In seinem Artikel zur Perikopen-ordnung meint Prof. Dr. G. Lohfink dazu: „Mir scheint vor allem, daß wir die Pflicht haben, im deutschen Sprachbereich gegenüber dem Rest der katholischen Welt aufzuholen und endlich allgemein die Dreizahl der Lesungen durchzusetzen. Der Rückzug auf nur zwei Lesungen sollte eine wirkliche Ausnahme aus wirklich speziellen Gründen sein, die de facto nur selten vorliegen.“ (2)
Es herrscht aber weiterhin in den deutschen Landen der Notstand als gewollter Dauerzustand. Man spart sich den dritten Bibeltext einfach. Natürlich nur aus seelsorgerischen Gründen – man will ja nur vermeiden, dass empfindsame und nur beschränkt aufnahme-
fähige Gemeindemitglieder unter der Last von drei Lesungen in der Kirche zusammenbrechen…
Oft liegt das Problem aber viel tiefer,
denn es gibt genügend Lektoren, die keinerlei Schulung und An-
leitung erfahren haben und sich daher schwertun. (Beachten Sie bitte meine Linktipps dazu.)
Es spricht auch Bände, wie liebevoll oder gedankenlos der Ambo als Lesepult präsentiert wird. Da sieht man zuweilen verrostete Metallständer und ähnliches, zudem noch schlecht ausge-leuchtet, was zu den Lese-
problemen beiträgt.
Natürlich gibt es auch erfreuliche Beispiele, einschließlich des Blumenschmucks am Ambo, regelmäßige Besprechungen des Pfarrers mit den Lektoren und vieles mehr. Wenn Pfarrer ihren Gemeinden dauerhaft biblische Lesungen vorenthalten, dann unterlaufen sie m.E. nicht nur die Absichten des Konzils.
Indem sie sich und den Gläubigen in der Hl. Messe einen Teil des vorgesehenen Wortes Gottes ersparen, sorgen sie tatkräftig mit dafür, dass diese Texte kaum noch in den Köpfen präsent sind.
Bibel – nein, danke? Schade!
Nachfolgend einige ausgewählte Links dazu:
- (1) Pfr. Dr. Jörg Sieger: „Aufnahmefähigkeit…“
>> BITTE KLICKEN !
- (2) Prof. Dr. Gerhard Lohfink: „Drei Lesungen durchsetzen…“
>> BITTE KLICKEN !
- Kath. Bibelwerk: Einführungen u. Lesehilfen für Lektoren
>> BITTE KLICKEN !
- Der Aufbau der Leseordnung
>> BITTE KLICKEN !
- Beispiel eines Kurses für Lektoren (Wien)
>> BITTE KLICKEN !
- Lektorenschulung Bamberg (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
- Grundordnung des Römischen Messbuches (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
- Der Geist der Liturgie (Erklärung einer Pfarrgemeinde)
>> BITTE KLICKEN !
- Hinweise zur Liturgie des Wortes
>> BITTE KLICKEN !
Zurück zur Hauptseite? >> BITTE KLICKEN !
5 Kommentare:
Drei Lesungen?
Das lese ich heute zum ersten Mal! Interessant, das zu erfahren. Bei uns sind sogar zwei Lesungen die Ausnahme! Und die gibt es nur, wenn der Kaplan die Messe hält oder halt an Hochfesten. Also sind wir noch tiefer gesunken, als der Rest von Deutschland! Traurig!
Danke für Ihre Information dahingehend.
19.09.10 17:02
Da verwechselt Du jetzt aber was... drei Lesungen heißt drei Lesungen einschließlich Evangelium, in volkstümlicher Sprache also zwei Lesungen. Insofern erlebst Du genau den geschilderten Dauerausnahms-Zustand.
„Man spart sich den dritten Bibeltext einfach. Natürlich nur aus seelsorgerischen Gründen – man will ja nur vermeiden, dass empfindsame und nur beschränkt aufnahmefähige Gemeindemitglieder unter der Last von drei Lesungen in der Kirche zusammenbrechen…“
Warum dieser Spott, Herr Eutebach?
Natürlich sind „deutsche Katholiken“ nicht „dümmer“.
Aber dass allen anderen Katholiken weltweit an Sonn- und Feiertagen drei Lesungen vorgetragen werden, halte ich für ein Märchen. Oder sind darüber schon ernsthafte Untersuchungen mit eindeutigem Ergebnis angestellt worden?
Und dass angeblich alle anderen Katholiken drei Lesungen hören, spricht ja nicht unbedingt schon für drei Lesun-gen. Ich finde den Umstand, dass die deutschen Bischöfe aus seelsorgerlichen Gründen eine Beschränkung auf zwei Lesungen erlauben, nicht ganz so schlecht, wie Sie es kommentieren.
Ich habe in meiner Pfarrei vor vielen Jahren – die genaue Jahreszahl weiß ich nicht mehr – die 2. Lesung an Sonn- und Feiertagen eingeführt. Heute bin ich hin und hergerissen, ob ich diese Regelung nicht wieder rückgängig mache. Ob ich den Vorwurf des Ungehorsams gegenüber den Beschlüssen der Konzilsväter nicht auf mich nehmen soll.
Denn immer wieder habe ich die Erfahrung gemacht und mache sie noch: dass sehr oft drei Lesungen wirklich zu viel sind, vor allem, wenn eine der Lesungen überhaupt nicht zur Thematik des Evangeliums passt.
Bei uns werden die Lesungen (außer dem Evangelium) immer mit einigen erklärenden Sätzen eingeleitet, bei uns bekom¬men die Lektoren Schulung und Anleitung, bei uns ist der Ambo in einem würdigen Zustand, gut ausgeleuchtet und mit einem Mikrophon versehen; bei uns werden die Lektoren langfristig eingeteilt und kommen nicht unvorbereitet, sie haben die entsprechenden Bücher von mir bekommen und werden regelmäßig auf weitere Hilfen im Internet hin¬gewiesen. – Ich bin überzeugt, dass das, was ich hier aufgezählt habe, auch in hunderten anderer Pfarreien so ist.
Dass die Texte der Bibel in den Köpfen der Leute nicht präsent sind, liegt doch nicht nur allein daran, dass die be-stimmten ersten oder zweiten Lesungen im Gottesdienst nicht mehr verkündet werden! Sondern vor allem auch da-ran, weil die Katholiken es nicht gewöhnt sind, in der Bibel zu lesen. An diesem Missstand ist die Kirchenleitung, wie Sie wissen, nicht ganz unschuldig. Bibelkreise machen dieses Defizit nur in einem verschwindend geringen Maß, wenn überhaupt, wett. Auch haben die wenigsten Katholiken eine Bistumszeitung, in der die Sonntags¬le-sungen in der Regel abgedruckt sind. Und heutzutage sind die Leute tatsächlicher weniger aufnahmefähiger als früher, nicht weil sie dümmer sind, sondern weil sie weit mehr als früher überschüttet werden von allen möglichen Informationen, ob sie das wollen oder nicht.
In vielen liturgischen Anleitungen wird über die Wortlastigkeit des Wortgottesdienstes der Eucharistiefeier geklagt. Die zweite Lesung trägt auch dazu bei.
D.Schindler
Aber dass allen anderen Katholiken weltweit an Sonn- und Feiertagen drei Lesungen vorgetragen werden, halte ich für ein Märchen.
Ich nicht! Ich bin beruflich viel unterwegs und höre Sonntags im Ausland immer alle 3 vorgeschriebenen Lesungen. Nur im deutschen Sprachraum wird meistens eine der Lesungen ausgelassen.
Ich habe in meiner Pfarrei vor vielen Jahren – die genaue Jahreszahl weiß ich nicht mehr – die 2. Lesung an Sonn- und Feiertagen eingeführt.
Mit Verlaub: Sie haben gar nichts eingeführt (das hat nämlich die Liturgiereform unter Paul VI.), sondern Sie haben einfach angefangen sich an die Vorgaben für die Feier der Liturgie zu halten.
weil die Katholiken es nicht gewöhnt sind, in der Bibel zu lesen. An diesem Missstand ist die Kirchenleitung, wie Sie wissen, nicht ganz unschuldig.
Dem stimme ich zu. Dem Orts-Pfarrer als 'Kirchenleitung' trifft an diesem Zustand keine geringe Schuld.
Literaturtip: Der Geist der Liturgie - Josef Ratzinger
Die Logik, in dem obigen Kommentar ist ja auch "bestechend": weil Katholiken das Bibellesen nicht gewohnt sind, gewöhnen wir sie besser gar nicht erst an das Wort Gottes, indem sie es wenigstens im Gottesdienst hören.
In den Heiligen Messen, die ich sonn- und werktags besuche, werden alle vorgeschriebenen Lesungen genommen, mitsamt dem vorgeschriebenen Antwortpsalm. Es ist meines Wissens noch nie vorgekommen, daß eine Hirnüberlastung aufgetreten wäre oder auch nur jemand ein Unbehagen darüber ausgedrückt hätte: im Gegenteil. Wo ein Gottesdienst als zu wortlastig empfunden wird, liegt das meiner Erfahrung nach nie am Wort Gottes, sondern an ausufernden Predigten, überbordenden Dankesreden oder endlosen Vermeldungen. Just my cents.
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