Damals war das nicht anders als heute: Damit bei diesem üppigen Lebensstil neugierige oder neidische Mitbürger nicht stören konn-
ten, gab es hohe Mauern und Wachpersonal für die große Villa. So war sichergestellt, dass man wirklich unter sich war. - Und wie das damals auch üblich war, als Messer und Gabel bei Tisch noch nicht eingesetzt wurden, aß man meistens mit der Hand und benutzte Brotfladen, um sie in die Schüsseln zu tunken. Die dabei manchmal klebrigen Hände reinigte man einfach mit Stücken aus den Brotfladen, die man anschließend auf den Boden warf.
An dieser Stelle kommt nun Lazarus ins Spiel, der armselige Bettler. Wir erinnern uns ans Evangelium: „Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.“
Achten wir auf die Feinheiten: Lazarus lag da, direkt vor der Tür zum herrlichen Anwesen des Reichen. Im Original heißt es sogar, dass er dort „hingeworfen, abgelegt“ worden ist. Offensichtlich ist dieser Lazarus ganz übel dran. Er liegt da, weil er nicht mehr gehen kann. So haben ihn einige Leute wohl dort abgelegt, so wie man eine Sache irgendwo deponiert.
Lazarus ist nicht nur gelähmt, sondern sein Körper ist mit vielen Geschwüren bedeckt. Aussatz ist das sicher nicht, denn sonst hätte jeder einen großen Bogen um ihn gemacht. Seine extrem schlechte Ernährung und miserable hygienische Bedingungen haben seinem Körper den Rest gegeben; er ist nur noch ein Wrack, ein Häufchen Elend.
Da liegt er nun Tag für Tag und leidet fürchterlichen Hunger, während er die Festgäste und den Hausherrn ein- und ausgehen sieht. Doch Lazarus verhält sich ruhig. Er schreit nicht herum, er fordert nichts, er pöbelt niemanden an. Er liegt nur da draußen vor der Tür und hält seine Hände zum Betteln hoch, wenn an der Tür Bewegung ist. Sicher schämt er sich seines Aussehens und will deshalb niemandem zu nahe treten. Er wartet einfach ab und hofft darauf, dass der Hausherr sich seiner erbarmt. Die weggeworfenen Brot-
stückchen zum Säubern der Hände würden ihm schon genügen. Mit dem Wohlstands-Abfall wäre stets für einen weiteren Tag sein Überleben gesichert.
Doch so oft er auch darauf hofft, Tag für Tag, Woche für Woche: Lazarus ist einfach Luft für den reichen Mann. Dessen Augen sehen ihn zwar, sein Herz aber nicht. Ob er sich etwas dabei denkt - wir wissen es nicht genau. Viele meinten damals, Leid und Krankheit sei eine Strafe Gottes, und die hätten die Betroffenen dann wohl auch verdient. Sie konnten von Glück sagen, wenn man sich barmherzig zeigte, wie es das Gebot der Nächstenliebe verlangte.
Was die Menschen nicht fertigbringen, das machen die herrenlosen Hunde, so gut es eben geht: Sie kommen zu dem schwerkranken Mann und helfen ihm. Dabei lecken sie seine Wunden, wie sie das auch bei sich selbst tun würden. Heute weiß man übrigens, dass der Speichel tatsächlich eine heilende Wirkung hat, aber das nur nebenbei. - Die Tiere tun, was sie können, aber für den immer mehr geschwächten Lazarus kommt inzwischen jede Hilfe zu spät: Lautlos und fast unbemerkt verhungert er vor der Haustür des Reichen.Fast unbemerkt, denn die Engel Gottes haben ihn sehr wohl bemerkt und tragen ihn, der auf Erden so schrecklich gelitten hat, direkt in Abrahams Schoß, also ohne Umweg sofort in den Himmel. Nun wird uns auch klar, warum dieser Bettler Lazarus heißt. Die Übersetzung des Namens lautet nämlich „Gott hilft“. Jetzt erst wird so richtig sichtbar, was Gott von diesem Menschen hält. Und er schafft auf der Stelle Gerechtigkeit für ihn, woran uns Jesus an anderer Stelle erinnert hat, wenn er erklärte, dass bei Gott die Ersten die Letzten sein würden und umgekehrt.
Für den Reichen gibt es schon sehr bald eine Überraschung der unangenehmen Art: er stirbt nämlich auch. Jesus erzählt auch das seinen Zuhörern nur ganz knapp: „Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß.“
Bis jetzt ist doch alles gutgegangen, meinte also nicht nur der naive Fallschirmspringer. Auch dieser Reiche dachte offenbar, sterben würden immer nur die anderen. Und der Bettler direkt vor seiner Nase – was ging der ihn denn schon an?
Der Reiche war sicher kein Mensch, der ausgesprochen böse war. Vielleicht hat er sogar dann und wann großzügig gespendet, damit man das öffentlich auch mitbekam, was für ein Gönner er doch ist. Nein, er hat den Bettler nicht wegbringen lassen oder ihm gedroht.
Er ist nicht aktiv gegen ihn geworden, allerdings auch nicht aktiv
für ihn. Dieser Bettler da – das war einfach nicht sein Problem, dachte er.
Aber nun hat er ein Problem, der arme Reiche! Klar, natürlich bekam er ein pompöses Begräbnis erster Klasse. Sicher war die ganze Stadt auf den Beinen, und von außerhalb kam selbstverständlich auch Prominenz angereist, wie das eben so ist. Von den Rednern wurde seine Wichtigkeit und seine Menschlichkeit sicher hoch gelobt, aber das war’s dann auch schon mit dem erfreulichen Teil.Jetzt kommt für ihn selbst der unangenehme Teil. Er sitzt da in der Unterwelt, in der Hölle, und er leidet ganz furchtbar. Hier wird er mit voller Wucht mit sich selbst konfrontiert, mit seinem Leben und mit dem, was er getan und was er leider nicht getan hat. Und das schmerzt ihn ganz schrecklich, besonders, weil er gleichzeitig sehen muss, wie herrlich es Lazarus jetzt im Himmel geht.
Und siehe da: auf einmal fällt dem Reichen sogar der Name des Bettlers ein, der auf Erden nur Luft für ihn war. Der Reiche ruft Abraham um Unterstützung an, er möge doch dafür sorgen, dass Lazarus ihm bitte mit dem Finger Wasser auf die schmerzende Zunge träufele. Abraham spricht ihn darauf zwar freundlich mit
„mein Sohn“ an, stellt aber sofort klar, dass der Himmel prinzipiell keinerlei Geschäftsbeziehungen zur Hölle pflegt. Zwischen Himmel und Hölle ist da ein unüberwindlicher Abgrund, also keine Chance, reicher Mann! Die Chance, die hat der Reiche gehabt, vorher, als er noch in Saus und Braus lebte. Doch der Wohlstand hat ihn egoistisch und blind für seinen Nächsten gemacht. Wie es dem da vor seiner Tür geht, das hat er gar nicht an sein Herz herangelassen.
Das erinnert an ein Gespräch eines Rabbis mit seinem Schüler. Der will von seinem Lehrer wissen, wie es kommt, dass die Armen von dem Wenigen, das sie haben, gerne noch teilen, während die Reichen so geizig sind. Da sagt ihm der Rabbi:„Tritt ans Fenster! Was siehst du?" - „Ich sehe eine Frau mit einem Kind. Und einen Wagen, der zum Markt fährt."
„Gut. Und jetzt tritt vor den Spiegel. Was siehst du?"
„Nun, Rabbi, was werd' ich wohl sehen? Mich selber natürlich!“
Da meint der Rabbi: „Nun siehst du es selbst: Das Fenster ist aus Glas gemacht, und der Spiegel ist auch aus Glas gemacht. Man braucht bloß ein bisschen Silber dahinter zu legen, und schon sieht man nur noch sich selbst."
Nachdem der Reiche in der Erzählung Jesu begriffen hat, dass es für ihn selbst keine Chance gibt, seinem höllischen Schmerz zu entrinnen, will er wenigstens für seine Familie noch etwas heraus-
holen. Geschäftstüchtig, wie er ist, versucht er mit Abraham darüber zu verhandeln, dass seine fünf Brüder gewarnt werden dürfen, damit es ihnen nicht auch so ergeht wie ihm selbst. Und ausgerechnet Lazarus, den die Brüder auch kennen, soll dabei den Himmelsboten spielen.
Nein, lässt Jesus durch Abraham erklären, auch daraus wird leider nichts. Diese Sorte Menschen kennen wir im Himmel nur zu gut.
Es ist von Gott durch Mose und die Propheten doch wirklich zur Genüge erklärt, wie ihr euch zu verhalten habt. Die Zehn Gebote zum Beispiel kennt jeder von deinen reichen Brüdern ganz genau.
Da hilft es auch nicht, wenn ihnen Lazarus erscheint. Was sie wissen müssen, das wissen sie längst durch Gottes Wort. Es ist alles gesagt, immer wieder gesagt. Aber sie hören einfach nicht hin, es interessiert sie einfach nicht. Sie tun so, als ginge sie das alles gar nichts an. Tut mir leid, aber sie werden schon sehen, wie weit sie damit kommen. Du selbst weißt es inzwischen ja schon.
Ist die Bibel also doch keine Frohbotschaft, sondern eine Drohbotschaft? Jesus als Spaßverderber, als Einschüchterer?
Nein, ganz gewiss nicht! Jesus droht nicht, sondern er warnt, und das ist ein Unterschied. Weil ihm die Menschen so am Herzen liegen, will er sie immer wieder wachrütteln, damit sie nicht blindlings in ihr eigenes Verderben rennen. Keine Mutter hält den Mund, wenn ihr kleines Kind nach der heißen Herdplatte greift.
Die Botschaft des heutigen Evangeliums ist klar: Das hier ist eine Geschichte, aus der du selbst lernen sollst!
Lebe nicht so kurzsichtig wie dieser Reiche, sondern denke an deine Zukunft, denke daran, dass alles, was du tust oder was du unter-
lässt, auch Auswirkungen für dich haben kann.
Wir reden heute so oft von Vorsorge. Wir sorgen für das Alter vor, indem wir Geld ansparen. Wir gehen zur Gesundheits-vorsorge, damit die Ärzte frühzeitig helfen können, falls da etwas nicht stimmt. - Woran Jesus uns alle erinnert, das ist die Vorsorge für die Zeit nach dem Erdenleben, das oft genug so plötzlich und unerwartet zu Ende sein kann.
Lerne aus diesem Beispiel, ruft uns Jesus zu, damit es dir nicht auch so ergeht.
Deine Nächsten gehen dich sehr wohl etwas an. Sie sind Gottes Geschöpfe, genau wie du. Gott liebt sie, so wie er dich liebt.
Nun mag man denken: So reich bin ich doch gar nicht. Zu den oberen Zehntausend gehöre ich erst recht nicht. Um meine Aktien brauche ich mir keine Sorgen zu machen, weil ich gar keine besitze.
Mich kann Jesus damit also eigentlich nicht meinen.
Irrtum! Jesus erzählt das nicht auf irgendeiner Versammlung reicher Leute, sondern er erzählt das ganz normalen Leuten wie du und ich, die ihm zuhören, die ihr Leben nach ihm ausrichten wollen. Und er erzählt das im Anschluss an das Evangelium vom vorigen Sonntag, wo er eindringlich und anschaulich den betrügerischen und doch klugen Verwalter beschrieb. Der schaffte sich nach seiner Ent-
lassung viele Freunde, indem er die Schuldner seines Herrn neue, ermäßigte Schuldscheine ausstellen ließ.
Klug sollen wir sein, indem wir dem Willen und der Gerechtigkeit Gottes schon hier auf Erden ein Stück weit zum Durchbruch verhelfen.
Jetzt ist für uns die Zeit und die Gelegenheit, Nächstenliebe zu üben und Gutes zu tun.Jetzt haben wir die Chance, zu beweisen, dass wir Jesus nachfolgen wollen. Der Glaube hört übrigens nicht beim Geld-
beutel auf, sondern da, wo es mir auch mal etwas weh tut, wo es mich Überwindung kostet, da fängt er erst richtig an.
Überall auf der Welt können wir sie sehen, die himmelschreiende Armut. Damit sind nicht nur die vielen Millionen Menschen gemeint, die menschenunwürdig und in ständiger Gefahr zu verhungern ihr Leben fristen müssen. Damit sind nicht nur die Scharen von Bettlern gemeint, die sich Tag für Tag erniedrigen müssen, um vielleicht ein barmherziges Stückchen Brot vom Tisch der Wohlhabenden abzubekommen.
Elend und Armut begegnen uns auch in unserem Land auf Schritt und Tritt, wenn auch oft eher unauffällig und verschämt. Wer das nicht sehen will, der sieht das nicht. Ein einziges Beispiel mag genügen: In den großen Städten lebt in unserem reichen Land mehr als ein Viertel der Kinder in Armut, sagt die Statistik.
Was wird aus ihnen wohl werden, wenn sie keine Hilfe und keine Wertschätzung bekommen?
Diese Kinder und alle Notleidenden haben unsere Nächstenliebe wirklich verdient. Es gibt ein „zu spät“, ruft uns Jesus zu.
Ein „zu spät“ für Menschen in Not, aber auch ein „zu spät“ für jeden, der als Christ da nicht hilft, wo er oder sie helfen könnte.
Lernen wir also aus dem Evangelium und freuen wir uns jetzt schon auf das himmlische „happy end“ für die Kinder Gottes.
Predigt Pfr. Dr. Johannes Zimmermann (pdf)>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Michael Thein
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Predigt Diakon Josef Lengauer
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Einführung und Lesehilfe des Kath. Bibelwerks (pdf)
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Meditation zum heutigen Evangelium (pdf)
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Anregungen nicht nur für den Kindergottesdienst (pdf)
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Hinweise zum Evangelium nach Lukas
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Das „Sozialwort“ der Ev. und Kath. Kirche Deutschlands (1997!)
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Caritas-Sonntag 2010
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Initiative „Deine Stimme gegen Armut“
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Caritas: „Gemeinsam gegen Armut“
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Heilen Wunden schneller durch Speichel?
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3. Oktober – Deutsche Einheit: Gott sei Dank!
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Ein Rabbi bat Gott einmal darum, den Himmel und die Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubte es ihm und gab ihm den Propheten Elia als Führer mit. Elia führte den Rabbi zuerst in einen großen Raum, in dessen Mitte auf einem Feuer ein Topf mit einem köstlichen Gericht stand. Rundum saßen Leute mit einem langen Löffel und schöpften alle aus dem Topf. Aber die Leute sahen blaß, mager und elend aus, denn die Stiele ihrer Löffel waren viel zu lang, sodass sie das herrliche Essen nicht in den Mund bringen konnten. Als die Besucher wieder draußen waren, fragte der Rabbi den Propheten, welch ein seltsamer Ort das gewesen sei. Es war die Hölle.Daraufhin führte Elia den Rabbi in einen zweiten Raum, der genau aussah wie der erste. In der Mitte des Raumes brannte ein Feuer, und dort kochte ein köstliches Essen. Leute saßen ringsum mit langen Löffeln in der Hand. Aber sie waren alle gut genährt, gesund und glücklich. Sie versuchten nicht, sich selbst zu füttern, sondern benutzten die langen Löffel, um sich gegenseitig zu essen zu geben.
Dieser Raum war der Himmel!
(Ein russisches Märchen)
Bei einer Privat-Audienz im Vatikan gratuliert ein Teilnehmer der kleinen Gruppe dem Papst zum Namenstag. Papst Benedikt schaut etwas verdutzt drein: „Wieso, heute ist doch nicht Benno oder Benedikt?!“ Doch schon folgt seitens des Gratulanten der entscheidende Hinweis: „Das nicht, aber heute ist doch der Sechzehnte…!“Der Papst besucht die Philippinen. Ein vorwitziger Reporter drängelt sich durch die Menge vor einer Kirche und fragt den Papst: „Werden Sie in Manila auch Nachtclubs besuchen?“ – Der Papst versucht den Ball zurückzuschießen, indem er fragt: „Gibt es hier denn überhaupt Nachtclubs?“
Entsetzen am nächsten Tag: Der Privatsekretär des Papstes hat die örtlichen Zeitungen gekauft. Titelschlagzeile auf Seite 1: „Papstbesuch: Seine erste Frage: Gibt es hier Nachtclubs?“
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