Was fällt dem Jungen bloß ein, uns derart zu hintergehen? Oder ist ihm doch etwas zugestoßen? Was treibt der Schlingel da so mutterseelenallein? Wer weiß, an welche Elemente er da geraten sein kann, die einen schlechten Einfluss auf ihn haben könnten!Maria und Josef durchkämmen die Stadt, so gut das möglich ist. Von Stunde zu Stunde wird die Situation für sie bedrohlicher. Alle Eltern können sich lebhaft vorstellen, wie da allmählich die Tränen geflossen sind!
Unfassbar – erst am dritten Tag entdecken sie den Ausreißer:
Er sitzt putzmunter im Tempel, in ein angeregtes Gespräch vertieft. Im Evangelium heißt es dazu: „…er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und seine Antworten.“
Unter normalen Umständen wären Maria und Josef vielleicht sogar stolz auf diesen so aufgeweckten Burschen, der alle Anzeichen eines Hochbegabten zeigt. Vielleicht würden sie gerne ihren Bekannten zuraunen: „Da, schaut mal, das ist unser Jesus, mitten unter den Gelehrten!“

Doch jetzt ist ihnen aus verständ-
lichen Gründen ganz und gar nicht danach. Sie sind schlicht und einfach sauer, so richtig sauer. Wie das für ihn typisch ist, hält sich Josef im Hintergrund, aber Maria muss einfach ihrer Enttäuschung Luft machen: „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.“
Ja, Maria redet Klartext mit Jesus, und das vor allen Leuten. Sie ist so voll von ihrem Zorn über dieses eigensinnige Verhalten Jesu, dass sie sich offenbar kaum noch bremsen kann. Ihr Vorwurf ist ganz eindeutig: Du hast uns Eltern da etwas Schlimmes angetan! Wir sind wahnsinnig enttäuscht von dir!
Zugleich zeigt Maria aber großes Geschick, indem sie den schwei-
genden Josef mit ins Boot holt: „Dein Vater und ich…“ - Das soll heißen: Mit meiner Enttäuschung stehe ich nicht alleine. Josef hat sich genau so große Sorgen gemacht, hat genauso große Angst ausgestanden wie ich, auch wenn er jetzt mal wieder schweigt wie so viele Männer in Erziehungsfragen. -
In diesem Moment macht die Heilige Familie kurzfristig wohl eher einen unheiligen Eindruck: Wut und Enttäuschung sind eben immer schlechte Ratgeber. - Maria hat Jesus jedenfalls gründlich die Meinung gesagt. So geht das einfach nicht, mein Sohn!
Und nun wartet Maria darauf, was der derart angegriffene Sohn zu seiner Verteidigung zu sagen hat. Da darf man ja wohl mal gespannt sein…! - Damit hat sie bestimmt nicht gerechnet: gleich wird sie zum zweiten Mal hintereinander ziemlich verblüfft aussehen.
Da kommt kein schüchternes „Tut mir leid, Mama!“ oder ein entschuldigendes „Ich habe einfach alles um mich herum vergessen, so spannend ist das hier!“ – Nein, Jesus drückt nun seinerseits seine große Verwunderung über dieses aus seiner Sicht völlig überzogene Eltern-Verhalten aus.
Im Evangelium heißt es: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört?“ - Das heißt doch: Ich begreife nicht, warum ihr so ein Drama daraus macht. Ich begreife euch nicht, denn es hätte euch doch klar sein müssen, wie sehr mich dies hier alles fesselt. Wenn ihr mich gesucht habt, dann kann das nur bedeuten, dass ihr offenbar noch nicht wirklich kapiert habt, wer ich eigentlich bin.Die Schriftgelehrten hier, denen meine klugen Fragen und Antworten auffallen und die ihre helle Freude an mir jungen Burschen haben, die staunen mehr als ihr!
Und um das Ganze noch zu unterstreichen, ignoriert Jesus einfach die Aussage Marias „Dein Vater und ich…“ und stellt fast wie neben-
bei ganz elegant klar, wer wirklich sein Vater ist: „Wusstet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört?“
Ein ganz harter Brocken für Maria und Josef, an dem sie noch zu schlucken haben werden. Wer hätte gedacht, dass diese Wallfahrt so dramatisch enden würde! Besonders für Maria ist es erst einmal ein richtiger Schock: Jetzt ist es also so weit. Das, was ich seit der Erscheinung des Engels Gabriel immer so gerne verdrängt habe, ist heute so schmerzhaft eingetreten. Jesus ist zwar mein Kind, aber nicht mein Eigentum. Heute ist der Tag, an dem uns allen das erst so richtig zu Bewusstsein kommt: Er ist ganz allein Gottes Eigentum. Dieser Junge ist Gottes Sohn. Wie konnte ich das nur vergessen?
ändert; nichts ist mehr, wie es vorher war.
„Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen“ heißt es im Evangelium. Nicht etwa im Kopf, sondern in ihrem Herzen bewahrte Maria alles: Eine ganz wichtige Aussage, denn hier erleben wir sie, die Vorbildlichkeit der Heiligen Familie. Maria muss gründlich umdenken, und dazu ist sie jetzt, nachdem die Aufregung sich gelegt hat, auch aus ganzem Herzen bereit.
Allen Eltern fällt es schwer, ihre Kinder ab einem gewissen Alter loszulassen, sie ihre eigenen Wege gehen zu lassen, sie ihre Erfahrungen sammeln zu lassen. Man will doch nur ihr Bestes, man will sie doch vor Dummheiten bewahren und ihnen ein gutes Leben ermöglichen. So geht es auch Josef und Maria. Sie sahen sicher schon das Bild vor sich, wie Jesus als Nachfolger Josefs ihre Schreinerei und Zimmerei geschickt weiterführte und vielleicht noch ausbaute. Auch ihre eigene Zukunft und ihre Versorgung im Alter wäre damit gesichert.
Doch Maria und Josef sind nun so weit, ihre selbst gebastelten Zukunftsträume los-lassen, ja zerplatzen zu lassen. Ihr Sohn ist ihnen von Gott gewisser-
maßen nur als Leihgabe anvertraut. Ihre eigenen Wunschvorstellungen haben vor der Lebensaufgabe Jesu zurückzutreten, auch wenn das Eltern sehr weh tut. Maria hat verstanden. Ihre Aufgabe soll es sein, Jesus auf seinem eigenen Weg weiter zu fördern, zu unterstützen und ihm so oft wie möglich zur Seite zu stehen.
In der Erfüllung dieser Aufgabe sind Maria und Josef für uns ein „leuchtendes Vorbild“, wie es im heutigen Tagesgebet formuliert ist.
Ihrem Sohn ist an diesem Tag mit voller Wucht klar geworden, wer er eigentlich ist und welche Aufgabe vor ihm liegt. Im Evangelium ist es klar ausgedrückt, dass er in dem sein „muss“ , was seinem wirklichen Vater gehört. Jesus braucht und sucht auch später immer wieder die ganz innige Verbindung mit dem himmlischen Vater. Immer wieder taucht er ein in die intensive Gemeinschaft mit ihm, um für seinen Weg bis zum Kreuz neue Kraft zu schöpfen.
Für heute sieht im Evangelium alles ganz nach einem happy-end aus: Über Jesus heißt es: „Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam…“ - Maria ist sicher ein ganz großer Stein vom Herzen gefallen, dass Jesus jetzt seinen Platz bei den Lehrern im Tempel verlässt und ihnen ohne lange Familien-
diskussionen hinab nach Nazaret folgt, wieder hinab in den Alltag.
Der Evangelist Lukas hat diese dramatische Szene nicht ohne Grund aufgeschrieben. Das Ganze ist auch ein Lehrstück über Jesus. Es ist gar nicht so einfach, ihn wirklich als den zu finden, der er eigentlich ist. Das mussten schon die drei Sterndeuter erfahren, die uns auch als die heiligen drei Könige bekannt sind. Für sie war es erst einmal sonnen- oder genauer sternenklar, dass sie den neu-
geborenen Königssohn im Palast von König Herodes zu suchen haben. Sie mussten erst umdenken, um ihn ganz ärmlich im Stall in Bethlehem finden zu können.
Schlagartig umdenken mussten auch Maria und Josef. Das ist nicht mehr ihr Baby, ihr Kind. Sie haben jetzt einen Heranwachsenden vor sich, der sich immer mehr dessen bewusst wird, dass er der Sohn Gottes und der Messias ist. Lukas umschreibt das so: „Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.“
Und sie schenken ihm alle Unterstützung, die er auf seinem nicht immer einfachen Weg braucht. Sie tragen ihn mit, auch wenn sie manches nicht verstehen. Für Maria wird das auch ein Weg, ein harter Weg sogar bis hin ans Kreuz, wo sie zu den ganz wenigen Menschen gehören wird, die erschüttert in seiner Nähe ausharren.
Umdenken müssen vielleicht auch wir. Das Evangelium und die Kirche muten auch uns viel zu. Kaum ist das Hochfest der Geburt des Herrn gerade so vorbei, werden wir regelrecht wachgerüttelt: Aufgepasst, ihr gläubigen Christen, seht genau hin, wen ihr da in Jesus vor euch habt! Nehmt Abschied von einem idyllischen Jesus-Bild, von einem Baby bei Ochs und Esel in der Krippe.
Wenn ihr Jesus finden und nachfolgen wollt, dann verliert euch nicht in romantischen Gedanken. Wenn ihr ihn finden wollt, dann solltet ihr von Maria und Josef und ihrer aufregenden Suchaktion lernen.
Sucht Jesus, aber sucht ihn bitte dort, wo er wirklich hingehört: im Gotteshaus, so nahe wie möglich bei seinem himmlischen Vater!
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Pastor Dr. M. Walter, Baptisten Steglitz: „Seite an Seite…“ (pdf)
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Erfolgreiche Predigt: Der Pfarrer wettert, dass den frommen Gläubigen die Ohren schlackern: „Habt ihr noch nicht kapiert,dass man euch in den Kneipen alles wegnimmt, was wichtig ist? Eure Seelen und auch das sauer verdiente Geld! Und schaut euch doch die Gastwirte an! Wie sie daherkommen, dicke Autos, die beste Kleidung und die Taschen voller Geld! Und wer zahlt ihnen das? Nur ihr, ihr Trottel!“
Monate später trifft der Pfarrer eines seiner Schäfchen. Der Mann läuft auf den Mann Gottes zu, schüttelt ihm wie wild die Hand und reicht ihm ein ganzes Bündel Geldscheine für die Kirche:
„Herr Pfarrer, Ihre Predigt hat mir die Augen geöffnet und mein ganzes Leben umgekrempelt!“
„Das freut mich, mein Sohn. Du hast also endlich aufgehört
zu trinken?“
„Was heißt aufgehört? Eine Kneipe habe ich aufgemacht!“
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