30.06.2010

14. Sonntag im Jahreskreis C - 04.07.2010

(Fortsetzung)
Die Leute in den aufzusuchenden Ortschaften haben sicher schon so allerlei Wander-
prediger erlebt.
Diese hier fallen durch ihr fast demütiges Verhalten auf. Und dieses Signal kommt bei den Menschen an, ist im wahrsten Sinne des Wortes glaub-würdig: Wer so lebt, der muss es wirklich ernst meinen mit dem, was er da verkündet!
Aber warum sollen sie unterwegs niemanden grüßen? Für ein freund-
liches „Guten Tag!“ sollte doch wohl noch Zeit sein!
Natürlich ist hier etwas anderes gemeint: Gerade der Orient ist be-
kannt dafür, dass es mit einer kurzen Begrüßung nicht getan ist.
Da gibt es Begrüßungsrituale, die können tatsächlich mit allerlei Höflichkeitsfloskeln und Plaudereien stundenlang dauern; Zeit spielt da kaum eine Rolle. So wird die Absicht Jesu schnell klar: Lasst euch nicht auf Dinge ein, die euch von eurem dringenden Botendienst nur ablenken! Behaltet stets euer Ziel im Auge!

Wenn die beiden Boten endlich am Zielort ange-
kommen sind, dann dürfen, dann sollen sie sich ins Haus einladen lassen, von wem auch immer.
Und das allererste, was sie dann tun sollen, ist das Aus-
sprechen des Friedensgrußes an alle in diesem Haus. Allen An-
wesenden den Frieden Gottes wünschen, damit beginnt ausdrücklich jeder missionarische Dienst. Ganz eindringlich ermahnt Jesus seine Boten auch, sich als Gäste an die vorgefundenen Gegebenheiten anzupassen.
Gleich zweimal werden sie ermahnt, das zu essen, was auf den Tisch kommt, was man ihnen vorsetzt. Damit ist nicht gemeint, immer schön brav den Teller leer zu essen, auch wenn man eine Speise eigentlich nicht ausstehen kann. Gemeint ist vielmehr: Wer jetzt einige Tage lang sein Leben mit den Gastgebern teilt, der soll sich ganz und gar auf diese Menschen und ihr Leben, ihre Gewohnheiten einlassen.
Dann kommt es ganz bestimmt zu segensreichen und tiefen Gesprä-
chen, die so manches Herz für Gottes Wort aufschließen. Über mehrere Tage kann keiner nur sein nettes Sonntagsgesicht aufsetzen. Da sieht man die konkreten Nöte und Probleme der Menschen, und dann kann man da ansetzen. Würden die beiden Boten dagegen ihr Quartier im Dorf wechseln, weil bei der Nachbarshausfrau das Essen besser schmeckt, würde es zu Eifersüchteleien der Dorfbewohner kommen, und das wäre der Anfang vom Ende ihrer Mission.

Die Dienstanweisungen Jesu sind also wohldurchdacht. Seine Boten sollen ganz darauf vertrauen, dass Gott sie auf jeden Fall auf dem richtigen Weg führen wird. Alle Koffer, allen Ballast dürfen sie im Vertrauen auf Gottes Fügung beiseite lassen. - Gottes Heil können die Menschen vor Ort dabei auch ganz konkret und wortwörtlich hautnah erleben, wenn Leidende von ihren Krankheiten befreit werden. All dies soll den Men-
schen den Kernsatz Jesu nahebringen: „…sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.“

Jeder Bibeltext ist auch immer eine kritische Anfrage an uns heute,
an uns selbst: Wir neigen heute auch in der Kirche dazu, jede Menge Koffer zu packen, in gutgemeinter Absicht. Man trägt schließlich Verantwortung, man kann nicht leben wie ein Wanderprediger damals. Der Text sollte in uns dennoch eine heilsame Unruhe auslösen: Behaltet stets gut im Auge, was ihr macht, wie ihr als Christen und als Kirche lebt.
Da sollten wir uns schon immer wieder fragen: Was schleppe ich,
was schleppen wir als Priester, als Gemeinde, als Ordensgemeinschaft usw. mit uns herum, was wir nicht loslassen können?
Was belastet mich im wahrsten Sinne des Wortes und versucht mich daran zu hindern, Gott wirklich zu vertrauen?
Wo vertraue ich meiner eigenen Kraft, meiner eigenen Leistung mehr als der Kraft Gottes?

Die Frage eines Schülers an einen Rabbi mag uns dabei helfen:
„Wie kommt es eigentlich, Meister, dass die Engel fliegen können?“ Die Antwort lautete: „Das kommt wohl daher, weil sie sich so leicht nehmen!“
In diesem Sinn können wir den Entlassungsruf aus der lateinischen Messe in uns aufnehmen: „Ite, missa est!“ – Das heißt mehr als das bekannte „Gehet hin in Frieden!“. Das heißt eigentlich: „So geht doch endlich! Brecht doch auf – jetzt erfüllt eure Sendung, jetzt lasst die Menschen an euch spüren, wie schön es ist, ein Gotteskind zu sein!“

Predigt P. Schwind SJ (pdf)
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Predigt Prof. Dr. Dr. Klaus Müller: „Stellenausschreibung“
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Wilhelm Weber: Sende Arbeiter in deine Ernte! (pdf)
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Predigt Pfarre Machstraße: „Die Sendung der Christen“ (pdf)
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„Erfolg ist keiner der Namen Gottes“
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Priester in Rumänien: Geschenktes Auto statt Anhalter
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„Ite, missa est“ und neue Formulierungen für die Entlassung
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Der Kaplan zeigt beim Erstkommunionunterricht den Kindern den Beichtstuhl. Ein kleiner Junge sieht die Stola dort hängen und fragt den verdutzten Kaplan: "Müsst ihr euch jetzt auch anschnallen?"

Kommt ein Tscheche zum Augenarzt. Der hält ihm die Buchstabentafel vor, auf der steht: C Z W X N Q Y S T A C Z "Können Sie das lesen?" "Lesen?", ruft der Tscheche erstaunt aus, "ich kenne den Kerl!"

Die weitere Planung:
15. Sonntag im Jahreskreis C - 11.7.2010 Lk 10,25-37
"Wer ist mein Nächster?"

16. Sonntag im Jahreskreis C - 18.7.2010 Lk 10,38-42
"Marta nahm ihn freundlich auf -
Maria hat das Bessere gewählt"
17. Sonntag im Jahreskreis C - 25. Juli 2010 Lk 11,1-13
"Bittet, dann wird euch gegeben"

Zum 18. Sonntag C (1.August) und 19. Sonntag C (8.August)
wegen Urlaub keine Predigtgedanken!


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2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Anonym hat einen neuen Kommentar zu Ihrem Post "14. Sonntag im Jahreskreis C - 04.07.2010" hinterlassen:

Zu "Eßt, was man euch vorsetzt" ist mir eben beim Lesen eingefallen, daß die Juden ja Speisevorschriften haben. Vielleicht sollten sie die in diesem Falle auch ggf. "fallen lassen" und eben das essen, auch wenn es nach ihren Vorschriften unrein war. Im menschlichen Umgang: Und wenn in dem Haus ein Zöllner oder Sünder wohnt - bleibt dort!!! Nehmt die Leute wie sie sind (und versucht natürlich in aller Liebe, sie zu bekehren)! DANKE für die immer wieder guten Gedanken!!!

Der Predigtgärtner hat gesagt…

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