(Fortsetzung)
Wenn Sie, liebe Leser, jemanden kennen, der „nichts als Wut und Ekel verspürt“, wenn jemand nicht Gehorsam leistet, lassen sie mich doch bitte die Einzelheiten wissen. Nun leitet der Professor in besagtem Artikel über zu der Erkenntnis, „dass Gehorsam gegenüber dem Befehl einer übergeordneten Autorität nicht nur eine schwere Sünde im theologischen Sinn… sein kann,… sondern auch ein Verbrechen im straf-
und menschenrechtlichen Sinn“. – Aber klar doch, Herr Professor, das wissen wir doch alle. Aber wir wissen offenbar im Gegensatz zu Ihnen eben auch, was Sie lieber nicht erwähnt haben: Auch Ungehorsam kann ein Verbrechen sein und hat bereits viel Leid über Men-
schen gebracht, vom Ungehorsam der Menschen gegenüber Gottes Geboten bis hin zu ganz simplen Beispielen aus dem Alltag, wie etwa das bewusste Missachten von Verkehrsregeln mit schlimmen Unfallfolgen.
Der eigentliche Clou folgt im Rentele-Artikel danach: Mehr oder weniger elegant leitet er zu einem anderen Thema über, zur österreichischen Pfarrer-Initiative. Diese fordere Reformen, „die heute sogar von manchen Bischöfen für wünschenswert oder zumindest für mög-
lich gehalten werden“. Und dafür hat er dann auch gleich einen einzigen Super-Beleg parat: Der Erzbischof von London-Westminster habe kurz nach seinem Amts-
antritt auf eine Frage nach der eventuellen zukünftigen Möglichkeit von Priesterinnen und Bischöfinnen erklärt: „Das weiß ich nicht. Wer weiß, was die Zukunft bringen wird?“ – Wirklich ein überzeugender Beweis für … - ja, für was eigentlich, Herr Professor?
Sehr geehrter Herr Professor Rentele, nach meinem Eindruck haben wir in der Kirche eher ein Problem mit dem Ungehorsam als mit dem Gehorsam! Schon Petrus musste erst mühsam lernen, wie wichtig Gehorsam gegenüber Gott ist. Als er von Jesus dessen Ankündigung des Leidens hörte, nahm er ihn beiseite und wollte ihn davon abhalten, diesen Weg zu gehen. Die Reaktion Jesu ist bekannt: „Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich ist, sondern was mensch-
lich ist.“ (Mt 16,23)
Das Gehorchen Gott gegenüber versprechen wir zwar fleißig im Vaterunser, wie wir es mindestens in jeder Messe beten, wenn wir die Bitte äußern: „dein Wille geschehe“, doch in der Praxis tun wir uns mehr oder weniger schwer damit, unser Leben nach dem Willen Gottes auszurichten.
Um ein Missverständnis gar nicht erst aufkommen zu lassen: Nein, für Katholiken gibt es keinen blinden Gehorsam. Ungehorsam kann sogar zur Pflicht werden, wenn eine Anordnung erkennbar gegen Gottes Willen verstößt. Dann gilt: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29), wofür Hunderttausende Christen als Märtyrer sogar ihr Leben gelassen haben. Wer als Christ ein Gebot beachtet oder eine kirchliche Anordnung befolgt, der hat sein Gehirn hoffentlich nicht ausgeschaltet. Mitdenken ist nämlich Christenpflicht. Auch Bedenken darf man vortragen, wobei auch hier der Ton die Musik macht. Und deshalb ist der vom Professor zitierte Monsignore Flynn kein Argument gegen Gehorsam, denn hier wäre klar und deutlich Einspruch nötig gewesen.
Aber, wie erwähnt, unser Hauptproblem ist der Unge-
horsam, nicht der Gehorsam. Ständig erleben wir Missbräuche, nicht nur Kindern gegenüber (klarer Ungehorsam gegen Gottes Gebot), sondern in viel-
fältiger Weise, bis hin zur Liturgie, wo allzu gerne eigenmächtig herumgebastelt wird.
Ich hätte mir gewünscht, Herr Professor, dass Ihr Artikel etwas ausgewogener ausgefallen wäre. Aber das war wohl nicht gewollt. Schade!
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von Galen: "Gott mehr gehorchen..."
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Wehrmachts-Soldaten: Gehorsam und Treue…?!
Novizen im Orden: Belächelt…?
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9 Kommentare:
Lohnt es überhaupt, solche eine Aussage zu kommentieren, dazu noch von einem Theologie-Professor?!
Gehorsam ist also schlecht, Ungehorsam ist gut.
Was würde der Herr Professor wohl dazu sagen,
wenn alle seine Studenten sich durch die Prüfung mogeln würden, indem sie mehr oder weniger heimlich abschreiben usw.?
Butter bei die Fische, Professor!
Welche Bischöfe haben erklärt (wie Sie behaupten), „Wer ungehorsam ist, handle falsch, unverantwortlich und zerstörerisch“.
Wer? Wann? Konkrete Belege bitte, wie sich das für einen Wissenschaftler gehört.
Ich bin mal gespannt...
Danke für Ihren Beitrag, lieber Herr Predigtgärtner!
Ihr Link zum Vortrag "Gehorsam in der Kirche" von Weihbischof Laun ist sehr hilfreich.
Ich vermute mal, Herr Professor Remele bedauert inzwischen, was er da geschrieben hat.
Ein wissenschaftliches Vorbild ist er damit ja gerade nicht...
Schönes Beispiel, die Missbräuche zu nennen. Diese waren in der katholischen Kirche doch überhaupt nur über so viele Jahrzehnte zu vertuschen, weil es ein System des Gehorsams gab. Und was die Bitten im Vater Unser mit Gehorsam zu tun haben, das leuchtet mir auch nicht ein! Wir bitten ihn zu handeln, weil wir es eben ohneihn nicht hin bekommen. Das einzige, was von uns Menschen verlangt wird, ist unseren Schuldigern zu vergeben! Wir Christen glauben doch nicht wie Muslime, dass Gott uns einen Text mit Handlungsanweisungen diktiert hat, den wir nur noch umsetzen müssen. Es ist wohl nicht so ganz einfach, den Willen Gottes zu tun. Wir können ihn nur bitten uns beizustehen und uns leiten zu lassen, in der Liebe zu ihm und unserem Nächsten.
zu Heidi Klotz: Missbräuche gab und gibt es zu jeder Zeit. Sie sind aber in der Kirche nicht Ergebnis eines Systems des Gehorsams, sondern ganz im Gegenteil Ergebnis des Ungehorsams gegenüber Gottes Geboten.
Hätte man innerhalb und außerhalb der Kirche stets Gottes Weisungen befolgt, wäre uns viel Unheil erspart geblieben.
Und noch ein Tipp, den ich als ehemaliger Berufssoldat gebe:
Bevor man über ein System des Gehorsams redet, sollte man sich mal beim Militär umsehen, einschließlich der Eidesformel...
Ja, auch beim Militär wird viel unter den Teppich gekehrt, da gebe ich Ihnen Recht! Und die Missbräuche in der Kirche betreffend muss man dann wohl den gesamten Laden verurteilen, weil diese unzähligen Missbräuche ja erst nach Jahrzehnten ans Tageslicht kamen. Eine Kirche, die gegen Gott ungehorsam war. Ist es Ihnen so lieber?
Ach, wie bequem: "die Kirche" ist schuld.
Sorry, da spiele ich nicht mit:
Nicht die Kirche, sondern jeder einzelne Christ hat ein Gewissen und kennt Gottes Gebote.
So ist es ja auch heute mit den massenhaften Abtreibungen:
Wo bleiben die Reaktionen bei denen, die sich Christen nennen?
Ein paar Tausend demonstrieren dagegen, und die anderen hüllen sich in Schweigen.
Schande!
Noch bequemer ist das billige Ablenken auf andere Problemfelder! Das Vertuschen, das tausendfach bis in den höchsten Kirchenapparat geschah und geschieht, ist ebenso gegen Gottes Gebot wie die Taten selber! Und wenn das aufgearbeitet ist, gehen wir zusammen zum Marsch für das Leben. Ansonsten ist es nämlich scheinheilig.
Ja, ja, wenn die Schuld der anderen aufgearbeitet ist, dann bin ich auch bereit, was zu tun.
So läuft das seit Urzeiten.
Leugnet doch niemand ernsthaft, dass viele Kirchenleute Mist gebaut haben.
Und damit befanden sie sich in bester (sprich: schlechter) Gesellschaft.
Im schlimmsten Falle hat es Millionen Menschenleben gekostet.
Ja, wenn das aufgearbeitet ist, dann...
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