15.09.2010

25. Sonntag im Lesejahr C - 19.9.2010

(Fortsetzung)

Eigentlich kann er von Glück sagen, dass er dafür nicht ins Gefäng-
nis muss. Seine Karriere ist jedoch gründlich ruiniert.
Sofort ist ihm klar, dass er als Manager auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr hat. In einigen Tagen wird sich überall herumgesprochen haben, dass er krumme Touren gemacht hat, und dann wird ihm niemand mehr so viel Verantwortung und Macht anvertrauen.
Der Betrüger im Beispiel Jesu reagiert aber keineswegs hektisch, sondern er bewahrt in der Krise einen erstaunlich kühlen Kopf.
Im Evangelium heißt es: „Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Doch - ich weiß, was ich tun muß, damit mich die Leute in ihre Häuser auf-
nehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.“

Der Mann macht sich also nichts vor. Von irgendetwas muss er auch in Zukunft leben. Offenbar hat er trotz seiner guten Position nicht so viel auf die hohe Kante legen können, dass er eine Zeitlang ohne Arbeit über die Runden kommen könnte. Also muss er bald-
möglichst einen Job finden, wenn er nicht verhungern will.
Als Büromensch ist er allerdings körperlich nicht in der Lage, eine anstrengende Arbeit auf Dauer auszuhalten; das muss er sich eingestehen. Und der Gedanke, dass er vielleicht irgendwo als Bettler auf das Erbarmen der Vorübergehenden angewiesen sein soll, ist ihm äußerst peinlich. Schließlich kennt ihn hier jeder, da ist der Spott schon vorprogrammiert.

Es muss also eine Lösung für seine Zukunft her, und zwar so schnell wie möglich. Und genau das hat dieser Gauner klug erkannt. Wenn er seinen Arbeits-
platz erst einmal geräumt hat, dann ist er vollkommen macht- und hilflos. Jetzt aber, solange noch niemand von seiner Kündigung weiß, kann er noch selbst die Weichen stellen.
Er reist also so schnell wie möglich zurück zu seinem Ver-
waltungsbüro und bestellt die Schuldner seines Herrn sofort zu sich, einen nach dem anderen, um keine Zeugen zu haben.
Der Verwalter hat einen cleveren Plan: Sein Herr ist weit weg, und die Details der Schuldbücher haben ihn ohnehin nie interessiert.
Also beschließt er ganz dreist, die Bücher in großem Stil zu fälschen.
Für jeden Schuldner gibt es hier einen Schuldschein, den dieser unterschrieben hat. Die Summen, um die es hier geht, sind ganz schön happig: Als er den ersten fragt, wieviel dieser seinem Herrn schuldet, antwortet der, wie es auch auf dem Papier steht:
„Hundert Faß Öl.“
Das sind immerhin 40 Hektoliter im Wert von etwa 1.000 Denar, also dem durchschnittlichen Lohn für drei volle Jahre Arbeit. Heute wären das vielleicht 80.000 Euro.
Der Schuldner staunt nicht schlecht, als er nun die Anweisung bekommt: „Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib fünfzig.“ - Der alte Schuldschein wird also spurlos beseitigt, und der neue lautet in der gleichen Schrift nur noch auf die Hälfte der Schuldensumme.
Wie glücklich und dankbar dieser Mann den Raum verlässt, das kann sich jeder sicher sehr gut vorstellen. Diesen Verwalter wird er für immer und ewig als seinen Wohltäter schätzen und ehren.

Und genau das ist natürlich das Ziel des ganzen Manövers.
Der gerissene Verwalter hat sich das gut überlegt: Wenn er jetzt mal tief in die Kasse greifen würde, dann käme er damit nicht weit.
Er würde sicher bald geschnappt und könnte den Rest seiner Tage im Gefängnis schmoren. Doch mit diesem erneuten Betrug schafft er sich gute Freunde für’s Leben.
Die Schuldner sind ihm nicht nur unendlich dankbar, sondern sie sind gleichzeitig seine Komplizen bei der Betrügerei geworden, und das wissen sie nur zu gut. Auch deshalb werden sie den Mund halten und ihn jederzeit so lange wie gewünscht als Gast in ihrem Hause aufnehmen. Für gute Unterkunft und genug zu essen ist also für die Zukunft gesorgt.
Noch einen zweiten Schuldner als Beispiel für alle folgenden lässt Jesus auftreten, um dies so anschaulich wie möglich zu machen. Der bestätigt, dass er dem Großgrundbesitzer hundert Sack Weizen schuldet, und die kosteten damals etwa 2.500 Denare. Vielleicht wundern wir uns, warum dieser die Anweisung bekommt, statt „hundert“ jetzt „achtzig“ zu schreiben. Wir hätten wohl eher erwartet, dass auch er „fünfzig“ schreiben darf. Doch der Verwalter kann gut rechnen: Beiden wird tatsächlich, wenn man die unterschiedlichen Preise berücksichtigt, die gleiche Summe von 500 Denaren erlassen.
Der Verwalter verhält sich hier zwar krimi-
nell, aber auch aus-
gesprochen originell. Er, der eigentlich der örtliche Vertreter eines ausbeuterischen Systems ist, ver-
wandelt sich jetzt in einen sehr spendablen Wohltäter und Menschenfreund, dem die Sympathien der Betroffenen sicher sind. So schafft er nebenbei mit seinem eigentlich ganz eigennützigen Plan auch ein Stück weit Gerechtigkeit und schenkt vielen Bauern die Aussicht auf eine bessere Zukunft.

Jesus erzählt nun, der Herr in diesem Gleichnis erfahre aber doch davon. Ändern kann er nichts mehr, denn die Dokumente sind rechtens, haben Brief und Siegel, und alle alten Papiere sind längst vernichtet. Erstaunlich: Er kommt nicht daran vorbei, diesen genialen Schachzug zu loben. Im Evangelium bemerkt er: „Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.“
Und Jesus fügt als Kommentar noch hinzu: „Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.“
Nun klärt sich, was Jesus seinen Jüngern und uns hier beibringen will: Nicht um den Betrug geht es ihm bei seinem Lob, sondern ausschließlich um das zielstrebige und clevere Verhalten dieses Schlitzohrs. Um seine Haut zu retten, hat er sich mächtig ins Zeug gelegt und ausgesprochen phantasievoll gehandelt. Ausgerechnet das Geld, das vorher existenzbedrohend für die Schuldner war, das wird jetzt zur Rettung für sie und für den pfiffigen Verwalter.

„Die Kinder des Lichtes“ – damit sind die Christen gemeint, im Gegensatz zu den Kindern „dieser Welt“. Jesus stellt beide Gruppen hier gegenüber und fordert die Christen auf, einen gründlichen Blick auf die anderen zu werfen. Die sind nämlich „im Umgang mit ihresgleichen klüger“, und das soll heißen, die erkennen immerhin, wenn es für sie 5 vor 12 ist.
Die Kinder dieser Welt sind schlau, sie sorgen gründlich für ihre Zukunft, und sie wissen, wie sie es anzustellen haben, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Mit aller Energie und vielen Ideen basteln sie sich ihren persönlichen Rettungsplan für ein möglichst angenehmes Leben, die Kinder dieser Welt.
Jesus ruft uns also zu: Schaut sie euch an, diese cleveren Burschen, und lernt von ihnen. Ihr sollt natürlich nicht lügen und betrügen, aber ihr könnt von ihnen lernen, mit aller Energie und mit großer Phantasie an eure eigene Zukunft
zu denken. Und die ist bekanntlich nicht irdisch, sondern ganz himmlisch.
Lernt als gläubige Christen also von den Kindern dieser Erde, dass ihr euch auf eure Zukunft auch richtig vorbereitet. Auch ihr seid keine Eigentümer, sondern nur Verwalter. Ihr verwaltet während eures Erdenlebens das, was Gott euch an Talenten anvertraut hat, an Gaben und Fähigkeiten.
Und auch das Geld ist nicht tabu. Macht es wie dieser Verwalter, nutzt das Geld, um euch Freunde zu schaffen, und zwar Freunde, die euch auch im Himmel noch kennen. Euer ganz persönlicher Rettungsplan sollte also auch euer Geld miteinbeziehen.
Allerdings ist eine kleine Warnung angebracht: im Himmel zählt nicht das Geld, das man hat, sondern nur das Geld, das man für Not-
leidende ausgegeben hat. Also lernt von diesem Verwalter.
Wer weiß, wie schnell es auch für euch selbst mal 5 vor 12 werden kann, wie schnell ihr euch dann bei eurem Herrn verantworten müsst.
Seid also ganz zielstrebig und erfinderisch, wenn es um das Anlegen von eigenen Vorräten geht, deren Mindesthaltbarkeitsdatum auch noch im Himmel gilt. Verlasst euch ganz auf Jesus als dem besten Anlage-Berater und nutzt die Gelegenheiten, richtig zu investieren, so lange ihr es noch könnt.

Beim Geld hört die Freundschaft eben nicht auf, zumindest nicht die Freundschaft mit Gott. Seid auf der Hut und klebt nicht an eurem Geld. Ihr wisst ja, wie es den Reichen geht: Erst haben sie das Geld, und dann hat das Geld sie.
Lernt daraus, wie man einen Affen fängt. Wollen afri-
kanische Ureinwohner einen Affen fangen, machen sie das einfach so: Hinter einem kleinen Astloch schnitzen sie in einem Baumstamm seines Reviers eine kleine Höhle. Dort hinein legen sie etwas besonderes Leckeres, z.B. eine süße und saftige Frucht. Natürlich beobachtet der Affe diese Aktion aus sicherer Entfernung. Sobald die Menschen sich vom Tatort entfernt haben, eilt er zu diesem Baum, wo er sofort die kleine Köstlichkeit riechen kann. Seine Hand passt nur ganz knapp durch das kleine Astloch. Gerade spürt er voller Freude die leckere Frucht in seiner Hand, da nähern sich die Jäger erneut.

Mit aller Anstrengung versucht der Affe jetzt seine Hand mit der Frucht herauszuziehen, aber da sie mit der Beute deutlich größer ist, kann er sich abmühen, so viel er will: die Hand mit der Frucht ist und bleibt gefangen!
Klar, denken wir: Er müsste doch bloß auf seine Beute verzichten – dann könnte er seine Hand mit Leichtigkeit wieder herausziehen! Doch in seiner Gier kommt der kleine Kerl überhaupt nicht auf diese simple Idee. Was er einmal ergattert hat, das gibt er nicht wieder her!
Könnte der Affe doch besser denken! Dann wäre ihm schnell klar: Besser mein Leben vor den Jägern retten als an der Frucht festhalten!

Aber wir sollten nicht allzu laut tönen: Wenn der Eindruck nicht sehr täuscht, sind auch wir Menschen dabei, uns zum Affen zu machen, wenn wir krampfhaft an so vielem festhalten wollen und dafür unser Leben im Himmel für immer auf’s Spiel setzen…

Predigt Pfr. Dr. Christoph Körner
>> BITTE KLICKEN !
Predigt Br. Marinus Parzinger, Kapuziner
>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Dr. Jörg Sieger
>> BITTE KLICKEN !
Exegetisch-theologischer Kommentar
>> BITTE KLICKEN !
Weltkindertag am 19./20. Sept. 2010
>> BITTE KLICKEN !
Buch- und Linktipps zum Rosenkranzmonat
>> BITTE KLICKEN !

Ein wortgewaltiger Prediger ist in der kleinen Gemeinde zu Gast und gibt sein Bestes, um die Gläubigen zu einem engagierten Christen-
tum zu bewegen. So zieht er alle Register und droht am Schluss mit theatralischer Geste mit den ewigen Qualen der Hölle. Man sieht es den Gesichtern an: die ganze Kirche ist geschockt und zittert vor Angst. Doch da traut er seinen Augen kaum: in der letzten Reihe sitzt ein Mann und grinst ständig vor sich hin.

Erbost donnert der Prediger vom Ambo: „Auch wenn Sie so tun, als ginge Sie das Ganze nichts an – Ihnen da hinten wird das Lachen schon noch vergehen!“
Einen Moment eisige Stille, dann schallt es lautstark zurück:
„Irrtum, Hochwürden, ich bin nämlich gar nicht von hier!“


Der alte Schmitz ist ein fleißiger und sparsamer Inhaber eines kleinen Ladens, der als Familienbetrieb geführt wird. Doch nun hat sein letztes Stündlein geschlagen, und es geht ans Ende. Die Kraft seiner Augen hat schon so nachgelassen, dass er niemand mehr erkennt. Seine Familie steht daheim um sein Bett und wartet auf ein letztes Wort von ihm, auch was das Ersparte und den Laden betrifft. Das kommt auch: „Edith, meine geliebte Frau, bist du da?“ –
„Ja, Otto!“ – Zufriedenes Kopfnicken im Bett. „Bernhard, mein lieber Sohn, bist du da?“ – „Ja, Vater!“
„Anni, meine liebe Tochter, bist du da?“ – „Natürlich, Papi!“
„Und du, Sabine, meine liebes Kind, bist du auch da?“ – Man hört ein Schluchzen, und dann endlich: „Ja, Papi, alle sind hier!“
Eine Sekunde herrscht Stille, dann richtet sich der alte Schmitz im Bett auf uns schreit zornig: „Und wer, zum Kuckuck, ist jetzt im Laden…?“

ZURÜCK ZUR HAUPTSEITE? >> bitte hier klicken !


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Zur Zeit keine Kommentare möglich.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.