Doch als sie Jesus erreicht hat, kann sie einfach nicht mehr. Sie wird von ihren Gefühlen vollkommen überwältigt. Die Tränen stürzen nur so aus ihr heraus. Ans Sprechen ist jetzt über-haupt nicht zu denken. Der Schmerz über den Pfusch und den Müll in ihrem Leben lässt sich nicht mehr unterdrücken. Es heult einfach aus ihr heraus, nicht mehr beherrschbar. Ihre vielen Tränen treffen auf Jesu Füße.
Die Herrenrunde beobachtet die Szene, als handele es sich hier um einen Banküberfall. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Alle Augen sind auf diese Frau und auf den vielgelobten Rabbi gerichtet. An ihm ist es, diesem Spuk jetzt ein Ende zu machen, wenn schon der verblüffte Hausherr nicht eingreift. Man darf sich schließlich nicht alles gefallen lassen!
Doch bevor auch nur einer von ihnen das Wort ergreifen kann, fallen ihnen fast die Augen aus dem Kopf: Was macht denn diese auf-
dringliche Person da?
Tatsächlich: Sie hat ihre langen Haare aufgebunden. Ganz verstört sieht sie auf die nassen Füsse Jesu. Dann nutzt sie ihre Haare wie einen Lappen und reibt die Füsse trocken. Schließlich öffnet sie sogar noch das Ölfläschchen und massiert die Füsse mit dem Duftöl. Und dann küsst sie ihm auch noch die Füsse, ein Zeichen besonderer Demut und Ehr-erbietung. Eine Geschmacklosigkeit sondergleichen ist das bei dieser üblen Frau. Da bleibt einem glatt die Spucke weg!
Man kann ja noch nochvollziehen, dass diese Frau den Rabbi auf diese Weise besonders ehren will, aber der dürfte ein solches Verhalten einfach nicht dulden! Das sieht man doch, was das für eine ist! Und spätestens, als sie ihr Haar löste, hätte der Rabbi eingreifen müssen. Von einer Frau lässt man sich als Rabbi nicht berühren, und auf solch eine eindeutig zweideutige Weise schon
gar nicht. Niemals löst eine erwachsene Frau ihr Haar in Anwesen-
heit von fremden Männern. Und dann die Küsse… - Einfach unerhört ist das!
Natürlich merkt Jesus gleich, was diese ehrenwerten Herren denken. In die fast unerträgliche Stille hinein spricht er endlich den Hausherrn an. Jesus erzählt ein Gleichnis. Ein überwältigend großzügiger Geld-
verleiher erlässt dem einen zahlungsunfähigen Schuldner 50 De-
nare, dem anderen sogar das Zehnfache. Und nun will Jesus von Simon wissen, wer von den beiden aus der Schuldenfalle Geretteten diesen so spendablen Herrn mehr lieben wird.
Dumme Frage, denkt Simon. Das liegt doch auf der Hand. Doch vorsichtig, wie so ein diskussionserfahrener Pharisäer ist, äußert er das nur als Vermutung: „Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat.“
Jesus hat sich zurückgehalten. Er hat diese Frau nicht kritisiert und auch nicht Simon, den Pharisäer, dem die Ver-achtung für diese Frau ins Gesicht geschrieben steht. Doch jetzt antwortet er dem Hausherrn: „Jesus sagte zu ihm: Du hast recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuß gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküßt. Du hast mir nicht das Haar mit
Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt.“
Interessant, wie Jesus den Pharisäer Simon wachrüttelt. Er fragt ihn doch tatsächlich: „Siehst du diese Frau?“ - Diese eigenartige Frage kann nur bedeuten: Du, Simon, du hast wie die anderen Herren auch den Blick des gesetzestreuen Juden, der sich wirklich um den Glau-
ben bemüht. Aber etwas ganz Entscheidendes fehlt dir: Der liebende Blick!
Hast du überhaupt bemerkt, wie dreckig es dieser Frau geht?
Schau doch mal genau hin, was für ein Häufchen Elend das ist!
Ist dir überhaupt klar, was für eine gigantische Kraftanstrengung es für diese Frau ist, sich hierher auf den Weg zu machen, gewisser-
maßen in die Höhle des Löwen?
Nicht, dass ich mich darüber beschwere, aber lieber Simon, ver-
gleiche mal dein Verhalten als Gastgeber mit dem dieser so verschwenderisch liebenden Frau! Merkst du jetzt endlich, was deinem so überaus korrekten Verhalten fehlt?
Es ist, als hielte Jesus dem Simon jetzt einen großen Spiegel vor die Augen. Prüfe dich doch mal selbst! Du hast so wie deine Kollegen diese Frau doch längst abge-stempelt und als asozial ausgemustert. Nur Verachtung hast du für sie übrig, aber kein Mitleid. Du hast dir dein Weltbild zurechtgezimmert, wie es dir gelegen kommt: hier die Guten, dort die Bösen. Die Frage, wie Gott wohl diese Frau sieht, stellst du dir erst gar nicht. Sie ist dir einfach egal.
Schau dir diese Frau doch bitte genau an: Sie hat genug bittere Stunden durchgemacht. Sie weiß um ihre große Schuld und schämt sich deswegen. - Wer bist du, dass du ihr selbsternannter Richter sein willst? Im Gegensatz zu dir hat sie diesen Riesenschritt gewagt, den Schritt zu wirklicher Umkehr, den Schritt, Gott das eigene Leben anzuvertrauen, auch wenn es noch so mies war.
Die Frau bekommt immer noch kein Wort heraus. Sie ist so aufgeregt, dass sie kaum atmen kann. Was sagt Jesus da zu ihr? Ja, sie hat richtig gehört. Er hat gesagt: „Deine Sünden sind dir vergeben…Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!“ -
Ein unbeschreibliches Glücksgefühl durchflutet sie. Es ist also wirklich wahr: Gott hat auch sie lieb! - Was für ein Tag! -
Am liebsten würde sie Jesus dafür umarmen, aber die Herren im Saale können aufatmen: Offenbar konnte die Dame sich gerade noch bremsen…
Natürlich geht es im Evangelium um mehr als um den Einzelfall einer spektakulären Bekehrung. Betrachten wir zum Schluss uns selbst: Wo sind auch wir in der Gefahr, zum Pharisäer Simon zu werden? Wo laden wir Jesus zu uns ein und schmücken uns womöglich mit unserer Zugehörigkeit zu ihm, lassen es aber an der wirklichen Verehrung mangeln?
Wo haben auch wir Menschen nach unserem eigenen Bild in eine bestimmte Schublade einsortiert, belächelt oder gar innerlich verurteilt?

Das heutige Evangelium ist da eine gute Hilfestellung. Schauen wir auf Jesus, wie er mit den verletzten Seelen umgeht, die im Innersten so gerne zu Gott umkehren wollen. Ganz treffend hat da jemand mal gesagt:
„Wir Christen sollten weniger Schrankenwärter sein, sondern viel mehr Brückenbauer!“
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Bund der Steuerzahler e.V.: 1.800 Milliarden Euro Staatsschulden…
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Einige Tage nachdem er erschaffen worden war, begann Adam, sich im Garten Eden einsam zu fühlen. Er beschwerte sich bei Gott. Dieser bot ihm an: „Ich werde ein attraktives, intelligentes, einfühl-sames Lebewesen erschaffen, das dich fortan begleiten soll.''
Adam, schon leicht mißtrauisch: „Und was kostet mich das?''
Gott: „Das Augenlicht, den linken Arm und den rechten Fuß.''
Adam: „Nein, das ist es mir nicht wert. Was bekomme ich denn - sagen wir mal - für eine Rippe?''
Sagte der Biologie-Lehrer in der Schule: „Kann mir jemand erklären, warum Blähungen so stinken?" - Fritzchen aus der letzten Reihe:
„Na klar! Das ist so, damit die Schwerhörigen auch was davon haben!"
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1 Kommentar:
Spannend erzählt - danke für die Anregung!
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