29.09.2010

27. Sonntag im Jahreskreis C - 03.10.2010

(Fortsetzung)

Und so wenden sie sich in ihrer Not an Jesus mit der Bitte um mehr Unterstützung: „Stärke unseren Glauben!“ – so heißt es im Text des Evangeliums. Sie fühlen sich gewissermaßen noch nicht kräftig genug, noch nicht durchtrainiert genug im Glauben, noch nicht ausreichend ausgerüstet für die vor ihnen liegende Aufgabe, anderen Menschen die Botschaft Jesu kraftvoll und packend zu verkünden. Da wäre es schon sehr praktisch und erfolgssteigernd, denken sie, wenn Jesus irgendwie durch so eine Art Wunder dafür sorgt, dass wir einfach bessere Verkünder des Glaubens werden. Er soll uns so etwas wie eine geistliche Aufbauspritze verpassen, ein wirksames Stärkungs- und Dopingmittel, das uns zu beeindruckenden Athleten des Glaubens macht.

Wie reagiert Jesus nun auf diese Bitte? Nein, er verabreicht den Seinen kein Spezialpräparat aus der göttlichen Apotheke. Stattdessen verblüfft er die Jünger mit seiner Antwort: „Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.“

Das soll heißen: Im Glauben steckt eine ungeheure Kraft, so wie bei einer Pflanze, die sogar eine Teer- decke durchstoßen kann. Da reicht eigentlich bildlich gesprochen schon eine Menge an Glauben, die so winzig klein ist wie ein Senfkorn, das man mit bloßem Auge noch gerade so erkennen kann. - Ihr bekommt von mir also keinerlei Zusatz-mittelchen, um euren Glauben größer zu machen. Das ist gar nicht erforderlich. Der Glaube ist keine olympische Wettkampf-Disziplin, und Goldmedaillen verteilt auch niemand. Macht euch frei von Leistungsdruck und dem ständigen Schielen auf eure wechselhafte religiöse Gefühlslage. Fangt einfach an, und dann werdet ihr schon sehen, welche Kraft im Glauben steckt.

Und um das ganz anschaulich zu machen, erzählt Jesus ihnen, dass die kleine Kraft des senfkorngroßen Glaubens schon ausreicht, um einen Maulbeerbaum dazu zu bewegen, sich selbst aus dem Boden zu heben und ins Meer zu verpflanzen.

Nun muss man dazu wissen, dass gerade der Maulbeerbaum dafür bekannt ist, dass seine Wurzeln besonders tief und fest im Erdreich verankert sind. Der lässt so schnell nicht locker. Menschlich gesehen ist es also schlichtweg unmöglich, solch einen Baum auch nur einen einzigen Millimeter zu bewegen. - Und genau darauf kommt es Jesus bei seiner Belehrung an: Aus euch heraus, mit eurer eigenen Kraft, mit eurem Erfolgsdenken, mit eurem Stolz macht ihr da rein gar nichts. Das kapiert jedes Kind, dass man da null Chance hat. Klappen kann das nur, wenn man das eigene Unvermögen klar erkennt und sich mit hundertprozentigem Vertrauen in Gottes Hände gibt.

Schön und gut, mögen wir da denken. Aber bei mir verbiegt sich noch nicht mal ein Esslöffel, selbst wenn ich mir das mit aller Energie vornehme und ganz stark daran glaube. Und der Kugel- schreiber auf meinem Schreibtisch lässt sich auch mit vielen guten Worten einfach nicht überreden, wenigstens ein klitzekleines Stückchen zur Seite zu hüpfen.

Wie gut, dass Jesus zur Ergänzung und näheren Erläuterung noch einen zweiten Teil der Jünger-Belehrung angefügt hat. Da wird es klarer, wo das eigentliche Problem steckt. Was er da sagt, das schockt gerade uns moderne Menschen erst einmal: „Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“

Das Stichwort „Sklaven“ ruft in unserem Gehirn sofort Bilder ab, wie wir sie sicher aus dem Geschichtsunterricht kennen. Sklaventransporte aus Afrika, Menschen in Ketten, rücksichtslos ausgebeutet und teilweise schlimmer behandelt als das Vieh.

Solche Sklavenbilder hatten die Jünger damals nicht im Kopf. Für Kriegsgefangene oder z.B. für Schuldner, die nicht bezahlen konnten, gab es zwar die Gefahr, als Sklave dienen zu müssen, aber ein Sklave war in Israel nicht rechtlos. So galt für ihn ebenfalls die Sabbatruhe, er hatte Anspruch auf ordentliche Versorgung und konnte nach einiger Zeit sogar wieder auf freien Fuß kommen.

Ein gutes Beispiel aus dem Alten Testament ist da die spannende Geschichte von Josef und seinen Brüdern. Wir erinnern uns, dass er von seinen eigenen Brüdern in ägyptische Sklaverei verkauft wurde, dort aber dank der Fähigkeit, Träume zu deuten, bis zum Minister des Pharao aufstieg und viel Macht und Einfluss hatte. Aber natürlich bleibt der Grundgedanke auch zur Zeit Jesu: ein Sklave ist eben nicht frei. Er hat das zu tun, was er von seinem Herrn gesagt bekommt. Der Sklave ist also ganz von seinem Herrn abhängig. Was der sagt, das ist für seinen Diener absolutes Gesetz, ohne jede Diskussion. Für ihn gibt es keine Gewerkschaft, kein Mitbestimmungsgesetz und keine Verhandlungen über Lohn oder Arbeitszeiten.

Und da ist es einfach selbst- verständlich, dass der Sklave das tut, was ihm aufge- tragen wurde, ohne dass er dafür einen besonderen Dank erwartet. Es ist einfach sein Job, könnte man sagen. Er hat einfach seine Schuldigkeit getan, nicht mehr. Wenn wir heute jemanden in seinem Beruf angestrengt arbeiten sehen, z.B. einen Kellner mitten im dicksten Trubel, dann werden wir ihn auch wohl eher nicht deswegen ansprechen und ihm vorschlagen, als Gast einen Teil seiner Arbeit zu übernehmen. Das ist einfach sein Job, der zeitweilige Trubel gehört einfach dazu, da muss er auch ohne unser Mithelfen durch.

Was Jesus den Jüngern beibringen will, wird hier also deutlich: Gebt euch mit eurem Glauben, mit eurem Herz, mit eurer Seele, ganz und gar in Gottes Hand. - Gott ist nicht euer Geschäftspartner, mit dem ihr trickreich verhandeln könntet, um noch mehr für euch heraus-zuschlagen. Tut einfach das, was ihr Gott als eurem Herrn schuldig seid. Tut einfach, was er euch in seinem Wort sagt. Eure Bedenken im Glauben sind genau so unnötig wie die Widerworte eines Sklaven, denn letztlich unterstellen solche Gedanken, dass Gott nicht weiß, was wirklich gut für euch ist.

So können auch wir zum Schluss unsere Lehren daraus ziehen. Wir sind keine Zirkus- tiere, die so dressiert sind, dass sie ihre Kunststücke machen, weil sie sofort danach eine leckere Belohnung erwarten.

Wir Christen brauchen auch keine Supermänner und Superfrauen im Glauben zu sein, was uns natürlich nicht daran hindert, die Heiligen als Vorbilder und Wegweiser zu verehren. Ob wir mit unserem Glauben Bäume ausreißen können oder nicht, oder ob es vielleicht bei uns nur die kleinen Bonsai-Bäumchen sind, das ist nicht entscheidend. Und schon gar nicht müssen wir uns Gottes Kopf zerbrechen, ob unser Glaube groß genug für was auch immer ist. Worauf es einzig und allein ankommt, belehrt uns Jesus, das ist die Bereitschaft, das zu tun, was Gott von uns getan haben will. Alles andere ist nicht unsere Sache.

Vielleicht hilft es uns, wenn wir immer mal wieder in einer stillen Stunde ein Gebet des Vertrauens an Gott richten, so etwa wie dieses hier: Guter Gott, ich bin dein Eigentum. Du bist mein Herr. Verfüge über mich, so wie es gut ist. Dein Wille geschehe, auch wenn ich ihn jetzt noch manchmal nicht verstehe.

Predigt Marieluise Gallinat-Schneider >> BITTE KLICKEN !
Predigt Pastor Friedhelm Peters, Costa del Sol (pdf)
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Gottesdienst zum Erntedank (pdf)
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Anregungen für den Erntedank-Gottesdienst
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Erntedank: Thema „Reis“ der Kindernothilfe (24 S. pdf)
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Seite mit den akt. Lesungen, heute z.B. mit Foto von Senfkörnern
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Büchlein und Linktipps zum Rosenkranz
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Wer zuletzt lacht… : Hochbetrieb im Flughafen beim Last-Minute-Schalter. Endlich kommt Herr Müller an die Reihe, ein aufgeblasener Wichtigtuer und Stinkstiefel. Er mäkelt an allem herum: Preis zu hoch, Fluggesellschaft nicht seriös, schlechter Sitzplatz… So dauert die Beratung etwas länger. Die Dame am Schalter bleibt sogar ganz gelassen, als er sie mit „Lahme Ente“ beschimpft. Endlich ist die Buchung erledigt, und der nächste Fluggast ist dran. Der kann sich nicht beherrschen und meint zu ihr: „Ich bewundere Ihre Ruhe! Wohin fliegt denn dieser Flegel?“ - Die Dame grinst: „Der Flegel fliegt nach Thailand, und seine Koffer nach Miami…!“

Gefährlicher Ort: Die kleine Sabine ist zum ersten Mal beim Aschermittwochs-Gottesdienst dabei und natürlich sehr beeindruckt. Daheim angekommen, fragt sie sofort ihre Mutter: „Du, Mami, stimmt es wirklich, dass alle Menschen zu Staub werden, wenn sie ge- storben sind?“ Mutter ist natürlich gut informiert und antwortet: „Ja, Sabine, das stimmt!“ - Kleine Denkpause. Dann meint die Kleine: „Wenn das so ist, dann müssen unter Omas Bett aber schon viele Leute gestorben sein!“

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2 Kommentare:

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Ihr Kommentar erscheint erst nach Freischaltung.

Eugenie Roth hat gesagt…

DANKE für diese Predigt!!!

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