30.07.2008

18.Sonntag im Jahreskreis A - 03.Aug.2008

(Fortsetzung)

Wenn sie jetzt endlich weggehen, können sie sich in den umliegenden Dörfern gleich selbst verpflegen. Irgendwie wird bei der berühmten Gastfreundschaft jeder zurechtkommen. Die Leute sind dann gar nicht auf uns angewiesen. Wir haben das Problem vom Hals, und außerdem kehrt endlich Ruhe ein, und die haben wir nötig, aber Jesus erst recht!

„Schick doch die Menschen weg!“ - Wie oft denken wir das auch! Als einzelne Christen und auch als Kirche sehen wir oft genug so viele handfeste Probleme, dass wir wie die Jünger schnell kalkulieren:
Das schaffen wir nie! Wie soll das bloß gehen? Wenn wir die Nachrichten im Fernsehen anschauen, kann uns schlecht werden: Krieg, Elend, Hunger!
Etwa 24.000 Menschen sterben pro Tag an Hunger, etwa 13.000 Kinder sterben pro Tag an den vielen Folgen von Hunger, errechnete die UNICEF.
Doch nicht nur diesen Hunger sehen wir. Auch den Hunger nach Zuwendung, den Hunger nach Sinn im Leben, den Hunger nach Liebe.
Wie viele Kinder warten auf Eltern, die sich um sie kümmern? Wie viele Alte warten auf jemand, der Zeit für sie hat? Wie viele Menschen auch in unserer eigenen Kirchengemeinde würden sich über ein gutes Gespräch freuen! Wie viele Reiche mit übervoll be-
ladenen Tischen sind innerlich bitterarm und hungern nach wirklicher Wertschätzung ohne Blick auf ihr Geld? -
Die Welt hungert. Und wir sind mittendrin in dieser Welt.

Wie reagiert Jesus auf die deutliche Aufforderung der Jünger? Schickt er die vielen Menschen mit einer eiligen und energischen Handbewegung weg?
Das Evangelium verrät es uns:
Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.“

So klang es damals, und so klingt es heute. Wir rechnen auch unsere vorhandenen Mittel aus und müssen erkennen: Das reicht nicht! Wir haben nicht genug, um allen zu geben, wir können nur wenigen Menschen ihren Hunger nehmen. Lieber Jesus, dein Vorschlag ist realitätsfremd. Das können wir nicht leisten. Schick die Leute weg!
Sie sollen uns in Ruhe lassen. Wir wollen sie und ihre diversen Hungerprobleme nicht mehr sehen. Es überfordert uns und überschreitet schmerzlich unsere Grenzen. Wir können von Glück sagen, wenn wir selber über die Runden kommen!

Ja, wir müssen es dir eingestehen, lieber Jesus: Es mangelt uns an genügend Kraft und Möglichkeiten. Auch als Kirche sind wir oft nur eine Art Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Jesus, du siehst, wir würden liebend gerne helfen, aber es geht beim besten Willen nicht. Sieh das doch endlich ein! Es ist nicht so einfach, wie du denkst…!

Jesus hat gut zugehört und nimmt die Bedenken seiner Jünger ernst. Er hört sich auch alles geduldig an, was wir ihm sagen. Er hört wie bei den Jüngern damals, dass die Not daraus spricht. Es ist die alte Angst der Menschen, letztlich selbst zu kurz zu kommen. Es ist der alte Zweifel, der Mangel an Glaubensmut: Theoretisch glaube ich schon, dass Jesus hilft, aber ganz praktisch und bei mir und bei uns – nein, das wage ich nicht zu glauben! Und so sehe ich, so sehen wir alle erst einmal nur unsere Mängel.

Jesus lässt die Bedenken der Jünger überhaupt nicht gelten. Es erscheint schon fast wie Sturheit, wie unbeeindruckt er bleibt von den Bedenkenträgern aus den eigenen Reihen. Er sagt nur mit Blick auf die fünf Brote und zwei Fische: „Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen.“

Wir sollen das, was wir Menschen haben, zu ihm bringen. Das ist seine klare Ansage. Es mag uns sehr wenig vorkommen, aber wir sollen unseren Teil zu ihm bringen. Kürzer kann man sich nicht fassen – er sagt ohne weitere Diskussion nur: „Bringt sie her!“ - Und dahinter steht im heutigen Evangelium unübersehbar ein Ausrufezeichen!
Es ist, als wollte Jesus damit sagen: Haltet mich doch nicht für blind oder für verkalkt! Natürlich sehe ich eure Schwachheit, natürlich sehe ich eure Armseligkeit, eure engen Grenzen. Natürlich sehe ich die Fallen, in die ihr immer wieder hineintappt. Die Falle der Resignation und des kirchlichen Selbstmitleids, die Falle der Gleichgültigkeit, und was am schlimmsten ist:
die Falle des Zweifels an Gottes Güte und Barmherzigkeit!

Jesus wird energisch, denn er sagt den Jüngern nicht nur, dass sie ihre Gaben bringen sollen, sondern er befiehlt im gleichen Atemzug, dass die Leute sich ins Gras setzen sollen. Das heißt doch: Wenn ihr mir das bringt, was ihr habt, dann kann es gleich losgehen mit dem Sättigen der Menschen.
Gebt ihr alles, was ihr geben könnt, und bringt es zu mir. Dann bin ich dran.

Wer das Alte Testament wie die meisten Juden damals gut kennt, der weiß: man rechnete damit, dass der verheißene Messias einst das Volk speisen wird, so wie Gott es mit Wachteln und Manna auf der Wüsten-
wanderung für sein Volk Israel tat. Ja, er wird seine Speise zur rechten Zeit geben...Was jetzt also geschieht, ist nicht nur ein ungeheuer beeindruckendes Wunder, sondern soll für gläubige Juden ein Zeichen sein, wer Jesus ist.

Weiter heißt es im Evangelium: „Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern…“
Diese Wortwahl Jesu erinnert uns natürlich sofort an seine Worte im Abendmahlssaal, beim letzten Abend-
mahl mit seinen Jüngern, wo es heißt:
„Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es seinen Jüngern und sagte: Nehmt und esst…“ (Mt 26,26-28)

In der heutigen Szene haben wir schon das Bild für die Eucharistie: Was wir dem Herrn an Gaben bringen, das wird von ihm verwandelt. Daraus ergibt sich aber auch: Was wir nur für uns behalten und nicht abgeben, das kann auch nicht von ihm zum Heil der Welt verwandelt werden. Wer sich also etwa bei Gott beklagen will, dass der so wenig gegen die Not in der Welt tut, der könnte (nach Anthony de Mello) die Antwort bekommen: Wieso? Ich habe dich doch geschaffen…!

Was die Verwandlung unserer Gaben bewirken kann, schildert der Schluss des Evangeliums. Nachdem Jesus die Brote in Stücke gebrochen hatte, gab er sie den Jüngern. Weiter heißt es:
“… die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übrig-
gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.“

Wenn wir unseren Teil gegeben haben, können wir erleben, wie verschwenderisch Gott wird, wenn er die verwandelten Gaben austeilt: Er schenkt uns allen viel mehr, als wir überhaupt verbrauchen können! Das ist ein kleiner Vorgeschmack auf den Himmel, auf die Überfülle der liebenden Fürsorge Gottes. Damals waren es 12 Körbe voll mit Brotresten, das erinnert an die 12 Stämme Israels. Aber vielleicht zeigt sich hier auch wieder der Humor Jesu: ironischerweise blieb für jeden der 12 vorher so skeptischen Apostel ein ganzer Korb mit Proviant übrig…

Wenn Jesus also damals wie heute dazu aufruft:
„Gebt ihr ihnen zu essen!“, dann ist das kein netter frommer Spruch. Er meint es ernst. Niemand wird von ihm einfach so heimgeschickt.
Wir wollen nicht hungrig bleiben, und andere auch nicht. Bringen wir Jesus also unsere Gaben, nicht nur bei jeder Kollekte im Gottesdienst.
Jeder Tag, an dem wir großzügig von dem abgeben, was wir haben an Geld, Zeit, Ideen, Hilfeleistungen und allem, wonach gehungert wird, der wird ein guter Tag. Den braucht niemand aus dem Kalender zu streichen. Im Gegenteil: dick ankreuzen wird er ihn! Und Jesus auch.


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Eine kurze Erzählung passt gut zum Anliegen des heutigen Evangeliums. Ich drucke sie hier ab mit freundlicher Genehmigung des Verlages. Da mir das Buch gut gefallen hat, werde ich es im Herbst hier ausführlich besprechen.

Brot der Hoffnung

Ein Professor der Medizin starb, und seine drei Söhne lösten seinen Haushalt auf. Im Arbeitszimmer des Vaters fanden die Söhne neben vielen wertvollen Dingen in einem Schrank ein steinhartes, vertrocknetes halbes Brot. Die Haushälterin, die noch lebte, wusste, was es damit auf sich hatte.
In den ersten Jahren nach dem Krieg war der Professor todkrank. Da schickte ihm ein guter Freund ein halbes Brot, damit er etwas zu essen hatte. Der aber dachte an die viel jüngere Tochter eines Nachbarn
und ließ dem Mädchen das Brot schicken. Die Nach-
barsfamilie aber mochte das wertvolle Brot nicht für sich behalten und gab es weiter an eine arme alte Witwe, die oben im Haus in einer kleinen Dachkammer hauste. Die alte Frau brachte das Brot ihrer Tochter, die mit zwei kleinen Kindern ein paar Häuser weiter wohnte und nichts zu essen hatte für die Kinder.

Die Mutter dachte, als sie das Brot bekam, an den Medizinprofessor, der todkrank lag. Sie sagte sich, dass er ihrem Jungen das Leben gerettet und kein Geld dafür genommen hatte. Nun hatte sie eine gute Gelegenheit, es ihm zu danken. So ließ sie das Brot zum Professor bringen.
„Wir haben das Brot sofort wieder erkannt“, sagte die Haushälterin, „unter dem Brot klebte immer noch das kleine Papierstückchen.“
Als der Professor sein Brot wieder in der Hand hielt, sagte er: „Solange noch Menschen unter uns leben, die so handeln, braucht uns um unsere Zukunft nicht bange zu sein. Dies Brot hat viele satt gemacht, obwohl keiner davon gegessen hat. Dies Brot ist heilig.
Es gehört Gott!“ - So legte er es in den Schrank.

>>> Entnommen aus: Axel Kühner: „Überlebensgeschichten für jeden Tag“
17.Auflage 2008, Aussaat-Verlag
Neukirchener Verlagsgesellschaft, Neukirchen-Vluyn

Der direkte Link zum Buch: >>> hier klicken!



Predigt über die Parallelstelle bei Johannes:
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Der heutige Predigttext, sehr "flippig" ausgelegt:
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Infos über die Brotvermehrungskirche Tabgha:
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Welthungerhilfe: >>> klicken!
MISEREOR: Bio-Sprit verursacht Hunger:
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China: Gold für Menschenrechte ???
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Zu Beginn der Lehrzeit werden die neuen Auszubildenden gerne mal auf die Schippe genommen, z.B. mit unsinnigen Aufträgen, irgendwo für den Meister etwas abzuholen. Schöne Beispiele:
Hole mir mal…den, die, das… Birnchen für die Tankinnenbeleuchtung, Dreiecksbohrer, Diabetikerseife, Diskettenfett, 12er-Getriebesand, Kolbenrückholfeder, Betonmagnet, Toleranzpaste, eine Rolle Verbundglas, Schmelzkammerschlüssel, Siemens Lufthaken, Steuerhinterziehungs-Formulare, Trockenwassertabletten, 3,5%-Zinsfuß, Packung Zündfunken…

Das Telefon klingelt. Gerhard Schröder geht ans Telefon.
Anrufer: "Guten Tag, ich möchte gern den Bundeskanzler sprechen!"
Schröder: "Tut mir leid, ich bin nicht mehr Kanzler. Da müssen Sie jetzt woanders anrufen."
Der Anrufer legt auf. Zwei Minuten später klingelt das Telefon wieder. Gerhard Schröder geht ans Telefon.
Anrufer: "Guten Tag, ich möchte gern den Bundeskanzler sprechen!"
Schröder: "Tut mir leid, ich bin nicht mehr Kanzler, habe ich das eben nicht schon gesagt?! Sie sind hier falsch!"
Der Anrufer legt wieder auf. Wieder eine Minute später: Das Telefon klingelt erneut. Gerhard Schröder geht ans Telefon.
Anrufer: "Guten Tag, ich möchte gerne den Bundeskanzler sprechen!"
Schröder: "Also, wie oft soll ich Ihnen das denn noch sagen? ICH BIN NICHT MEHR DER KANZLER!"
Anrufer: "Ja ich weiß, aber ich kann's nicht oft genug hören..."

Mitschnitt eines Gespräches zwischen Tower und Cockpit einer 727:
Tower: „Um Lärm zu vermeiden, schwenken Sie bitte 30 Grad nach rechts!“ - Der Pilot: „Was können wir in 35.000 Fuß Höhe denn für einen Lärm machen?“ - Tower: „Den Krach, wenn Ihre 727 mit der 747 vor Ihnen zusammenstößt!“

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Thema am MONTAG: "Chinesisch süß-sauer. Chinas brutaler Umgang nicht nur mit Christen"

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