Nach dem damals in Palästina geltenden römischen Recht gehörte einem Besitzer eines Grundstückes automatisch auch alles, was sich darauf an „beweglichen“ Gütern befand. Das lernte damals jeder Jura-Student, und das war auch vielen Menschen in Palästina durch Berichte über entsprechende Gerichtsverhandlungen bekannt. Ein Fremder hätte es wohl kaum gewagt, quer über einen Acker zu spazieren. Also ist es sicher ein Knecht oder ein kurzfristig eingestellter Tagelöhner, der bei der Arbeit auf dem Acker unseres Gleichnisses den Schatz findet. Jesus erzählt nun, mit welcher Raffinesse dieser Mann weiter vorgeht: Er buddelt den Schatz schnell wieder ein. Um recht-
mäßiger Besitzer dieses offenbar kostbaren Schatzes zu werden, kauft er diesen Acker.
Man kann sich sicher vorstellen, dass dieser weder einfach noch billig zu haben war. Wir erinnern uns an die Worte Jesu: „Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.“
Die Freude dieses Mannes ist also so unbeschreiblich groß, dass er für diesen Acker alles auf eine Karte setzt. Wenn es heißt, dass er alles verkaufte, was er besaß, dann macht er also buchstäblich alles zu Geld, was ihm gehört. In der Praxis heißt das: Jetzt hat er kein Dach mehr über dem Kopf, wirklich einfach nichts mehr.
Der Acker ist so teuer, dass er ihn nur bekommen kann, wenn er alles dafür opfert, was ihm bisher lebenswichtig war.
Es ist eine ganz radikale und unwiderrufliche Entscheidung, wie bei einem Auswanderer. Der Mann zeigt also unternehmerisches Risiko in höchster Form!
Dabei legt der Mann eine beeindruckende Bauernschläue an den Tag, was die Zuhörer Jesu sicher zum Schmunzeln brachte. Seine Zuhörer merkten: Ja, der kennt sich aus! Jesus ist kein theologischer Theoretiker, sondern er kennt das wirkliche Leben durch und durch und weiß, wovon er spricht. Diese Offenheit Jesu hat sicher vielen imponiert!
Natürlich stößt es uns unangenehm auf, wie schlitzohrig der Mann da vorgeht. Rein rechtlich ist der Kauf absolut ein-wandfrei, aber er verschweigt dem Ver-
käufer ganz bewusst die entscheidende Information.
Der Verkäufer seinerseits wird vielleicht froh gewesen sein, eines seiner Felder für erstaunlich viel Geld abgestoßen zu haben.
Wie dem auch sei: Es ist schon etwas unanständig, wie der Schatzsucher an sein Ziel gelangt. Dies macht er freilich nicht, um zu betrügen, sondern weil er keine andere Möglichkeit hat,
an den Schatz zu kommen.
Jesus geht es nicht darum, moralisch bedenkliches Verhalten auch noch zu loben. Es ist hier wie z.B. auch beim Gleichnis vom klugen Verwalter (Lk 16,1-8). Dort hat ein Verwalter das Vermö-
gen seines Herrn schlecht verwaltet und steht vor seiner Ent-
lassung. Um sich unter den zahlreichen Schuldern seines Herrn möglichst viele Freunde zu machen, die ihm später aus Dank-
barkeit helfen sollen, ruft er diese nacheinander zu sich und erlässt jedem einen großen Teil seiner Schuld auf dem Schuld-
schein. Jesus lobt dort auch nicht den Betrug des Herrn, sondern die Schläue, mit der dieser Mann seine Zukunft sichert.
Auch der Perlenhändler als zweites Beispiel Jesu geht ganz kon-
sequent seinen Weg. Wir haben im Evangelium gehört: „Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ver-
kaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.“
Hier ist die Situation etwas anders. Der Kaufmann, offenbar ein Großhändler mit Kontakten rund um die damalige Welt, ist kon-
kret auf der Suche nach besonders schönen Perlen. Heute würde man sagen: Er ist ein Schnäppchenjäger, der überall da zu-
schlägt, wo er möglichst viel Profit wittert. Dieser Mann setzt auch eines Tages alles auf eine Karte, als er die schönste und wertvollste Perle angeboten bekommt, die er je gesehen hat. So ist es übrigens auch im Jahre 1917 dem weltberühmten Uhren- und Schmuckhändler Cartier ergangen: um eine einmalig schöne Halskette aufkaufen zu können, blieb ihm nichts anderes übrig, als sein komplettes Bürogebäude in New York zu verkaufen.
Wie wir wissen, hat sich das mutige Manöver inzwischen sehr gelohnt…
Wenn es darauf ankommt, darf man also nicht zögern.Das wissen wir heute auch: es gibt Chancen im Leben, die be-
kommt man nur einmal und nie wieder. Vielleicht ist es Ihnen mit einer wichtigen Lebensentscheidung oder gar mit der Liebe Ihres Lebens auch so gegangen: Man kann sich nicht immer alle Türen offen halten.
Derjenige, den es bei der „Liebe seines Lebens“ wie ein Blitz-
einschlag getroffen hat, wird auch nicht Tabellen anlegen über die Vor- und Nachteile des geliebten Menschen. Es ist so wie mit der Freude des Schatzfinders: Wenn es dich gepackt hat, dann hast du einen ganz besonderen Blick auf einen Menschen, nennen wir ihn den Schatzsucher-Blick. Was du siehst, das erkennt ein anderer vielleicht gar nicht. Du aber weißt, warum du mit größter Freude vor Gott und den Mitmenschen für immer „JA“ zum ihm oder ihr sagen kannst.
In unserem heutigen Gleichnis will Jesus seinen Zuhörer damals und uns heute klar machen, dass es mit dem Himmelreich genau so ist: Wer sich den aufmerksamen Schatzsucher-Blick an-
trainiert hat und dann für sich entdeckt, wie unendlich wertvoll der Schatz des Himmelreiches ist, der wird mit größter Freude alle Anstrengungen unter-nehmen, um diesen Himmelsschatz zu bekommen.
Also nicht Entsagung und schmerzliches Opfer, nicht Verlust und ermüdende Kraftanstrengung kennzeichnen den Christen auf der Schatzsuche seines Lebens , sondern die unbändige Vorfreude auf das, was er schon im Blick hat: die herrliche Aussicht auf das spätere Leben im Himmelreich!Vor kurzem drückte dies in einer Fernsehsendung über das Kloster Beuron der Bruder, der sich um die Gärtnerei kümmert, mit strahlendem Gesicht so aus: „Hier im Kloster leben zu dürfen, das ist für mich wie ein Sechser im Lotto, mit Zusatzzahl!“
Seinen Super-Gewinn bietet Jesus allen Zuhörern an.
Das Beispiel des Schatzsuchers auf dem Acker und das Beispiel des Perlenhändlers sollen uns zeigen: Lass dich nicht abbringen von dieser Suche! Du wärst ja verrückt, wenn du dir das ent-
gehen lassen würdest – also sei auch du mit dabei und kümmere dich um die Sicherung deiner ewigen Zukunft!
Auffallend im Gleichnis ist auch, dass beide Schatzsucher ihren Schatz letztlich für ihre Altersvorsorge einsetzen. Der Perlen-
händler wird die Perle mit großem Gewinn weiter verkaufen, und der neue Besitzer des Schatzes aus dem Acker wird zumindest einen Teil seines Schatzes rasch verkaufen müssen, denn er braucht für seine Zukunft ein Dach über dem Kopf und das Nötige zum Leben. Beiden geht es also um ihre sichere Zukunft, nicht um ein schönes Schmuckstück. Mit ihrem cleveren Vor-
gehen haben sie sich ihre Zukunft endgültig abgesichert.
Um sicher zu gehen, dass er auch ver-standen wurde, macht Jesus wie ein guter Lehrer am Schluss seiner Erklärungen sogar eine Lern-
kontrolle.
Er fragt ausdrücklich nach: „Habt ihr das verstanden?“
Ja, haben wir ihn wirklich verstanden?
Oder versuchen wir, mit möglichst geringem Einsatz ans Ziel zu kommen, immer nach dem Motto: Lieber Gott, ich gebe Dir gerne eine Stunde in der Woche, aber dafür lass mich bitte im Alltag in Ruhe!
Der Schluss des heutigen Gleichnisses soll uns warnen: Glaubt bitte nicht, dass ihr so mit Gott ins Geschäft kommen könnt! - Das funktioniert in eurem Alltag ja auch nicht, wenn ihr mit nur lauwarmem Wasser richtig kochen wollt!
Wir haben die Worte Jesu eben gehört: „Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.“
Das klingt nun allerdings weniger appetitlich. Schade, denken wir da sofort. Der Anfang des Gleichnisses war doch so schön und positiv!
Unser Empfinden ist jetzt eher das: Aha, nun holt Jesus doch noch den Knüppel raus, um uns zu drohen! - Wer so denkt,
hat das Herzensanliegen Jesu jedoch falsch verstanden.
Der Schluss mit den schlechten Fischen, die da aussortiert und weggeworfen werden, ist gut gemeint wie z.B. eine besorgte Warnung von liebenden Eltern. Sie möchten auch nicht, dass ihr Kind, für das sie alles hergeben, in sein Unglück rennt.
So ist also die Warnung Jesu zu verstehen: Am Ende wird es eine Trennung geben, eine Trennung in die Guten und die Bösen. Das ist so sicher wie das Fische-Sortieren der Fischer, denn die ungenießbaren Fische will keiner haben!Das Herzensanliegen Jesu ist, dass es möglichst ganz viele Gute gibt, wenn irgendwann aussortiert wird. - Er weiß und sagt es uns allen, wie es den Bösen ergehen wird: Sie werden heulen und mit den Zähnen knirschen!
Das soll heißen: Nachdem sie alle Warnungen in den Wind geschlagen haben, werden sie die Konsequenzen ihrer eigenen freien Entscheidung zu tragen haben.
Sie haben alle Einladungen zum Festmahl ausgeschlagen! Immer hatten sie eine Ausrede parat. Und jetzt wird es bitter! Ihnen wird ihr eigenes Versagen und ihre Schuld so eindringlich bewusst werden, dass sie bitter darüber weinen werden, dass sie Gottes Liebe immer wieder abgelehnt haben.
Das Schlimmste dabei ist aber die so schmerzhafte Erkenntnis, dass der Schatz vor ihrer Nase für sie bereit lag, aber sie haben ihn nicht wirklich gesucht.
Die tränenreichen Selbstvorwürfe kommen nun reichlich spät.
So geht auch an uns die eindringliche Frage Jesu: „Habt ihr das verstanden?“
Predigt Pater Dr. Martin Üffing, SVD>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Bernhard Kaiser: „Darf es etwas Teureres sein?“ (pdf)
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Familiengottesdienst zu „Schatz im Acker“ (pdf)
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Michael Hanft: Gedanken zum Sonntagsevangelium
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Lesepredigt zum 17.So A (pdf)
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Radiopredigt „Die hinreißende Freude“ (pdf, nicht ausdruckbar?)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Hubert Liebherr verzichtete auf sein Millionenerbe (pdf)
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Juwelier Cartier verkaufte Geschäftshaus für eine Perle
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Sagt der Urlauber zu seinem Nachbarn: "Treiben Sie Sport?" "Ja, Bogenschießen." -- "Alle Achtung, geradeaus ist ja schon schwer genug."
Warum leben Frauen länger als Männer? Weil der liebe Gott ihnen freundlicherweise die Zeit gutschreibt, die sie für's Einparken benötigen.
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