Wer zuletzt lacht... (Fortsetzung)In unserem eigenen Leben ist das, was wir mühsam auf unserem Lebensacker gesät haben, nach unserer eigenen Einschätzung oft überhaupt nicht aufgegangen.
Das schmerzt! Auch bei manchem von Ihnen wird sich in einer stillen Stunde eine innere Trauer oder Enttäuschung melden. Ich nenne einige Stichworte; jedem fällt für die eigene Situation sicher noch Passenderes ein:
Da hat man sich krumm gelegt und für die eigenen Kinder abgerackert. Auch bezüg-
lich der Kirche hat man sich immer bemüht, ein Vorbild zu sein. Man hat z.B. auch dann die Heilige Messe besucht, wenn man eigentlich gar nicht dafür in der Verfassung war. Und was machen die Kinder? Schon lange haben sie keine Kirche mehr von innen gesehen! Was ist bloß aus den christlichen Werten geworden, die wir ihnen viele Jahre lang vermittelt haben?
Anderes Beispiel: Da hat man sich in der Pfarrgemeinde schon so oft als Katechetin für die neuen Kommunionkinder engagiert. Mit Engels-
zungen hat man geredet, getan und gemacht, und es schien so, als hätte man bei manchen Kindern eine Tür aufstoßen dürfen zum Glauben. Und dann die kalte Dusche: Schon wenige Wochen nach der Erstkommunion sind fast alle Kommunionkinder aus unseren Gottesdiensten spurlos verschwunden, von deren Eltern ganz zu schweigen.
Letztes Beispiel: Auch viele Priester leiden am Zustand der Kirche, und das nicht zu knapp! Etliche sind mit mehreren großen Pfarreien an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen. Auch bei ihnen verlangt die leidige Bürokratie immer mehr Aufwand an Zeit und Kraft. Manche fühlen sich inzwischen eher als herumreisender Sakramentenspender und Gemeinde-Manager statt als Seelsorger. Was waren das für Zeiten, als man den Pfarrer zu jeder Tages- und Nachtzeit und das ganze Jahr hindurch im Pfarrhaus erreichen konnte! - So haben manche Priester innerlich schon resigniert. Wie viel Enttäuschung und Verletztheit spricht aus dem Satz, den ich neulich von einem erschöpften Pfarrer hörte: „Ich bin schon froh, wenn meine Arbeit niemand schadet. Ob sie jemand nutzt – ich weiß es nicht…!“
Denken wir bei der Kirche an das Bild des Wasserglases: Ist ein halb gefülltes Glas Wasser eigentlich halb voll oder eher halb leer? Schaut man auf die allgemeine Stimmungslage, ist es
wohl eher halb leer. Wie bei einem Autotank denken manche vielleicht: In unserer Kirche blinkt doch längst schon die Warnleuchte für „Reserve - bitte auftanken!“ -- Was hat man sich nicht alles einfallen lassen in der Kirche! So viel Engagement auf allen Ebenen, von den etwa 800 Stunden Religionsunterricht, die jeder Schüler im Durchschnitt bekommt, bis hin zu den vielen kirchlichen Angeboten, vom katholischen Kindergarten bis zum Gottesdienst für Motorradfahrer, bis zu wer-weiß-was-alles an Aktionen und „Events“, wie das heute heißt. Bei vielen, die sich so engagiert haben, kommt irgendwann die Frage: „Wo bleibt der sichtbare und dauerhafte Erfolg meiner Arbeit? War alles vielleicht doch nur vergebliche Liebesmüh’?“
Und mit dieser Frage stehen wir auch schon mitten im Text unseres heutigen Evangeliums. Die Jünger Jesu mussten auch allerhand Rückschläge und Niederlagen
miterleben, und Jesus selbst auch. Wie oft war es genau so, wie wir eben gehört haben: „Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn.“ - Ja, es waren viele, die Jesus hören wollten, sehr viele. Im heutigen Text waren es so viele, dass Jesus vom Ufer aus in ein Boot ausweichen musste, um nicht überrannt zu werden.
Nur durch diesen Sicherheitsabstand zum Ufer, wo die Leute standen, war es zu schaffen, dass alle ihn hören und sehen konnten. Ja, es waren viele, sehr viele. Vielleicht wie heute bei einem Weltjugendtag oder einem großen Festgottesdienst.
Die Leute wollten Jesus hören, und der gab sich alle Mühe. Im Text des heutigen Evangeliums heißt es: „Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen.“ - Jesus sprach lange, und er erklärte ihnen die Heilige Schrift durch Gleichnisse aus dem Alltag, damit es auch wirklich jeder verstehen konnte. Lange, gründlich und geduldig erklärte er es ihnen. Im heutigen Text wird extra erwähnt, dass Jesus dabei nicht im Boot stand, sondern er saß im Boot. Das Sitzen beim Predigen war damals ein bekanntes Signal: Hier spricht jemand mit größter Autorität, er sitzt dabei, wie ein großer Gesetzeslehrer oder ein König dies tut, und alle anderen stehen.
Doch was er da erzählte im Gleichnis vom Sä-
mann, klang erst einmal nicht so berauschend: Da gehen ja 75 % des kostbaren Saatgutes verloren! Es fällt auf den Weg, wird zertreten oder von Vögeln aufgefressen. Anderes fällt auf Steine und vertrocknet in der Hitze. Manches fällt unter die Disteln – es wächst zwar an, wird aber dann doch vom Unkraut erstickt. Einfach unfassbar – solch ein grandioser Misserfolg!
Bevor wir diesen offenbar so unfähigen Bauern für verrückt erklären, müssen wir allerdings wissen, dass es damals im Gegensatz zur heutigen Methode so war, dass zuerst gesät und danach erst unter-
gepflügt wurde. Manches von dem, was da zuerst einmal auf der Oberfläche herum lag, gelangte so doch noch ins tiefere Erdreich.
Dennoch: Wenn man nur den Zeitpunkt der Saat betrachtet, ist das Verhalten dieses Sämannes aus wirtschaftlicher Sicht heute nicht akzeptabel.
Wie kann man nur so verschwenderisch mit dem wertvollen Saatgut umgehen? Das ist ja wie Perlen vor die Säue geworfen…!
Wenn wir so denken, haben wir Gedanken von Menschen. Wir denken so schlicht in den Kategorien von Gewinn und Verlust. Wir sind es so gewohnt, zu fragen: Was bringt das? Wo bleibt da der Erfolg? - Man hat sogar uns Christen erfolgreich beigebracht, so zu fragen. - Gott sieht und denkt da wohl etwas anders. Gott hat immer auch den Zustand der Ernte im Blick, was wir bei der Aussaat noch nicht können. Daran erinnert die anfangs erwähnte Redewendung: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“
Sie ist Ausdruck einer alten Erfahrung: Am Ende ist es oft nicht so, wie man am Anfang noch vermuten konnte. Daher ist es klug, wenn man sich mit spöttischen Bemerkungen zurückhält.
Ja, Gott schaut immer auch auf das Ende, auf die Ernte, auf den eigentlichen Zweck der ganzen Aussaat-Aktion. Gottes Bilanz sieht da doch anders aus, als man zuerst vermuten konnte. Der Teil der Saat, der auf guten Boden fällt, bringt enorme Erträge, 100-fach, 60-fach, 30-fach. Damit macht er den Verlust nicht nur wieder gut, sondern es bleibt jede Menge Ernte-Überschuss übrig!
So sieht es aus, wenn Gott sät! – Ja, er ist der Sämann, nicht wir. Nicht wir säen aus, sondern Gott tut es, er tut es auch durch uns. Und dieser Gott ist ein überaus großzügiger und verschwenderischer Gott! Er sagt nicht vorher schon: Ach, bei Herrn X und bei Frau Y hat es sowieso keinen Wert! Und den Pfarrer Z kann ich glatt vergessen, so wenig Erfolg hat der in seiner Pfarrei! - Nein, Gott beherrscht mehr Rechenarten als wir, und seine Rechnung geht langfristig immer auf. Gott kann so großzügig sein, dass für jeden was abfällt, sogar für die Vögel auf dem Feld. Was in unseren Augen als Missgeschick begann, endet mit einer Riesenernte!
Wir haben sicher verstanden, was Jesus seinen Jüngern und uns heute mit diesem Gleichnis sagen will: Ja, nicht jedes Saatkorn geht auf. Es findet ja auch nicht überall gute Bedingungen zum Wachsen vor. Bei vielen Mitmenschen nicht, und vielleicht bei Dir und mir manchmal auch nicht?! Genug Disteln des Bösen, die alles Gute bereits im Keim ersticken, gibt es ja auf der Welt!
Doch vergessen wir nicht: Wir sind nicht der Sämann! Nicht die besorgten Eltern, nicht die enttäuschte Kommunion-Katechetin, nicht der resignierte Priester. Nicht wir haben zu ent-
scheiden, was für Gott erfolgreich war. Das macht er schon selber.
Unsere gefühlten Misserfolge in Beruf, Familie und Kirche tun uns weh. Dieser Kummer ist verständlich. Ob er aus Gottes Sicht aber langfristig auch berechtigt war, wird sich erst noch herausstellen.
So erzählt Jesus mit diesem Gleichnis eigentlich nicht vom Misserfolg, sondern er lädt uns eindringlich ein zum Vertrauen in die Aussaat-
Entscheidung Gottes, auch und gerade in Zeiten, die wir als Durststrecken oder Misserfolg empfinden. Über die Geduld, die wir dazu brauchen, spricht das Evangelium des nächsten Sonntags.
Lassen wir zum Schluss in einer kurzen Anekdote den herzensguten Papst Johannes XXIII. zu Wort kommen: Als ein neu ernannter Bischof zum erstenmal von Papst Johannes XXIII. in Privataudienz empfangen wurde, klagte er, die neue Bürde lasse ihn nicht mehr schlafen. Mitfühlend sagte ihm der Papst: "Mir ging es in den ersten Wochen meines Pontifikats genauso. Aber dann sah ich auf einmal im Wachtraum meinen Schutzengel, der mir zuraunte: 'Giovanni, nimm dich nicht so wichtig ...' Seitdem schlafe ich wieder."
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Kurz vor seinem Tod verfügte der alte Schotte in seinem Testament: "Meine drei Söhne müssen mir jeweils 100 Pfund ins Grab legen." Widerwillig legen die ersten zwei bei der Beerdigung 100 Pfund auf den Sarg. Der dritte stellt einen Scheck über 300 Pfund aus. Und steckt die zwei Hunderter ein.
Der Patient hatte heftiges Händezittern.
Der Arzt fragte ihn daraufhin: "Sie trinken wohl ziemlich viel, wie?"
"Nein, gar nicht, Herr Doktor. Das meiste verschütte ich."
"Chef, darf ich heute zwei Stunden früher Schluss machen? Meine Frau will mit mir einkaufen gehen."
"Kommt gar nicht in Frage."
"Vielen Dank, Chef, ich wusste, Sie würden mich nicht im Stich lassen!
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von Michael Hesemann: "Paulus von Tarsus"
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