20.11.2012

Predigt 34. Sonntag im Jahreskreis B -- 25.11.2012

In dieser ständig unruhigen Region des römischen Reiches ist die La-
ge ohnehin angespannt.Immer wie-
der tauchen aus den Reihen der Juden Führerpersönlichkeiten auf, die eine Bedrohung darstellen könnten. Der römische Geschichts-
schreiber Flavius Josephus berichtet wörtlich von mehreren „Räuberkönigen“ in Israel, die Aufstände angezettelt hatten. Sie alle mussten von den Römern - koste es, was es wolle -  gefunden, gefangen und gekreuzigt werden.
Unter allen Umständen sollte Ruhe im römischen Ein-
flussbereich herrschen, gab es doch ohnehin genügend Brandherde vom fernen Germanien bis hierher. Doch diese Ruhe war in den Provinzen Israels nicht nur im Interesse der römischen Besetzer, sondern auch im Interesse etlicher religiöser Würdenträger der Juden.
Aus vielen Bibelstellen wissen wir, wie misstrauisch auch sie beobachteten, wieviel Zuspruch Jesus im Volk fand. Nicht nur die Tempelreinigung Jesu steckte ihnen als Schrecken noch in den Knochen. Aus ihrer Sicht war Jesus mit seinem Eifer nichts anderes als geschäfts-
schädigend. Und wenn er damit weitermachte, ihre religiöse Heuchelei beim Namen zu nennen, war ihre ganze privilegierte Stellung in Gefahr.
So war es nur eine Frage der Zeit, bis die römische Staatsmacht und ein Teil der religiösen Elite der Juden einige gemeinsame Interessen entdeckten. Eine der Folgen davon war die Gefangennahme Jesu.
Nun ist es im Evangelium so weit: Jesus steht  vor Pontius Pilatus. Ein Gefangener, der zum Tode verurteilt werden soll. Er soll rasch aus  dem Weg geräumt werden. Doch dafür braucht man Pontius Pilatus. Todesurteile sind allein seine Sache.
Als angeblicher Messias strebe dieser Jesus nach der Macht im Lande, heißt es jetzt. Ein gefährlicher Auf-
rührer also. Schon sein Einzug in Jerusalem war ein einziger Triumphzug, so wie das Volk ihm zujubelte! -   Das Volk, das waren leidende und unterdrückte Men-
schen, die auf einen Messias warteten, der sie aus der Hand der Römer befreite und außerdem immer für genug Brot sorgte. Jesus selbst hatte natürlich nie ge-
sagt, König von Israel werden zu wollen.
Nun steht Jesus also da, Auge in Auge mit Pontius Pilatus, dem mächtigen und mit allen Wassern ge-
waschenen Politiker. Gewissermaßen findet jetzt ein Spitzengespräch statt, auf der einen Seite der brutale Vertreter der waffenstarrenden Macht der Besetzer, auf der anderen der gewaltlose berühmte Rabbi, der für so viel Wirbel sorgt.
Pontius Pilatus ist das Ganze wahrscheinlich sowieso sehr lästig; am liebsten sollten die Juden ihre Querelen untereinander austragen.
Der Zeitpunkt kommt ihm auch ungelegen, denn kurz vor dem Paschafest ist die Stadt proppevoll mit Pilgern, und vielleicht auch wieder mal mit irgendwelchen Heiß-
spornen und Störenfrieden. Da heißt es jetzt besonders aufpassen und die Lage genau beobachten!
Zu allem Überfluss für Pontius Pilatus ist auch noch sein einflussreicher Freund und Förderer Sejan in Rom wegen eines Putschversuchs gegen Kaiser Tiberius hingerichtet worden. Der Machtpolitiker Pilatus weiß, dass er sich jetzt keinen Fehler erlauben darf, sonst ist auch sein  eigenes Ende gekommen.
Pontius Pilatus kommt bei Jesus gleich zur Sache. Er will die ganze Angelegenheit so schnell wie möglich vom Tisch haben, er will nicht lange herumfackeln. Seine Frage ist so knapp wie irgend möglich: „Bist du der König der Juden?“ - Was für eine Frage ist denn das, wenn sie aus seinem Munde kommt?! 
Ein König, das ist für ihn doch einer, der ohne mit der Wimper zu zucken alles durchsetzt, was ihm gerade nützlich erscheint.
Ein König, das ist ein Machthaber, also einer, der die Macht hat und  sie fest umklammert hält, damit sie ihm niemand mehr entreißen kann.
Und vor allem ist ein König einer, der auch über genügend folgsame Untergebene und Soldaten verfügt, um seinen Ansichten stets den  nötigen Nachdruck zu verleihen.
Natürlich weiß Pontius Pilatus, dass der Mann, der da vor ihm steht, alles das nicht ist und nicht sein will. Aber er ist nun mal angeklagt, König sein zu wollen. Das wäre dann natürlich nicht nur Majestätsbeleidigung, sondern Aufruhr und Volksverhetzung.
Als Jesus zurückfragt, woher Pilatus das denn wisse, nennt Pilatus sofort Ross und Reiter: Deine eigenen jüdischen Leute waren es, die das behaupten. Und er signalisiert sofort, dass er das Ganze ohnehin nicht versteht: „Bin ich denn ein Jude?“ -  Das soll heißen: Frage mich bitte nicht, ich verstehe sowieso nicht, was denn jetzt schon wieder bei euch Juden los ist.
Jesus versucht dennoch, Pilatus auf die richtige Spur zu führen, indem er antwortet: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.“
Jesus bestätigt es hier ausdrücklich: Ja, ich bin ein König!  -Doch seine gleich doppelt angefügte Erklärung lässt keinen Zweifel aufkommen: Das ist nicht ein Königtum, wie Pontius Pilatus es sich vorstellt. Manchmal sagt man das heute schon mal über jemand: „Der ist wohl nicht von dieser Welt!“ – Damit will man ausdrücken, dass ein solch edles und fast naives Verhalten nicht in unsere harte Wirklichkeit passt.
Nicht von dieser Welt, das heißt hier aber: Jesu Königtum ist kein Königtum, wie viele Menschen es in dieser Welt ertragen und erleiden mussten: ein Königtum der Gewalt, der Intrigen, der bösen Machtspielchen, der Ausbeutung und Ungerechtigkeit. „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“, sagt dagegen Jesus.  - Ob Pilatus so etwas überhaupt versteht?
Ganz verdutzt fragt er noch einmal nach: „Also bist du doch ein König?“ - Jesus bestätigt es ihm ausdrücklich und fügt an: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“
Jetzt wird es dann doch für den Machtmenschen Pontius Pilatus endgültig zu kompliziert. Ein König, der gekommen ist, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Was soll man denn dazu sagen?
Seine Reaktion ist auch dementsprechend, steht aber leider nicht mehr im heutigen Evangelium, sondern direkt anschließend. Pilatus entgegnet Jesus nämlich: „Was ist Wahrheit?“  – Und dann verlässt Pilatus einfach den Raum. Das Gespräch ist damit beendet.
Was ist schon die Wahrheit? – So wie Pontius Pilatus denken auch heute die meisten Menschen. Das ist doch alles relativ. Da hat doch jeder so seine eigene Sicht der Dinge. Soll doch einfach jeder so leben, wie er will, so lange er die anderen in Ruhe lässt. Das ist doch wie beim Essen, da hat eben jeder so seinen eigenen Geschmack… 
Also heißt heute die Devise: leben und leben lassen. Es muss doch jeder selber wissen, was er tut. Da mischen wir uns nicht ein. Das geht uns eigentlich nichts an.
Das ist allerdings nicht die Haltung Christi und der Christen. Jesus sagt an anderer Stelle von sich: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6)
Diese Wahrheit heißt eben auch, dass es nicht nur die vielen Könige, Mächtigen und Herrscher dieser Welt gibt. Diese Wahrheit heißt auch, dass eben aus christlicher Sicht nicht jeder munter drauflos leben kann, wie er gerade will. Da gibt es nämlich so etwas, dass sich Gebote Gottes nennt. Unsere menschliche Ungerechtigkeit und all das Böse haben eben nicht das letzte Wort. Gott wird eben nicht zu allem Ja und Amen sagen oder wie beim Computer flott mal für uns die „ENTER“-Taste drücken.
Jesus ist gekommen, um für die wirkliche Wahrheit Zeugnis abzulegen. Die Wahrheit – das ist die Wahrheit Gottes, die im ganzen Universum gilt. In der ara-
mäischen Sprache, die auch Jesus sprach, steht für „Wahrheit“  übrigens das Wort
„emuna“, und das heißt wörtlich übersetzt nicht nur „Wahrheit“, sondern auch „Treue“.
Gott ist die Treue, er steht zu seinem Wort. Die Bibel ist voll von Beispielen, wie Gott seine Zusagen einhält. Als Stichworte sollen hier nur Abraham oder David genü-
gen. Die größere Wahrheit Gottes ist, dass es nicht nur die Könige und Mächtigen dieser Welt gibt. Der eigent-
liche König und Herr ist Gott selbst. Das ist eine wirklich frohe Botschaft, denn der wirkliche Herrscher ist kein Herrscher, der sich seine goldene Krone polieren lässt. Der wahre König hat stattdessen die Erniedrigung und den Schmerz der Dornenkrone für uns auf sich genom-
men. Der wirkliche König ist so groß, dass er sich ganz klein machen kann, und auch so klein, dass er in einem zugigen Stall als Menschensohn geboren wird. So klein, dass er sich vor seine Jünger hinhockt und ihnen ihre staubigen Füsse wäscht. So klein, dass er uns alle an seiner Königswürde teilhaben und in der Taufe Kinder Gottes werden lassen will.
Ja, das ist wirklich ein König! – Dieser König sieht es als seine wichtigste Aufgabe an, Recht zu sprechen in seinem Reich. Den Armen, den Benach-
teiligten, den Unter-
drückten wird er zu ihrem Recht verhelfen. Na, wenn das kein krönender Abschluss des Kirchenjahres ist! – Doch auch den letzten Satz des heutigen Evangeliums sollte man nicht übersehen. Er heißt: „Jeder, der aus der Wahrheit ist,
hört auf meine Stimme.“
Die Wahrheit Gottes ist nicht einfach nur da. Die Wahrheit Gottes will auf Erden auch angewendet und verbreitet werden. Sie will nicht nur geglaubt, sondern vor allem auch getan werden.
So sagt es Jesus auch dem Ratsherrn Nikodemus: „Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht.“   (Joh 3,21) Die Wahrheit tun, also nach der Wahrheit des wahren Königs leben, dazu sind wir aufgerufen. Christus ist der eigentliche König. Ihn sollen wir hören. Ihm sollen wir
ge - hören. Ob jemand in seinem Leben auf der Seite des wahren Königs steht oder nicht, das zeigt sich.
Ob jemand  aus der Wahrheit lebt, das zeigt sich.
Solche Menschen hören auf seine Stimme, sagt Jesus. Sie hören, was er sagt, und sie folgen ihm, ihrem König. - Prüfen wir auch uns immer wieder: Lebe ich wirklich so, dass ich meinem König treu folge?


Predigt P. Martin Löwenstein SJ
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Predigt Dr. Nikolaus Wandinger
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Dr. Jörg Sieger: Pontius Pilatus und andere Statthalter  
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Ein augenzwinkernder Test: Welcher Adventstyp sind Sie ? (pdf)  >> BITTE KLICKEN !
Das Teekesselchen-Spiel  >> BITTE KLICKEN !            


Mit über einer Stunde Verspätung kommt Hans im Büro an. Der linke Arm ist in einen dicken Verband einge-
wickelt. „Tut mir leid, Chef“, meint er entschuldigend, „aber ich bin gestolpert und hingefallen…“ – Der unterbricht ihn barsch und meint nur: „Na und? Das dauert doch keine ganze Stunde…!“

Richter zum Angeklagten: „Wissen sie, was Sie hierher geführt hat?“ Angeklagter ernst: „Mein starker Glaube, Herr Richter!“ –
„Ihr Glaube??“ – „Aber ja, ich habe ganz fest geglaubt, dass die Bank keine Alarmanlage hat...!“

Ein Mann gibt seine Einkommenssteuer-Erklärung persönlich ab. Der Finanzbeamte lässt ihn Platz nehmen, bittet aber noch um einen Moment Geduld und schaut dann minutenlang auf den Bildschirm seines Computers. Irgendwann wird der Steuerzahler doch etwas ungeduldig. Er versucht es einigermaßen höflich, zeigt auf die Blumen auf der Fensterbank und meint ganz trocken: „Das soll ja ziemlich ungesund sein…!“ -
Was denn bloß?“, schaut der Finanzbeamte missmutig hoch.  – „Na, Blumen im Schlafzimmer…“


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