Die Bibel erklärt uns gleich an mehreren Stellen, wie wichtig es ist, den Sabbat zu heiligen. Dabei geht es nicht nur um die Verehrung Gottes, sondern auch um die nötige Erholung des Menschen, ja sogar an die Erholung der Arbeitstiere war ausdrücklich gedacht.
Am siebten Tage sollten alle ruhen, damit sie wieder zu Atem kommen (Ex 23,12), heißt es im Alten Testament. Dies sollte sogar in den hektischsten Wochen des Jahres gelten, in der Zeit des Pflügens und der Ernte (Ex 34,21).
Was jeder Autofahrer weiß, das weiß die Bibel mit anderen Worten schon lange: Wer nicht achtgibt und seinen Tank ganz leer fährt, der wird plötzlich bewegungs-unfähig und kommt dann überhaupt nicht mehr von der Stelle. Alle Energie ist verbraucht, nichts geht mehr.
Ganz modern spricht man dann von einem „Burn-out“. Man ist wie ausgebrannt. Gerade diejenigen, die sich für etwas sehr engagieren, die sich mit ganzer Kraft ein-
setzen, sind dafür besonders anfällig.
Diese Menschen sind so hochmotiviert für die gute Sache, dass sie erst sehr spät oder gar zu spät merken, dass sie die Grenzen ihrer Kraft erreicht haben. Aus der Belastung ist eine Überlastung geworden. Auch so man-
cher Priester und kirchliche Mitarbeiter musste das am eigenen Leibe schmerzlich erfahren.
Das ist übrigens so ähnlich wie bei einer überlasteten elektrischen Leitung, an der zu viele Geräte dran-
hängen. Da fliegt irgendwann ohne Vorwarnung die Sicherung raus. Das kann beim Menschen dann heißen: Zusammenbruch und ärztlich verordnete Zwangspause.
Dann hat man auf einmal Zeit, und zwar viel mehr als einem lieb ist. Dann ist der volle Terminkalender nur noch ein Stück Papier, unbe-deutend und beinahe lächerlich.
Damit es also gerade auch bei engagierten Christen nicht zu solchen Zusammenbrüchen kommt, haben kluge Seelenführer und Heilige schon immer warnend ihre Stimme erhoben. So heißt es zum Beispiel in der Ordensregel des heili-
gen Benedikt: „Bete und arbeite!“ –sorge du also für ein gesundes Gleichmaß!
Der heilige Franz von Sales formulierte es so: „Nimm dir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit für das Gebet – außer, wenn du viel zu tun hast. In diesem Falle nimm dir eine ganze Stunde Zeit…“

Im heutigen Evangelium erfahren wir, dass die Apostel auch gerade in der Gefahr sind, überfordert zu werden. Man kann eben nicht nur vom Misserfolg be-
droht werden, sondern merkwürdigerweise auch vom Erfolg. Und den hatten die Apostel. Wie wir vom vorigen Sonntag wissen, waren sie im Namen Jesu und mit seiner Vollmacht ausgesandt worden, um immer zu zweit den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden, zu heilen und zur Umkehr aufzurufen. Dabei durften sie kein Geld haben, keine Vorräte, nur einen Wanderstab und Sandalen. Das war offenbar so überzeugend, dass die Zuhörer immer zahlreicher wurden. Da gab es jede Menge zu tun, persönliche Gespräche, Segnungen, Heilungen – sicher oft bis in den späten Abend hinein.
Man könnte also sagen, dass es wirklich mächtig gut lief. Sie waren gewissermaßen gerade so richtig in Fahrt. Heutige Werbe-Experten würden sagen: Das muss man unbedingt ausnutzen, da muss mit weiteren Angeboten nachgelegt werden, solange dafür so große Aufmerksamkeit der Kunden besteht. Man muss schließlich das Eisen schmieden, so lange es heiß ist, sagten schon unsere Vorfahren.
Doch was macht Jesus ausge-rechnet jetzt? Unfassbar: Jesus verordnet seinen Mitarbeitern erst einmal eine richtige Pause, statt die Gunst der Stunde zu nutzen. Er bestellt sie alle zu sich zurück. Es gibt eine große Versammlung, in der ihm die Apostel alles berichten, „was
sie getan und gelehrt hatten“, wie es im Evangelium heißt. Das klingt nach Bilanz ziehen, nach Rechenschaft ablegen beim Chef, nach dem Motto: Was lief eigentlich gut, und was müssen wir noch besser machen, oder wie man heute so sagt: Was müssen wir an unserem Angebot noch optimieren, um noch mehr Kunden zu bekommen? - Dass dies jedoch von Jesus nicht so gemeint ist, das erfahren wir im nächsten Satz des Evangeliums: „Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.“
Wir spüren ganz deutlich, wie sehr sich Jesus um seine Mitarbeiter sorgt. Ganz liebevoll und fürsorglich klingt das, was er da sagt. Er will ihnen jetzt unbedingt Ruhe verordnen und einen Platz, wo sie kein einziger Hilfe-
suchender in ihrer nötigen Pause stört.
Daraus können wir schließen, dass Jesus erkannt hat, wie erschöpft seine Helfer von ihrem Einsatz zurück-
kommen. Sie haben sich offenbar bis an ihre Grenzen eingesetzt, und deshalb hat er sie zurückgepfiffen, obwohl noch so viele Menschen auf sie warteten. Sie sollen sich ja nicht endgültig zur Ruhe setzen, aber eine Pause, ein Atemholen haben sie jetzt dringend nötig. Jesus ist es eben nicht egal, wie es seinen Freunden geht.
Da es an ihrem Treffpunkt aber jede Menge Leute gibt, die Jesus und seine Jünger erkennen und jetzt eilig herbeiströmen, hilft nur der Rückzug. Noch nicht einmal zum gemeinsamen Essen kommen sie, so groß ist der Andrang der Hilfe-suchenden.
Um seinen Jüngern die verdiente Erholung zu ermög-
lichen, müssen sie wie auch so mancher Prominente heutzutage möglichst geschickt von der Bildfläche verschwinden. Jesus formuliert es so: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und ruht ein wenig aus.“
Auch das ist bemerkenswert: Jesus schickt seine Leute nicht einfach für ein paar Tage nach Hause. Er könnte
ja auch sagen, sie sollten sich erst mal gründlich aus-
schlafen und dann wiederkommen, wenn sie wieder richtig fit sind. Er sagt auch nicht: Lasst uns ausruhen, sondern es geht ihm speziell um seine Jünger: Ruht ihr ein wenig aus. Sammelt euch wieder, findet wieder eure innere Mitte, kommt wieder ins Lot!
Deshalb soll das Ganze auch gemeinsam stattfinden. An der Ruhe Jesu sollen sie sich orientieren, wieder neu ausrichten. Diese innere Ruhe, wie wir sie bei Jesus z.B. auch vom Sturm auf dem See Genezareth kennen, soll auf seine Freunde ausstrahlen und ihnen neue Kraft geben. Diese Ruhe Jesu kommt natürlich nicht von irgendwoher, sondern durch die ständige innige Be-
ziehung zu seinem himmlischen Vater, durch das intensive Gebet Jesu, so oft wie dies nur möglich ist. Jesus und seine Jünger machen sich startklar. Mit dem Boot geht es an eine einsame, menschenleere Stelle des Ufers, wo man ungestört in der Stille neue Kraft tanken kann.
Doch es kommt in diesem Falle anders. Es wird ein Kurzurlaub mit Hinder-
nissen. Bei der Abfahrt stehen am Ufer noch jede Menge Leute. Auch sie wollen Jesus sehen, mit ihm sprechen, sich heilen und helfen lassen. Doch nun sieht es fast so aus, als gelänge Jesus die Flucht.
Doch so schnell lässt man sich nicht abwimmeln, wenn man etwas auf dem Herzen hat. Wer den Weg bis hierher gelaufen ist, der kann jetzt auch noch ein paar Kilometer weiter marschieren. Irgendwo wird er schon an Land gehen, dieser Rabbi Jesus. Irgendwo wird er schon eine Zeitlang bleiben wollen. Das ist dann unsere letzte Chance – also nichts wie am Ufer entlang hinter-
her, und dann werden wir ihn bald haben…!
Kaum angekommen, ist Jesus tatsächlich schon wieder von vielen Menschen umringt. Da von den Jüngern hier keine Rede mehr ist, darf man annehmen, dass sie etwas abseits ausruhen und abwarten. Wie wird ihr Meister sich jetzt verhalten?
Kommt er zu ihnen, seinen Jüngern, und verbringt mit ihnen den Rest des Tages in Gespräch und Gebet? Oder wird er doch den nach Hilfe bettelnden und Orientierung suchenden Menschen nachgeben?
Keine einfache Entscheidung! In solchen Situationen sagt der Volksmund gerne: Egal wie man es macht, verkehrt ist es immer! Jesus sieht in die Gesichter der Menschenmenge, er sieht ihr Bangen, ihre Hoffnung, ihre fragenden Blicke. Jesus, hilfst du mir?
Im heutigen Evangelium heißt es: „Als
er ausstieg
und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.“
Jesus hat Mitleid mit ihnen, heißt es. Er weiß nur zu gut, wie viel manche dieser Menschen schon von harther-
zigen Gesetzeslehrern zu hören bekommen haben. Er weiß, wie oft sie abgewiesen und hin und her geschubst worden sind. Er weiß, wie sehr sie unter ihrer geistlichen oder körperlichen Hilflosigkeit leiden.
Das Wort „Mitleid“ drückt kaum aus, was nun in Jesus vorgeht. Zutiefst traurig ist er über den Zustand dieser Menschen. Er ist geradezu erschüttert darüber, wie schlecht es ihnen geht. Und er weiß auch, wie wenig sie selbst schuld daran sind. Es hat ihnen in ihrem Leben an klarer Orientierung gefehlt. Kein Hirte war da, der sie gut geführt hat und der sie vor Gefahren bewahrt hat. Schutzlos und trostlos sind sie. Die geistlichen Hirten des Volkes Israel haben versagt. Sie sind hauptsächlich damit beschäftigt, wie es ihnen selbst geht.
Diese Menschen sind wirklich wie Schafe, die keinen Hirten haben! Jesus aber ist der gute Hirte, der wahre Hirte Israels und der ganzen Welt. Er lässt sie nicht im Stich, und deshalb lehrt er sie lange. Das soll heißen: Jesus fertigt sie jetzt nicht im Express-Tempo ab. Er nimmt sich alle Zeit, die nötig ist. Er lehrt sie lange.
Er muss ihnen ausführlich von der Liebe Gottes er-
zählen, damit ihnen überhaupt bewusst wird, was auf dem Spiel steht. Er muss diesen von den geistlichen Führern so sträflich vernachlässigten Menschen erst einmal die Augen öffnen für die große Güte Gottes und dafür, dass Gott eine ganz herzliche Einladung an jeden von ihnen ausgesprochen hat.
So manche Träne wird da geflossen sein, als Jesus erklärt, wie wichtig, liebenswert und einmalig jeder Mensch für Gott ist. Die Zuhörer hängen geradezu an seinen Lippen, und die Zeit vergeht dabei wie im Fluge.
Zum Schluss erinnern wir uns hier und heute daran, dass die Jünger damals und die Kirche heute beauftragt sind, diese herzliche Einladung Gottes in dieser Welt zu verkünden. Viele Heilige könnte man jetzt nennen; nehmen wir beispielsweise mal den berühmten Pfarrer von Ars.
Wie die zurückgekehrten Apostel hat der Pfarrer von Ars – und natürlich viele andere – sein Leben immer wieder an Jesus orientiert. Er hat es geschafft, durch sein leuchtendes Vorbild als geistlicher Hirte zahlreiche Menschen wieder zu Gott zu führen. Immer wieder machte er in unzähligen Beichtgesprächen und Vor-
trägen den Menschen klar, wie sehr der himmlische Vater auf die Umkehr aller Sünder hofft.
Als der Pfarrer von Ars bei einer Beichte in Tränen ausbrach, wollte der Beichtende wissen, was das zu bedeuten habe. Der Pfarrer von Ars erklärte es ihm ganz drastisch: „Ich weine, weil ihr nicht weint!“
Er war eben so heftig darüber erschüttert, wie sehr dieser barmherzige Gott doch immer wieder durch unser Fehlverhalten enttäuscht wird.
Vielleicht ist da gerade die Urlaubszeit eine gute Gelegenheit, wie die Leute im heutigen Evangelium selbst auch neu Ausschau nach Jesus zu halten. Wer ihn ausdauernd sucht, der wird ihn finden. Vielleicht auch nicht jetzt und hier, sondern an einem ruhigen, einsamen Ort.

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Die gute Tat: Abends sitzt die Familie zusammen, und Sohn Jürgen,gerade mal drei Monate lang Ministrant, erzählt den Eltern stolz vonseiner spontanen Rettungs-
tat: „Heute habe ich verhindert, dass in der Messdiener-Gruppenstunde unserem Pfarrer ein böser Streich gespielt wurde.“
Das freut den Vater natürlich:„Wie hast du das denn fertig gebracht?“
So geht der hilfsbereite Sohn zu den Einzelheiten über: „Vor Beginn des Unterrichts haben einige Jungen dem Pfarrer ein paar Reißnägel auf den Stuhl gelegt,“ erklärt er. „Aber glücklicherweise habe ich das gesehen, und gerade als der Pfarrer sich setzen wollte, habe ich ihm deshalb schnell den Stuhl weggezogen.“
Gelungene Liedauswahl: Der neue Kaplan ist erst wenige Tage im Dienst und dementsprechend besorgt, dass auch alles richtig klappt. Für den Zeltlager-Gottesdienst der Sommerfreizeit schreibt er die zu singenden Liedtitel lieber auf ein großes Plakat.
Dort können die Kinder zu ihrem Erstaunen lesen: Wir singen: Wunderschön prächtige… Ich will dich lieben… In der Mitte der Nacht…
Anmerkung: Melodie von "In der Mitte
der Nacht" >> BITTE KLICKEN !
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mindestens bis 1.9.2012):
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