30.01.2010

Darstellung des Herrn - 2.2.2010

(Fortsetzung)

Er hält nach dem Retter Ausschau, der schon von einigen Propheten ange-
kündigt wurde. Sein ganzes Leben versteht er als Dienst für Gott. Wie ein Wächter auf dem Turm hält er Ausschau. Das leise Gespött der Leute hinter seinem Rücken lässt ihn kalt.
Er hält in Treue fest, wo andere aufgegeben haben. Sein ganzes Wesen hat sich dadurch im Laufe der Jahre verändert. Simeon wartet nicht passiv, so wie in einem Wartezimmer. Simeon wartet aktiv. Er betet ständig und inbrünstig zu Gott um den Messias. Er ist sich durch eine Eingebung des Geistes hundertprozentig sicher: Er ist deshalb noch nicht gestorben, weil er den Messias leibhaftig sehen darf.

So ist er nun wie aus dem Nichts vor Maria und Josef aufgetaucht. Als er das Kind zu Gesicht bekommt, ist er wie elektrisiert.
Er stutzt sicher einen kurzen Augenblick, doch dann umfängt ihn ein unbeschreiblicher Glanz, ein ganz tiefes, fast überirdisches Glücksgefühl. Er weiß es: Jetzt ist er da, sein wichtigster Augenblick in seinem langen Leben. Sicher hat er mit den Tränen zu kämpfen, der alte Mann. Sicher hat er das Gefühl, dass ihn gleich die Kräfte verlassen.
Es ist wahr!
Er ist am Ziel, der Heiland ist nach den vielen Jahren da, das Heil ist angebrochen. Welche Seligkeit!
Er fragt die verdutzten Eltern erst gar nicht. Simeon bekommt ohnehin erst mal gar keinen Ton heraus. Er nimmt das Kind einfach aus den Armen der Mutter.
Nun liegt es wie in einer Wiege in seinen Armen. Er drückt das Kind an sich und liebkost es. Wogen des Glücks umspülen Simeon. Erlösung ist jetzt für ihn greifbar, Erlösung hat Hand und Fuß. Das Kind strahlt Simeon an, und Simeon strahlt das Kind an, eine kleine Ewigkeit lang. Es scheint, es gäbe es nur sie beide allein auf der ganzen Welt. Innigste Zwiesprache ohne Worte, einige himmlische Sekunden lang.

Die junge Mutter steht sprachlos daneben und lässt es geschehen. Sie ahnt, dass hier etwas ganz Erschütterndes geschieht, bei dem man unmöglich stören darf, wenn man kein Eindringling sein will. Es ist, als würde alle Zeit einige Sekunden lang angehalten. Die Welt hält den Atem an.
Da geschieht es: Aus Simeon platzt es nur so heraus, als ob alle seine langen Jahre des Wartens in dieser Sekunde kostbar entschädigt würden. Im Evangelium heißt es: „Simeon…pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“

Simeon hat tatsächlich das Licht der Welt noch sehen dürfen! Das Licht, das alles heil macht, das Licht, das alle erleuchtet, das allen den Weg weist, und zwar ausdrücklich auch den Heiden, also denen, die nicht oder noch nicht an den wahren Gott glauben.
Das will jedes Jahr auch unsere Weihnachtsbeleuchtung als Botschaft in die Welt tragen: Seht alle her und jubelt, denn das wahre Licht ist zu uns gekommen!

Simeon wird sich nun bald vom Erdenleben verabschieden können. Doch vorher wendet er sich noch mit einem letzten prophetischen Wort an Maria, die Mutter Jesu: „Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem wider-
sprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selber aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“

Wir spüren es: In den Jubel mischen sich schon die ersten Töne und Vorboten des Schicksals Jesu. Simeon weiß, was Maria noch nicht in der vollen Tragweite ahnt: Ihr Sohn Jesus wird viele Menschen aufrichten und zu Gott führen, aber er wird auch viel Widerspruch erfahren, besonders von den religiösen Führern.
Sogar das Leiden und Sterben Jesu deutet er an. Der Mutter Jesu wird ein Schwert durch die Seele dringen. Sie wird entsetzlich leiden müssen, wenn sie mitansehen muss, was man ihrem Sohn alles an Bosheit antut. Viel Leid wird Maria bevorstehen. Das fängt schon damit an, dass der zwölfjährige Jesus bei der Pilgerreise nach Jerusalem ohne einen Hinweis an Maria im Tempel bei den Schriftgelehrten bleibt und Maria nach ihrer verzweifelten Suche ganz verwundert entgegnet: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“

Ja, Maria wird viel Leid ertragen müssen. Die Heilige Familie war kein Bilderbuch-Idyll. Sie mussten vor den Soldaten des Herodes außer Landes fliehen, und immer wieder gab es in der Verwandtschaft und rund um Nazareth viel Unverständnis über den Sohn des Zimmermanns, von dem einige gar meinten, er sei von Sinnen. Auch die Szene bei der Hochzeit zu Kana zeigt, dass Jesus nicht immer nur der liebe Jesus war. Energisch weist er seine Mutter erst einmal zurecht, als sie von ihm erwartet, dass er für die verzweifelten Brautleute den dringend erforderlichen Nachschub an Wein auf seine Weise herbeischafft.

Auch die Heilige Familie hatte ihre Sorgen und Nöte. Aber andererseits wurde in ihr offenbar auch vieles grund-
gelegt, was wir an Jesus so schätzen: seine feste Verbundenheit mit den Ge-
boten der Religion, aber auch seine so großartige Hinwendung zu Menschen in Not, seine Offenheit anderen gegenüber auch über gesellschaftliche Schranken hinweg, sein großes Vertrauen in die Umkehrmöglichkeit von Menschen und vor allem das felsenfeste Vertrauen in den liebenden Gott. In dieser Familie wurde Jesus erzogen und geprägt.

Die große Bedeutung der Familie für die Entwicklung des Glaubens ist auch heute allen Verantwortlichen bewusst.
Die Familie ist nicht nur Grundlage der Gesellschaft, sondern auch der wichtigste Weg in die Gemeinschaft der Kirche.
Gott hätte in seiner Weisheit sicher auch einen ganz anderen Weg wählen können, um als Mensch in diese Welt einzutreten. Offenbar hat er ganz bewusst diesen Weg über die Geburt und über die Familie gewählt.

Doch zurück. Wir sind ja noch Zeuge einer besonderen Begeg-
nung im Jerusalemer Tempel. Der alte Simeon hat nicht nur das Kind an sich gedrückt und hat nicht nur prophetische Worte gesprochen. Er hat noch etwas ganz Entscheidendes getan. Erinnern Sie sich?
Es heißt im Evangelium ausdrücklich: „Und Simeon segnete sie…“ - Hier wird ganz anschaulich und konkret:
Simeon ist ganz extrem familien-
freundlich. Er segnet diese Familie öffentlich im Tempel.
Das ist mehr als eine Kinder-
segnung, wie sie in vielen Pfarreien praktiziert wird. Simeon segnet die ganze Familie. Segnen, das ist nicht nur ein netter, tröstlicher Spruch und vielleicht etwas Weihwasser. Segnen – das ist entschieden mehr: Wenn man jemanden segnet, dann ist einem dieser Mensch ans Herz gewachsen. Man ist in Gedanken bei ihm, man will alles nur Erdenklich Gute für ihn oder sie. Segnen, das ist nicht nur eine rituelle Handlung. Segnen kann eine Lebens-
haltung sein, ein Lebensstil. Wer segnet, der vertraut einen Menschen damit ausdrücklich Gott und seiner Gnade an, der Liebe und Güte des barmherzigen Gottes.

Segnen – das kann nicht nur Simeon. Segnen – das kann jeder. Begleiten wir die Menschen, die uns in Familie, Kirche und Alltag begegnen, ausdrücklich mit unserem Segen! Wer segnet, der liebt und vertraut. Wer segnet, der ist überzeugt, dass der gute Gott und seine Engel über allem wachen.

Das wusste damals im Tempel auch noch eine weitere Person, die am Schluss des heutigen Evangeliums einen ganz kurzen Auftritt hat. Es ist eine gottesfürchtige Frau namens Hanna, schon 84 Jahre alt. Viele Jahrzehnte lebte sie als arme Witwe am Rande der Gesellschaft, schutzlos und ohne Rente oder andere Absicherungen. Sie war von außen gesehen wirklich arm dran.
Von innen gesehen war sie jedoch alles andere als arm. Kein Schick-
salsschlag konnte sie von Gott trennen. Armut, Einsamkeit, Trauer, Hilflosigkeit – alles nahm sie an in Liebe zu Gott. Wir haben gehört, dass sie sich Tag und Nacht im Tempel aufhielt und Gott mit Fasten und Beten diente. Sie war eine weise Frau geworden, die wie Simeon wusste, worauf es im Leben wirklich ankommt. Auf alles konnte sie verzichten, aber nicht auf die Gegenwart Gottes im Tempel. Dort hält sie gerade Fürbitte für andere Menschen, als auch sie auf Maria und Josef aufmerksam wird.
Ohne Fragen stellen zu müssen, erkennt sie sofort die Bedeutung dieses Kindes. Hanna kommt eilig hinzu, preist Gott und macht alle im Umkreis aufmerksam, wenn auch offensichtlich mit nur mäßigem Erfolg.

Maria und Josef jedenfalls kommen jetzt erst nach dieser auf-
schlussreichen Störung zum eigentlichen Zweck ihres Tempel-
besuches. Nach den üblichen Handlungen des Priesters kehren sie nach Nazareth zurück.
Zum Schluss des heutigen Evangeliums heißt es nur: „Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.“
Mehr erfahren wir nicht. Ganz bewusst hat das Evangelium den Schwerpunkt auf die atemberaubende Begegnung im Tempel gelegt. Das heißt, dass wir alle genau darüber nachdenken sollten. Sonst wäre die Szene wohl kaum erzählt und aufgeschrieben worden.

Hunderte waren zu jener Stunde im Tempel, doch nur ganz wenige haben das Entscheidende wahrgenommen.
Da wurde gebetet,
da wurde geopfert,
da wurde getan und gemacht. Direkt nebendran geschah das große Wunder, und kaum einer hat es bemerkt. Wie kann das nur sein?
Müssten nicht alle sofort aufmerksam werden auf den alten Mann und die alte Frau, so aufgeregt und völlig aufgelöst wie die beiden waren? Nichts dergleichen. Alle waren nur mit sich selbst beschäftigt.
Wahrscheinlich sogar in bester Absicht verrichteten sie, was die religiösen Vorschriften von ihnen verlangten. Das Heil jedoch haben sie nicht gesehen. Dazu waren sie viel zu beschäftigt.
Dazu waren sie aber auch viel zu wenig vorbereitet. Sie haben nichts von den beiden Alten gelernt.
Die frommen Tempelbesucher und Priester haben nie gelernt, wirklich aktiv und voller Sehnsucht zu warten. Sie haben nicht gelernt, ganz genau hinzuhören und hinzusehen. Sie haben nicht wirklich damit gerechnet, dass die Prophezeihungen gerade jetzt und hier wahr werden könnten. Man könnte sagen: Sie haben nur rein formal geglaubt, aber nicht mit jeder Faser ihres Herzens.

So haben sie die große Stunde schlicht und einfach verpasst.
Sie hatten gar keine Chance auf einen Sechser im Lotto, obwohl sie die richtigen Zahlen wussten. Sie haben erst gar nicht auf dieses kleine Kind getippt.
Gott aber kommt nicht mit Donnerhall, Show-Treppe, Glitzer und Licht-Effekten. Nein, er kommt als Mensch, ganz unauffällig und bescheiden. Du kannst ihn sehen. Sei bereit!

Predigt in Wort-Gottes-Feier (nach unten scrollen!)
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Predigt Bischof Dr. Viktor J. Dammertz, Bistum Augsburg (2003)
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Auslegung von Prof. Dr. Ludwig Volz
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Exegetisch-theologischer Kommentar zu Lk 2,22-40 (pdf)
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Rembrandt’s letztes Bild: Simeon mit Jesuskind
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Elternbriefe „du + wir“ der Kath. Kirche
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Familienkatechese (Prof.Dr.Biesinger)
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Familienwegweiser der Bundesregierung
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Rettender Einfall: Drei Schotten besuchen als Touristen eine Heilige Messe im Kölner Dom und sind beeindruckt. Mit Entsetzen sehen sie jedoch, wie mitten im Gottesdienst aufmerksame Messdiener von Bank zu Bank gehen und die Kollekte einsammeln. Das bedrohliche Körbchen kommt näher und näher. In letzter Sekunde entschließt sich einer der Schotten zu einer Ohnmacht. Die beiden anderen packen ihn und tragen ihn hinaus…

Erfolgreich: Klein Peter muss zur Strafe 50 mal schreiben:
„Ich darf den Pfarrer im Religionsunterricht nicht duzen."

Er schreibt es sogar 100mal.
„Warum denn das?", fragt der Pfarrer.

Peter: „Weil ich dir eine Freude machen wollte!"

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am Zoom-Faktor liegt, den Sie eingestellt haben.
Vielleicht testen Sie das mal.

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1 Kommentar:

Unknown hat gesagt…

Lieber Predigtgärtner,

Ihre Predigt ist wirklich wunderbar und hält absolut was sie verspricht. Großes Kompliment von mir, einem routinierten Prediger mit 30 Jahren Predigtdienst auf dem Buckel.
Ich habe in meiner äußerst knapp bemessenen Freizeit mal angefangen, meine deutschen (Ich predige seit 25 Jahren auf Englisch oder Zulu) Predigten im Internet zu veröffentlichen. Sie finden diese unter http://lagleder.net/gerard/sermons/ottilianer_predigten.htm

Mit sehr herzlichen, dankabren und mitbrüderlichen Grüßen

Ihr Pater Gerhard

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