11.01.2010

2. Sonntag im Jahreskreis C - 17.1.2010

(Fortsetzung)

Die Festfreude wird jämmerlich ersticken. Die Stimmung sinkt auf den Nullpunkt. Da kann man auch gleich nach Hause gehen. Von wegen Traumhochzeit - einfach nur suuuuuperpeinlich, das Ganze!

Maria fackelt nicht lange herum. Sie kann nicht mitansehen, wie diesen jungen Leuten der schönste Tag ihres Lebens ruiniert wird. Jetzt ist nicht die Zeit für Ursachenforschung oder für Schuld-
zuweisungen. Passiert ist eben passiert. Jetzt gilt es, den Schaden so klein wie möglich zu halten. Und mal eben zur Tankstelle fahren, das gibt’s leider auch noch nicht. Da kann nur einer helfen, weiß Maria. Aus dieser Not kann uns nur Jesus herausmanövrieren.
Maria geht auf Jesus zu. Offenbar überlegt sie sich gut, was sie zu ihm sagen will. Im Evangelium heißt es nämlich nur: „Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.“
Interessant - Maria sagt nicht etwa: „Nun tu doch mal ein Wunder und zeig mal, was du kannst.“ - Nein, ganz bescheiden macht sie Jesus auf die konkrete Notlage aufmerksam, ohne ihm Vorschriften machen zu wollen. Maria macht das, was sie immer und immer wieder macht, auch heute noch: Sie bittet für andere, sie leistet Fürbitte bei ihrem Sohn.
Maria lässt ihm vertrauensvoll völlig freie Hand, erwartet aber, dass er jetzt irgendwie helfend eingreift. Umso erstaunter sind wir über die doch sehr verärgert und geradezu bockig klingende Reaktion Jesu: „Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Das klingt für unsere Ohren wie eine patzige Bemerkung, so wie etwa: „Geh mir nicht auf die Nerven, Alte!“ - So ist es jedoch nicht gemeint. Die Übersetzung aus dem griechischen Original zeigt das schon. Es müsste eher heißen: „Was ist mein? Was ist dein?“ – Was Jesus damit sagen will, wird jetzt klar: Maria hat ihre Aufgabe, und er hat seine spezielle Aufgabe. Er hat sich ganz nach dem Willen des himmlischen Vaters zu richten und nicht nach allen möglichen menschlichen Wunschvorstellungen, so berechtigt sie auch scheinen mögen.
Um das zu unterstreichen, verweist er Maria darauf, dass seine Stunde „noch nicht gekommen“ ist. - Wir wissen heute natürlich, wann seine Stunde geschlagen hat. Kurz vor seinem Tod betet er (Joh 17,1-5): „Vater, die Stunde ist gekommen…!“

Man kann also sagen, dass Jesus hier bei dieser Hochzeit in Kana bereits an sein Leiden und Sterben denkt, aber damit auch an seine Hochzeit des Lammes Gottes (Offb 19,7-9), die der himmlische Vater für ihn ausrichten wird. Am Ende der Zeiten wird Jesus Christus dann die erlöste Menschheit als „glückliche Braut“ zum himmlischen Festsaal heimführen. Das wird dann die wirkliche und endgültige „Traumhochzeit“ werden.

Doch zurück zum Hochzeitsfest in Kana. Marias weitere Reaktion auf diese Belehrung durch Jesus ist auch sehr interessant. Sie begibt sich unverzüglich zu den Dienern, wahrscheinlich, um diese darauf einzustimmen, dass gleich etwas Überraschendes ge-
schehen wird. So sagt sie ihnen nur: „Was er euch sagt, das tut!“
Maria will den Dienern damit ans Herz legen, jetzt nicht zu Bedenkenträgern zu werden und nicht zu oberschlauen Klug-
schwätzern, sondern einfach nur das zu tun, was ihnen von Jesus aufgetragen wird.

Und das lässt nicht lange auf sich warten. Jesus kommt tatsächlich zu ihnen. Er schwingt keine große Rede, er gibt keine Erklärungen ab, sondern wie nebenbei sagt er nur: „Füllt die Krüge mit Wasser!“
Das war ein schönes Stück Arbeit, 600 Liter Wasser in der Dunkel-
heit vom Dorfbrunnen in kleineren Krügen herbeizuschaffen!
Die Wasserträger erledigen das aber ohne Murren, und zwar so gewissenhaft, dass sie die großen Krüge sogar „bis zum Rand“ auffüllen, wie das Evangelium ausdrücklich vermerkt.
Jesus hat abgewartet, bis das wirklich erledigt ist. Er geht Schritt für Schritt vor, denn erst jetzt gibt er ihnen weitere Anweisung: „Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist.“

Die gehorsamen Diener sind also die einzigen, die Jesu Wundertat, die der Evangelist Johannes „sein erstes Zeichen“ nennt, so richtig mitbekommen haben. Erst nachdem der Fest-Manager den Bräutigam mit Kopf-
schütteln darauf aufmerksam gemacht hat, dass der erst jetzt am späten Abend mit einem so hervorragenden Wein herausrückt, werden auch die Jünger Jesu aufmerksam und reagieren mit gläubigem Erstaunen.
Jesus hat also tatsächlich auf wundersame Weise tatkräftig eingegriffen und so das Fest nicht nur gerettet, sondern mit einer Riesenmenge besten Weines geradezu überschwemmt.

Die Frage ist natürlich, was uns dieses Weinwunder sagen soll.
Und da gab und gibt es auch genügend Theologen, denen diese Zeichenhandlung Jesu ganz schwer im Magen liegt. Da denken manche z.B. an die vielen Alkoholkranken, an deren Leidensweg und den ihrer Familien. Wie kann Jesus bloß so etwas machen, so ein geradezu überflüssiges Wunder? Das ist doch wirklich bedenklich!
Hätte er sich nicht besser um Blinde, um Hungrige, um Notleidende gekümmert, statt hier solch ein Festgelage auch noch zu fördern, bei dem sicher auch einige betrunken unter die Tische gesunken sind? Und Jesus mit seinen Jüngern mitten unter diesen … - na, das Wort will man lieber erst gar nicht aussprechen!
Und so etwas ausgerechnet auch noch als allererste Wundertat Jesu, als seine Premiere, wo bei uns Menschen doch der erste Eindruck voneinander so entscheidend ist… - Da wünscht man sich doch fast, das alles wäre bloß nicht geschehen!

So ist das mit Jesus! Er lässt sich nicht in unsere simplen Schub-
laden und Schablonen pressen. Als erstes Zeichen, gewisser-
maßen als Amtsantritt des Heilands, schenkt er verschwenderisch viel Wein, verschwenderisch viel Freude!
Jesus ist kein weltfremder Asket, keine Spaßbremse, keiner, der zum Lachen in den Keller geht. Das hat er später noch oft genug bewiesen. Er hat viel gefastet und gebetet, aber er hat auch viele Ein-
ladungen zum Feiern angenommen. Die verärgerten Schriftgelehrten haben ihn deshalb als „Fresser und Säufer“ (Mt 11,19) tituliert.

Doch warum greift Jesus auf dieser Hochzeit ein, und dazu noch so völlig übertrieben großzügig in Qualität und Menge? Das große Fest der Hochzeit ist immer auch ein Bild des kommenden himmlischen Hochzeitsmahles. Die unglaubliche Verschwendung, die schon fast himmlische Fülle des geschenkten Weines, erinnert an den Hochzeitsbund Gottes mit uns Menschen.
Und Gott ist nun mal kein Geizkragen! Wer wie dieses Brautpaar so klug ist, Jesus zu sich einzuladen, der darf auch an seiner göttlichen Fülle teilhaben, der darf jetzt schon mal einen kleinen Vorgeschmack bekommen auf das ganz große Glück, das noch kommen wird.

Das Leben im Himmel in der Nähe Gottes ist die Fülle an sich, ein einziges traumhaftes Fest! (Joh 10,10) Dagegen ist unser Jubel bei jetzigen Feiern, beim Sieg unserer Mannschaft oder beim Karneval schon fast ein Trauerfall…!

Zum guten Schluss kommen wir wieder zu den Wasserträgern von Kana. Von denen können wir nämlich lernen. Auf den Rat Mariens hin haben sie sich aller mehr oder weniger schlauen Bemerkungen enthalten. Sicher haben sie schon bei zahlreichen Festen als Diener mitgeholfen. Sie sind die Profis. Sie wissen, wie der Hase so läuft. Doch diesmal waren sie klug genug, auf ihren Sachverstand, auf ihr Wissen, auf ihre Pläne und Ideen zu verzichten.

Maria hat es so kurz und präzise wie möglich und doch so genau
ins Schwarze treffend formuliert: „Was er euch sagt, das tut!“ -
Das steht natürlich auch da, weil es der beste Rat ist, den Maria jedem von uns hier und heute geben kann: „Was er euch sagt,
das tut!“

Daran sollten wir uns alle halten. Sie und ich und alle Würdenträger und Kommissionen der Kirche. Das ist auf den Punkt gebracht die Aufgabe von uns Wasserträgern. Das ist unser kleiner Beitrag, den Jesus von uns haben will. Hören wir auf ihn – dann werden wir es garantiert selbst erleben. Dann gehören wir zu denen, die dereinst volle Kanne feiern!

Predigt Pfr. Sebastian Carp: “All you can drink…” (pdf)
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Predigt Dr. Bernd-Michael Haese, Uni Kiel (pdf)
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Erzabtei Beuron: „Wie Wasser zu Wein wird“ (Predigt zur Trauung)
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Predigt Pastor Thomas Arhelger, FEG Leipzig (pdf)
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Pastorale Einführung ins Mess-Lektionar
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Vorschriftsmäßig: In einem Kloster wurde eines Abends der neue Wein probiert. Der Wein war so unverschämt gut, dass es nicht beim Probieren blieb. Es wurde überreichlich konsumiert. Auf einmal fiel einem der fleißigen Zecher auf, dass es schon nach Mitternacht war. Es war aber Vorschrift, dass der Zelebrant der Morgenmesse ab Mitternacht keinen Alkohol mehr getrunken haben durfte. Die Not war groß, denn der Abt war streng. Auf einmal hatte Pater Albert die Lösung. "Pater Josef kann doch zelebrieren!" rief er in die erstaunte Runde, "der liegt schon seit 23 Uhr unter dem Tisch!"

Drei Winzerfreunde sitzen beisammen und tüfteln an Namen für ihren neuen Wein. Meint der von der Mosel: „Moselschwärmer soll der Neue heißen."
Darauf der vom Rhein: „Prima, meiner heißt dann Rheinschwärmer."
Entgegnet der von der Ahr: "Hmm. Ich überdenke das noch mal…"

Durstig: Der Religionslehrer schildert den Kindern den Weinmangel bei der Hochzeit zu Kana und fragt: „Was meint ihr, wie konnte es nur dazu kommen, dass alle Weinfässer leer sind?“
Fritzchen glaubt die Ursache zu kennen: „Die hatten ja auch Jesus und alle seine Jünger eingeladen…!“

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