08.09.2010

24. Sonntag im Jahreskreis C - 12.09.2010

(Fortsetzung)

Und das Aller-
schlimmste: Er geht auch noch mit in ihre Häuser,
gibt ihnen die Hand, isst und trinkt dort mit diesem unmoralischen Gesindel! – „Pfui!“, kann man da nur sagen!
So sind sie zu allen Zeiten, die Damen und Herren Moralwächter.
Sie haben ihre Mitmenschen fein ordentlich in Schubladen einsortiert. Der da ist böse, und die da auch, und ich bin natürlich gut. Ich selbst habe mir wirklich nichts vorzuwerfen, denn ich bete viel, ich spende großzügig für die Armen und beachte die Gebote Gottes.
Aber die da, diese schwarzen Schafe, die da immer wieder aus der Reihe tanzen, um die sollte man unbedingt einen großen Bogen machen, damit man sich nicht auch noch schmutzig macht.

An anderer Stelle (Lk 6,41) hat Jesus über solche superfrommen Zeitgenossen, die mit Urteilen über ihre Mitmenschen so schnell bei der Hand sind, sehr anschaulich bemerkt: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigene Auge bemerkst du nicht?“
Was den frommen Herren offenbar entgangen ist, steht ganz am Anfang des heutigen Evangeliums. Da heißt es nämlich: „In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu ihm, um ihn zu hören.“
So ist das mit den Vor-Urteilen. Während die Schriftgelehrten mit dem Ausdruck von Abscheu ganz pauschal von Sündern reden, machen sich ausgerechnet viele von diesen schon längst abgeschriebenen verkrachten Existenzen auf den Weg.
Auch wenn es ihnen schwerfällt: Diese Sünder haben sich immerhin aufgerafft, um Jesus zuzuhören.
In ihrem Leben ist so einiges gründlich daneben gegangen. Ihre Schicksals-Rolltreppe kannte nur eine Richtung, wie bei vielen heute: immer weiter abwärts!
Der verächtliche Blick ihrer ach so feinen Mitmenschen verfolgt sie auf Schritt und Tritt. Wie Aussätzige kommen sie sich vor.
Doch von diesem Jesus haben sie gehört. Es heißt, er habe ein Herz für die kleinen Leute, für die Aussortierten und Benachteiligten. Und so nimmt so mancher Zöllner allen Mut zusammen und geht hin zu diesem Wander-Rabbi. Wer weiß, vielleicht kann der mir ja wieder auf den rechten Weg helfen, wo mir alleine leider die Kraft dafür fehlt. Wer weiß, vielleicht kann der mir ja zeigen, was ich jetzt tun muss, damit ich wieder zu Gott zurückfinde.

Natürlich ist Jesus die feindselige Haltung der Pharisäer nicht entgangen. Wie kann er ihnen nur klarmachen, dass ihr menschen-
verachtendes Denken so ganz und gar nicht dem Willen Gottes entspricht?
Am anschaulichsten geht das mit zwei Beispielen aus dem Alltag. Gleich zwei Beispiele sollen es sein, denn doppelt genäht hält besser. Dann müssen sie es einfach kapieren!

Das erste Beispiel nimmt Jesus aus der Welt der Hirten.
Damals gab es viele Hirten, wie wir auch von der Geburt Jesu wissen. Die ersten Besucher waren Hirten, die auf dem Feld Nachtwache gehalten hatten. Nun schildert Jesus eine Situation, wie sie täglich passieren konnte: Da war eines der Schafe unachtsam und hat sich von der Herde entfernt. Sicher hängt es jetzt zitternd vor Angst irgendwo in der Nähe im unübersichtlichen Gelände an einer Dornenhecke fest und kann nicht vor und nicht zurück.
Jesus bezieht die Pharisäer nun geschickt in die Überlegungen mit ein: „Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, läßt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?“
Das leuchtet den Zuhörern ein, das ist damals offenbar selbstverständlich.
Kein wirklicher Hirte überlässt sein kostbares Schaf einfach so in der Wildnis seinem Schicksal. - Während er die Herde seinem Helfer anvertraut - Hirten waren selten allein bei der Arbeit -, wagt er sich in die Wildnis und sucht notfalls stundenlang so gründlich nach seinem verlorenen Schaf, bis er es gefunden hat. Da gibt niemand vorher auf, das gehört ganz klar zur Hirtenehre.
Doch dann kommt das Beste: Der Hirte weiß, wie verstört, wie apathisch das Schaf nach diesem stressigen Erlebnis ist. Meistens handelt es sich dabei um unerfahrene Jungtiere. Schimpfen oder gar Schlagen wäre absolut fehl am Platze. Stattdessen packt sich ein guter Hirte das geschwächte Tier ganz liebevoll auf die Schultern, das gibt ihm Vertrauen und Sicherheit, und schneller geht es außerdem.
Die kostbare Herde ist nun wieder komplett, und die Freude des Hirten ist dementsprechend riesengroß. Kein Wunder also, dass er seine Hirtenkollegen und Freunde an dieser Freude teilhaben lassen will. Das war damals üblich, man teilte möglichst Freud und Leid,
wie man das heute vielleicht noch an manchen Orten auf dem Lande erleben kann. So saß man abends zusammen und feierte dieses Glück.

Jesus wird den Pharisäern gegenüber jetzt fast feierlich: „Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.“
Damit macht Jesus klar: Jeder einzelne Mensch ist Gott ganz wichtig, liegt Gott sehr am Herzen, und zwar ausdrücklich auch einer, der so leichtsinnig ist, sich von der Herde zu entfernen.
Unsere dummen Sprüche gelten bei Gott eben nicht, von wegen:
Ein bisschen Schwund ist immer…!
Ein einziges Leben, nur 1 % von 100, das ist bei Gott als Verlust zuviel. Gott will niemanden verlieren, der eigentlich zu ihm gehört. Schließlich hat das Schaf nicht ernsthaft vorgehabt: So, jetzt will ich mich mal verlaufen, jetzt will ich mein Glück mal auf’s Spiel setzen.
Unsere Art zu rechnen, ist Gott völlig fremd. Für ihn lohnt sich der Aufwand immer. Und wie man in diesem Beispiel so schön sehen kann, hat Gott als Hirte mit dieser Methode eindeutig früher oder später Erfolg: Er findet das verlorene Schaf, und voller Liebe bringt er es zu seiner Herde zurück.

Ganz offensichtlich ist Gott mit seiner Freude im Himmel aber nicht allein. Die Freude Gottes ist hochgradig ansteckend, denn offenbar freuen sich da ganz, ganz viele mit.
Es ist eben einfach himmlisch, dass schon wieder ein Schaf gerettet wurde, dass sich verlaufen hatte.
Die freuen sich so doll, dass man sagen könnte: die sind ganz aus dem Häuschen vor lauter Glückseligkeit, dass wieder eine Seele gerettet wurde und jetzt auch bei Gott sein darf.

Vorsichtshalber, damit es auch wirklich jeder kapiert, erzählt Jesus sofort danach noch ein zweites Gleichnis zu diesem Thema. Wenn es heißt, dass da eine Frau ist, die von ihren zehn Drachmen eine verliert, dann erscheint uns das womöglich wenig spektakulär.
Eine Drachme, oder wie die Römer sagen, ein Denar, das ist damals der übliche Tageslohn eines Arbeiters. Aus der Reaktion der Frau erkennen wir jedoch, dass es ihr um mehr geht als um einen Tageslohn. Wie Jesus es schildert, zündet sie sofort nach Bemerken des Verlustes eine Öllampe an, fegt ihr Haus gründlich „und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet“, heißt es im Evangelium.
Die Frau hat nicht nur mehr verloren als der Hirte, nämlich 10 % ihres Besitzes. Damals war es üblich, mindestens 10 solcher Denare zu durchbohren und zu einer Kette aufzureihen. Oder man nähte sie auf einem Stirnband fest. Diesen schönen und praktischen Brautschmuck bekam die Braut am Morgen nach der Hochzeit vom Bräutigam geschenkt, als Zeichen seiner Liebe und seines Glückes, aber eben auch wie heute so mancher kostbare Familienschmuck als letzte Rettung in finanzieller Not.
Verständlich, dass diese Frau ganz verzweifelt ist. Das ganze Haus stellt sie jetzt auf den Kopf.
Bei offener Haustür sucht sie im Halbdunkel ihres fensterlosen ärmlichen Hauses jeden Zentimeter des Lehm-Fußbodens ab. Der Besen aus einem Palmenzweig hilft ihr dabei, denn die kleine Münze klimpert, wenn sie beim Kehren aufgewirbelt wird. - Die Frau hat vielleicht durch eine kurze Unachtsamkeit beim Betrachten des Schmuckes mehr verloren als nur ihr Geld. Sie hat ihren Brautschmuck damit zerstört, eine Erinnerung an glücklichere Zeiten.

Jetzt ist uns klar, warum diese Frau so unermüdlich sucht und nicht aufhört, bis sie endlich die verlorene Drachme wiedergefunden hat. Mit jeder Faser ihres Herzens hängt sie an dieser jetzt wieder vollständigen Kette aus Drachmen. Fast hören wir sie jetzt noch, wie sie jubelnd und mit ausgelassener Freude aus dem Haus rennt, um ihre Freundinnen und Nachbarinnen an ihrem großen Glück teilhaben zu lassen. Wiedersehen macht eben Freude, und was für eine…!

Jesus wird jetzt wieder ganz feierlich, wenn er zu den Pharisäern spricht: „Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.“
Deutlicher kann man es eigentlich nicht mehr sagen. So wie die verlorene Münze für diese Frau einen großen Schatz bedeutete, so ist auch jeder Mensch für Gott ein einmaliger, unverwechselbarer Schatz, der beim Schmuck Gottes nicht fehlen darf.
Gott hat offenbar eine ganz andere Art der Buchführung als wir.
Gott ist kein Kaufmann, der Verluste abschreibt. Er sucht uns, jeden von uns, wenn wir in Gefahr sind, verloren zu gehen. Wir gehören einfach dazu, und da stellt Gott die Suche erst ein, wenn wir wirklich gefunden sind, wenn wir wirklich bei ihm sind.

In jedem von uns steckt
aber auch so ein Stück Pharisäer.
Das heutige Evangelium rüttelt uns deshalb wach: Schau doch, wie Gott das macht!
Er hält dem Verlorenen keine Standpauke, sondern er geht ihm nach, er holt es heim zu sich. Martin Luther hat diese Leidenschaft Gottes für den Menschen etwas dramatischer ausgedrückt: „Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe.“

Gott sei dank ist Gott so, kann ich da nur sagen. Und Gott sei Dank, dass diese beiden wunderbaren Gleichnisse in der Bibel stehen!
Wir wissen spätestens jetzt, wie schwerwiegend die Sünde ist, das Verlorengehen aus der Nähe Gottes. Sogar den grausamen Tod am Kreuz hat Gottes Sohn für uns auf sich genommen, damit wir gerettet werden können.
Wir wissen jetzt durch Jesu Worte aber auch, wie barmherzig und liebevoll Gott als unser Hirte ist. Er lässt niemand von den Seinen im Gestrüpp der Gottesferne zurück. Seine Freude und die des ganzen Himmels ist unbeschreiblich groß, wenn wir mit ihm gehen, wenn wir wieder bei ihm sind.
Am besten ist es, wenn unsere Seele im Gebet ganz laut ruft: „Ich habe mich verfangen, Herr, und ich komme nicht mehr los. Hilf mir, befreie mich, führe mich wieder zu dir. Amen.“

Predigt Pfr. Dr. Matthias Büttner: „Kein Angst vorm Verlieren“
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf) >> BITTE KLICKEN !
Botschaft der Woche (zum Bild von Dominco Fetti)
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Ausmalbild: „Der gute Hirte“ >> BITTE KLICKEN !
„Gleichnisse im RU – 12 Methoden für Kl. 5-10“ (pdf)
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Die offizielle (engl.) Website zum Papstbesuch in England
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„Rolltreppe abwärts“ – Film und Material für Schul-Lektüre
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Anton ist ein extremer Geizhals. Als seine Mutter überraschend gestorben ist, muss er einen Sarg für sie besorgen. Ihn trifft fast der Schlag, als der Bestatter dafür 1.400 Euro haben will. „Ausgeschlossen!“, findet Anton, „so viel will ich auf keinen Fall ausgeben.“ – So zeigt ihm der allmählich etwas genervte Bestatter Sarg um Sarg, bis sie schließlich beim billigsten Modell für 490 Euro angelangt sind.
Das Gesicht von Anton verrät dem guten Mann schon, was sein Kunde davon hält. Da wird es dem Bestatter doch zu dumm. „Wissen Sie was, bringen Sie Ihre Mutter einfach her, und wir beide schrauben für 80 Euro schnell vier Griffe dran!“

Wie bekannt, tragen die Angehörigen von Ordensgemeinschaften hinter ihrem Namen ein Kürzel, das verrät, in welcher Gemeinschaft sie tätig sind. Die Franziskaner z.B. benutzen das Kürzel OFM,
die Jesuiten SJ und die Benediktiner OSB.
Bei einer Tagung treffen sich Mitglieder verschiedener Orden und geraten am späteren Abend in Streit darüber, welchen der Orden Gott wohl am liebsten habe. Schließlich kommen sie auf die rettende Idee, Gott selbst in dieser Sache zu befragen. Einen Zettel mit der Frage legen sie noch nachts auf den Altar der Kapelle im Tagungs-
haus. Für den nächsten Morgen haben sie sich um 8.00 Uhr in
der Kapelle verabredet, um gemeinsam nachzusehen, ob Gott geantwortet hat. Tatsächlich – in sauberen Druckbuchstaben steht Gottes Antwort auf dem Zettel: „Ihr Lieben alle ! Selbstverständlich sind mir alle Ordensgemeinschaften gleich lieb. Mein Segen für euch! Unterschrift: Gott SJ“


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