(Fortsetzung)

Es ist die letzte Station vor seinem Leiden und Sterben. Die ständigen Auseinandersetzungen mit Schriftgelehrten und Pharisäern haben Jesus große Enttäuschungen bereitet. Immer wieder haben sie ihm Steine in den Weg gelegt. Richtige Paragraphenreiter sind die meisten von ihnen, denen die Botschaft Jesu sehr missfällt. Allein schon
die Tatsache, wie Jesus mit dem Sabbatgebot umgeht, macht ihn in ihren Augen zum Gotteslästerer.
Jesus seinerseits warnt die Menschen immer wieder vor solchen frommen Scheinheiligen, die anderen Wasser predigen und selber aber nur Wein trinken. Die Men-
schen hören ihm sehr aufmerksam zu, wenn er den Schriftgelehrten z.B. vorhält, dass sie ständig in ihren langen Gewändern umhergehen, um nur ja von jedem erkannt und gegrüßt zu werden. Sie sorgen schon dafür, dass sie selbst nirgendwo zu kurz kommen.
Sogar vor den Witwen, den Ärmsten der Armen, machen sie nicht Halt. Anstatt diesen beizustehen und ihnen bei Auseinandersetzungen zu ihrem Recht zu verhelfen, nutzen sie diese aus und kassieren oft genug als Lohn für ihre Beratungstätigkeit noch deren einfache Häuser, den einzigen Besitz. Dann stehen diese Frauen buchstäblich auf der Straße. Die Einheitsübersetzung formuliert es fast zurückhaltend: „Sie bringen Witwen um ihre Häuser…“ – Bei wörtlicher Übersetzung dieser Stelle erkennt man noch besser ihre Gier. Es heißt dort eigentlich: „Sie fressen die Häuser der Witwen…“ – Ja, wer arm ist, der ist wirklich arm dran!
Solche Schriftgelehrten sind nur Schauspieler, denn sie machen ihren Mitmenschen etwas vor. Sie spielen from-
mes Theater. Ihr Herz hängt in Wahrheit am eigenen Geldbeutel und ihrem Ansehen, aber nicht an Gott. Jesus macht keinen Hehl daraus, dass Gott sie dafür zur Rechenschaft ziehen wird.
Doch heute, kurz vor seinem Leiden, darf Jesus auch das genaue Gegenteil eines solchen heuch-lerischen Verhaltens erleben, wie uns das Evangelium schildert. Jesus ist mit seinen Jüngern im Vorhof der Frauen eingetroffen. Dort setzt er sich irgendwo in der Nähe der Opferkästen nieder und sieht dem Treiben eine ganze Weile zu. Dreizehn verschiedene Opferkästen stehen dort, je nach dem vorgesehenen Verwendungszweck. Es ist Ehrensache für jeden Juden, mindestens den Zehnten seiner Einkünfte zu spenden. Die Spenden werden nicht nur für soziale Zwecke verwendet, sondern auch für den teuren Tempelbetrieb, für die Priester, für goldene Gefäße und den Erhalt der Bau-Substanz.
Am Tempel war nämlich in unglaublich großen Mengen echtes Gold verarbeitet worden, denn dieses so prächtige Haus Gottes sollte verstehen helfen, wie prächtig und herrlich Gott selbst ist.
Die frommen Besucher kommen in einer Reihe nach und nach zu den Priestern nach vorne, die an den Opferkästen gerade Dienst tun. Aus den Spenden wird keine Geheimniskrämerei gemacht, ganz im Gegenteil: Man tritt an den Priester heran und gibt ihm vor den Augen der anderen demonstrativ das Geld. Nun fragt der Priester laut und deutlich hörbar, wofür der Betrag verwendet werden soll. Ebenso laut und deutlich hat man dann zu antworten. Danach prüft der Priester das Geld, ob es überhaupt im Tempel zugelassenes Geld ist, wiederholt laut die Summe, und erst dann darf es in den passenden Kasten eingeworfen werden. Sicher motiviert die Öffentlichkeit und Unüberhörbarkeit dieses Vorgangs manch einen zu einer besonders großzügigen Gabe - also gar nicht ungeschickt gemacht, das Ganze, fast schon wie im Fernsehen.
Wie schon bei der eingangs erwähnten Wohltätigkeits-Gala unserer Zeit gibt es auch hier im Tempel schon besonders große Spenden. In diesem Falle wird der edle Spender besonders gewürdigt, indem seine Tat im Tempel hinaus-posaunt wird, und zwar im wahrs-
ten Sinne des Wortes. Auf ein Zeichen des Priesters hin ertönen durchdringend die sogenannten Schofar-Hörner, und die Summe wird im Beisein des Spenders lautstark ausgerufen.
Jesus betrachtet sich dieses Schauspiel und staunt sicher nicht schlecht über die anerkennenswerte Großzügigkeit mancher Reicher, die sich wirklich nicht lumpen lassen. Allerdings weiß Jesus auch, dass diesen Leuten ihr Opfer nicht wirklich wehtut und ihnen wohl kaum eine schlaflose Nacht bereiten wird. Sie geben gerne, aber sie geben wohldosiert, sie geben von ihrem Überfluss so viel ab, wie sie Gott eben zugestehen wollen.
Doch dann geschieht vor den Augen Jesu das Unerwartete, das Unfass-bare. Eine arme Witwe, an ihrer schwarzen Ziegenfellkleidung sofort erkennbar, tritt jetzt heran und wirft nach der üblichen Prozedur zwei kleine Münzen in den sogenannten Gotteskasten, das ist ein Opferkasten für Spenden, die nur dem Schmuck des Tempels dienen sollen.
Das Gesicht des diensthabenden Priesters können wir uns sicher lebhaft vorstellen, als er die bescheidene Spende dieser Frau begutachtet. Zwei der allerkleinsten Münzen gibt sie. Erst 128 dieser sogenannten Lepta ergeben einen üblichen Tageslohn von einem Denar. Die Frau spendet also noch nicht einmal den Gegenwert von einer Viertelstunde Hilfsarbeiterlohn, aber für den Kauf einer kleinen Portion Mehl für eine bescheidene Mahlzeit würde es ihr gerade reichen.
Jesus nimmt keinen Kontakt zu der Frau auf, sondern lässt sie gewähren. So wissen wir allerdings auch nicht, wie sie heißt. Wir wissen auch nicht, ob sie vielleicht sogar noch Kinder zu versorgen hat. Was wir aber wissen, ist die schlimme Lage, in der Witwen sich zur Zeit Jesu oft befinden. Sie stehen zwar nach dem Gesetz unter besonderem Schutz, aber wir haben ja schon am Beispiel der scheinheiligen Schriftgelehrten erfahren müssen, wie in etwa mit ihnen umgesprungen wird. Sie haben nicht nur ihren Mann und den Ernährer der Familie verloren, sondern auch ihre Stellung innerhalb der Gemeinschaft. Wenn sich ihr Schwager nicht ihrer annimmt, ist die Frau schutz- und hilflos.
Diese arme Frau geht mit einer Entschlusskraft zum Opferkasten, die andere nur beschämen kann. Es macht ihr nichts aus, falls wegen der mickrigen Summe dumme Bemerkungen fallen sollten. Sie ist ganz auf diesen Moment konzentriert. Mühsam hat sie die kleine Summe zusammengekratzt, und nun bringt sie diese Gabe sofort zu Gott.
Es scheint ihr das Selbstverständlichste der Welt zu sein, so zu handeln.
Jesus ist von dieser Frau so tief beeindruckt, dass er seine Jünger sofort zusam-menruft. Sie haben ihre Augen überall, aber diese Szene haben sie offenbar gar nicht so recht bemerkt. Jesus muss sie erst wachrütteln, indem er sie in feier-
lichem Ton belehrt: „Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluß hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.“
Wir merken, wie nahe dieses Erlebnis Jesus geht. Diese arme Frau hat ihn wirklich verstanden, ohne jemals mit ihm gesprochen zu haben. Diese arme Frau kalkuliert nicht und rechnet nicht, denn sonst hätte sie genauso gut auch nur eine der beiden Münzen opfern können. Selbst das wäre für sie ein riesiges, existenzielles Opfer gewesen. Für den Opferkasten macht es auch keinen großen Unterschied, ob nun eine oder zwei dieser winzigen Münzen in ihm landen.
Dann hätte sie aber wenigstens noch einen ganz klitzekleinen Notgroschen für ein paar Esslöffel Mehl, einfach so zur letzten Sicherheit, falls Gott sie ausnahmsweise doch mal vergessen sollte.
Nein, diese Frau geht ganz selbstverständlich auf’s Ganze. Für sie gibt es, was Gott betrifft, keine halben Sachen. Gott hat ihr das Leben gegeben, und er hält sie nach ihrer Erfahrung auch weiterhin am Leben, Tag für Tag immer wieder neu. Es ist wahrlich kein üppiges Leben, aber diese Witwe fühlt sich ganz in Gottes guter Hand aufgehoben. Diese arme Frau ist also keineswegs so allein, wie es den Anschein hat. Bis hierhin hat mich Gott geführt, mag sie denken, also wird er mich auch weiterhin führen. Auf ihn kann ich mich ganz und gar verlassen. Ihn will ich lieben mit meinem ganzen Herzen und mit ganzer Seele, mit all meinen Gedanken und mit all meiner Kraft (vgl. Mk 12,28-30). Deshalb brauche ich mir nicht ständig den Kopf zu zerbrechen, was der morgige Tag mir bescheren wird. Alles auf dieser Erde und in meinem Leben gehört sowieso Gott; da kann ich getrost die ständigen Sorgen loslassen und mich ganz auf Gott verlassen, wie das die Vögel des Himmels
auch tun.
Jesus sieht es sofort: Diese Frau hat das größte der Zehn Gebote wirklich ganz verstanden, mehr als jeder ach so schriftgelehrte Experte dieser Welt. Sie gibt Gott nicht nur den kleinen Finger, nein, diese arme Witwe gibt Gott die ganze Hand. Man könnte sogar sagen, dass diese Frau ihr ganzes Leben, ihr ganzes Schicksal in diesen Opferstock wirft. So wie sie sich verhält, macht sie das auch nicht zum ersten Mal, und sicher auch nicht zum letzten Mal.
Und nur um Gott geht es ihr, denn ihr Opfer ist ausdrücklich nicht für caritative Zwecke, sondern für den Schmuck des Hauses Gottes bestimmt. Dafür verausgabt sie sich immer wieder voll und ganz. Dieser Tempel ist ihre eigentliche Heimat, und nicht ihre private Unterkunft. So kann man wirklich sagen, dass es eine Art optische Täuschung ist, wenn man da vor dem Opferstock eine arme Witwe sieht. In Wirklichkeit ist sie eigentlich eine ganz reiche Witwe, reich an Gottesliebe, reich an absolutem Vertrauen, reich an Gottes Gnade, einfach unfassbar reich, unfassbar frei!
Kein Wunder, dass Jesus vom Gottvertrauen dieser Frau so fasziniert ist. Kein Wunder also, dass er seine Jünger zusammentrommelt und ihnen das Beispiel dieser Frau vor Augen hält: Schaut euch das mal an, schaut euch die mal an! Diese Frau glaubt wirklich und hundertprozentig!
Jesus geht es nicht darum, die anderen Spender zu kritisieren. Keinerlei Vorwurf kommt über seine Lippen. Jesus setzt da niemand unter Druck. Er stellt einfach das überwältigende Gottvertrauen dieser Frau in den Mittelpunkt. Da kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Da kann sich jeder selbst fragen: Wo stehe ich denn eigentlich?
Welchen Anteil an meinem Leben gestehe ich Gott zu?
Welchen Stellenwert hat er bei mir wirklich?
An was hängt denn mein Herz? – Prüfen wir uns doch immer wieder selbst.

Predigt Pater Schwind SJ (pdf)
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Predigt in „Dienst am Wort“
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Predigt Pfr. Josef Mohr
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Predigten und Fürbitten Karl-Leisner-Jugend
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Gottesdienstentwurf Pfr. Bruno Layr
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Animations-Video „Tempel von Jerusalem“ ( ca. 3 min.)
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Kurz-Info zum Bauwerk des Jerusalemer Tempels (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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VIRC Wien: Lesungstexte und Kurzkommentar (pdf)
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Evangel. Gemeinschaft Nidderau: „Viel Geld – aber kein Opfer“ (pdf) >> BITTE KLICKEN !
FEG Kandern: „Wieviel Erde braucht der Mensch?“
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Meine Gedanken zum Weihetag der Laterankirche (9. Nov.) mit vielen Informationen zum Tempel in Jerusalem
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„Materialismus“-Fastenhirtenbrief 1956 (!) der deutschen Bischöfe >> BITTE KLICKEN !
Beten für Verstorbene – Totengedenken in der Gemeinde (89 S./pdf) - Seiten nicht in Reihenfolge, muss auseinandergeschnitten werden-
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Materialien und Links zur Reichsprogromnacht (9. Nov.)
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Beispiel-Video: Spendengala im ZDF („Ein Herz für Kinder“) >> BITTE KLICKEN !:

Drei Freunde aus dem Schwabenland gehen mal wieder gemeinsam zum Bergsteigen. Doch das Unglück geschieht: sie stürzen alle in eine tiefe Felsspalte, sind aber gottlob unverletzt. Allerdings sitzen sie hier fest und können nur auf Hilfe hoffen. Die naht auch bald, denn ihr Absturz wurde beobachtet. Als die Männer der Bergwacht sich endlich an die Unglücksstelle vorge- arbeitet haben, rufen sie besorgt nach unten: „Hallo – wir sind vom Roten Kreuz!“
Von unten hallt es im Chor nach oben: „Mir gäbet nix!“
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Treffen sich zwei Blondinen. Da sagt die eine: „Ich habe gehört, dieses Jahr ist Weihnachten an einem Freitag!" - Meint die andere: „Hoffentlich nicht an einem 13ten!"
Es ist kurz vor Weihnachten. Fritzchen geht zu seiner Mutter und teilt ihr mit: „Du, Mama du kannst übrigens die Eisenbahn von meinem Wunschzettel streichen,
ich habe nämlich zufällig eine in eurem Schlafzimmer-schrank gefunden!"
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Die heutigen Predigtgedanken können Sie per E-Mail als Datei bei mir anfordern oder auch selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 31.12.2012):
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