Sie lassen ihm einfach keine Zeit für Trauer.Jesus wird dringend gebraucht, denn diese Menschen wollen wissen, was dieser berühmte Rabbi ihnen zu sagen hat. Sie hungern nach seinem Wort. Dafür sind sie ihm bis an diesen abgelegenen Ort gefolgt.
Als Jesus die Menge sieht, hat er sofort Mitleid mit ihnen, wie es im Evangelium heißt. Er steigt also aus und kümmert sich um sie, spricht mit ihnen und heilt die Kranken, die bei ihnen sind. Offenbar haben sie ihre Kranken nicht im Stich gelassen, son-
dern ihnen mühevoll geholfen, diesen weiten Weg zur Begeg-
nung mit Jesus irgendwie zu schaffen. So etwas beeindruckt sicher auch Jesus.
Die Begegnung mit der Menge zieht sich jedoch unerwartet in die Länge. Es sind viele, und Jesus nimmt sich offenbar viel Zeit für jeden. Während Herodes kurz zuvor mit Gewalt ein Leben ge-
nommen hat, schenkt Jesus nun vielen mit seiner Zuwendung ein neues Leben. Worüber er zu ihnen spricht, wird im heutigen Evangelium gar nicht verraten. Etwas anderes steht dort im Mittelpunkt des Interesses.
Jetzt erst treten die Jünger Jesu in Erscheinung. Im Evangelium heißt es: „Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.“ - Ja, so sind sie, die Jünger: Ihnen wird allmählich die Zeit lang. Sie werden unruhig, weil Jesus mal wieder nur voller Mitleid an die hilfesuchenden Menschen denkt, ohne die organisatorischen Probleme zu sehen.
Der Meister kommt einfach nicht zum Ende, und dabei wird es doch schon bald dunkel! So können sie sich nicht mehr bremsen und schreiten ge-
meinsam ein; keiner will alleine zu Jesus gehen, um ihn zu kritisieren.
Ihre Formulierung ist brutal und deutlich:„Schick doch die Menschen weg!“ - Sie wollen sagen: Genug ist genug. Mach endlich mal Feierabend! Gleich ist es Zeit zum Abendessen!
Natürlich haben sie einen guten Grund für ihre Sorge. Wenn die Leute noch länger dableiben, muss man sich nämlich etwas einfallen lassen für ihre Verpflegung. Und da wissen die Jünger beim besten Willen nicht, wie das bei einer solchen Menge
gehen soll.
Außerdem – jetzt mal ganz unter uns gedacht, so von Jünger zu Jünger: In spätestens 1 – 2 Stunden müssen die Leute sowieso gehen, sonst tappen sie im Dunkeln bis in die nächsten Dörfer, wo sie irgendwie für die Nacht unterkommen könnten. Als Prak-
tiker kann man da also schon mal ein bisschen verärgert rea-
gieren: diese Leute haben wirklich Nerven, den Chef so lange aufzuhalten!
Wenn sie aber jetzt endlich weggehen, können sie sich gerade noch in den umliegenden Dörfern selbst verpflegen. Irgendwie wird bei der berühmten Gastfreundschaft schon jeder zurecht-
kommen. Die Leute sind dann gar nicht auf uns hier angewiesen. Und das bedeutet: Wir haben das Problem vom Hals, und außerdem kehrt endlich Ruhe ein, und die haben wir nötig, aber Jesus erst recht!
„Schick doch die Menschen weg!“ -Wie oft denken wir das heute auch!
Als einzelne Christen und auch als kirch-
liche Gemeinde sehen wir oft genug so viele handfeste Probleme in Kirche und Welt, dass wir wie die Jünger schnell kalkulieren:
Das schaffen wir doch nie! - Wie soll das bloß gehen? Wenn wir die Nachrichten im Fernsehen anschauen, kann uns eigentlich nur schlecht werden: Wohin man auch schaut - Krieg, Elend, Hunger!
Etwa 24.000 Menschen sterben pro Tag an Hunger, etwa 13.000 Kinder sterben pro Tag an den vielen Folgen von Hunger, errech-
nete die UNICEF.
Doch nicht nur diesen Hunger sehen wir. Auch den Hunger nach Zuwendung, den Hunger nach Sinn im Leben, den Hunger nach Liebe.
Wie viele Kinder warten auf Eltern, die sich um sie kümmern?
Wie viele Alte warten auf jemand, der Zeit für sie hat?
Wie viele Menschen auch in unserer eigenen Kirchengemeinde würden sich über ein gutes Gespräch freuen?
Wie viele Reiche mit übervoll beladenen Tischen sind innerlich bitterarm und hungern nach wirklicher Wertschätzung ohne Blick auf ihr Geld?
- Die Welt hungert. Und wir sind mittendrin in dieser Welt.
Wie reagiert Jesus auf die deutliche Aufforderung der Jünger? Schickt er die vielen Menschen mit einer eiligen und energischen Handbewegung weg?
Das Evangelium verrät es uns: „Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.“
So klang es von den Jüngern damals, und so klingt es heute.
Wir rechnen auch genau so unsere vorhandenen Mittel aus und müssen oft erkennen: Das reicht nicht! Wir haben leider nicht genug, um allen zu geben, wir können nur wenigen Menschen ihren Hunger nehmen. Also, lieber Jesus, dein Vorschlag ist ziemlich realitätsfremd. Das können wir nicht leisten. Schick die Leute also bitte weg!
Sie sollen uns in Ruhe lassen. Wir wollen sie und ihre diversen Hungerprobleme nicht mehr sehen.Es überfordert uns und überschreitet schmerzlich unsere Grenzen. Wir können von Glück sagen, wenn wir mit den Lasten unserer Tage selber über die Runden kommen!
Ja, wir müssen es dir eingestehen, lieber Jesus: Es mangelt uns an genügend Kraft und Möglichkeiten. Auch als deine Kirche sind wir oft nur eine Art Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Jesus, du siehst, wir würden liebend gerne helfen, aber es geht beim besten Willen nicht. Sieh das doch bitte endlich ein! Es ist nicht so einfach, wie du denkst…!
Jesus hat gut zugehört und nimmt die Bedenken seiner Jünger ernst. Er hört sich auch alles geduldig an, was wir ihm sagen.
Er hört wie bei den Jüngern damals, dass die Not aus unseren Worten spricht. Es ist die alte Angst der Menschen, letztlich selbst zu kurz zu kommen. Es ist der alte Zweifel, der Mangel an Glaubensmut: Theoretisch glaube ich schon, dass Jesus hilft, aber ganz praktisch und bei mir und bei uns – nein, das wage ich nicht zu glauben! - Und so sehe ich, so sehen wir alle erst einmal nur unsere Mängel.
Jesus lässt die Bedenken der Jünger aber überhaupt nicht gelten. Es erscheint schon fast wie Sturheit, wie unbeeindruckt er bleibt von den vielen Bedenkenträgern aus den eigenen Reihen. Er sagt nur mit Blick auf die fünf Brote und zwei Fische: „Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen.“
Wir sollen also das, was wir Menschen haben, zu ihm bringen. Das ist seine klare Ansage. Es mag uns sehr, sehr wenig vorkommen, aber wir sollen unseren Teil zu ihm bringen. Kürzer kann man sich nicht fassen – er sagt ohne weitere Diskussion nur: „Bringt sie her!“ - Und dahinter steht im heutigen Evangelium unübersehbar ein Ausrufezeichen!
Es ist, als wollte Jesus damit sagen: Haltet mich doch nicht für blind oder für verkalkt! Natürlich sehe ich eure Schwachheit, natürlich sehe ich eure Armseligkeit, eure engen Grenzen. Natürlich sehe ich die Fallen, in die ihr immer wieder hineintappt. Die Falle der Resignation und des kirchlichen Selbstmitleids, die Falle der Gleichgültigkeit, und was am schlimmsten ist: die Falle des Zweifels an Gottes Güte und Barmherzigkeit!
Jesus wird hier ganz energisch, denn er sagt den Jüngern nicht nur, dass sie ihre Gaben bringen sollen, sondern er befiehlt im gleichen Atemzug, dass die Leute sich ins Gras setzen sollen. Das heißt doch: Wenn ihr mir das bringt, was ihr habt, dann kann es auch gleich losgehen mit dem Sättigen der Menschen. Gebt ihr alles, was ihr geben könnt, und bringt es zu mir. Und dann binich dran.
Wer das Alte Testament so wie die meisten Juden damals gut kennt, der weiß: man rechnete damit, dass der verheißene Messias einst das Volk speisen wird, so wie Gott es mit Wachteln und Manna auf der Wüstenwanderung für sein Volk Israel tat.
Ja, er wird seine Speise zur rechten Zeit geben... Was jetzt also mit den 5.000 geschieht, ist nicht nur ein ungeheuer beein-
druckendes Wunder, sondern soll für gläubige Juden ein himm-
lisches Zeichen sein, wer Jesus eigentlich ist.
Weiter heißt es im Evangelium: „Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern…“
Diese Wortwahl Jesu erinnert uns natürlich sofort an seine Worte im Abendmahlssaal, beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern, wo es heißt: „Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es seinen Jüngern und sagte: Nehmt und esst…“ (Mt 26,26-28)
In der heutigen Szene haben wir schon das Bild für die Eucha-
ristie: Was wir dem Herrn an Gaben bringen, das wird von ihm verwandelt.
Daraus ergibt sich aber auch: Was wir nur für uns behalten und nicht abgeben, das kann auch nicht von ihm zum Heil der Welt verwandelt werden. Wer sich also etwa bei Gott beklagen will, dass der so wenig gegen die Not in der Welt tut, der könnte
(nach Anthony de Mello) die Antwort bekommen: Wieso?
Ich habe dich doch geschaffen…!
Was die Verwandlung unserer Gaben bewirken kann, schildert der Schluss des Evangeliums. Nachdem Jesus die Brote in Stücke gebrochen hatte, gab er sie den Jüngern. Weiter heißt es: “… die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünf-
tausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch
Frauen und Kinder.“
Wenn wir also unseren Teil wirklich gegeben haben, dann können wir erleben, wie verschwenderisch Gott wird, wenn er die verwandelten Gaben austeilt: Er schenkt uns allen viel, viel mehr, als wir überhaupt verbrauchen können! - Das ist ein kleiner Vorge-schmack auf den Himmel, auf die Überfülle der liebenden Fürsorge Gottes.
Damals waren es 12 Körbe voll mit Brotresten, das erinnert an die 12 Stämme Israels. Aber vielleicht zeigt sich hier auch wieder der Humor Jesu: ironischerweise blieb für jeden der 12 vorher so skeptischen Apostel ein ganzer Korb mit Proviant übrig…
Wenn Jesus also damals wie heute dazu aufruft: „Gebt ihr ihnen zu essen!“, dann ist das kein netter frommer Spruch. Er meint es ernst. Niemand wird von ihm einfach so heimgeschickt.
Wir wollen nicht hungrig bleiben, und andere auch nicht. Bringen wir Jesus also unsere Gaben, nicht nur bei jeder Kollekte im Gottesdienst.
Jeder Tag, an dem wir großzügig von dem abgeben, was wir haben an Geld, Zeit, Ideen, Hilfeleistungen und allem, wonach gehungert wird, der wird ein guter Tag. Den braucht niemand aus dem Kalender zu streichen. Im Gegenteil: dick ankreuzen wird er ihn! Und Jesus auch.
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Predigt Eberhard Gottsmann: „Hoffnung teilen“
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Hinweise nicht nur für den Kindergottesdienst (pdf)
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Predigt Pfr. Josef Mohr
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Predigt Prof. Dr. Dr. Klaus Müller: „Was uns zugetraut ist“
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Pfarrer Franz Nagler: „Die göttliche Logik“
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Die Brotvermehrungskirche in Tabgha
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Fotos zur Brotvermehrungskirche
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Sparsamkeit : Drei Freunde aus dem Schwabenland gehen mal wieder gemeinsam zum Bergsteigen. Doch das Unglück geschieht: sie stürzen alle in eine tiefe Felsspalte, sind aber gottlob unverletzt. Allerdings sitzen sie hier fest und können nur auf Hilfe hoffen. Die naht auch bald, denn ihr Absturz wurde beobachtet. Als die Männer der Bergwacht sich endlich an die Unglücksstelle vorgearbeitet haben, rufen sie besorgt nach unten: „Hallo – wir sind vom Roten Kreuz!“Von unten hallt es im Chor nach oben: „Mir gäbet nix!“
Das leuchtet ein: Eine Pfarrgemeinde hat sich zu einer Missions-
woche entschlossen, um den Glaubensschwung in der Pfarrei zu erneuern. Ein Pater ist als Referent auf einem Plakat an der Kirchentüre angekündigt. Sein Thema steht in großer Schrift da und soll die Leute wachrütteln: „Weißt du, was Höllenqualen sind?“ -- Ein aufmerksamer Kirchenbesucher hat darunter gekritzelt: „Klar doch, ich habe unseren Kirchenchor schon gehört!“
Hier können Sie die obige Predigt selbst als pdf-Datei herunterladen (Der Link funktioniert bis etwa 1.9.2011,danach per E-Mail bei mir anfordern!) >> BITTE KLICKEN !
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