02.07.2008

14.Sonntag im Jahreskr. A (06.Juli 2008)

...Sicher taten sie das sogar in bester Absicht. Doch all ihr Buchwissen, all ihre Klugheit hatte einen Haken: ihr Herz war durch die ständige Besserwisserei ganz blind geworden. Sie klebten an den Paragraphen, an den vielen Worten wie die Stubenfliegen an einem Leimring. Aus ihrer Selbstgerechtigkeit kamen diese Klugen nicht mehr heraus. Sie waren gefangen im Käfig ihres Denkens. Klar, sie bewunderten Jesus. Aber sie waren schlau genug, sich nicht mit Haut und Haaren auf ihn einzulassen. Das rechnete sich nämlich nicht, wie man zum Beispiel gerade jetzt an Johannes dem Täufer sehen konnte. Ins Gefängnis haben sie ihn geworfen, den Bußprediger. Da wartet er auf seine Hinrichtung. - Nein, die ganze Geschichte mit diesem Jesus war ihnen nicht geheuer. Der Preis, das Risiko der Nachfolge war einfach zu hoch. Nein, danke!

Wenn Jesus im heutigen Evangelium seinen Vater im Himmel preist, lobt er ihn nicht wegen seines geringen Erfolges in den vorigen Städten. Er lobt ihn, weil er ihm ganz und gar vertraut. Trotz aller Enttäuschung will er in dieser Lobrede seinem Vater sagen, dass er dessen Art und Weise, wie er handelt, uneingeschränkt und gehorsam unterstützt. Klar, es wäre ihm lieber gewesen, wenn die Pharisäer, Lehrer, Priester und alle anderen Klugen ihm gefolgt wären. Misserfolg tut weh, das ging Jesus nicht anders als uns hier. Aber Jesus weiß: So wie es der Vater lenkt, so ist es gut.
Nicht den Klugen, sondern den Unmündigen offenbart sich der Wille Gottes. Die Klugen sind einfach zu beschäftigt mit ihrer eigenen kleinen Welt, da stört Gott doch nur. Und selbst wenn diese frommen Kraftprotze jeden Tag in die Kirche rennen – so lange es ihnen eigentlich nur um sich selber geht, bleiben sie fromme Heiden. Es war wohl Albert Einstein, der das handfest so ausdrückte: „Sie können jeden Tag in die Garage rennen. Sie werden trotzdem kein Auto!“
Diesen Schlaumeiern ist noch kein Stein vom Herzen gefallen. Im Gegenteil: er liegt noch fest darauf!

Aber wer sind die „Unmündigen“? Kinder sind unmündig; sie sind vor dem Gesetz noch nicht geschäftsfähig. Wir wissen, wie sehr Jesus die Kinder in sein Herz geschlossen hatte. Sie sind klein, sie sind schwach. Sie können noch nicht selbst entscheiden. Kinder sind eben unmündig. Eigentlich sind sie allein noch gar nicht lebensfähig. Aber merkwürdigerweise ist gerade das auch ihr größter Vorteil. Jesus sagt ja an anderer Stelle: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3)

Was zeichnet die Kinder aus in den Augen Jesu? Was haben sie, was Erwachense oft genug nicht (mehr) haben? Jeder von uns, der eigene Kinder hat, weiß das natürlich sofort: Kinder leben noch nicht nach dem geheimen Motto der Erwachsenen: Ich bin das, was ich leiste! Ich bin nur gut, wenn ich möglichst viel Geld und Erfolg habe! Erwachsene definieren sich schnell über das, was sie können und über das, was andere von ihnen denken. Deshalb sind Erwachsene auch berechnend. Bei allem, was wir tun, haben wir so einen kleinen Mann im Ohr, der uns ständig zuflüstert: „Bringt dir das denn was?“ – Oder er sagt: „Was werden denn die Nachbarn oder Freunde oder Arbeitskollegen darüber denken?“ Dieser kleine Mann im Ohr bremst uns Erwachsene ganz schön aus.

Kinder sind da anders. Sie sind spontan. Wenn ihnen etwas gefällt, dann wollen sie das auch haben oder tun. Sie fragen erst einmal nicht danach, ob es auch einen Haken an einer Sache geben könnte. Kinder sind auch offen und ehrlich, manchmal bis hin zur Peinlichkeit, wenn sie etwas aufgeschnappt haben und bei der nächsten wirklich unpassenden Gelegenheit ihren Spruch vom Stapel lassen. Eltern möchten da manchmal im Erdboden versinken…

Wenn Jesus die Kinder so liebt, meint er aber keine Peinlichkeiten. Die Grundhaltung der unmündigen Kinder ist einfach sehr hilfreich, um in den Himmel zu kommen. Kinder sind einfach offen für Neues. Sie haben noch nicht alles in Schubladen einsortiert. Sie lassen sich noch etwas sagen. Das liegt auch daran, dass sie enorm viel Vertrauen haben, und das ist ihre größte Stärke. Sie wissen aus Erfahrung: Ja, meine Eltern meinen es gut mit mir. Sie lieben mich. Wenn sie mir etwas sagen oder mich mit etwas beauftragen, dann kann ich mich auf meine Eltern verlassen. Ich weiß als Kind zwar oft nicht, wozu dieses oder jenes gut sein soll, aber ich mache es im Vertrauen auf meine Eltern oder Lehrer …

Ja, so ist das auch mit den Unmündigen, denen Gott sich offenbart. Sie sind offen für alles. Sie können nicht mit ihrer Leistung protzen. Sie sind schwach und wissen das auch. Aber gerade diese Schwäche ist ihre Stärke! Es gibt keine Berge von Geld oder Erfolg oder Ansehen, die ihnen die Sicht auf Jesus versperren; sie wissen, dass ihr Glück nicht von ihnen selbst und ihrer Leistung abhängt. Fast alles ist ihnen Geschenk! - Das Leben hat sie demütig werden lassen und bescheiden. Sie brauchen sich nicht ständig vor anderen ins rechte Licht zu rücken. Kinder müssen nicht sich selbst reden hören, sondern sie sind ganz Ohr, weil sie dazulernen wollen. Sie und die wirklichen Nachfolger Jesu wissen, dass sie noch eine Menge lernen können.

Gelegenheit, etwas zu lernen, bekommen wir im heutigen Evangelium auch prompt. Im zweiten Teil heißt es: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“
Da sind wir wieder am Anfang: Jesus ruft wie ein Markt-
schreier: „Kommt alle zu mir!“ Gibt es jetzt etwas bei Jesus im Sommerschlussverkauf? Macht er allen Schnäppchenjägern ein Angebot, bei dem man einfach zugreifen muss? Vielleicht den Himmel im Sonderangebot zu herabgesetzten Preisen?
Nein, so einfach ist es nicht. Er ruft besonders diejenigen, die in ihrem Leben schwere Lasten zu tragen haben. Aber dann sind wir erst einmal irritiert, denn Jesus spricht von einem Joch, das man sich auferlegen soll. Und zwar sein Joch.
Das klingt aber erst einmal als Angebot gar nicht so sonderlich günstig! Menschen, die schwer zu tragen haben in ihrem Leben, sollen nun das Joch Jesu schleppen? – Um zu verstehen, wie Jesus das meint, sollten wir wissen: Ein Joch kann bei Zugtieren verwendet werden, aber auch bei Menschen. Wenn ein Mensch sich ein Joch über die Schulter legt, kann er die Lasten, die er tragen muss, z.B. zwei Eimer mit Wasser, viel besser tragen als mit bloßen Händen. Wer mit einem Joch geht, dem wird die Arbeit erleichtert. Auf der Schulter trägt es sich besser, und das Joch sorgt für die nötige Balance beim Tragen, immer voraus-
gesetzt, das Joch ist dem Träger gut angepasst. Ein schlecht sitzendes Joch drückt und sorgt für Verkrampfungen und Schmerzen.

Wenn Jesus nun sagt, dass die Leute, die ohnehin im Leben schwere Lasten zu tragen haben – und davon gibt es wahrlich genug! - sein Joch auf sich nehmen sollen und von ihm lernen sollen, dann verbindet er das mit einem Versprechen, mit einer Garantie-Erklärung: „…so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ Das Joch Jesu ist ein garantiert gut zu tragendes Joch, und die Last, die es trägt, ist laut Jesus leicht.
So leicht, dass man für seine Seele Ruhe finden kann, wenn man es auf sich nimmt.

Wir mögen schnell denken: Wie kann das denn sein? Wie kann das denn leicht sein, Jesus nachzufolgen und Jesu Lasten zu tragen? Mit unseren eigenen Lasten haben wir doch wirklich gerade genug zu tun, oft mehr als uns lieb ist, bis zur Belastungsgrenze. Es gibt Tage, da glauben wir, die Belastungen nicht mehr tragen zu können. Eine schwere Krankheit vielleicht, ein Sterbefall in der Familie, finanzielle Sorgen und Zukunfts-
ängste. Und dann auch noch zusätzlich Jesus nachfolgen…?

Und da sind wir genau am Punkt, am Punkt unseres großen Missverständnisses, wie es unmündigen Kindern nicht passieren könnte: Seit wann kann jemand denn zwei Joche gleichzeitig tragen?

Wer das Joch Jesu aufnimmt, muss vorher das Joch seines Alltags ablegen. Beides geht nicht. Und Jesus sagt klar: Mach das so – nimm doch mein Joch, nimm meine Last! Du wirst staunen, wie leicht sich das trägt!
Ja, jetzt ahnen wir es, das Rezept von Jesus als Arzt: Wir sollen nicht aus alter Gewohnheit unsere Lasten mit uns schleppen und womöglich damit immer schön brav im Kreis herumgehen. Das führt zu nichts und macht nur entsetzlich müde. Jesus hat ein ärztliches Rezept, das er uns verschreibt: Mach es nicht wie diese neunmalklugen Besserwisser und frommen Leistungssportler, die doch nur an sich selbst denken. Nimm dir ein Beispiel an den Kindern, habe einfach Vertrauen in mich! Natürlich kannst du den ganzen Tag grübeln und jammern und dabei todmüde werden. Wenn du aber Ruhe haben willst, musst du die Alt-Lasten beiseite legen!
Nimm das, was ich dir als Last zugedacht habe. Ich habe mir das schon für dich überlegt. Das passt schon. Mein Joch ist genau auf dich angepasst. Probiere es doch! Du wirst staunen, so hast du noch nie in deinem Leben gestaunt. Versprochen!
Und? Hast du es dir überlegt – hilfst du mir nun tragen?



http://www.dioezese-linz.at/pfarren/gmunden-ort/spirituelles.htm

glaubenswert/Zum Nachdenken: Geh! (Pfr. Johann Schefthaler)

http://blog.glaubenssache.net/

sowie http://intelligam.blogspot.com/
Zwei interessante Blogs*) rund um Glauben, Gott und die Welt

http://www.elefantastisch.de/index.htm

Sehr umfangreiche Material- und Linktipps-Seite des Forums für kirchliches Engagement

http://t600.de/19866

Zum Thema „Joch im Gottesdienst“ finden Sie dort unter 05.Nov.2006 nicht nur das mir freundlicherweise überlassene Foto, sondern auch einen Predigttext als pdf-Datei dazu.

http://www.clewwa.de/

Suchmaschine für Verbraucher – eine Initiative des Bundesamtes für Verbraucherschutz. Einzelheiten lesen auf der Seite oben: Wie sucht clewwa?

http://www.lebenshilfe-net.ch/

Interessante christliche Lebenshilfe-Seite, sogar mit individueller Beratungsmöglichkeit über Internet-Formular

*) Blogs (Abkürzung von Weblogs) sind – wie MEIN PREDIGTGARTEN – tagebuchartige regelmäßige Veröffentlichungen. Die „Blogger“ nutzen dafür meist einfach zu bedienende Software.




Der Chef zu seiner neuen Sekretärin: "Haben Sie heute Abend Zeit?"
Sie errötet: "Aber Herr Huber - ja!"
"Gut, dann werfen Sie zu Hause doch mal einen Blick in dieses Buch. Es heißt DUDEN!"

Wie heißt der berühmteste Kellner Bayerns? Der Ober Ammergau.


Theo-logisch, oder…?


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