06.07.2011

15. Sonntag im Jahreskreis A - 10.7.2011

(Fortsetzung)
- Da hat man sich krumm gelegt und für die eigenen Kinder abgerackert. Auch bezüglich der Kirche hat man sich immer bemüht, ein Vorbild zu sein. Man hat z.B. auch dann die Heilige Messe besucht, wenn man eigentlich gar nicht dafür in der Verfassung war.
Und was machen die Kinder? Schon lange haben sie keine Kirche mehr von innen gesehen! Was ist bloß aus den christ-lichen Werten geworden, die wir ihnen so viele Jahre lang vermittelt haben?
-Anderes Beispiel: Da hat man sich in der Pfarrgemeinde schon so oft als Katechetin für die neuen Kommunionkinder engagiert. Mit Engelszungen hat man geredet, getan und gemacht, und es schien so so, als hätte man bei manchen Kindern eine Tür aufstoßen dürfen zum Glauben.
Und dann kam die kalte Dusche: Schon wenige Wochen nach der Erstkommunion sind fast alle Kommunionkinder aus unseren Gottes diensten spurlos verschwunden, von deren Eltern ganz zu schweigen.
-Letztes Beispiel: Auch die Priester leiden am Zustand der Kirche, und das nicht zu knapp! - Viele sind mit mehreren großen Pfarreien an der Grenze ihrer Belast-
barkeit angekommen. Auch bei ihnen verlangt die leidige Büro-
kratie immer mehr Aufwand an Zeit und Kraft. Manche fühlen sich vielleicht inzwischen eher als herumreisender Sakra-
mentenspender und Gemeinde-Manager statt als Seelsorger.
Was waren das doch für Zeiten, als man den Pfarrer zu jeder Tages- und Nachtzeit und das ganze Jahr hindurch im Pfarrhaus erreichen konnte! - So haben manche Priester innerlich schon resigniert. Wie viel Enttäuschung und Verletztheit spricht aus dem Satz, den ich neulich von solch einem erschöpften Pfarrer hörte: „Ich bin schon froh, wenn meine Arbeit niemand schadet. Ob sie jemand nutzt – ich weiß es nicht…!“

Denken wir bei der Kirche an das bekannte Bild des Wasser-
glases: Ist ein halb gefülltes Glas Wasser eigentlich halb voll
oder eher halb leer?- Schaut man derzeit auf die allgemeine Stimmungslage, ist es wohl eher halb leer. Wie bei einem Autotank denken manche vielleicht: In unserer Kirche blinkt
doch längst schon die Warnleuchte für „Reserve - bitte bald auftanken!“ --
Was hat man sich in den letzten Jahren nicht alles einfallen lassen in der Kirche, um z.B. Gottesdienste interessant zu machen! Fast 800 Stunden Religionsunterricht bekommt jeder Schüler im Laufe seiner Schulzeit im Durchschnitt. Zahlreiche kirchliche Angebote gibt‘s, vom katholischen Kindergarten über Bildungsangebote bis zu wer-weiß-was-alles an Aktionen und „Events“, wie das heute heißt.
Bei vielen, die sich so engagiert haben, kommt irgendwann die Frage: „Wo bleibt der sichtbare und dauerhafte Erfolg meiner Arbeit? War alles vielleicht doch nur vergebliche Liebesmüh’?“

Und mit dieser Frage stehen wir auch schon mitten im Text unseres heutigen Evange-
liums. Die Jünger Jesu mussten auch allerhand Rück-
schläge und Niederlagen miterleben, und Jesus selbst auch. Wie oft war es genau so, wie wir eben gehört haben: „Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn.“ -
Ja, es waren viele, die Jesus hören wollten, sehr viele. Im heuti-
gen Text waren es so viele, dass Jesus vom Ufer aus in ein Boot ausweichen musste, um nicht überrannt zu werden. Nur durch diesen Sicherheitsabstand zum Ufer, wo die Leute standen, war es überhaupt zu schaffen, dass alle ihn hören und sehen konnten.
Ja, es waren viele, sehr viele. Vielleicht wie heute bei einem Weltjugendtag oder einem großen Festgottesdienst. Die Leute wollten Jesus hören, und der gab sich alle Mühe. Im Text des heutigen Evangeliums heißt es: „Und er sprach lange zu ihnen
in Form von Gleichnissen.“
- Jesus sprach lange, und er erklärte ihnen die Heilige Schrift durch Gleichnisse aus dem Alltag, damit es auch wirklich jeder verstehen konnte. Lange, gründlich und geduldig erklärte er es ihnen. Im heutigen Text wird extra erwähnt, dass Jesus dabei nicht im Boot stand, sondern er saß im Boot. Das Sitzen beim Predigen war damals ein bekanntes Signal: Hier spricht jemand mit größter Autorität, er sitzt dabei, wie ein großer Gesetzeslehrer oder ein König dies tut, und alle anderen stehen.
Doch was er da erzählte im Gleichnis vom Sämann, das klang erst einmal nicht so berauschend: Da gehen ja 75 % des kostbaren Saatgutes ver-
loren!
Es fällt auf den Weg, wird zertreten oder von Vögeln aufgefressen. Anderes fällt auf Steine und vertrocknet in der Hitze. Manches fällt unter die Disteln – es wächst zwar an, wird aber dann doch vom Unkraut erstickt. Einfach unfassbar – solch ein grandioser Misserfolg!
Bevor wir diesen offenbar so unfähigen Bauern für verrückt erklären, müssen wir allerdings wissen, dass es damals im Gegensatz zur heutigen Methode tatsächlich so war, dass zuerst gesät und danach erst untergepflügt wurde. Manches von dem, was da zuerst einmal auf der Oberfläche herum lag, gelangte so doch noch ins tiefere Erdreich.
Dennoch: Wenn man nur den Saatvorgang betrachtet, dann ist das Verhalten dieses Sämannes aus wirtschaftlicher Sicht heute nicht akzeptabel. Wie kann man nur so verschwenderisch mit dem wertvollen Saatgut umgehen? Das ist ja wie Perlen vor die Säue geworfen…!
Wenn wir so denken, haben wir Gedanken von Menschen.
Wir denken eben so schlicht in den Kategorien von Gewinn und Verlust. Wir sind es so gewohnt, zu fragen: Was bringt das?
Wo bleibt denn da der Erfolg? - Man hat sogar uns Christen erfolgreich beigebracht, so zu fragen. -
Gott sieht und denkt da wohl etwas anders. Gott hat immer auch den späteren Zustand der Ernte im Blick, was wir allerdings bei der Aussaat noch nicht sehen können. Doch wir kennen die Redewendung: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“ Sie ist Ausdruck einer alten Erfahrung: Am Ende ist es oft nicht so, wie man am Anfang noch vermuten konnte. Daher ist es oft sehr klug, wenn man sich mit spöttischen Bemerkungen zurückhält.
Ja, Gott schaut immer auch auf das Ende, auf die Ernte, also
auf den eigentlichen Zweck der ganzen Aussaat-Aktion.
Gottes Bilanz sieht da doch anders aus, als man zuerst vermuten konnte. Der Teil der Saat, der auf guten Boden fällt, bringt enorme Erträge, 100-fach, 60-fach, 30-fach. Damit macht er den Verlust nicht nur wieder gut, sondern es bleibt jede Menge Ernte-Überschuss übrig!
So sieht es aus, wenn Gott sät! – Ja, er ist der Sämann, nicht wir. Nicht wir säen aus, sondern Gott tut es, er tut es auch durch uns. Und dieser Gott ist ein überaus großzügiger und verschwenderischer Gott! - Er sagt nicht vorher schon: Ach, bei Herrn X und bei Frau Y hat es sowieso keinen Wert! Und den Pfarrer Z kann ich glatt vergessen, so wenig Erfolg hat der in seiner Pfarrei! - Nein, Gott beherrscht mehr Rechenarten als wir, und seine Rechnung geht langfristig immer auf. Gott kann so großzügig sein, dass für jeden was abfällt, sogar für die Vögel
auf dem Feld. Was in unseren Augen als Missgeschick begann, endet mit einer sensationellen Ernte!
Wir haben sicher verstanden, was Jesus seinen Jüngern und uns heute mit diesem Gleichnis sagen will: Ja, nicht jedes Saatkorn geht auf. Es findet ja auch nicht überall gute Bedingungen zum Wachsen vor. Bei vielen Mitmenschen nicht, und vielleicht bei Ihnen und mir manchmal auch nicht?! - Genug Disteln des Bösen, die alles Gute bereits im Keim ersticken, gibt es schließlich auf der Welt!
Doch vergessen wir nicht: Wir sind nicht der Sämann! Nicht die besorgten Eltern, nicht die enttäuschte Kommunion-Katechetin, nicht der resignierte Priester. Nicht wir haben zu entscheiden, was für Gott erfolgreich ist. Das macht er schon selber. Unsere gefühlten Misserfolge in Beruf, Familie und Kirche tun uns weh. Dieser Kummer ist verständlich. Ob er aus Gottes Sicht aber langfristig auch berechtigt war, wird sich erst noch herausstellen.
So erzählt Jesus mit diesem Gleichnis eigentlich nicht vom Misserfolg, sondern er lädt uns eindringlich ein zum Vertrauen in die Aussaat-Entscheidung Gottes, auch und gerade in Zeiten, die wir selbst als Durststrecken oder Misserfolg empfinden. Über die Geduld, die wir dazu brauchen, spricht das Evangelium des nächsten Sonntags.
Lassen wir zum Schluss in einer kurzen Anekdote den herzens-
guten Papst Johannes XXIII. zu Wort kommen: Als ein neu ernannter Bischof zum erstenmal von Papst Johannes XXIII.
in Privataudienz empfangen wurde, klagte er, die neue Bürde lasse ihn nicht mehr schlafen. Mitfühlend sagte ihm der Papst: "Mir ging es in den ersten Wochen meines Pontifikats genauso. Aber dann sah ich auf einmal im Wachtraum meinen Schutz-
engel, der mir zuraunte: 'Giovanni, nimm dich nicht so wichtig ...' - Seitdem schlafe ich wieder."


Predigt P. Dr. Füllenbach, SVD: „…das Unkraut in mir“
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Predigt Prof. Dr. Dr. Klaus Müller: „Wider die Mutlosigkeit“
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Predigt Pfr. Josef Mohr: „Wer Ohren hat, der höre!“
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Predigt Pfr.Harald Fischer: „Ein Sämann ging aufs Feld…“
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Predigt Pfr. Karl Sendker: „Was säen wir eigentlich?“
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Deutung des Gleichnisses bei "kirchensite.de"
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Kurz vor seinem Tod verfügte der alte Schotte in seinem Testa-
ment: "Meine drei Söhne müssen mir jeweils 100 Pfund ins Grab legen." - Widerwillig legen die ersten zwei bei der Beerdigung jeweils 100 Pfund auf den Sarg. Der dritte stellt schnell einen Scheck über 300 Pfund aus. Und steckt die zwei Hunderter ein.


Der Patient hatte heftiges Händezittern. Der Arzt fragte ihn daraufhin: "Sie trinken wohl ziemlich viel, wie?"
"Nein, gar nicht, Herr Doktor. Das meiste verschütte ich."

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