29.08.2010

Lustobjekt Priesterkommunion

(Fortsetzung)

Immer öfter verfallen Priester im deutschen Sprachraum auf die Idee, selbst erst dann zu kommunizieren, wenn bereits alle anderen Gläubigen den Leib des Herrn empfangen haben. Was die meisten Gläubigen natürlich nicht wissen: es gibt eine ganz klare Verordnung aus Rom, die genau dies verbietet!

Bereits 2003 hat Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ einen eindringlichen Appell aus-
gesprochen, die verbindlichen liturgischen Normen treu zu befolgen. Das eucharistische Opfer ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, erinnert bereits das Zweite Vatikanische Konzil.
Es geht also nicht um Randprobleme oder gestalterischen Klein-
kram, wenn an der Feier der Eucharistie herumgebastelt wird.
Die Art der Feier des Altarsakramentes ist wie ein Seismograph: ganz empfindlich wird hier angezeigt, wie weit der Kern unseres Glaubens schon von Erschütterungen erfasst wird, aus denen später ein Erdbeben entstehen kann.

In einer Instruktion „Das Sakrament der Erlösung“ bzw. „Redemptionis sacramentum“ ( siehe Linktipp unten) zur er-
wähnten Enzyklika wird in acht Kapiteln detailliert erläutert, wie eine Heilige Messe gefeiert wird. Dabei werden keine neuen Vorschriften erlassen, sondern nur die bereits geltenden Richtlinien an einem einzigen Ort zusammengefasst.
Manche dieser weltweit geltenden Klarstellungen zielen eher auf Missbräuche in anderen Teilen der Erde, viele aber auch auf die Kirche hier. Immer wieder kommt dabei das Anliegen zum Aus-
druck, die Eucharistie vor Übergriffen und Gedankenlosigkeiten zu schützen.
In diesem Zusammenhang wird über die Kommunion der Priester
im 4. Kapitel unter Punkt 3 wörtlich ausgeführt:
„97. Sooft der Priester die heilige Messe zelebriert, muß er am Altar zu dem vom Meßbuch festgesetzten Zeitpunkt kommunizieren, die Konzelebranten aber, bevor sie zur Kommunionausteilung gehen. Niemals darf der zelebrierende oder konzelebrierende Priester bis zum Ende der Kommunion des Volkes warten, bevor er selbst kommuniziert.“ (Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 158-160; 243-244; 246.)

Wenn die heimischen Liturgie-Bastler dies bewusst ignorieren, liefern sie den Gläubigen nicht nur ein schlechtes Beispiel, was das Einhalten von kirchlichen Regeln betrifft. Sie demonstrieren damit nicht nur, dass ihnen eigentlich schnurzegal ist, was allgemein gültig und beschlossen ist. Sie liefern nicht nur all denen Argumente, die ebenfalls machen, was sie wollen, z.B. unwürdig zur Kommunion gehen. Nein, sie stoßen damit auch ihre Priesterkollegen und ihren Bischof vor den Kopf, denn in dessen Verantwortung liegt die Einhaltung der litur gischen Normen in seinem Bistum. Wie soll er darauf reagieren?

Die meisten Bischöfe halten sich bedeckt.
Ob bei ihnen überhaupt der Wille besteht, auf die Einhaltung von gültigen Regeln zu drängen, weiß ich nicht. Im außerkirchlichen Bereich hätte es mit Sicherheit jede Menge Abmahnungen für die Bastler gegeben.
Im Internet findet sich meines Wissens lediglich 2005 eine klare Anweisung des Bischofs von Speyer im Amtsblatt:
„…Es geht nicht um Gängelung oder Rubrizismus, sondern um das rechte Verständnis dessen, was die Kirche tut und feiert. Wir feiern die Liturgie der Kirche, nicht die der Gemeinde oder des jeweiligen Pfarrers…Alle Bemühungen und Ermahnungen bleiben jedoch folgenlos, wenn eine Mentalität vorhanden ist, die alles aus Rom Kommende sofort als Störung von außen abwehrt oder es überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt; (wenn) – sich der Einzelne über die litur-gische Tradition und den Vollzug der Kirche verfügungsberechtigt fühlt und seine jeweiligen liturgischen Veränderungen, Streichungen oder Ergänzungen als gleichwertig betrachtet…“

Hier kommen wir zum eigentlichen Problem!
Der Priester hat möglicherweise gar nicht gründlich nachgedacht. Vielleicht will er mit der späten Priesterkommunion nur besondere Demut demonstrieren, indem er den anderen den Vortritt lässt?
Vielleicht hat er gar nicht verstanden, dass nicht er selbst im Mittelpunkt steht, sondern Christus! Wie will er in der Kommunion weiterschenken, was er nicht selbst zuvor empfangen hat?

Die Kirchenväter haben sich schon etwas dabei gedacht, wenn der Priester, der die feiernde Gemeinde vor Christus repräsentiert, selbst zuerst die Kommunion als Stärkung empfängt!
Die Priesterkommunion gehört ihrem Wesen nach zum absoluten Muss der Heiligen Messe, die der Gläubigen nicht – sie können im Gegensatz zum Priester den Leib Christi empfangen oder auch nicht.

So bleibt es bei Lichte betrachtet eigentlich nur Ahnungslosigkeit oder aber Selbstdarstellung und Wichtigtuerei, wenn ein Priester sich seine Messe selbst zurechtzimmert. Das ist in jedem Falle nicht nur bedauerlich, sondern eines Priesters unwürdig, der bei seiner Weihe hoch und heilig gelobt hat, ein gehorsamer Diener Christi und der Kirche zu sein. Die Heilige Messe ist doch keine Theater-Aufführung!

Die Instruktion im Wortlaut: >> BITTE KLICKEN !

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4 Kommentare:

Der Predigtgärtner hat gesagt…

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Anonym hat gesagt…

Ich finde, dass das wirklich nebensächlich ist und es in der Kirche viele wesentlich wichtigere Probleme gibt. und die ganze kleinliche Herum-Verordnerei aus Rom ist doch eine Farce, ...mich überrascht total, dass Sie so kleinlich sind...
mfg Frank

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Lieber Frank,

nicht umsonst gibt es die Kirchenweisheit
"Lex orandi, lex credendi" wie wir beten, so glauben wir. Das Hauptproblem in der Kirche ist der vedunstete Glauben und das verdunstete Glaubenswissen. Wodurch ist das entstanden? Schlampige Verkündigung, schlampige Liturgie in der Priester und Gläubige ihrer Mißachtung der kirchlichen Lehre und der Einbildung sie wüßten es besser als 2000 Jahre Kirche frönten.

Wer vierzig Jahre vom "heiligen Brot" schwafelt als Priester braucht sich nicht zu wundern, wenn niemand mehr zu einer Eucharistischen Anbetung kommt, oder an die Transsubstatiation glaubt. Denn jene leichtfertig ignorierten Vorschriften dienen dazu durch das rechte Tun den rechten Glauben in uns zu erwecken und zu erziehen.

MC hat gesagt…

Ich stimme Markus zu und würde es, im Sinne des Beitrages, sogar noch präzisieren: Wie wir mit dem Leib des Herrn umgehen, so glauben wir.
Zwei Beispiele seien hier genannt:
Vor Zeiten habe ich mal aus Ungeschicklichkeit eine geweihte Hostie bei der Kommunion fallengelassen. Ich habe sie natürlich sofort aufgehoben und kommuniziert, was ich bei Nahrungsmitteln sonst nie machen würde. Aber ich verging fast vor Sorge, was ich mit der Stelle machen sollten, wo sie runter gefallen war. Als ich einen älteren Messdienerkollegen fragte wurde ich beschieden: das ist nicht so schlimm, das passiert mir auch mal. Mea culpa habe ich es dann dabei belassen.

Ich habe mich auch mal mit einem Novizen über den angemessenen Umgang mit dem Allerheiligsten unterhalten. Er meinte drauf, man solle sich doch nicht so anstellen, beim letzten Abendmal seien die Brotkrumen auch auf die Erde gefallen.

Müssen wir uns da noch wirklich wundern.

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