01.08.2012

Predigt 18. Sonntag im Jahreskreis B -- 05.08.2012

(Fortsetzung) 

Weil wir heute wissen, wie schwer der tägliche Über-
lebenskampf vieler Menschen damals war, können wir
gut nachvollziehen, was nun passiert: Zahlreiche Menschen machen sich auf die Suche nach diesem Mann, der sie so spenda-
bel mit Brot versorgt hatte. Wenn sie sich zukünftig nur immer in seiner Nähe aufhielten, fiele bestimmt regel-
mäßig was für sie und ihre hungrigen Mäuler daheim ab.

Sie fragen sich also in der Gegend durch. Wer hat ihn kürzlich gesehen? Wer kann sachdienliche Hinweise geben? – Auf diese Weise werden sie bald schon in Kafarnaum fündig, wo sich Jesus oft aufhielt.
Es klingt schon fast wie ein Vorwurf, wenn sie ihn fragen: „Rabbi, wann bist du hierher gekommen?“ – Damit ist klar, dass sie es ihm schon übel nehmen,
dass er sich ihnen so geschickt entzogen hat.

Jesus jedoch beantwortet ihre Frage anders, als sie sich das dachten. Er wird nämlich ganz eindringlich und lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Das erkennen wir schon am Beginn seiner Antwort bei der Formu-
lierung „Amen, Amen, ich sage euch“ .
Hier spricht Jesus mit seiner ganzen Autorität! Das doppelte „Amen“ macht unmissverständlich klar: Das ist so, das ist abso-
lut sicher, merkt euch das!
Um sie wachzurütteln, sagt Jesus den Men-
schen, die ihn da regelrecht bedrängen, was Sache ist: Ich weiß genau, warum ihr eigentlich hinter mir her seid.

Machen wir uns doch nichts vor – euch geht es doch gar nicht um mich, sondern euch geht es um euren Bauch. Ihr wollt am liebsten jeden Tag schön brav eure Gratis-Portion frei Haus geliefert haben. Gewisser-
maßen wie ein Zeitungs-Abo, das jeden Morgen recht-
zeitig und zuverlässig angeliefert wird.

Natürlich hat Jesus auch Mitleid mit diesen Menschen, die das ja nicht als Freizeit-Vergnügen betreiben. Sie alle möchten einfach endlich auch mal in materieller Sicherheit leben. Wer möchte das nicht?
Zum Mitleid Jesu gehört aber eben auch, dass er den Leuten einschärft, weiter zu denken als bis zum nächs-
ten Hungergefühl, bis zur nächsten
Brot-Ration. Die Menschen verwenden viel Mühe, um immer wieder neu Lebensmittel zu bekommen, die doch verderblich sind, die doch nur so kurze Zeit halten. Das eigentliche Lebensmittel verlieren sie dabei aber immer mehr aus dem Blick. Obwohl sie gläubig sein wollen, be-
nehmen sie sich wie Leute, die die Orientierung für ihr Leben verloren haben. Sie sind wie Autofahrer, die im dichten Nebel stecken und immer nur die paar Meter unmittelbar vor ihnen durchschauen können.
Jesus will die Menschen aufwecken: Wenn ihr in wirkliche Sicherheit investieren wollt, dann investiert lieber langfristig. Dann investiert nicht in Verderbliches, sondern in Haltbares. Wörtlich heißt es im Evangelium: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird.“ 


Wie es jetzt scheint, hat es bei den Zuhörern Jesu doch gefunkt. Im Innersten spüren sie, wie recht Jesus hat. Sie haben vor lauter täglicher Sorge ihr langfristiges Lebensziel aus den Augen verloren. Dabei müssten sie doch wissen: Irgendwann ist ihr Lebenslicht hier auf Erden ausgeknipst – und was kommt dann?
Daher fragen einige ihn sofort ganz beschämt: „Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?“
Wir spüren hier den guten Willen dieser Menschen. Die eingeschlafene Sehnsucht nach dem ewigen Leben bei Gott ist in ihnen plötzlich wieder aufgewacht. Aber wel-
chen Beitrag können sie dafür leisten, was können sie bloß konkret tun?

Ihre Reaktion ist verständlich. Sie wollen in die Tat umsetzen, was sie gerade von Jesus gelernt haben. Sie wollen möglichst bald etwas tun, um sich ihren Platz beim himmlischen Festmahl zu sichern. So war das und so ist das auch heute. Man will etwas tun, damit man auf der sicheren Seite ist. Am liebsten hätten sie damals gehört, wenn Jesus gesagt hätte: In Ordnung, mit 20 frommen Gebeten und 50 angezündeten Opferkerzen seid ihr dabei.
Doch genau das tut Jesus eben nicht! Es gibt keine Bedienungsanleitung für den eigenen Eintritt in den Himmel etwa nach dem Motto: Geldeinwurf rechts, und dann die Auswahltaste drücken! Schon hätte man sich seiner Pflichten entledigt und ein gutes Geschäft mit Gott gemacht.
Nein, sagt Jesus, das läuft schon etwas anders. Eure Rituale, Opfer und Spenden sind gut, aber nicht der Kern der Sache. Wenn ihr wirklich so leben wollt, wie Gott das will, dann glaubt an mich als den, den Gott gesandt hat.
Erstaunlich, wie schnell sich doch die Menschen drehen können!
Eben noch wollten sie Gottes Werke tun, und nun schon wird ihnen die Sache zu brenzlig. Sie wollten sich im Grunde nur günstig loskaufen, und fertig. Aber an Jesus glauben, ihn Tag für Tag als Herrn ins eigene Herz lassen?
Das muss nun auch wieder nicht unbedingt sein, denkt da so mancher. Um aus dieser verzwickten Situation heil rauszukommen, geht man am besten so vor, dass man Jesus den „Schwarzen Peter“ zuschiebt.
Woher nimmst du das Recht, das zu verlangen? Welche Beweise hast du denn? – Das soll er ihnen erst mal auf den Tisch legen! Und sie erinnern Jesus an Gottes Großzügigkeit: Unsere Vorfahren wurden auf ihrer Wüstenwanderung immerhin regelmäßig mit Manna versorgt. Da konnte man fast die Uhr nach stellen: Jeden Morgen fanden sie als Geschenk Gottes ihr lebensrettendes Manna wie Brot vom Himmel, immer und immer wieder. Daher interessiert uns: Und was gedenkst du für uns zu tun, Jesus?
So ist das bei uns Menschen: Ganz, ganz dünn ist unsere Eisdecke des Glaubens. Ob sie hält? Ob sie einbricht? Wie belastbar ist sie wohl, wenn der Zweifel sie betritt?
Jesus bleibt jedenfalls keine klare Antwort schuldig.
Und wieder spricht er ganz, ganz eindringlich, mit dem doppelten „Amen“ am Anfang:
„Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel ge-
geben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.
Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.“

Nein, nicht Mose ist der eigentliche Brotgeber.
Er ist nur der Diener dessen, der wirklich für das Brot
für alle sorgt. Das Manna damals hat das Volk satt gemacht, aber es war noch nicht das ewige Brot, noch nicht das wahre Brot, das unvergänglich ist und das die Welt am Leben hält.
Die Zuhörer Jesu reagieren jetzt verwirrt: Wenn das so ist, dann hätten wir doch gerne dieses Brot, von dem du uns da erzählst! Bleib bei uns und gib uns immer dieses Brot!
Sie verstehen es also immer noch nicht! So muss Jesus noch deutlicher werden. Im Evangelium steht: „Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“
Wir spüren die Eindringlichkeit der Worte Jesu: Schaut doch her, ich bin es, der nach dem Plan Gottes für euch zum notwendigen Brot wird, das euch ewiges Leben schenkt! Wer an mich glaubt und sich zu mir auf den Weg macht, der wird den Speiseplan Gottes selbst miterleben dürfen.
Da ist kein Gott, der regelmäßig sein Ambrosia essen muss, damit er ewig lebt. Da ist kein Gott, der fein für sich bleiben möchte, nach dem Motto: Betreten des Himmels verboten! - Der wahre und ewige Gott braucht kein Doping mit Ambrosia. Er sperrt nicht aus, sondern er lädt für immer zu sich ein: Kommt zu mir und erlebt es doch selbst: Mein Himmelsbrot macht euch wirklich satt; nie mehr werdet ihr Hunger oder Durst haben.
Schöne Aussichten sind das! Das ist fast so, als wenn man sich jahrelang auf einen ganz tollen Urlaub oder auf die Zeit als Rentner freut, aber natürlich eben nur fast.
Jesus sagt: Vergiss das nicht in deiner Alltagsroutine,
in deiner Sorge,
in deiner Geschäftigkeit, in deiner Gier nach Sättigung, in der Jagd nach immer mehr – alles das hat ein Ende, und auf alles das ist schon ein un-
sichtbares Verfallsdatum aufgedruckt.

Das wirkliche, einzig wahre Brot, das deinen Hunger auf ewig stillen wird, das ist Jesus Christus. Er ist da.
Aber wo bin ich, wo bist du? - Folgen wir dem Hunger unserer Seele. Sehen wir, wo er steht und die Arme ausbreitet.
Hören wir, wenn er uns ruft.
Treffen wir eine kluge Entscheidung, eine Entscheidung für das ewige Leben. 


Predigt und Fürbitten aus „Dienst am Wort“
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Predigt Pfarrei Allerheiligen Wallhalben (pdf)
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Lesungstexte und Kurzkommentar von VIRC Wien (pdf)
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Predigt und Fürbitten Pfr. Bruno Layr (pdf)
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Lesehilfe des Kath. Bibelwerkes (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Bibelarbeit des Jugendverbands „Entschieden für Christus“ (14 S. pdf)  >> BITTE KLICKEN !
Predigt: „Jesus Christus – das Brot des Lebens“
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Dr. Oetker Götterspeise Rezepte
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Schlagfertig: Ein Besucher fragte Papst Johannes XXIII., wie viele Menschen eigentlich im Vatikan arbeiteten. Er überlegte einen Moment, dann antwortete er: „Ich schätze, etwa die Hälfte!“

Ungläubige: Das Land litt unter einer lang anhaltenden Dürre. In dieser Not liess der Geistliche seine Gemeinde zu einem Bittgebet um Regen zusammenrufen.
In Massen strömten die Leute herbei. Der Prediger betrachtete die Menschen und begann seine Predigt so: „Euren Eifer und Eure Gebete um Regen in Ehren – doch um Euren Glauben ist es schlecht bestellt. Denn was sehe ich: kein einziger von Euch hat einen Regen-
schirm dabei…!"

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Die heutigen Predigtgedanken können Sie sich von mir per E-Mail zuschicken lassen oder auch selbst herunter-
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