Das Dorf liegt auf dem Gebiet der Samaritaner, die wir aus dem Gleichnis vom barmherzigen Sama-riter kennen, der den unter die Räuber Gefallenen so großzügig versorgt hat.
Als die Leute im Dorf er-
fahren, dass die Gruppe auf dem Wege nach Jerusalem ist, verwei-
gern sie ihnen jedoch die übliche Gastfreundschaft. Die Erklärung ist einfach: Auf die Juden in Jerusalem sind diese Menschen nicht gut zu sprechen. Gegenseitig spricht man sich ab, den jüdischen Glauben richtig zu leben. Der Streit ging in der Vergangenheit sogar so weit, dass die Führung in Jerusalem im Jahr 128 vor Christus das Heiligtum der Samaritaner auf dem Berg Garizim zerstören ließ. So sitzt das Misstrauen verständlicherweise tief.
Die beiden hitzköpfigen Jünger Jakobus und Johannes, die nicht ohne Grund den Spitznamen „die Donnersöhne“ tragen, schäumen vor Zorn und wenden sich an Jesus: „Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?“ Die Antwort Jesu, der wie üblich vor seinen Jüngern hergeht, wird vom Evangelisten Lukas nicht wörtlich genannt. Aber es heißt: „Da wandte er sich um und wies sie zurecht.“ – Sie bekommen also eine richtige Abmahnung vom Chef. So geht das nicht, will Jesus sagen, ich bin nicht gekommen, um zu vernichten, sondern um zu heilen und zu retten. Und ihr haltet euch da besser heraus. Ein Urteil über eure Mitmenschen steht euch nicht zu.
Während die Gruppe weiterzieht, kommt es dann zu drei Begegnungen mit Männern, die sich der Bewegung Jesu anschließen wollen. So etwas geschah immer wieder; hier wird es von Lukas ausdrücklich zum Thema gemacht. Der erste von ihnen ist sich offensichtlich seiner Sache ganz sicher. Klar doch, Jesus, „ich will dir folgen, wohin du
auch gehst.“ Das ist kein Problem für mich! - Hat er den Mund zu voll genommen?
Jesus jedenfalls macht ihn darauf aufmerksam, das es hier nicht um einen gemütlichen Sonntagsspaziergang geht. Ich habe noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf, erklärt er ihm. Bist du sicher, dass du auch zu mir hältst, wenn es unbequem und unangenehm wird?
Ein zweiter will schon gern mit Jesus ziehen, aber er hat zuerst noch eine Pflicht zu erfüllen.Es ist doch wohl Ehrensache, dass ihm jetzt die Be-
erdigung vorgeht. Jesus möge doch bitte noch eine Zeitlang auf ihn warten!
Das klingt in unseren Ohren wirklich einleuchtend und vor allem menschlich. Das geht ja gar nicht, dass die Toten ihre Toten be-
graben, wie Jesus ihm antwortet. Und es gehört sich doch einfach, dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Danach, ja danach, dann steht er zur Verfügung.
Warum ist Jesus da so hart, mögen wir uns fragen. Warum lässt er dem Mann nicht die Zeit? - Denken wir einmal ganz praktisch: Natürlich würde die Beerdigung nicht ins Wasser fallen, wenn der Mann Jesus sofort folgte. Die Verwandtschaft ist schließlich groß genug, und das ganze Dorf hält auch zusammen und zieht mit dem Trauerzug ans Grab. Der Tote wird also nicht im Stich gelassen. Für Jesus und seine Jünger würde die Teilnahme des Mannes an der Beerdigung aber bedeuten, dass sie alle mindestens einen halben Tag vor Ort auf ihn warten müssten, dass sie vorerst nicht weiterziehen könnten.
Doch nicht nur das. Die Mahnung Jesu endet schließlich so: „…du aber geh und verkünde das Reich Gottes!“ - Es geht hier also nicht um eine Frage der Ehre oder der Pietät. Es geht schlicht und einfach um die entscheidende Frage, was dem Mann letztlich wichtiger ist: die Teilnahme an der Beerdigung oder das Reich Gottes, das allen verkündet werden soll!
Lukas führt noch eine dritte Begegnung an. Der Mann ist bereit, seine Familie für eine Zeitlang zu verlassen, um Jesus zu folgen. Aber das geht doch nicht einfach mal so – da muss man zumindest ordentlich Abschied feiern. Zu Jesus sagt er: „Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen.“
So wie wir die orientalischen Menschen kennen, wird das dauern, so wie beim zweiten Bewerber. Da wird geredet, umarmt, gemeinsam gegessen und getrunken, da kommen die Nachbarn herbei und werden mit ihren Bedenken gegen den geplanten Schritt sicher nicht hinterm Berg halten. Vielleicht wird er sogar einige handfeste Vorwürfe zu hören kriegen. Man kann sich schon denken, wie unsicher der Mann werden wird. Er wird ins Grübeln kommen: Ist das wirklich die richtige Entscheidung? Soll ich nicht besser noch eine Nacht darüber schlafen?
Jesus erkennt den guten Willen des Mannes, aber er merkt auch sofort, dass der seine Vergangenheit nie loslassen wird. Hätten Jesu Jünger, die jetzt schon um ihn sind, ebenso gehandelt – sie säßen heute noch daheim am Tisch…Wie hatte er doch zu Jesus gesagt? „Zuvor aber…“ - So viele sind es, die aus dem Munde Jesu die Frohe Botschaft vernehmen. Die Worte dringen bei vielen in ihr Ohr, doch nicht wirklich tief genug in ihr Herz. Da ist das berühmte Wort „aber“.
Natürlich würde ich gerne, aber… - Du hast ja recht, aber… - Eigentlich müsste man, aber… - Wir alle kennen das aus unserem Leben leider nur allzu gut. Wie hatte es ein Spötter mal formuliert: Eigentlich bin ich ja ein guter Mensch, aber leider komme ich nicht dazu…!
Jesus nimmt da kein Blatt vor den Mund. Er antwortet dem Mann mit einem Beispiel aus der Praxis: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ Das wussten die Leute aus eigener Anschauung: Wer beim Pflügen nach hinten schaut, der kommt schnell aus der Spur, aus dem Tritt. Wer eine gute Ernte erreichen will, der braucht gleichmäßige, gerade Furchen für das Saatgut. Von einem Menschen, der innerlich ins Trudeln geraten ist, der nicht mehr so recht weiß, was er eigentlich tun soll, von dem sagen wir heute noch: Der ist aus der Spur geraten! - Das heißt für die Bauern zur Zeit Jesu: Wer aus der Spur gerät, der kann umkippen, der kann steckenbleiben, der spurt nicht mehr, der gerät auf Zickzack-Kurs, der taugt nicht für diesen Job.
Bei der Arbeit der Jünger Jesu damals und heute ist es nicht viel anders. Wer immer wieder zurückschaut, wer mehr an die Ver-gangenheit als an die Gegenwart denkt, der wird den Blick nicht fest nach vorne richten können, der kriegt zwangsläufig nicht mit, was direkt vor ihm geschieht.
Nichts gegen Traditionen, nichts gegen das, was früher war. Jesus selbst hat das immer sehr ernst genommen. Die große Gefahr für einen, der Jesu Jünger sein will, ist nur die, dass er sich dadurch freiwillig in Ketten legen lässt, z.B. in die Ketten von „das war doch schon immer so“.
Viele wichtige Dinge gibt es in unserem Leben, das weiß auch Jesus. Die Frage ist nur, was in unserem Christenleben die Oberhand ge-
winnt. Man kann nicht nur von Alkohol und Drogen abhängig werden, ohne dass man es so richtig mitbekommt, ab wann man davon abhängig ist. Viel zu vieles gibt es, das einen an die Kette legen kann. Das kann Geld sein, das kann Macht und Erfolg sein, das kann die sogenannte Selbstverwirklichung sein und wer weiß was sonst noch alles.
Zu interessant, zu verlockend ist so vieles, damals wie heute. Wobei heute die Möglichkeiten natürlich weitaus größer sind, und damit auch die Gefahren. Und auch goldene Ketten sind Ketten, auch wenn sie recht hübsch aussehen.
Wir leben heute mit der Fernbedienung und zappen uns so ständig durch’s Programm. Das An-gebot ist so vielfältig, da will man doch mal sehen, dass man nichts verpasst, was vielleicht noch besser ist.
Für die Nachfolge Jesu ist das allerdings wenig hilfreich. Da bringt dir das Zappen gar nichts. Da musst du dich entscheiden. Was ist das Wichtigste in deinem Leben? Wer ist bei dir die Nummer 1?
Was hat auf deiner Straße Vorfahrt?
Wie das bei den drei Männern ausging, die uns im heutigen Evangelium begegnet sind, das erfahren wir überhaupt nicht. Das Ende bleibt bewusst offen. Entscheiden sie sich für Jesus, oder fallen sie in ihren Alltagstrott zurück? Bringen sie den Mut auf, sofort mitzugehen, oder vertagen sie das doch lieber auf den Sankt-Nimmerleins-Tag?
Bei diesen dreien ist das Ergebnis also offen. Es gibt aber viele, viele andere, die haben sich entschieden. Die haben für ihr Leben die Priorität eindeutig gesetzt: Ja, ich gehe mit Jesus, und damit fange ich hier und heute an. Da mache ich keine halben Sachen mehr. Jesus hat ihnen im heutigen Evangelium gewissermaßen den Beipackzettel vorgelesen. Ja, das Christentum kann auch Nebenwirkungen haben. Bei den Leistungs-Sportlern haben wir es erfahren: Wer konsequent für etwas ist, der wird zwangsläufig anderes auf die hinteren Plätze verfrachten müssen.
Von den vielen Heiligen und Märtyrern will ich an dieser Stelle gar
nicht groß reden. Das wäre ein Extra-Thema. Immer wieder müssen Christen für ihren Glauben den Kopf hinhalten, manchmal auch ganz wörtlich. Vor wenigen Wochen, am Fronleichnamstag, ist dies Bischof Padovese in der Türkei passiert. Ein moslemischer Fanatiker hat ihm tatsächlich den Kopf abgeschlagen, wie wir aus der Presse erfahren mussten.
Doch es gibt auch die unzähligen Jesus-Jünger, die eher nicht ins öffentliche Rampenlicht geraten. Als sie für sich den Ruf Jesu hörten: „Folge mir nach!“ ,da haben sie sich auf die Socken gemacht. Manche von ihnen dienen ihm und uns allen z.B. mit einem Leben in einer klösterlichen Ge-
meinschaft.
„Respekt!“ kann man da nur sagen. Den wenigsten ist die Ent-
scheidung leicht gefallen. Freunde, Familie, bisherige Arbeitsstelle, eigenes Geld – da bleibt vieles von nun an auf der Strecke. Wie gut aber für uns, dass wir ihr Beispiel immer vor Augen haben.
Viele sind es, die Christus an dem Platz nachfolgen, an den sie gerade hingestellt worden sind. Die heilige Teresa von Ávila (1515-1582) hat es mit diesen Worten auf den Punkt gebracht: „Christus ist auch in der Küche, mitten zwischen den Kochtöpfen.“
Entscheiden wir uns. Gehen wir ihm nach. Er sorgt schon für uns.
Predigt Margit Gill (pdf)>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pastor Hartmut Dinse (pdf)
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Hinweise des Bibelwerks für Lektoren usw. (pdf)
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Näheres von mir zu Jesus und den Samaritanern
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H. Kügler: „Kann christliches Ordensleben glücklich machen?“ (pdf)
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„Wie hältst du’s mit der Religion?“ Allensbach-Studie
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Ordensgemeinschaften in Deutschland
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„Ein Haufen schnatternder Gänse wohnt auf einem wunder-baren Hof. Sie veranstalten alle sieben Tage eine herrliche Parade. Das stattliche Federvieh wandert im Gänsemarsch zum Zaun, wo der beredtste Gänserich mit ergreifenden Worten schnatternd die Herrlichkeit der Gänse dartut. Immer wieder kommt er dabei darauf zu sprechen, wie in Vorzeiten die Gänse mit ihrem mächtigen Gespann die Meere und Kontinente beflogen haben.
Er vergisst auch nicht, das Lob an Gottes Schöpfermacht zu betonen. Schließlich hat er den Gänsen ihre kräftigen Flügel und ihren un-
glaublichen Richtungssinn gegeben, dank deren die Gänse die Erdkugel überflogen.
Die Gänse sind tief beeindruckt. Sie senken andächtig ihre Köpfe und drücken ihre Flügel fest an den wohlgenährten Körper, der noch nie den Boden verlassen hat. Sie watscheln auseinander, voll Lobes für die gute Predigt und den beredten Gänserich. Aber das ist auch alles. Fliegen tun sie nicht. Sie machen nicht einmal den Versuch. Sie kom-
men gar nicht auf den Gedanken. Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut, der Hof ist sicher, und ihr Leben bequem.”
Quelle und noch mehr dazu: „Born to be wild! – Lernen von Wildgänsen“ >> BITTE KLICKEN !
Der Arzt wird mitten in der Nacht gerufen. Er untersucht den Patienten: „Haben Sie schon Ihr Testament gemacht?"„Nein, Herr Doktor, ist es denn wirklich so schlimm?"
"Lassen Sie einen Notar kommen und rufen Sie sofort Ihre nächsten Verwandten!"
„Heißt das, dass es mit mir zu Ende geht?"
„Das nicht, aber ich will nicht der Einzige sein, der mitten in der Nacht sinnlos aus dem Bett geholt wird..."
Die Polizei hält den Pfarrer abends an, weil das Licht an seinem Fahrrad nicht brennt: „Das kostet 10 EURO!“ Beim Schreiben der Quittung fragt der Polizist: „Haben Sie denn keine Angst, dass Ihnen etwas passiert, wenn Sie so im Dunkeln fahren?“
Darauf der Pfarrer: „Nein, ich habe keine Angst, der Herr ist doch bei mir.“ - Darauf der Polizist: „Was? Zu zweit auf einem Fahrrad? Das macht allerdings 20 EURO!“
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