Ohne hier über den Einzelnen den Stab brechen zu dürfen, muss man doch von einer dramatischen Entwicklung sprechen: Nicht nur erheblich zu wenig Priester- und Ordensnachwuchs macht uns heutzutage große Sorgen, sondern das immer häufigere Aufgeben des Priesteramtes z.B. wegen einer angestrebten Partnerschaft.
Manchmal geschieht dieses Davonlaufen recht dramatisch und mit großem Getöse. Doch es gibt auch das andere Davonlaufen, nämlich das innere Davonlaufen. Man ist müde geworden, und die vielen Enttäuschungen bei der Erfüllung des Dienstes setzen einem immer mehr zu. So mancher junge Priester ging mit viel Elan an seine Arbeit als Erntehelfer für das Reich Gottes. Doch viel zu viele Ideen und Hoffnungen zerplatzten wie Seifenblasen. Die Folge davon ist: Die Kraft lässt mit den Jahren nach, und man reißt sich kein Bein mehr aus, sondern man lässt es schleifen. Allgemeiner Pessimismus macht sich breit: die viele Mühe zahlt sich doch sowieso nicht aus. Das geht doch nach und nach mit mir oder auch ohne mich alles den Bach runter. Es wird einfach unerträg-
lich…
Solche trüben Gedanken sind wie Gift. Dieses zer-
störerische Gift verursacht oft genug lebenslange, bleibende Schäden. Wie schnell und flächendeckend es wirkt, bekommen wir auch im heutigen Evangelium ganz anschaulich vorgeführt.
Wir erleben hier mit, wie das Phänomen des Davon-
laufens auch die Jünger Jesu ergreift. In den letzten Tagen haben seine Anhänger nicht nur die wunderbare Brotvermehrung mitbekommen. Seine wiederholten Reden über sich selbst als das Brot, das vom Himmel gekommen ist und seine Aussagen über sein Fleisch und Blut haben bei seinen Zuhörern für Unruhe gesorgt. Nur wer sein Fleisch isst und sein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, betont Jesus immer wieder.
Die Schar der Zuhörer schrumpft daraufhin rapide.
Von den Tausenden bei der Brotvermehrung sind nur noch ein paar Dutzend Jünger übriggeblieben, und unter denen brodelt es offenbar auch mächtig.
Zu Beginn des heutigen Evangeliums heißt es wörtlich: „In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?“
Wir spüren noch heute, wie es damals vor An-spannung knisterte. Viele der Jünger waren mit so großen Hoff-
nungen mit Jesus durch Galiläa gezogen. Dieser großartige Rabbi würde Gott in Israel sicher wieder in den Mittelpunkt rücken und auch ihrem persönlichen Leben Sinn und Ziel geben. Manch einer träumte vielleicht sogar von einem guten Posten, falls Jesus tatsächlich König der Juden werden würde. – Doch offensichtlich denkt dieser Jesus gar nicht daran. Stattdessen nur unangenehme Sätze von ihm.
Da denken die meisten: Jetzt reicht’s aber wirklich!
Wir wollen das nicht hören, dass man durch Fleisch und Blut Jesu, nur durch dieses Himmelsbrot in Ewigkeit leben kann. Das können wir nicht glauben, das ist uns zu radikal! Unsere Schmerzgrenze ist hiermit eindeutig überschritten!
Wie wir sehen, ist das eine handfeste Kirchenkrise.
Erst sind erst mal nur einige aus dem Kreis seiner Jünger enttäuscht fortgegangen, doch ihnen schließen sich nach und nach immer mehr Anhänger Jesu an. Eine richtige Kettenreaktion des Davonlaufens und
der Flucht vor dem Anspruch Jesu kommt da in Gang. Das hatte man sich eben ganz anders vorgestellt!
Ein kleiner Trost für uns hier ganz nebenbei: Es passiert also nicht nur in unserer Kirche heute, und es passiert nicht nur dem oft gescholtenen aktuellen „Boden-
personal“, dass Menschen von der Wahrheit des Glaubens nichts mehr hören wollen. Es passiert auch Jesus selbst.
Ganz schön mutig jedenfalls vom Evangelisten Johannes, so offen und ehrlich auch über diese Pleite zu berichten. Die meisten haben sich nach einigem Überlegen schließlich gegen Jesus entschieden, manche sicher nicht ohne Bauchweh wegen ihrer Ausstiegs-Entscheidung.
Die Bibel redet nicht drumherum. Da kann man lesen und hören, was Sache ist. Und dazu gehört auch, dass Menschen sich wie ein Strohfeuer schnell entflammen lassen, aber im Glauben auch ebenso schnell wieder erlöschen. Wir Menschen neigen eben gerne dazu, großen Schwierigkeiten und Anforderungen am liebsten auszuweichen. Große Belastungen können wir nicht dauerhaft bewältigen, wenn wir keinen Sinn darin sehen. Wenn etwas für jemanden immer und immer wieder zum Davonlaufen ist, dann wird er es wahr-
scheinlich auch irgendwann tun.
Und da haben wir schnell die Parallele zwischen den Jüngern damals und uns heute. Ein Ehepartner, der an seine Ehe glaubt und um sie kämpft, wird wohl eher nicht davonlaufen. Ein Priester, der sich ganz vertrauensvoll in Gottes Hände geben kann und sich trotz aller Enttäuschungen unter Gottes Schutz weiß, der wird wohl eher nicht aufgeben.
Wohlgemerkt: Diese Bemerkung ist keinerlei Vorwurf! Wir müssen einfach wissen, dass Jesus immer wieder zur größten Entscheidung unseres Lebens ruft: Bist du für mich oder bist du gegen mich? Vertraust du mir oder vertraust du mir nicht? - Die Entscheidung bleibt uns nicht erspart, und sie ist in der Regel auch nicht ohne weiteres lebenslang haltbar. Immer mal wieder kommt diese Frage: Glaubst du, oder glaubst du nicht?
Es war an den Jüngern und es ist an uns, eine Ent-
scheidung zu treffen. Wer gehofft hatte, Jesus würde jetzt aus sogenannten „pastoralen Gründen“ und aus Schmerz über diese Massenflucht seine provozierenden Sätze nicht mehr verkünden, der wurde sehr enttäuscht.
Jesus bleibt ganz konsequent bei seinen Aussagen, er nimmt nichts davon zurück und er verharmlost auch nichts.
Vielleicht denkt so mancher, dass Jesus einfach ein bißchen diplomatischer formulieren könnte, um nicht so viele vor den Kopf zu stoßen.
Oder er könnte eine wortgewandte und flammende Rede an seine Jünger halten, in denen er ihnen mächtig einheizt und ihnen klarmacht, was alles für sie auf dem Spiel steht.
Nein, Jesus macht all das nicht. Jesus nimmt nichts zurück und er beschönigt nichts. Es bleibt einfach dabei: der Glaube kennt auch große Zumutungen, und er kennt auch das Wagnis des Vertrauens dort, wo man ehrlich gesagt mit dem menschlichen Verstand nicht versteht.
Wie ein Kapitän, der sein Ziel kennt, hält Jesus das Schiff auf Kurs, auch wenn Sturmwellen über es hereinbrechen. Er bildet auch keinen Stuhlkreis oder einen Ausschuss von Jüngern, die Vorschläge formu-
lieren sollen, wie man die Zweifler besser bei der Stange halten könnte.
Nein, Jesus muss damit leben, dass er verlassen wird. In der Wahrheit gibt es eben keinen Kompromiss. Er akzeptiert die bedauerliche und traurige Entscheidung vieler Jünger, so wie Gott die freie Entscheidung des Menschen gegen Gottes Willen und Gebote stets akzeptiert hat.
Jesus drängt sogar die Kerngruppe, die zwölf Apostel, zu einer Entscheidung. Im heutigen Evangelium heißt es: „Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weg-
gehen?“
Es wird immer klarer: Jesus will keine willenlosen Nachläufer und Mitläufer. Jesus wird niemand aufhalten, der ihn verlassen will. Wer davonlaufen will, der soll eben gehen. Es wird niemand überredet. Es wird niemand deswegen ein Vorwurf gemacht.
Die Entscheidung freilich wird niemand erspart. Um die kommt man nicht herum, so oder so. Wer nicht für Jesus ist, der ist damit gegen ihn. Petrus ist es, der sich wieder einmal hervorwagt. Er spricht offenbar für alle, denn er antwortet: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“
Petrus und die anderen Apostel haben der Ab-
wanderung widerstanden. Sie wollen standhaft und
treu an Jesu Seite bleiben.
Aber warum können sie so zuversichtlich reagieren, während andere Jesus im Stich lassen? Die Antwort steckt in der Aussage des Petrus. Die Apostel und auch der übriggebliebene Rest der Jüngerschar wissen: Es gibt im Grunde überhaupt keine wirkliche Alternative zu Jesus! Zu wem soll man da gehen? Keiner sonst ist der Heilige Gottes, der Sohn Gottes!
Da spielt es kaum eine Rolle, ob man jetzt selbst zur Mehrheit oder zur Minderheit gehört. Wer Jesus vertraut, wer Jesus glaubt, der weiß, wie er sich zu entscheiden hat, der denkt vor allem weiter.
Und wer weiter denkt, der weiß, dass auch das wei-
teste Davonlaufen irgendwann an ein Ende kommt. Wer weiter denkt, der weiß, dass es letztlich gar nichts bringt, sich aus dem Staub machen zu wollen.
Vieles, was uns jetzt vielleichtach so wichtig erscheint, auch an kritischen Fragen an die Kirche, wird wohl bei der eigenen „Sterbebett-Prüfung“ (so Dr. Manfred Lütz) nicht bestehen können.
Wenn es für uns selbst so weit ist und wir ein letztes Mal gefragt werden, wie wir uns denn entscheiden, dann sollten wir uns schon vorher Gedanken gemacht haben, was wir antworten werden.
„Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte das ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

Pfr. Winfried Abel: „Der göttliche Märchenkönig“ (pdf)
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Predigten und Fürbitten Karl-Leisner-Jugend
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Predigt Pater Dr. Ludger Feldkämper SVD
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Predigt Diakon Heribert Steger
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Predigt Pater Guido Kreppold
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Gottesdienstentwurf Pfr. Bruno Layr
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Predigt Kardinal Karl Lehmann
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Predigt Mons. Dr. Cesar Martinez (pdf)
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Lesehilfe des Kath. Bibelwerkes (pdf)
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Lesungstexte und kurze Betrachtung VIRC Wien (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Dr. Manfred Lütz: „Die Sterbebett-Prüfung oder: Ist die Kirche noch zu retten?“ >> BITTE KLICKEN !

Zum Pfarrer eines kleinen Dorfes kam eines Tages ein Mann, der sich über den Glauben lustig machen wollte. Er fragte den Pfarrer: „Wie kann denn aus Brot und Wein Fleisch und Blut Christi werden?“
Der Pfarrer lächelte und meinte: „Wenn schon dein Körper die Nahrung, die er zu sich nimmt, in dein eigenes Fleisch und Blut umsetzen kann, warum soll Gott nicht auch das andere können?“
Der Kritiker ließ nicht locker: „Aber wie kann denn in so einer kleinen Hostie der ganze Christus sein?“
Der Pfarrer antwortete geduldig: „Schau doch mal auf die großartige Landschaft mit all ihren schönen Einzelheiten, die du siehst. Obwohl diese Landschaft
so riesengroß ist, passt das alles in den Blick deines kleinen Auges. Warum sollte dann nicht in der kleinen Hostie der ganze Christus vorhanden sein?“
Der Mann war schon etwas angesäuert wegen der klugen Ant-worten, aber er glaubte noch eine Trumpfkarte im Ärmel zu haben: „Das mag schon sein, aber es ist doch unmöglich, dass derselbe Christus in all euren Kirchen weltweit gleichzeitig anwesend sein kann!“
„Einen Moment mal“, sagte der Pfarrer und kam mit einem großen Spiegel zurück. „Was siehst du im Spiegel, wenn du hineinschaust?“, fragte er. – Sein Kritiker antwortete etwas irritiert: „Das ist doch klar.
Ich sehe natürlich mich selbst! Aber was soll das?“
Da ließ der Pfarrer den Spiegel mit großem Schwung auf den Boden knallen, wodurch der Spiegel in Hunder-
te von Stücken zerbrach. Der Pfarrer nahm nun zwei
der kleinen Stückchen hoch und hielt sie dem Zweifler entgegen. Der Pfarrer schmunzelte, als er sagte:
„Schau ruhig hinein in die Scherben. Nimm so viele,
wie du willst. In jedem dieser kleinen Stückchen wirst du dich jetzt sehen, und zwar gleichzeitig! Und wenn das schon funktioniert, warum fragst du dann ernsthaft, wie Gott das fertigbringt?“
Der Besucher zog es nun doch vor, den Pfarrer mit einem hastigen Gruß schnellstens zu verlassen…
(Quelle: leider unbekannt)
„Tut mir leid“, sagt Petrus zu dem jungen Mann, der gerade ans Himmelstor tritt, “aber du musst schon eine gute Tat vorweisen, sonst kann ich dich hier leider nicht reinlassen.“ Nach kurzem Überlegen sagt der Mann: „Ich habe beobachtet, wie eine Gruppe Rocker einer alten Dame die Handtasche wegnehmen wollte. Da bin ich hingegangen, hab das Motorrad des Anführers um-
gestossen, ihm ins Gesicht gespuckt und seine Braut beleidigt.“ –
gestossen, ihm ins Gesicht gespuckt und seine Braut beleidigt.“ –
„Und wann war das ungefähr?“ –
„Naja, ich schätze, so vor etwa 3 Minuten.“
"Die neuen Schuhe werden in den ersten Tagen ein wenig drücken", sagt der Verkäufer. Darauf Jens: "Das macht nichts. Ich trage sie sowieso erst in der nächsten Woche!"
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Sie können die heutigen Predigtgedanken per E-Mail bei mir anfordern oder auch selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.10.2012):
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1 Kommentar:
Vielen Dank - das sind sehr ermutigende Worte!
Erlaube mir dennoch eine kleine Anmerkung:
"Es gibt im Grunde überhaupt keine wirkliche Alternative zu Jesus!"
Ohne "wirkliche". :-)
Und schön, dass Sie wieder da sind!
GOTTES Segen!
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