26.01.2010

4.Sonntag im Jahreskr.C - 31.1.2010

(Fortsetzung)
Jesus jedoch zeigt ihnen bildlich gesprochen die aus dem Fußball bekannte Rote Karte. Übler Regelverstoß! So geht das nicht!
Und zur näheren Erläuterung fügt Jesus noch eine aufschlussreiche und ein-
dringliche Erklärung hinzu: „Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.“
Das waren harte und deutliche Worte. Das hat gesessen!
Jesus erinnert seine Zuhörer an schmerzliche Kapitel aus den Heiligen Schriften des Alten Testamentes. Propheten hatten es schon immer besonders schwer ausgerechnet bei ihren eigenen Leuten.
Ihre Appelle, ihre Warnungen wurden fast immer einfach überhört. Aus menschlicher Perspektive gedacht könnte man sagen: für Gott schlicht und einfach beleidigend!

Jesus nimmt jetzt jedenfalls Bezug
auf die damalige Reaktion Gottes. Der Prophet Elija wurde nun eben nicht nach Israel geschickt, sondern ausgerechnet ins Land der Heiden, zu einer Witwe in großer Not. Gott ließ damit gewissermaßen das Volk Israel, das in den Unglauben gefallen war, einfach links liegen. Der Prophet Elija half stattdessen einer wildfremen Witwe, deren Namen wir noch nicht einmal erfahren. Der Grund dafür war ihr vorbildlicher Glaube, denn selbst in größter Existenznot und dem Sterben nahe glaubte sie dem Propheten und gab ihm den letzten Rest ihrer Nahrung.
Dafür wurde sie schließlich reich belohnt.
Und auch Aussätzige gab es leider viel zu viele. Jesus erinnert seine Zuhörer ausdrücklich daran, dass keiner der Aussätzigen in Israel damals geheilt wurde. Gott ignorierte Israel und seinen Unglauben, und der Prophet Elischa half - man mag es kaum aussprechen! – einem Todfeind der Israeliten. Der erwähnte Naaman war der gefürchtete Heerführer der syrischen Armee, der die Israeliten einige Male grausam besiegt hatte.
Doch der große Mann hatte ein geheimes Problem: Auch er war aussätzig, und die Krankheit breitete sich immer mehr bei ihm aus. Naaman folgte erst nur widerstrebend dem Rat seiner jüdischen Sklavin und nahm mit dem Propheten Kontakt auf. Es gab einiges Hin und Her, bis der stolze Heerführer schließlich ganz demütig wurde und dem fremden Propheten mit seiner fast albernen Anweisung Glauben schenkte. Er solle nur sieben mal im Jordan untertauchen, hatte Elischa ihm ausrichten lassen, dann werde er wieder gesund.
Und tatsächlich, im wahrsten Sinne des Wortes stieg Naaman herunter von seinem hohen Ross, tauchte vor allen seinen Dienern unter und wurde auf der Stelle geheilt.

Und nun, nachdem wir diese Hintergrund-Information haben, stellen wir uns noch einmal die Situation in der Synagoge von Nazareth vor. Die Leute haben sehr gut verstanden, was Jesus ihnen da schonungslos beibringt. In heutiger Sprache würde er vielleicht sagen: Bildet euch nicht ein, ihr hättet irgendwelche Garantie-
Gutscheine bekommen!
Nicht eure Zugehörigkeit zu einem Dorf, zum Volk Israel oder zu was auch immer zählt vor Gott, sondern allein euer Glaube, euer Vertrauen in Gott!
Und wie die genannten Beispiele zeigen, können es durchaus sogenannte Heiden sein, von deren Gottvertrauen ihr euch manchmal eine Scheibe abschneiden könnt. Bei denen war es so, dass sie zuerst einmal glaubten, und dann erst kam das Wunder, nicht umgekehrt, wie ihr es verlangt.

Nun muss man fairerweise zugeben, dass die Juden im Gegensatz zu den Heiden ein handfestes Problem hatten, nämlich ihre eigene Vorstellung vom kommenden Messias. Während die anderen da überhaupt nicht vorbelastet waren, stellten sich die meisten Juden den Messias in großer Herrlichkeit vor, als triumphierenden König, der es all den Ungläubigen mal so richtig zeigen wird und die verhassten Römer aus dem Land jagt. Und wie es ihnen gerade in Nazareth so scheint, macht „ihr“ Jesus in dieser Richtung keinerlei Anstalten. Ein schönes Wunder würde ihnen da natürlich in ihrer Lage-Einschätzung sehr weiterhelfen.

Im Moment allerdings geht es in Nazareth schon nicht mehr um Wunder oder nicht. Die Leute in der Synagoge sind äußerst gereizt. Da hat Jesus ihnen quasi zu verstehen gegeben, dass sie Gott eigentlich nicht vertrauen, wenn sie ihren Glauben von einem Wunder abhängig machen. Die zwei Beispiele Jesu sagen ihnen:
Ihr seid mit eurem Anspruchsdenken die wirklich Ungläubigen!
Ihr habt Gott keineswegs für euch gepachtet, da gibt es keinen Exklusiv-Vertrag.

Was zuviel ist,
ist zuviel. Das ist man fromm, geht jede Woche brav in den Gottes-
dienst, bemüht sich um die Einhaltung der Gebote – und dann solch ein Verhalten Jesu!
Was nun in Nazareth geschieht, schildert Lukas so: „Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.“
Die Wut im Bauch muss schon übermächtig gewesen sein, wenn man sogar im Gotteshaus vom Platz aufspringt. Sie gehen über Tische und Bänke, könnte man formulieren. Sie schäumen regel-
recht vor Enttäuschung über Jesus, und in dieser Mordstimmung heizen sie sich gegenseitig weiter an. Aus den gesitteten Gottes-
dienstbesuchern ist im Nu ein rasender, brandgefährlicher Pöbel geworden. Unglaublich, welche Aggression da zum Vorschein kommt! - Wir kennen solche Massenphänomene nur zu gut aus den Medien, etwa wenn sich eine Meute auf einen Wehrlosen stürzt. Wozu dem Einzelnen doch noch der Mut fehlt, das bringt die tobende Masse fertig, auch in Nazareth.

Offenbar flüchtet Jesus vor ihnen
aus der Synagoge, und alle laufen schreiend und schimpfend hinter ihm her. So treiben sie ihn hinaus bis zu einem Abhang des Berges vor ihrem Dorf.
Es ist für uns heute unfassbar, was Lukas da beschreibt: Sie wollen ihn doch tatsächlich ermorden, indem sie ihn den steilen Felsen hinabstürzen!
Doch als sie am Felsen angekommen sind, geschieht etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Lukas beschreibt es nur ganz knapp in einem einzigen Satz: „Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.“

Hier zeigt sich die Autorität Jesu zum ersten und letzten Mal so eindrucksvoll in seinem Heimatdorf. Er schaut sie an und schreitet einfach schnurstracks auf fast geheimnisvolle Weise durch die Menge hindurch, die ihn umringt. Der grölende Mob ist verstummt. Niemand wagt es, ihn anzufassen.
Jesus verlässt Nazareth, und er verlässt es für immer. Dieser Ort hat seine Chance verspielt. Von nun an wird Kapharnaum für Jesus zur zweiten Heimat. Für seine Mutter Maria, die das Geschehen sicher am Rande miterleben musste, war dieses Erlebnis ein furchtbarer Schock und ein Vorgeschmack auf das, was sie alles noch miterleben und durchstehen musste.

Ein Vorgeschmack für alle war es wirklich, was Lukas uns hier schildert. Bereits in Nazareth deutet sich an, wo das schließlich hinführen wird. Bereits am Anfang des öffentlichen Auftretens wird klar: Man wird Jesus nicht nur mit offenen Armen empfangen, sondern er wird auch heftigen Widerspruch hervorrufen. Man wird ihm wie in Nazareth nach dem Leben trachten und ihn ans Kreuz schlagen. So glaubt man diesen religiösen Ruhestörer aus dem Weg räumen zu können.

Doch Lukas will uns ganz sicher nicht nur einen Krimi aus dem religiösen Milieu erzählen, eine aufregende Geschichte mit einem Beinahe-Mord, der nur ganz knapp verhindert wurde. Lukas weiß es, und wir wissen es auch: Nazareth ist nicht nur in Nazareth. Der Name ist austauschbar.
Solche Orte wie Nazareth gibt es überall, und solche Menschen wie diese gibt es auch überall. Die Botschaft Jesu wird immer wieder und an vielen Orten auch Widerspruch hervorrufen. Gottes Heil für die Armen, Gerechtigkeit und ein gläubiges Vertrauen in Gott ohne Vorbedingung, ohne offene oder stille Forderung nach einem Wunder – das ist nicht so einfach.

Die Versuchung ist immer wieder da, nach einem Wunder zu rufen, damit man glauben kann. Das gilt manchmal auch für uns.
In solchen Momenten ist es heilsam, sich an die beiden Beispiele Jesu zu erinnern, an die beiden sogenannten Heiden, die alles auf eine Karte gesetzt haben, die demütig wurden und ohne Wenn und Aber das befolgten, was der Prophet ihnen sagte.
Lass dich einfach auf Gott ein, vertraue ihm voll und ganz und ohne Hintertürchen, sagt Lukas. Dann, als wirklich Gläubiger, wirst du das Wunder erleben.

Beachten Sie bitte online außerdem die Dauer-Linktipps rechts im Info-Feld des Predigtgartens (Hauptseite)! - Darunter finden Sie nun auch häufig:
Wenn Sie dort in die Abbildung klicken, können Sie die meditativen Gedanken selbst als pdf herunterladen.

Predigt Pfr. Dr. Jörg Sieger
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Predigt Pfr. Karl Sendker
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„Zwischen Annahme und Ablehnung“ – Biblische Impulse (pdf)
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Pfr. Herbert Schmidt: „Rausgeworfen“ (pdf)
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Leseprobe „Gottes Wort im Kirchenjahr“ (pdf) – ab S.8 bzw. 139
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Rolf Höneisen, „FACTUM“: „Ohne Ausweg?“ – Die Witwe von Sarepta >> BITTE KLICKEN !
Prof. Dr. Gertz: Elischa und Naaman
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Regensburger Sonntagshilfen: Liturgie, Liedvorschläge (pdf)
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Bertelsmann-Stiftung: Umfrage zur Religiosität
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Schon über 200.000 Besucher im „Predigtgarten“ – ein kleines bisschen Statistik und ein großes „Danke“!
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Beweisführung
Ein Priester begann seine Predigt, indem er einen echten 200-Euro-Schein hochhielt. Dann fragte er die Gottesdienstbesucher, ob jemand diesen Geldschein haben wolle. Natürlich gingen fast alle Hände hoch.
„In Ordnung. Aber vorher will ich damit noch etwas tun.“
Kaum hatte er das gesagt, zerknitterte er den Schein vor aller Augen. Wieder fragte er, und wieder meldeten sich etliche Leute. „Kleinen Moment noch“, meinte er, und dann legte er den Schein auf den Boden und trampelte mehrmals mit seinen Schuhen darüber. Wieder das gleiche Spiel: Er fragte, und die Leute meldeten sich.
Schließlich tunkte er den Schein sogar kurz in ein Glas mit Wasser und zog ihn triefend wieder heraus. „Will immer noch jemand den Schein haben?“, wollte er wissen. Immerhin waren es noch weit mehr als die Hälfte der Leute, die sich meldeten.
Da fragte der Priester: „Warum wollt ihr bloß solch einen zer- knitterten, dreckigen und vom Wasser aufgeweichten Geldschein haben?“ - Da sagte man ihm, dass der Geldschein auch dann noch seinen Wert behalte, unabhängig vom äußeren Zustand. Man könne sogar einen in zwei Teile zerrissenen Schein bei der Bank eintauschen.
„Alles richtig, was ihr da sagt“, meinte schließlich der Priester.
„Ihr habt es richtig erkannt. Das Geld hat nie seinen Wert verloren. Das weiß jedes Kind. - Aber warum merkt ihr euch das nicht für euch selbst? Egal, wie schmutzig, wie zerknittert und wie am Boden zerstört wir sind - für Gott bleiben wir immer unendlich wertvoll!“ (Quelle: mir leider nicht bekannt)

Theologisch gebildet: Der Pfarrer stattet dem Kindergarten einen Besuch ab. Er fragt ein kleines Mädchen: "Weisst Du überhaupt, wer ich bin?"
"Na klar, Du bist der Nachrichtensprecher aus der Kirche..."

Ach so! Kleiner Unfall auf einer Landstraße in Bayern.
Ein Österreicher hat eine Mauer gestreift und hat nun einige leichte Dellen im Auto. Da kommt ein Bayer vorbei und sagt ganz hilfsbereit zu ihm: „Du musst kräftig in den Auspuff blasen, da drückt`s die Dellen wieder raus.“

Der Bayer fährt weiter, und der Österreicher denkt sich, das kann ich ja wenigstens mal probieren. Er bläst und bläst. Da kommt die Polizei vorbei und fragt ihn, was er da macht. Er sagt, ein anderer Fahrer habe ihm geraten, um die Dellen herauszubekommen, solle er in den Auspuff blasen.
Da schauen sich die Polizisten das Auto mal gründlich an und fangen dann an zu lachen: „Guter Mann, das kann natürlich nicht funktionieren, wenn das Schiebedach noch auf ist!"

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