man daran trägt.
Jesus hat sich jedoch klar ausgedrückt: Wir sollen das auf uns zukommende Kreuz auf uns nehmen, wir sollen es hochwuchten und auf unsere Schulter packen. So trägt es sich noch am besten. Das kann man natürlich nur ertragen, wenn man sich nicht bei jedem neuen Meter des mühsamen Weges quälend fragt: Warum gerade ich? Warum muss das ausgerechnet mir passieren? Womit habe ich das bloß verdient? Ich habe mich doch immer redlich um ein Leben im Glauben bemüht…
Doch fast schon können wir es hören, was Jesus dazu vielleicht sagen würde: Es geht doch nicht um Leistun-
gen, es geht doch nicht um gute Geschäfte mit Gott, und es geht schon gar nicht darum, es besser als Gott wissen zu wollen. Sich selbst verleugnen – das heißt doch: nicht selber den Chef spielen wollen, nicht die eigenen Wünsche an die erste Stelle setzen. Dann wird das nämlich nichts mit der Nachfolge. Wer ständig danach Ausschau hält, wie man im Leben am ange-
nehmsten davonkommt, der kann einfach nicht hinter Jesus hergehen. Stattdessen gilt: Nur wer seine Augen auf Jesus richtet, der kann beim mühsamen Gang durch das irdische Leben und dessen Dunkelheiten Jesu Spur nicht verlieren.
Spätestens hier merken wir, wie sehr es hierbei auch um jeden von uns persönlich geht. Jesus ist da wie ein sehr guter Arzt: Er sagt dem
Kranken ganz klar, wie er sich in Zukunft verhalten soll, wie er mit seiner Lebens-
weise zur eigenen Gesundung beitragen kann.
Es gibt ihn hier nicht, den bequemen Fahrstuhl, der dich auf bloßen Knopfdruck schnell und mühelos in den Himmel bringt.
Die Wahrheit ist: Wer Jesus wirklich nachfolgen will, der wird auch das Kreuz erfahren. In den Augen dieser Welt und in den Augen des Satans ist das Kreuz eine Torheit. Man sollte es so schnell und energisch wie möglich abwerfen, wenn es sich auf uns legt, meint man. Leiden ist in dieser Welt, die auf den schönen Schein achtet, einfach nur ein ärgerlicher Störfaktor.
Am besten schiebt man es schnell auf Seite, damit man es nicht sehen muss, von finanzieller und seelischer Not, von kräftezehrender Krankheit bis zum Altersheim, vielleicht gar bis zum einsamen Sterben in irgendeinem abgetrennten Zimmer im Krankenhaus.
Jesusnachfolge sieht anders aus. Da werden nicht die Augen fest zugekniffen. Da wird die unangenehme Wahrheit nicht verdrängt. Jesus ruft uns allen zu, wie er Petrus zugerufen hat: „Geh hinter mich!“  Folge meiner Spur und nimm das Leid an!
Das heißt aber nicht, dass wir alles Leid bei uns, in un-
serer Umgebung und in der Welt einfach so geschehen lassen sollen. Da erinnert uns schon das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ daran, wie Jesus selbst das Leid zu mildern, wo immer dies möglich ist, und den leidenden Nächsten beizustehen.
Keine Sorge – Jesus überfordert niemanden! Die Nach-
folge, zu der er uns gerade am heutigen Sonntag so eindringlich aufruft, bedeutet nicht, sich als Christ rund um die Uhr und mit hängender Zunge von Leid zu Leid durcharbeiten zu müssen, bis wir selbst völlig erschöpft am Boden liegen. Wenn wir nur aufmerksam genug sind, werden wir schon erkennen, wo Leid und Kreuz auf uns warten. Es kommt vor allem darauf an, in die Fußstapfen Jesu zu treten und ihm zu folgen. Alles Weitere fügt sich dann.
Johannes Tauler, ein Prediger und Mystiker des 13. Jahrhunderts, hat es so auf den Punkt gebracht: Der Christ soll „im Vertrauen auf Gottes Führung bereit sein, die Zügel aus der Hand zu geben, um sich ganz von Gott an der Hand nehmen zu lassen.“


 
Predigt Pfr. Karl Sendker: „Halbzeitpause“
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Predigt P. Anton Gessler SVD
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Predigt Pfr. Josef Mohr
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Lesehilfe des Kath. Bibelwerkes (pdf)
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Geistlicher Abend zu Mk 8,27-35 (pdf)
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Meine Predigt zum Lesejahr A
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Einige schöne Fotos: Banyas (Cäsarea Philippi)
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Bibellexikon: „Satan“
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Predigt: „Gelassenheit lernen“ (u.a. Bezug zu Johannes Tauler)  >> BITTE KLICKEN !

 



Der neue Mensch: Seufzend sagt der Bischof zu einem Pfarrer, der leider zu viel trinkt: "Lieber Bruder, geh in dich, leg den alten Menschen ab und zieh den Neuen an, wie Paulus mahnt!"

Einige Zeit später trifft er den armen Pfarrer wieder,
aber der hat schon wieder eine beachtliche Fahne.
Der Bischof runzelt die Stirne: "Warum hast du nicht getan, was ich dir gesagt habe?"  - Aber der Pfarrer erwidert: "Doch, doch, Herr Bischof, das habe ich!
Nur leider – der neue Mensch trinkt auch!"


Verpasst: Natürlich kommt das nur ganz, ganz selten vor, aber auch unter Geistlichen soll es angeblich so etwas wie Angeberei, Eifersucht und Missgunst geben. Ein Priester, der sehr von seinen Fähigkeiten als Predi-
ger überzeugt ist, fragt einen Mitbruder: „Und? Haben Sie meine letzte Predigt gehört?" -
"Ach! Wenn ich gewusst hätte, dass es Ihre letzte Predigt war, wäre ich natürlich gerne gekommen",
ist die schlagfertige Antwort.


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Die heutigen Predigtgedanken können Sie auch per E-Mail von mir beziehen oder selbst herunterladen
(der Link funktioniert bis mindestens 1.11.2012):

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