01.09.2010

23. Sonntag im Jahreskreis C - 05.09.2010

(Fortsetzung)

Klar, wir sind schon für paar Änderungen, wenn sie uns vorteilhaft erscheinen, aber insgesamt haben wir doch gerne alles wie gehabt. Erst wenn wir z.B. deutliche ge-
sundheitliche Probleme bekommen, dann sind die meisten von uns auch zum Nach-
denken über den eigenen Lebensstil, über unser Bewegungs- und Ernährungsver-
halten bereit. Da hängt bildlich gesprochen ein Schild über unserem Leben und oft genug auch über dem von kirchlichem Führungs-
personal und von Pfarrgemeinden, und darauf steht:
„Bitte nicht stören!“

Das war früher nicht anders, eher im Gegenteil: Traditionen wurde noch deutlich mehr Raum im eigenen Leben gegeben als heute. Gerade im orientalischen Kulturkreis spielten etwa die Familie und Verwandtschaft eine entscheidende Rolle. Nicht nur im Alltag hatte der Familien-Clan einiges mitzureden, sondern selbstverständlich auch in so wichtigen Entscheidungen wie der Wahl des Berufes oder der Auswahl des Ehepartners. Wenn das Familienoberhaupt der einen oder der anderen Sippe gegen die Verbindung zweier junger Menschen war, dann hatten diese sehr schlechte Karten.
So bot die Großfamilie zwar einerseits Sicherheit und Schutz in Not und Lebenskrisen, konnte aber auch stark bevormunden. Aus der Bibel wissen wir z.B., wie sehr sich die Verwandtschaft Jesu über dessen Lebenswandel als Wanderprediger aufgeregt hat.
Man überlegte sogar, wie es bei Markus (3,21) ausdrücklich vermerkt ist, Jesus „mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.“
Und nun geht uns auch ein Licht auf, wenn wir auf den Anfang des heutigen Evangeliums schauen, wo es heißt: „In jener Zeit, als viele Menschen Jesus begleiteten; da wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.“
Ja, viele waren es damals, die Jesus interessant fanden und ihm vielleicht sogar ein paar Tage auf seiner Predigt-Wanderung folgten. Sie waren zum Teil hin- und her-
gerissen: Soll ich diesem Rabbi wirklich weiter folgen, wie es seine Jünger praktizieren, oder ist es nicht doch klüger, wieder nach Hause zu gehen, in den Schoß der Familie?
Von Jesus wird da niemand mit falschen Versprechungen angelockt. Im Gegenteil: Das heutige Evangelium ist ein Beispiel dafür, wie Jesus den Menschen reinen Wein einschenkt.
Das wird nicht funktionieren, dass ihr einerseits den Autoritäten in eurer Familie und Verwandtschaft Gehorsam leistet, und anderer-
seits gleichzeitig mir folgen wollt. So schmerzhaft das auch ist:
Ihr kommt um eine Grundentscheidung für euer zukünftiges Leben nicht drumherum! Ihr müsst es jeder einzeln für sich durch-
kalkulieren, was euch das Wichtigste im Leben ist, wo ihr die Prioritäten setzt und ob ihr dies auch durchhalten könnt.
Eine Entscheidung für ein Leben als aktiver Christ ändert natürlich keines der Zehn Gebote; es gilt weiterhin und sogar erst recht, dass z.B. Vater und Mutter zu ehren sind.
Und da Jesus es immer ganz praktisch mag, fügt er im heutigen Evangelium hinzu: „Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, daß er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.“
Wir verstehen, was Jesus damit sagen will. Es nützt nichts, wenn
du nichts Halbes und nichts Ganzes zustandebringst. Mach keine halben Sachen – du wirst sonst bald schon enttäuscht aufgeben, weil deine Kräfte, deine Mittel nicht ausreichen.
Wenn dein Glaube nicht zu einer Bauruine werden soll, dann musst du raus aus deiner Bequemlichkeit. Das kann wehtun wie ein Zahn, der gezogen werden muss – aber es hilft nichts, wenn du für die Zukunft Klarheit haben willst: Es bleibt dir als Christ nicht erspart, einigen Dingen in deinem Leben einen geringeren Stellenwert einzuräumen als bisher. Also setz dich mal hin und mach deinen ganz persönlichen Kostenvoranschlag für ein Leben als Christ.

Man könnte fast glauben, dass Jesus seinen Zuhörern die Nach-
folge ausreden wollte. Dem ist natürlich nicht so. Jesus liebt die Menschen, und deshalb ist es ihm auch ein Herzensanliegen, sie
vor schmerzlichen Enttäuschungen zu bewahren.
Seine Botschaft ist unmissverständlich: Wenn du als Christ in der Nachfolge Jesu nur wenig investieren willst, dann lass es besser gleich sein, sonst machst du dich nur lächerlich, wenn du aufgeben musst. Mit einem Strohfeuer kannst du eben auf Dauer nicht heizen.

Weil dies ganz eindringlich rüberkommen soll, fügt Jesus sogar noch ein zweites Beispiel an: „Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.“
Das leuchtet nun wirklich jedem ein! Aus einer Position der Schwäche heraus kann man keinen Krieg gewinnen. Wer nicht genug für die Stärkung der eigenen Kräfte gesorgt hat, der hat eigentlich schon verloren, bevor er überhaupt angefangen hat.
Da kann man nur noch aufgeben, kapitulieren.

Wenn Jesus im heutigen Evangelium sogar davon spricht, dass man nicht sein Jünger sein kann, wenn man nicht bereit ist, sein Kreuz zu tragen und auf seinen ganzen Besitz zu verzichten, dann wirkt dies auf den ersten Blick vielleicht wie ein Keulenschlag.
Das geht doch gar nicht, mag man sofort denken, wir können doch nicht alle zu Mönchen und Nonnen werden und freiwillig auf alles persönliche Eigentum verzichten. Und schließlich müssen die Klöster ja auch reparieren, investieren, für das Alter Vorsorge treffen. Sogar Hunger bekommen selbst die frömmsten Christen auch, nehme ich mal an. Also sorgen sie auch fleißig für die nötigen Ein-
nahmen, z.B. durch Verpachtungen, durch Landwirtschaft, durch Buchläden usw. bis hin zum weltbekannten Bier.

So brutal, wie das hier klingt, kann es also eigentlich als Ver-
pflichtung für jeden nicht sein. Dem widerspräche ja auch, dass Jesus selbst sehr wohl die Hilfe und Gastfreundschaft von reichen Leuten angenommen hat, und unter den ersten Christen Jesu waren auch etliche wie z.B. Maria Magdalena und andere, die großzügig für Jesus und seine Jünger spendeten (Lk 8,1-3).
Kurzum: Mit dem Aufruf Jesu, das Kreuz auf sich zu nehmen und auf seinen ganzen Besitz zu verzichten, geht es um anderes als nur darum, seinen Geldbeutel und den Sparstrumpf zu leeren. Es geht vor allem darum, dass ein Leben in der Nachfolge Jesu kaum funktionieren kann, wenn man ständig alle möglichen Klötze am
Bein hängen hat, die ein Nachfolgen praktisch unmöglich machen.
Der Besitz kann solch ein Riesen-Betonklotz sein, eine tonnen-
schwere Fußfessel.
Wenn sich mein Denken um Geld dreht, dann dreht es sich nicht um Jesus. Wenn es zum Geld einen Beipackzettel gäbe, dann müsste darauf stehen: Vorsicht – zu intensiver Gebrauch kann süchtig machen!
Aber ehrlich gesagt: So einfach ist die Sache mit dem Besitz gar nicht. Abhängigkeiten gibt es nicht nur vom Geld. Wir Menschen können uns von ganz vielem abhängig machen, von bestimmten Menschen, von Macht und Erfolg, von Anerkennung im Familien- und Freundeskreis und von vielem mehr.
Und da rüttelt Jesus alle auf, die ihm folgen wollen: Kläre bitte erst mal deine Beziehungen, deine Abhängigkeiten. Wenn du ein neues Leben willst, ein Leben als Christ, dann musst du die Nabelschnur durchtrennen, dann musst du dich von manchem abnabeln, was du als recht bequem und angenehm empfunden hast.
Wenn du zu viel Ballast an dir hängen hast, dann geht es dir wie einem Heißluftballon, der deswegen nicht aufsteigen kann. Und was macht man dann? Klar, man muss Ballast abwerfen, sonst funktioniert das nicht.

Jesus ist eben kein Rattenfänger, der mit süßen Flötenklängen geradewegs ins Verderben führt. Jesus spricht Klartext, und wenn’s sein muss, das auch noch in fettgedruckten Großbuchstaben.
So wie niemand nur ein bisschen schwanger sein kann, so kann er oder sie auch nicht nur ein bisschen Christ sein, gewissermaßen als sonntägliches frommes Sahnehäubchen auf eine ansonsten recht unchristliche Woche.
Jesus will Nachfolge nicht verhindern. Jesus will Nachfolge fördern, zur Nachfolge ein-
laden. Er will nur nicht, dass das Scheitern schon vorprogrammiert ist. - Und darum fragt er jeden persönlich, damals und heute: Willst du das wirklich? Willst du wirklich mein Jünger sein?
Dann raffe dich auf, dann triff bewusst die Entscheidung, Jesus zum Herrn deines Lebens zu machen. Denke an das „Kochender-Frosch-Syndrom“ und lass dich nicht langsam, aber stetig durch die falschen Prioritäten in deinem Leben immer mehr weichkochen,
bis es schließlich zu spät ist.

Predigt Prof. Dr. Dr. Wolfgang Huber: „Hass muss sein“
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Predigt Pfr. Karl Sendker
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Predigt Pfr. Dr. Michael Rieger, Bonn
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Vortrag Kardinal Lehmann: „Berufung und Sendung…“ (pdf)
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Karl-Leisner-Jugend: „Zölibat – Pflicht oder Liebe?“
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„FAZ“-Artikel über die deutsche Kirche: „Im Lande der Mutlosen“
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Erfolgreich: Im Wallfahrtsort Lourdes herrscht mal wieder Hochbetrieb. Gerade kommt eine kleine Gruppe an die Grotte: ein Blinder, ein Tauber und ein Lahmer. Kein Problem: der Blinde schiebt den Rollstuhl des Lahmen, und der Taube führt die beiden sicher durch die Menschenmenge. An der Quelle angekommen, besprengt der Blinde seine Augen mit Wasser. Ein lauter Ruf folgt nach unmittelbar danach: „Hurra! Ich kann wieder sehen!“
Der Taube drängt jetzt nach vorne, tupft das Wunderwasser auf seine Ohren und schreit sofort: „Halleluja, die Jungfrau hat geholfen – ich kann wieder hören!“
Der Lahme wird sichtlich unruhig: „Mach voran!“, treibt er den Kollegen an, „schieb mich endlich auch zur Quelle!“ – Gesagt, getan: mit einem kräftigen Schwung fahren sie den Rollstuhl bis ins Wasser. Es dauert nur eine Sekunde – und tatsächlich: Der Rollstuhl hat neue Reifen!


Informationsbedarf: Großes Entsetzen von Pfarrer Schmidt beim Blättern in der Tageszeitung: Im Anzeigenteil muss er die Schandtat eines Witzboldes lesen, nämlich eine große Todesanzeige für ihn, den Pfarrer. Sofort ruft er seinen Bischof an, um den Vorfall zu melden und auch, um jeglichen Irrtümern vorzubeugen.
Der ziemlich beschäftigte Bischof hört ihm vielleicht nicht ganz aufmerksam zu, aber er drückt dem Gepeinigten schließlich
doch sein herzliches Mitgefühl aus. Er schließt mit den Worten: „Eine Frage habe ich allerdings noch, lieber Mitbruder. Von wo aus rufen Sie eigentlich an?“


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1 Kommentar:

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