07.08.2012

Predigt 19. Sonntag im Jahreskreis B -- 12.08.2012

(Fortsetzung)
Den großzügigen Brotvermehrer haben sie alle be-
klatscht, aber das hat sich jetzt klar verändert.
Jesus fragt bei seinen Themen nicht nach einer Beliebtheits-
Skala der Zuhörer, sondern er hatte ihnen unmissver-
ständlich gesagt: „Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“

Daran hat man natürlich als Jude und Zeitgenosse Jesu kräftig zu schlucken. Viele wissen genau, dass Jesus in Nazareth gewohnt hat und kannten zum Teil auch den Zimmermann Josef und Jesu Mutter Maria. Wie kann er da nur behaupten, vom Himmel zu kommen?
Die Reaktionen der Zuhörer sind eindeutig. Sie murrten gegen Jesus, heißt es. Murren – das ist nicht etwa ein leises Gemurmel, verstärkt durch gelegentliches Kopf-
schütteln. „Murren“ bedeutet mehr.
Es ist ein klarer Widerstand, eine ablehnende Haltung. Das will man so nicht hinnehmen.
Wir kennen diesen Ausdruck schon aus dem Alten Testament. Bereits beim anstrengenden Durchzug durch die Wüste begann das Volk gegen Mose zu murren. Hunger, Durst, Müdigkeit – man war es irgendwann einfach leid. Man hatte die Nase gestrichen voll, wie der Volksmund es so anschaulich sagt.         Das Murren war eine regelrechte Auflehnung, letztlich sogar ein Aufstand gegen Gott. Man traute ihm einfach nicht mehr zu, das Volk ans versprochene Ziel zu bringen, ins Gelobte Land.
Und jetzt murrt das Volk gegen Jesus. „…vom Himmel herab-
gekommen“
sei er, behauptet er. Was bildet der sich eigentlich ein?
Wir kennen doch seine Familie! Mit welchem Recht darf der so twas überhaupt aussprechen?
Eine unerhörte Anmaßung und Gotteslästerung ist das!
Die Volksseele ist empört. Das kann man auch diesem ungewöhnlich erfolgreichen Rabbi nicht durchgehen lassen! - Wenn es hier genauer heißt, dass „die Juden“ gegen Jesus murrten, richtet sich diese Kritik des Evan-
gelisten nicht gegen jeden einzelnen Juden; er war wie Jesus
ja selbst einer von ihnen. Wenn ich sage: „Die Deutschen sind Reise-Weltmeister“, dann bedeutet das schließlich auch nicht, dass jeder einzelne Deutsche so oft verreist. Johannes meint also speziell nur diejenigen, die Jesus ausdrücklich als Sohn Gottes und Messias ablehnen.

Jedenfalls ist die Stimmung nun eindeutig umgekippt. Aus dem umjubelten Sattmacher Jesus ist in den Augen vieler Zuhörer ein Verführer und Scharlatan geworden. Gottes Sohn als Wander-Rabbi statt auf dem prächtigen Königsthron – und dann auch noch der da, den wir ge-
nau
kennen. Also nein, nie und nimmer!
Jesus zeigt sich von dieser Kritik, die ihm schon bei seinem Besuch in Nazareth entgegenschlug, ganz unbeeindruckt. Er weiß, dass der Widerstand zunehmen wird, sobald er ein Reizthema anpackt. Dennoch verschärft er seine Aussage noch, indem er seine ganz intensive und innige Beziehung zum himm-
lischen Vater betont:
„Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen.“
Jesus weist die Kritiker also zurecht: Murrt nicht! - Das heißt: Euer Protest steht euch nicht zu und ist blanker Unglaube! Ihr wollt Gott immer wieder vorschreiben, was er wie zu machen hat.
Dabei hat Gott wirklich alles in der Hand, lenkt und zieht regelrecht diejenigen, die zu Jesus kommen wollen. Ohne dieses Zutun des himmlischen Vaters kann es niemand im Alleingang schaffen. Der Vater hat das alles im Griff. Liebevoll stubst er euch an, bringt euch auf Jesu Spur, und zwar manchmal auch dann, wenn ihr das noch gar nicht erkennt.
Bemerkenswert ist, dass Jesus sich dann auf das Alte Testa-
ment und
die Verheißung des Jesaja (54,13) bezieht, wenn er zitiert: „Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein.“ Nicht mehr nur die Juden als Söhne Jerusalems sind hier angesprochen, sondern ausdrücklich „alle“.
Jesus verstärkt dies im nächsten Satz noch: „Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen“.       Damit ist die Frage beantwortet, wie man zu Jesus kommen kann, wie man Jesus folgen kann. Man muss hören, man muss hinhören. Man muss bei Gott in die Schule gehen wollen und Lehre annehmen, so gut wie man das mit seinen bescheidenen Möglich-
keiten eben kann. 

Immer wieder bei seinen Predigten, so auch hier, betont Jesus ganz eindringlich, dass er selbst das lebendige Brot ist, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Lebensbrot isst, der wird nicht sterben, sondern in Ewigkeit leben. Das ist ihm so wichtig, dass er dies in unserem heutigen vergleichsweise kurzen Evangelium gleich dreimal betont.
Aber wie kann das sein, mögen manche denken. Schließlich kennt jeder von uns genügend Christen, die gerne und häufig zur Kommunion gegangen sind. Aber gestorben sind sie trotzdem, und uns selbst wird das auch ganz sicher so passieren.
Da stellt sich also die Frage, was Jesus mit seiner Aussage zum ewigen Leben eigentlich meint - oder anders gesagt, wo da unser Denkfehler liegen kann. Das ewige Leben, von dem Jesus spricht, ist eben nicht ein Vorgang, der wie auf Knopfdruck in der Minute unseres Todes startet wie eine Art Notstromaggregat
bei Stromausfall.

Rein medizinisch gesehen sterben natürlich auch Christen, das ist gar keine Frage. Wer jedoch dieses lebendige Brot isst, wer sich damit in die Nach-
folge Jesu begeben hat, der wird ewig
leben.
Jesus unterscheidet also zwischen dem Leben der Seele und dem Leben des Körpers. Die Bibel benutzt daher für „Leben“ auch zwei verschiedene Wörter.
Wir dürfen außerdem nicht vergessen, dass wir alle auf den Namen des Vaters und des Sohnes und
des Heili-
gen Geistes getauft sind.
Diese Taufe ist wie ein Siegel, wie ein Vertrag: Das Kreuz auf der Stirn sagt, dass man verbindlich für jetzt und für immer ganz zu Gott gehört, also ein Gotteskind ist. Man könnte fast sagen: die Taufe ist wie ein Brandzeichen für eine Herde. Es sagt: Alle, die dieses Zeichen tragen, die sind mein.
Das Missverständnis liegt also darin, dass man fälsch-
lich annimmt,
das ewige Leben begänne erst mit dem Tod. Jesus sagt es ganz deutlich: „Amen, amen, ich sage euch: wer glaubt, hat das ewige Leben.“
Das ewige Leben nimmt also seinen – wenn auch leider unauffälligen – Anfang mit der klaren Entscheidung für den Glauben, für die Nachfolge.
Wer also glaubt und von dem Himmelsbrot isst, der gehört zu denen, die ewig halten, die eben „unkaputt-
bar“
sind, wie man heute etwas schnoddrig sagt.

Jesus, der unser aller Kreuz auf sich geladen hat, wird für uns zum
Brot, das für immer satt macht, das die Sehnsucht unserer Seele für immer stillt, das uns ewiges Leben schenkt. - Was für herrliche Aussichten sind das doch! 



Predigten und Fürbitten der Karl-Leisner-Jugend

Dipl.-Theol. Dieter Bauer: „Immer nur Manna?“
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Predigt Jens-Oliver Müller
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Predigt Ursula Schmidt
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Predigt Pastor Daniel Birkner
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Predigt Pfr. Gerhard Kelber
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Predigt Dr. Bernhard Kaiser
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Ingo Krause: „Murren in der Bibel“ (4 S./pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Exegetisch-theolog. Kommentar zum Evangelium (4 S./pdf) >> BITTE KLICKEN !
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Ein Fallschirmspringer macht seinen ersten Absprung aus 5000 m Höhe – erst mal alles prima. Bei 3000 m will er den Fallschirm öffnen: nichts! Notfallschirm: nichts! – Er versucht es immer wieder: nichts! Auf 400 m Höhe saust ihm von unten einer raketenartig entgegen.
Der Springer fragt: „Können Sie mir helfen?“ –
Die kurze Antwort: „Tut mir leid, ich kann nur Gasleitungen reparieren!....“


Die heutigen Predigtgedanken können Sie auch selbst herunterladen (Link funktioniert bis mindestens 1.10.2012) oder als E-Mail-Dokument bei mir anfordern:
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2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Gerne möchte ich Sie für die Bloggerliste auf eine Homepage aufmerksam machen, die - auch wenn sie kein Blog ist, trotzdem interessant sein und vllt wenigstens einen Button wert sein könnte.

Es handelt sich um ein überkonfessionelles Hilfswerk gegen Christenverfolgung, das von der Ev. Allianz getragen wird:

http://www.opendoors-de.org/

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Im Rahmen von Artikeln über Christenverfolgung habe ich bereits mehrfach über Open Doors berichtet und werde das auch gerne wieder tun. Ihre Anregung habe ich mir notiert, kann aus Platzgründen aber nicht definitiv zusagen.

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