07.07.2011

Kirchliches Begräbnis für Struppi? - Von der Tierliebe und ihren Grenzen

(Fortsetzung)

Bei Kerzen- und Grabschmuck und vielleicht bei leiser Musik wird dann tränenreich Abschied genommen. Selbstverständlich gibt es auch einen Grabstein oder ein Kreuz und ein liebevoll ausgestaltete letzte Ruhestätte für den „Liebling“.
Wie aber reagieren die Kirchen auf diese Situation? - Auf evangelischer Seite ist keine einheitliche Linie erkennbar; die reformierte Landeskirche sieht offenbar darin keine Schwierigkeit. Selbst gemeinsame Bestattungen von Tier und Mensch sind denkbar. Dagegen zeigt die katholische Kirche eine eindeutig ablehnende Haltung. Dabei geht es nicht nur darum, dass man eine offensichtlich aus welchen Gründen auch immer übertriebene Tierliebe nicht auch noch kirchlich fördern will.
Das klare Abwinken der Katholiken formuliert das Bistum Limburg aktuell zum Beispiel so: „Ein christliches Begräbnis,
das besonders das Person-Sein des Menschen herausstellt,
ist dem Menschen vorbehalten und für ein Tier nicht ange-
messen… Tiere sind keine unverwechselbaren Personen…“
,
so die Pressesprecherin. Auch andere Bistümer lehnen die Idee von Pfarrer Jens Feld kategorisch ab. Natürlich sei es verständ-
lich, dass Menschen um ihre Haustiere, die ihnen ans Herz gewachsen sind, sehr trauern. Aber eine an menschlichen Bestattungen orientierte Tierbestattung sei „nicht angemessen“, formuliert man z.B. im Bistum Trier.
Doch auch in der katholischen Kirche regt sich Widerstand gegen die offizielle Linie. So empfiehlt beispielsweise Diakon Guido Knörzer vom Verein „Kirche und Tiere“ die Tierbestattung einschließlich Ansprache eines Priesters. Weil Tiere aber nicht sündigten, wären christliche Symbole auf den Tiergräbern fehl am Platze, ergänzt Knörzer.
Natürlich gibt es auch die Fanatiker, die den Kirchen lauthals Lebensverachtung und Tierfeindlichkeit vorwerfen. Auch die Kirche sehe tierische Mitgeschöpfe nur als „Ressourcen“, lautet die Kritik. Wer wie die Kirche den Menschen als „Krone der Schöpfung“ sehe und z.B. Tierversuche in Grenzen für zulässig erkläre (Katechismus, Nr. 2417) oder davon ausgehe, dass Tiere „zum Wohle der Menschheit bestimmt“ sind (Nr. 2415), der verachte die Kreatur, obwohl man ständig von „Nächstenliebe“ rede.
So lag es auch nahe, zu einem Kirchentag „Mensch und Tier“ einzuladen, der im August 2010 in Dortmund stattfand. Bei den Veranstaltern machte sich jedoch Enttäuschung breit: Statt der erhofften 5.000 Besucher fanden sich nur 1.000 bei diesem dreitägigen Treffen ein. Daran änderte auch der prominente Theologe Eugen Drewermann nichts, der voller Zorn davon sprach, dass wir mit dem unersättlichen Gewinnstreben und dem mangelnden Mitgefühl der Menschen „die ganze Welt in ein Schlachthaus verwandelt haben“.
Doch wohin nur mit der Trauer? – Sicher sollte sich auch die Kirche hier Gedanken machen, wie man bei bekannten Fällen reagieren könnte, insbesondere, wenn nach Trost und Hilfe nachgefragt wird. Es gibt zwar im Internet bereits virtuelle Friedhöfe für die Trauerarbeit, wo ganze Lebensgeschichten einschließlich Fotos zu finden sind. Hier können die Tierhalter ihre Trauer kundtun und erfahren Trost von Menschen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben.
Doch Bedarf besteht auch für ganz konkrete Hilfe vor Ort. Inzwischen gibt es z.B. sogenannte „Tiergottes-
dienste“
, die zumeist ökumenisch gestaltet sind und derzeit noch auf eher mittelmäßiges Interesse stoßen. Einer der promi-
nenten Förderer ist Fernsehpfarrer Jürgen Fliege. Wie andere auch, verweist er gerne darauf, dass Franziskus von Assisi der Kirche die Tierliebe vorgemacht habe.
Einige Tierfreunde schrecken auch vor hohen Kosten nicht zurück. Da gibt es inzwischen edle Särge sogar für den verstor-
benen Wellensittich. Und dass die Gräber den „Hinterbliebenen“ lieb und teuer sind, liegt dann nahe. Ein Tierbestatter nennt eine Summe: „Bis zu 1.700 Euro sind bei uns schon gezahlt worden“, der Durchschnitt liege bei ca. 500 Euro, zuzüglich der jährlich anfallenden Kosten für Pflege und Grabmiete. Die Branche boomt jedenfalls. Offiziell gibt es allein in Deutschland inzwischen mehr als 120 Tierbestatter, die sich nach Schätzungen jährlich um ca. 20.000 verstorbene Haustiere kümmern.
Wer seinen Liebling so zu Grabe trägt, glaubt manchmal auch, tote Haustiere würden andernfalls vom Tierarzt in Tierkörper-Beseitigungsanstalten verschickt, um dort z.B. zu Futter oder Seife weiterverarbeitet zu werden. Dies ist jedoch seit diesem Jahr gar nicht mehr möglich, weil laut einer neuen EU-Verord-
nung verstorbene Haustiere in die „Gefahrenklasse 1“ eingestuft werden, z.B. wegen eventueller Medikamenten-Rückstände. Damit kommt rechtlich nur die Verbrennung der Tierleichen in Frage.

Aus dem Katechismus der Katholischen Kirche:
Tiere sind Geschöpfe Gottes und unterstehen seiner fürsorgen-
den Vorsehung. Schon allein durch ihr Dasein preisen und verherrlichen sie Gott. Darum schulden ihnen auch die Menschen Wohlwollen. Erinnern wir uns, mit welchem Feingefühl die Heiligen, z.B. der hl. Franz von Assisi und der hl. Philipp Neri,
die Tiere behandelten. (Nr. 2416)
Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bild geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissen-
schaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig, weil sie dazu beitragen, menschliches Leben zu heilen und zu retten. (Nr. 2417)
Es widerspricht der Würde des Menschen, Tiere nutzlos leiden
zu lassen und zu töten. Auch ist es unwürdig, für sie Geld aus-
zugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt. (Nr. 2418)
Der Schöpfer hat dem Menschen das Recht gewährt, über die Rohstoffe, Pflanzen und Tiere der Welt zu verfügen. Dabei muss aber der Mensch die sittlichen Verpflichtungen achten, auch gegenüber den kommenden Generationen. (Nr. 2456)
Die Tiere sind dem Menschen unterstellt, der ihnen Wohlwollen schuldet. Sie können einer gerechten Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dienen. (Nr. 2457)


… und hier einige interessante Linktipps dazu:

KNA-Video: Tierbestattungen liegen im Trend
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Pfr. Dr. Jens Feld: „Tiere haben eine Seele…“ (pdf)
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„Die Nachfrage nach Tierfriedhöfen steigt…“
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Beispiel: Tierfriedhof „Am Wisenberg“
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Aktion „Tiere und Kirche“
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Tierbestattungen immer beliebter
>> BITTE KLICKEN !
Tote Haustiere gehören zur Gefahrenklasse 1
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FOCUS: Öko-Särge und Luxusgräber
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Am 10. Juli Tiergottesdienst mit Pfr. Jürgen Fliege
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Tiergottesdienst mit Tier-Segnung
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Werbevideo: Tierbestattung im „Rosengarten“:

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(Link funktioniert bis ca. 10.8.2011, danach ist die Datei bei mir per E-Mail erhältlich.) >> BITTE KLICKEN !

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