08.12.2009

3. Adventssonntag C - 13.12.2009

(Fortsetzung)
Sie ist ganz handfest, ganz praktisch, aber deshalb keineswegs angenehmer. Johannes ruft ihnen und uns nämlich zu: Teilt das, was ihr habt! Gebt großzügig ab von dem, was ihr besitzt. Gebt damit euren Mitmenschen eine Chance, die in Not geraten sind, die nicht genug zum Essen oder zum Anziehen haben oder nicht genug zu einem menschenwürdigen Leben.

Johannes macht wirklich keine frommen Sprüche. Er nimmt seinen Zuhörern die Illusion, sie könnten sich mit Frömmig-
keitsleistungen bei Gott etwas erkaufen. Nein, sagt Johannes, eure Buße muß ganz konkret und praktisch sein.
So wie Gott im Himmel barmherzig mit uns verfährt, so sollt auch ihr mit euren Mitmenschen in Not verfahren. Ihr müsst nicht wie ich in der Wüste Gott dienen, sondern in eurem ganz normalen Alltag. Teilt eurer Geld, euren Überfluss, eure Zeit, euer Leben mit denen, die auf eure Nächstenliebe angewiesen sind.

Wie ernst es Johannes ist, das sieht man an den beiden Gruppen, die nun als Beispiel für andere seinen Rat erbitten.
Da staunen wir nicht schlecht: es sind Zöllner, die da vor ihn hintreten, und es sind Soldaten.
Zöllner waren damals bei ihren jüdischen Landsleuten verhasst, weil sie mit den römischen Besatzern zusammen-
arbeiteten und oft genug höheren Zoll verlangten, um den Extra-Gewinn in die eigene Tasche zu stecken.
Soldaten aber waren erst recht unten durch, wie man so sagt. Da es Juden verboten war, Soldat zu werden, muss es sich im heutigen Beispiel um heidnische Römer handeln. Auch einige von ihnen haben offensichtlich den Weg zu Johannes gefunden, da sie ihr Gewissen nicht in Ruhe lässt wegen ihres Lebenswandels.
Beide Gruppen sind jedoch von Johannes keineswegs abgelehnt. Sie üben zwar einen Beruf aus, der alles andere als wohlgelitten ist, aber Johannes wendet sich auch diesen Mitmenschen ohne Vorwürfe zu. Johannes weiß genau:
Die Zöllner und Soldaten können nicht einfach so die Brocken hinschmeissen nach dem Motto: Sollen doch andere sich die Finger schmutzig machen! Sie sind eingebunden in ein gesellschaftliches Gesamtsystem, und wenn sie diese Arbeit nicht tun, dann machen es eben andere.
Worauf es aber ankommt, dass ist die Frage, wie sie ihren Beruf ausüben. Betrügen sie ihre Mitmenschen, indem sie ihnen zuviel Zoll abverlangen? Fügen sie als Soldaten und Besatzer den Unterlegenen Leid zu, indem sie diese ausrauben, misshandeln oder sonstwie nötigen?

Johannes sieht es bemerkenswert klar: Jeder kann an dem Platz Nächstenliebe und Barmherzigkeit zeigen, an den er oder sie hingestellt worden ist. In jedem Beruf und bei jeder Tätigkeit kann man seinen Mitmenschen gegenüber liebevoll oder lieblos handeln.
Vielleicht haben Sie selbst schon einmal solch einen Menschen erlebt, der eine eher unbeliebte Arbeit macht, aber seine Mitmenschen durch seine Herzlichkeit und Fröhlichkeit aufmuntert. Oder Sie erinnern sich an einen Lehrer, der seine Schüler aufgebaut und motiviert hat? Und sicher gibt es auch genug Geschäftsleute und Unternehmer, die aus christlicher Überzeugung nicht mitmachen bei der Gewinnsteigerung um jeden Preis.

Ganz gleich, auf welchem Posten du stehst, sagt uns Johannes, immer kommt es darauf an, dass du deine Mitmenschen dabei im Blick behältst. Sie sind ebenso Geschöpfe Gottes wie du. Und dieser Gott will, dass alle seine Kinder ein Leben ohne Angst, ein Leben ohne Hunger und ohne weltweite Un-
gerechtigkeit ermöglicht bekommen. Kein Wunder also, dass uns dieses Evangelium kurz vor Weihnachten erreicht, kurz vor dem großen Fest der Liebe. Kein Wunder auch, dass wir wie in jedem Jahr vom Hilfswerk „ADVENIAT“ gerade vor Weih-
nachten um eine wirklich großherzige Spende für Menschen gebeten werden, die das Pech haben, am falschen Ort geboren worden zu sein.
Solche Menschen schauen auf uns: Bitte, lasst mich nicht im Stich! - Jesus wird die Aufforderung des Johannes zur ganz handfesten Buße einige Zeit später eindringlich bestätigen, wenn er z.B. betont: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)

Vom Autofahren kennen wir das: Wenn man z.B. die rote Ampel übersehen hat oder zu schnell gefahren ist, dann gibt es ein Bußgeld. In einem langen Bußgeld-Katalog sind alle möglichen Verstöße ordentlich erfasst. Was dabei Buße bedeutet, spürt der Fahrer dann schmerzlich an seinem Geldbeutel.
Johannes allerdings hat keinen Bußgeldkatalog entwickelt
etwa für unangepasstes Verhalten als Mitmensch oder für unterlassene Hilfeleistung am Nächsten. Aber was er den Zuhörern so scharf und eindringlich sagt, die zu ihm kommen, egal ob als Jude oder als Heide oder als Christ, das sollten sich alle hinter die Ohren schreiben: Der Messias, der nach ihm kommt, ist nicht nur das liebe Jesulein, das wir so gerne besingen.
Im heutigen Evangelium heißt es vielmehr: „Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“

Johannes mahnt uns, sich durch wirkliche Buße auf den kommenden Herrn und auf Weihnachten vorzubereiten. Man kann nämlich nicht nur die Weihnachtseinkäufe, die Besuche und das festliche Menü planen, sondern man kann durchaus auch die persönliche innere Vorbereitung auf Weihnachten planen. Dazu gehört auch, großherzig zu teilen, ein freiwilliges deutliches Bußgeld gewissermaßen. Das könnte man sich z.B. ganz konkret für diese Weihnachten vornehmen.
Dazu gehört aber vor allem, ehrlich bei sich selbst Bilanz zu ziehen: Bin ich überhaupt auf den kommenden Messias vorbereitet? Habe ich überhaupt die Augen und das Herz offen für Situationen und Nöte, wo meine Hilfe möglich ist?
„Was sollen wir also tun?“ - Wenn wir bei uns selbst gründlich aufgeräumt haben, dann werden wirklich frohe, gesegnete Weihnachten kommen, denn dann kann der Herr auch bei uns Quartier nehmen.

Predigten Karl-Leisner-Jugend
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Exegetisch-theologischer Kommentar zu Lk 3,10-18 (pdf)
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Predigt Diakon Josef Lengauer
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Cusanuswerk: Impuls zum 3. Adventssonntag 2006 (pdf)
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Text aus „Die Feier des Sonntags“ zum 3. Advent C
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Familiensonntag am 3. Advent: „Was sollen denn wir tun?“ (pdf)
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Predigt P. Martin Löwenstein SJ
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Adveniat-Aktion 2009: Materialien, Tipps usw.
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Adveniat: Gemeindemesse zum 3. Adventssonntag (pdf)
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Widerruf: Abraham a Sancta Clara, der berühmte Prediger im Wien des 18.Jahrhunderts, erklärte eines Sonntags auf der Kanzel: „Es gibt in den feinen Kreisen am Hofe einige Damen, die sind es nicht wert, dass man sie anspuckt!“
Aufgrund einiger Proteste von prominenter Stelle musste der Pater am nächsten Sonntag öffentlich widerrufen. Er tat das mit folgenden Worten: „Letzten Sonntag sagte ich: Es gibt in den feinen Kreisen am Hofe einige Damen, die sind es nicht wert, dass man sie anspuckt. – Das widerrufe ich hiermit und behaupte das Gegenteil: Sie sind es doch wert!“



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