Er war bis ins Mark getroffen und übersein bisheriges Leben seitdem nur noch erschüttert. Radikaler als bei ihm kann eine Lebensumkehr nicht sein: von nun an setzte er alles daran, das Christentum bis ans Ende der damals für ihn erreichbaren Welt auszubreiten. Wie man sich gut vorstellen kann, hatte er in den Christengemeinden aufgrund seiner Vorgeschichte nicht nur Freunde, sondern es gab auch einige, die ihm nicht so recht über den Weg trauten.
Obwohl er kränklich war, schonte er sich nicht, sondern legte Hun-
derte von Kilometern zu Fuß zurück, war mehrmals im Gefängnis, erlitt Schiffbruch, wurde einige Male verprügelt und litt auch sehr unter manchen Streitigkeiten in der jungen Kirche, besonders in den von
ihm gegründeten Gemeinden.
Was Paulus anpackte, das machte er hundertprozentig. Zu Beginn seiner Lebenswende suchte er Petrus auf und blieb volle 14 Tage bei ihm. Von ihm, dem Augenzeugen Jesu, erfuhr er nicht nur das wirklich Wesentliche des christlichen Glaubens, sondern die beiden lernten sich und ihre Wesenszüge gut kennen. Verschiedener als die beiden kann ein Team eigentlich nicht sein: Paulus, unverheiratet, hoch-
gebildeter, stets genau abwägender, aber von seinem Wesen her nicht sehr kompromissbereiter Stadtmensch und weltgewandter römischer Bürger – daneben Petrus, verheiratet, unumstritten die Nr. 1 der Apostel, aber keine theologische Ausbildung, sondern mehr der Praktiker, der seine Brötchen als Fischer verdient hatte, bevor Jesus ihn zum Menschenfischer machte.
Paulus war mehr der Vordenker und Theologe, Petrus war eher kom-promissbereit, aber zuweilen etwas zu impulsiv und über’s Ziel hinausschießend, wie einige Begebenheiten zeigen, wie z.B. sein Schwerthieb gegen den Diener Malchus, dem er bei der Festnahme Jesu ein Ohr abtrennte, und das, obwohl es dort von römischen Soldaten nur so wimmelte, die ihn niedermetzeln könnten.
Paulus legte sich auch mit Petrus an, wenn er dies in der Sache für erforderlich hielt. Es gab nicht immer Friede-Freude-Eierkuchen, sondern es ging im Streit auch mal hart zur Sache, wie wir in der Bibel nachlesen können. Paulus war z.B. überzeugt, dass Heiden, die Christen werden wollten, nicht erst den Weg über den jüdischen Glauben gehen mussten. Über die Art und Weise, wie sich die christlichen Gemeinden konkret gegenüber Nichtjuden öffnen konnten, wurde mehrfach heftig gestritten. Die Gegner von Paulus waren in Sorge, man werde das „Stammpublikum“ der Judenchristen durch zu viele Zugeständnisse an die Heidenchristen vernachlässigen. Offenbar gelang es Petrus aber, durch geschicktes Verhandeln beiden Seiten zu ihrem Recht zu verhelfen.
Freilich muss man heute berücksichtigen, dass ein solches Debattieren damals ein selbstverständlicher Teil der Kultur im vorderen Orient war, während wir heute eher geneigt sind, offene Diskussionen in religiösen Fragen zu vermeiden, zum Teil auch aus falsch verstandener Toleranz.
Petrus und Paulus haben sich gegenseitig in ihrer Sichtweise ernst
genommen. Sie waren zwar ein nicht immer spannungsfreies Team, aber niemand hat den anderen ausgegrenzt und schlecht geredet.
Sie haben ihre Arbeitsbereiche aufgeteilt; Paulus kümmerte sich speziell um die Heidenchristen, Petrus war der „Kapitän“ und hatte den Blick mehr auf die Christen gerichtet, die aus dem Judentum kamen.
Petrus und Paulus sind schon ein beein-druckendes Paar, rein menschlich gesehen alles andere als gleich-
gesinnte Freunde, zu verschieden in Temperament, Lebenserfahrung und Einstellungen. Jesus Christus hat in seiner Kirche zusammengebracht, was nach aller menschlichen Erfahrung eigentlich nicht miteinander harmonieren konnte.
Von Anfang an war die Kirche kein Ort, an dem sich absolut Gleich-
gesinnte kuschelig in ihr Nest zurückgezogen haben. Von Anfang an gab es verschiedene Blickwinkel, verschieden getönte Brillen, mit denen man auf das Evangelium sah.
Wenn die Kirche für so verschiedene Charaktere wie Petrus und Paulus einen gemeinsamen Festtag begeht, setzt sie ein Signal:
Ja, in der Kirche ist Platz für alle, die sich zu Jesus Christus als Messias bekennen, als Sohn des lebendigen Gottes. Da ist Platz für die Zweifler, die sich ihren Glauben immer wieder hart erkämpfen müssen, da ist Platz für die Gelehrten, da ist Platz für fromme Hochleistungssportler wie auch für Amateure, ebenso wie für Konservative und für Fortschrittliche, was auch immer diese simplen Etiketten bedeuten mögen. Nicht beispielsweise die Frage ist entscheidend, ob Hand- oder Mundkommunion, ob alte oder neue Messe, ob dies oder das, sondern die Frage Jesu: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“
Das ist die Frage, die Sie und ich wirklich beantworten müssen.
Alles andere ist zweit- und drittrangig. Wer sich nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit aufrichtigem Herzen zu Jesus bekennt, der gehört zur Kirche, zur „ekklesia“, zu den Herausgerufenen.
Gott sei Dank!
Petrus und Paulus – zwei Säulen der Kirche…>> BITTE KLICKEN !
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1 Kommentar:
Schade nur, dass sich das mit der Doppelspitze nicht durchgetragen hat...
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