26.11.2012

Predigt 1. Adventssonntag C -- 02.12.2012

(Fortsetzung) 
 Advent – da denken wir doch in erster Linie gerne an den Advents-
kranz, an Licht in dunkler Zeit, wir denken vielleicht an Glühwein und Plätzchenduft,
an geschmückte Straßen und Häuser und sicher auch immer häufiger und dringlicher an all die zu leistenden Vorbereitungen für das bevorstehende Weihnachtsfest, wie z.B.: Für wen muss ein Geschenk besorgt werden? - Wen darf man bei der Weihnachtspost auf keinen Fall vergessen? - Sind auch alle Termine der mehr oder weniger adventlichen Feiern richtig notiert? - Was gibt es dieses Jahr als Festessen und wer besucht wen an welchem Tag?

So oder so ähnlich spukt es jetzt in den meisten Köpfen herum. Die alljährlich vorweihnachtliche Routine hat uns eben fest im Griff. Wenn man da nicht aufpasst, ist man auch bald gefangen in solch einem Denken, in der all-
täglichen und alljährlichen Wiederkehr von Tätigkeiten, von Planungen, von Verpflichtungen. Es ist wie bei dem berühmten Sketch, der an Silvester immer läuft. Bei „Dinner for One“ gibt es jedes Jahr die absolut genau gleiche Prozedur. Eben „alle Jahre wieder“, wie es so treffend auch in einem Weihnachtslied heißt.
Da wird heute im Gottesdienst unsere Routine aber erheblich gestört! Biblische Ruhestörung sozusagen. Jesus wendet sich mit dem heutigen Evangelium ausdrücklich an Menschen, die ihm nachfolgen, an seine Jünger und damit auch an uns, die wir ihm als Christen heutzutage ebenfalls folgen wollen.
Zuerst schildert der Evangelist Lukas die vielfältigen Zeichen der kommenden Endzeit vor der Wieder-
kehr des Herrn. Diese Zeichen sind nicht nur unübersehbar, sondern einfach furchterregend, ohne dass sie im Evangelium im Detail ausgemalt werden. Im Text heißt es aber: „Die Menschen werden vor Angst vergehen“. - Noch wörtlicher übersetzt würde die Bibelstelle lauten: ihnen geht der Atem weg, ihnen geht die Luft aus. Die Ereignisse sind also so schrecklich, dass den meisten Menschen glatt die Spucke wegbleibt. Sie können kaum noch Luft holen, sie sind mit den Nerven völlig am Ende. Sie stehen total unter Schock. Das hatten sie so nicht erwartet, das wirklich nicht. Damit hatten sie einfach nicht gerechnet. Das Ende der Welt, das war rein theoretisch schon klar, aber dass es gerade jetzt kommt…
Das Evangelium hat gottlob noch einen zweiten Teil, wie Sie wissen. Er beginnt mit einer Dienstanweisung Jesu: „Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter…“, heißt es da ganz präzise. Diejenigen, die an Jesus glauben und ihm nachfolgen, bekommen hier Verhaltensregeln für diese Situation mit auf den Weg. Der Weltuntergang und die Wiederkehr des Herrn „mit großer Macht und Herrlichkeit“ sind also nichts, wo Christen sich abducken müssten. Es gilt für sie eben nicht das Motto: Kopf in den Sand, bloß nichts sehen, nichts hören. - Nein, Christen brauchen nicht auf Tauchstation zu gehen, wenn es so weit ist. Sie gehören nicht zu denen, die dann vor Angst erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange.
Ganz im Gegenteil: Die Christen haben sich darauf vorbereitet. Sie wissen schließlich, dass dies irgend-
wann so kommen wird. Ihr ganzes Leben ist eigentlich so etwas wie eine Vorbereitungszeit. So wie die Sportler sich jahrelang auf ihre Teilnahme bei den
Olympischen Spielen vorbereiten und dafür fleißig und ausdauernd trainieren, so bereiten die Christen sich ihr Leben lang auf das Kommen des Herrn und den Tag des Gerichtes vor. Wenn dieser Tag, wenn diese Stunde dann da ist, dann sind sie also keineswegs überrascht. Der Herr selbst hat es doch angekündigt. Wie könnte man das nur überhören?
Die Christen richten sich auf und erheben ihre Häupter, wie der Herr es ihnen gesagt hat. Erhobenen Hauptes und standhaft im Glauben können und dürfen sie auf das Wiederkommen des Herrn warten. Das Ende dieser Welt mit all ihrem Schmerz und all ihren kleinen und großen Katastrophen ist für die Christen kein schreck-
liches Ende. Sie können vielmehr voller Freude sagen: Ende gut, alles gut!
Dies sagt das heutige Evangelium auch in der Begründung, warum die Christen erhobenen Hauptes das Ende erwarten dürfen. Der Satz endet nämlich mit der Erklärung: „…denn eure Erlösung ist nahe“. Da wird also kein sinnloses Chaos stattfinden, kein kosmischer Blutrausch, der alles Leben vollkommen auslöschen will!
All das läuft vielmehr auf ein vorher bestimmtes Ziel hinaus: auf das machtvolle Erscheinen von Jesus Christus. Dessen Gericht muss sich jeder Mensch stellen. Da gibt es kein Austricksen, keine Gesetzes-
lücke, keine Steuer-Oase und auch kein ärztliches Attest.
Erhebt eure Häupter! Kopf hoch! Aber nehmt euch in acht!
Im Evangelium heißt es: „Nehmt euch in acht, daß Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren…“
Da sehen wir mal wieder, wie gut doch die Menschenkenntnis der Bibel ist! Auch wir Christen sind nicht davor gefeit, uns in der Routine des Alltags-
betriebes zu verfangen. Auch wir Christen sind immer wieder in der Gefahr, uns einzunebeln oder einnebeln zu lassen, sei es durch Alkohol oder andere Rausch-
mittel oder sei es einfach durch die vielen Sorgen und Probleme des Alltags. - Die Bibel weiß, wie gefährdet wir da sind. Es gibt ja sooo viele wichtige Dinge, die unbedingt noch erledigt werden müssen.
Und gerade vor Weihnachten, da gibt es sooo viel zu bedenken, zu planen. Da hat man den Kopf wirklich voll, wobei das kirchliche Bodenpersonal nicht ausgenom-
men ist, das im Advent oft genug im schnellsten Galopp von Besinnung zu Besinnung eilt.


 
Das heutige Evangelium sagt aber nicht nur, was wir nicht tun sollen, sondern es verrät uns auch, wie wir uns am besten auf das Kommen des Herrn vorbereiten können. Hören wir es noch einmal genau hin: „Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.“
Na, wunderbar! - So mag mancher jetzt denken. Wachen und beten, und das allezeit… Vielleicht fällt dem einen oder anderen dabei sogar der Dienstmann Alois ein, der als Münchner im Himmel nach festgelegter Ordnung frohlocken und „Hosianna“ singen sollte. Dies missfällt ihm jedoch auf’s Äußerste, und so wird er schließlich als untauglich für den Himmel wieder auf die Erde zurückgeschickt…

Wachen und beten. Wie soll ich das denn schaffen? Das ist ja wohl eher etwas für die Fachleute, die das gelernt haben und auch die nötige Zeit dafür haben, also
z.B. die Mönche und Nonnen in den Klöstern! -- Solch ein entmutigender Gedanke kann manch einem schon kommen. Ich und wachen! Ich und beten!
Ich habe ja schon Mühe genug , dem Gottesdienst konzentriert zu folgen! – Wie soll ich denn dann erst solch eine gewaltige Anforderung bewältigen?
Und schon fühlt man sich unter riesigem religiösen Leistungsdruck!
Gleichzeitig will man den Appell Jesu am liebsten möglichst schnell für sich beiseite schieben und ver-
drängen: Das kannst du vergessen, Jesus! Ich schaffe das einfach nicht. Das ist wie mit einer Diät. Bei mir ist das Umfallen und Versagen schon garantiert, da habe ich noch überhaupt nicht angefangen. Das macht wirklich keinen Spaß!

Diese Reaktion ist auf den ersten Blick nur allzu verständlich. Wer von uns ist schon so ein frommer Super-Athlet?! Doch Vorsicht – vielleicht liegt da ein grundsätzliches Missverständnis vor, wenn man gleich von schweißtreibender Schwerstarbeit ausgeht.
„Wacht und betet allezeit…“ – Vielleicht ist damit gar nicht eine religiöse Schinderei gemeint, die uns die letzte Kraft raubt.
Niemand, kein Mensch, kann ununterbrochen wachen. Niemand kann tage- und nächtelang rund um die Uhr und ohne jede Unterbrechung Ge-
bete sprechen. Irgendwann, früher oder später, kippt da jeder um, und im schlimmsten Falle ist man kranken-
hausreif oder gar tot.
Die Angelegenheit ist also doch etwas komplizierter. Versuchen wir es mal mit einem Vergleich. Sicher kennen Sie eine Person, an der Ihr Herz hängt. Das kann der geliebte Ehepartner sein, ein Kind oder Enkelkind – da gibt es viele Möglichkeiten. Und ganz und gar und bis über beide Ohren verliebt waren die meisten auch schon mal. Wie schrecklich ist es dann, wenn man für längere Zeit oder gar für immer von einem so geliebten Menschen Abschied nehmen muss, wenn man sich also trennen muss! Und wie schnell fließen
die Tränen, wenn man einen geliebten Menschen nach langer Zeit, die einem fast unendlich vorkam, wieder in die Arme schließen darf…!
Immer denkt man an die geliebte Person, sie geht einem gar nicht aus dem Sinn! Manchmal ist das sogar so heftig, dass man sich deswegen kaum noch auf andere Dinge konzentrieren kann. Es kann sein, dass man z.B. als heftig Verliebter kaum noch essen und schlafen kann, so sehr ist man in Gedanken bei diesem Menschen!
„Wacht und betet allezeit…!“ – Wie selbstverständlich und geradezu federleicht ist das, aus den Augen des unsterblich Verliebten betrachtet. So wie man sich wohl kaum zwingen muss, jetzt und gleich nur ja an den geliebten Menschen zu denken, so wenig ist es Arbeit oder Mühe, wach zu sein und an Gott zu denken!
So wie man ganz selbstverständlich alles daran setzt, mit einem gelieb-
ten Menschen in ständigem Kon-
takt zu bleiben, heute auch gerne mit Handy und vielen getippten SMS-Nachrichten, so ist das eigentlich auch mit dem Beten gemeint. Wer sich der Liebe Gottes wirklich öffnet und sich dessen Liebe tagtäglich bewusst ist, der verliebt sich gewissermaßen auch in Gott.
Es ist dann fast schon so wie mit dem Atmen. Da musst du dir ja auch nicht ständig einreden: So, jetzt einatmen! So, jetzt ausatmen! – Du machst es einfach. Mit jedem Atemzug kannst du sogar innerlich mitbeten, z.B. das kurze „Herr, erbarme dich!“ oder Ähnliches.
Jetzt ist Advent. Jetzt ist die Zeit, sich besonders auf die Ankunft des Herrn vorzubereiten. „Wachet und betet allezeit!“, sagt Jesus zu uns. So bittet er uns um die Erwiderung seiner unfassbar großen Liebe. Seien wir
in Gedanken möglichst oft bei ihm, dem wirklich lieben Gott. Und für die Sparfüchse unter Ihnen: Sie wissen ja - es kostet uns noch nicht einmal Telefongebühren – wir Christen haben da auch eine „Flatrate“ … 



 

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           Vorbereitung
Auf einer Halbinsel an einem italienischen See liegt ein großes Anwesen mit einer herrlichen alten Villa. Nur der Gärtner lebt dort jahrein und jahraus ganz allein und pflegt alles offensichtlich ganz prächtig.
Als ihn einer der ganz wenigen Spaziergänger am Zaun des Parks antrifft, kann er seine Frage nicht unterdrücken: „Sagen Sie mal, wie lange sind Sie eigentlich schon hier?“
Der Gärtner rechnet nicht lange: „28 Jahre.“
„Aber ich habe die Besitzer noch nie zu Gesicht bekommen. Wann waren die denn das letzte Mal hier?“
Auch diesmal braucht der Gärtner nicht lange nachzu-
rechnen. Sofort kommt seine präzise Antwort: „Vor 12 Jahren, mein Herr!“
Das erstaunt den Frager noch mehr, und er meint anerkennend: „Wie es scheint, haben Sie aber alles so gut in Ordnung gehalten, dass die Herrschaften morgen hier einziehen könnten…“
Der Gärtner lächelt ein wenig und meint nur: „Heute, mein Herr, heute!“
So wie dieser Gärtner mit seiner Herrschaft rechnet,
so möchte ich auf die Wiederkehr des Herrn warten können.    (Quelle: mir leider nicht bekannt)

 
Die Religionslehrerin will das Thema „Gebet“ elegant beginnen: „Was tut ihr zu Hause vor dem Essen?“, fragt sie die Kinder.
„Wir waschen uns die Hände“, ist die einzige Antwort.
„Naja, das ist richtig. Aber was ist noch viel wichtiger?“
Keiner weiß darauf eine Antwort, so muss sie etwas nachhelfen: „Was sagt denn dein Vater, wenn er sich
an den Tisch setzt?“
Da meldet sich Simon und verkündet: „Was, schon wieder Eintopf?“


„Bist du wahnsinnig geworden, auf einen Jogger zu schießen?!“, schimpft ein Jäger mit seinem Kollegen auf dem Hochsitz. „Wieso denn Jogger?“, grinst der, „auf seinem T-Shirt steht doch Reebok…!“

Große Trauer im Bischöflichen Ordinariat. Ein Abtei-
lungsleiter ist plötzlich verstorben. Natürlich ist dies auch noch nach Tagen Gesprächsthema Nr. 1 im Hause. Eine Angestellte meint zu ihrem Kollegen: „Ist schon traurig, dass er so früh von uns gegangen ist.“ – „Ja“, meint der, „aber ich frage mich die ganze Zeit, wer da eigentlich zusammen mit ihm gestorben ist!?“ – „Wieso denn mit ihm?“ – „Na, in der Todesanzeige
stand doch: Mit ihm verstarb einer unserer fähigsten Mitarbeiter…!“

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Die heutige Predigt sowie die Kurzfassung können Sie per E-Mail bei mir anfordern oder selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.2.2013):
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