Doch erst einmal der Reihe nach! - Das heutige Evangelium steht innerhalb einer ganzen Reihe von Gleichnissen. Es ist im Grunde die Fortsetzung vom vergangenen Sonntag. Da ging es um die beiden Söhne des Weinbergbesitzers und ihre Probleme mit dem Wörtchen „JA“, wenn Mithilfe im väterlichen Weinberg vom ihrem Vater erbeten wird.
Wir erinnern uns: „JA“ sagen und „JA“ tun ist noch lange nicht dasselbe. Für die Arbeit im Weinberg des Herrn werden Menschen gebraucht, die nicht nur reden, sondern die wirklich mithelfen, die anpacken.
Die Leute im heutigen Evangelium packen kräftig an, allerdings andersals erwartet. In seinem Gleichnis, das Jesus ausdrücklich an die religiösen Führer seiner Zeit und seines Volkes richtet, schildert Jesus einen ganz praktischen Fall: Ein Gutsbesitzer hat einen neuen Weinberg angelegt und dabei ganz offensichtlich alles gut und richtig gemacht. Ein Zaun rings um das Grundstück soll vor unerwünschten Erntehelfern schützen, also vor Tieren und vor allem vor Früchte-Dieben. Diese spezielle Art von Selbstbedienung war also damals schon bekannt. Sogar ein Turm wurde gebaut, der üblicherweise als zeitweilige Unterkunft für Erntehelfer diente, aber eben auch
zum rechtzeitigen Erkennen von Gefahr z.B. durch Überfälle.
Zur perfekten Grundausstattung, die den Pächtern dieses Weinbergs zur Verfügung gestellt wurde, gehörte auch eine große Kelter.
Offenbar war vom Besitzer an alles gedacht worden. Er hat es seinen Pächtern leicht gemacht, einen guten Ernte-Erfolg und damit einen ordentlichen Gewinn für sich selbst zu erzielen.
Was sie selbst einbringen müssen, ist ihrer Hände Arbeit, ihre Berufserfahrung, ihren Fleiß, also ihre tägliche Mühe zur Pflege des Weinbergs.
Damit stände eigentlich einer netten kleinen Geschichte mit einem harmonischen Ende nichts im Wege. Aber es gab natürlich ein Problem bei der Sache, und dieses Problem war in den Köpfen der Pächter. Wie das Wort „Pächter“ schon verrät, waren sie eben nicht die Besitzer des schönen Weinbergs. Der gehörte einem Gutsbesitzer, der offenbar viel im Ausland lebte, denn es heißt im Text ja ausdrücklich, dass er nach der erfolgten Ver-pachtung in ein anderes Land reiste.
Dazu müssen wir wissen, dass es ausländische Investoren nicht erst heute gibt. Zur Zeit Jesu gab es auch schon Großgrund-
besitzer in Israel, und ein Teil von ihnen wohnte außer Landes. Sie ließen die Pächter das Jahr über ungestört wirtschaften und holten sich üblicherweise jährlich zur Erntezeit die fällige Pacht durch eigene Bedienstete ab.
Was Jesus da erzählt, ist also gar nicht so ungewöhnlich für seine Zuhörer. Sie kennen das, und sie wissen auch, dass es immer mal wieder Zwischenfälle gab, bei denen sich die Pächter mit mehr oder weniger gutem Erfolg um die Zahlung der fälligen Abgaben drückten. Blutige Handgreiflichkeiten mit den Boten der Eigentümer waren zwar selten, kamen aber vor. Wenn ein Herr keine Erben hatte, konnte man als langjähriger Pächter sogar versuchen, dessen Besitz nach seinem Tod vor Gericht für sich zu beanspruchen.
Im heutigen Evangelium nimmt Jesus eine solche Auseinan-dersetzung über die fällige Pacht zum Anlass für sein Gleichnis. Die Winzer zeigen, zu was Menschen in ihrer Habgier und Verblendung fähig sind. Sie rotten sich zusammen, denn gemeinsam fühlen sie sich stark. Als der Besitzer die Pacht eintreiben will, spielen sie dessen Knechten übel mit: den einen verprügeln sie, den anderen bringen sie um, und den dritten steinigen sie.
Der Weinbergsbesitzer ist entsetzt. Er hat doch wirklich alles getan, damit es seinen Pächtern gut geht! - Mit solchem Undank hat er offenbar nicht gerechnet. So weit würden sie doch wohl nicht gehen, diese hartherzigen Winzer, die hier nicht näher beschrieben werden. Der Herr schickt jetzt einen weiteren Trupp seiner Boten in den Weinberg, vorsichtshalber sogar mehr als drei. Die Winzer kennen aber auch diesmal kein Pardon. Sie wollen dem Herrn seinen gerechten Anteil an der Ernte absolut nicht geben, auf gar keinen Fall!
Wieder gehen sie mit aller Brutalität gegen die Boten vor. Es ist ganz eindeutig, dass sie dabei gegen alles geltende Recht verstoßen, und das wissen sie auch ganz genau. Sie haben es darauf angelegt, dem Herrn ganz brutal seinen Besitz zu ent-
reißen. Sie wollen ihm nicht länger als ehrliche Pächter dienen. Dazu warten sie nur auf die beste Gelegenheit.
Als der Herr sogar seinen einzigen Sohn und Erben losschickt, packen sie genau diese Gelegenheit beim Schopfe, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Gewalt schleppen sie ihn aus dem Weinberg hinaus und bringen ihn draußen vor dem Zaun einfach um, ohne lange zu fackeln. Das haben sie sich vorher genau überlegt, als sie ihn kommen sahen.
Der Weinbergsbesitzer, offenbar ein sehr gütiger und geduldiger Herr, hatte bis zuletzt gehofft, dass sie wenigstens vor seinem eigenen Sohn den nötigen Respekt haben würden. Er wird aber schon wieder ganz bitter ausgerechnet von denen enttäuscht, mit denen er einen Pachtvertrag geschlossen hatte. Offenbar ist der für seine Pächter noch nicht mal das Papier wert, auf dem er steht. Unfassbar - sie fühlen sich als die eigentlichen Herren, obwohl sie nur ihm und seiner Unterstützung ihren gesicherten Lebensunterhalt verdanken.
An dieser Stelle des Gleichnisses stoppt Jesus seine Erzählung. Jetzt sind seine Zuhörer dran. Von ihnen fordert er eine Stellung-
nahme, indem er sie fragt: „Wenn nun der Besitzer des Wein-
bergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.“
Die klugen Schrift-gelehrten müssen da nicht lange überlegen. Kein Herr lässt sich auf Dauer ungestraft so auf dem Kopf herumtanzen. Seine Geduld als wirk-
licher Eigentümer hat irgendwann ein Ende. Es gibt einen Punkt, da geht es einfach nicht mehr. Zu viel ist inzwischen vorgefallen. Das Vertrauen in die Vertragspartner ist dahin.
Die Beziehung ist nicht nur in einer Krise, sie ist zutiefst gestört.
Die Schuldigen werden schließlich zur Rechenschaft gezogen, und neue Vertragspartner kommen zum Zug. Es gibt genug andere Winzer, die auf eine solche gute Gelegenheit warten.
Das weiß jeder, und auch für die Schriftgelehrten ist das keine Frage. So wird es kommen. Das ist klar.
Jesus wird nun deutlicher. Es geht in diesem Gleichnis um ihn selbst, um den einzigen Sohn Gottes. Er erinnert seine Ge-
sprächspartner an die Ankündigung im Alten Testament (Psalm 118,22), die sie kennen: „Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder?“
Ihn selbst haben die Bauleute ver-worfen.
Das heißt: Die Handwerker haben sich ihre behauenen Steine für den Hausbau sortiert. Der Eckstein ist der wichtigste von allen.
Er gibt nicht nur den Winkel für die Ausrichtung der Mauern an, sondern er trägt auch besonders viel Gewicht. Auf ihm ruht die ganze Statik des Hauses. Auf ihn kommt es an.
Die Bauleute – das sind die Führer des Volkes, die Schrift-
gelehrten. Sie lehnen Jesus ab, sie verwerfen ihn. Ihnen scheint er nicht geeignet zu sein. So einen Eckstein wollen sie nicht haben. Den Messias haben sie sich ganz anders vorgestellt.
Gott aber macht seine Ankündigung wahr. Jesus, der von den Winzern abgelehnte Sohn, der vor den Toren des Weinbergs ermordet wird – sprich: vor den Mauern Jerusalems auf dem Berg Golgotha gekreuzigt wird- , den bringt Gott in die richtige Position, den macht Gott in der Auferstehung zu seinem Eckstein, auf den er sein Reich baut. Dieser Stein Jesus Christus ist so gewaltig, dass jeder zermalmt wird, auf den dieser Stein herabstürzt.
Die Schriftgelehrten und wir alle mit ihnen haben dieses Gleichnis gehört. Aber nehmen wir es uns diese Warnung Jesu auch zu Herzen? - Gott hat immer wieder sein Volk eingeladen, in seinem Weinberg zu arbeiten. Immer wieder wird das Bild des Weinbergs in der Bibel verwendet, wenn es um die Mitarbeit der Menschen am Reich Gottes geht. Immer wieder hat Gott seine Boten geschickt, um die Menschen zu erinnern, sich bitte an die Vereinbarungen, an Gottes Gebote zu halten. Gott ist schließlich der Besitzer dieser Welt, und nicht die Menschen.
Propheten und Boten haben im Laufe der Geschichte daran erinnert, von denen, die in der Bibel aufgezählt sind bis hin zu Maximilian Kolbe, Mutter Theresa, Martin Luther King, Roger Schutz aus Taizé und vielen anderen mehr.
Wer da glaubt, das Volk Gottes sei der Herr der Welt, der irrt. Wer da glaubt, wir Pächter seien die Besitzer, der irrt.Gott erwartet,
dass wir ihm geben, was ihm allein zusteht. In Güte und Geduld wartet auf unseren persönlichen, freudigen Erntedank.
Die Frage muss sich jeder für sich selbst ganz ehrlich stellen: Welche Früchte meines Lebens gebe ich Gott?
- Stehe ich zu ihm in Treue, wie ich das versprochen habe?
- Höre ich auf das, was er mir zu sagen hat?
- Lebe ich in einer Grundstimmung der Dankbarkeit ihm gegenüber, dem ich mein Leben und alles verdanke?
- Oder schlage ich mich auf die Seite der dreisten Winzer,
die selbst Gott spielen wollen?
Der Tag wird kommen, an dem der Bote auch vor jedem von uns stehen wird, ausgeschickt vom Herrn der Ernte. Halten wir uns bereit, ihn nicht wie die bösen Pächter, sondern mit Freude zu empfangen.
Predigt aus Bamberg: „Unrecht Gut gedeiht nicht gut…“ (pdf)>> BITTE KLICKEN !
Predigt des Dompfarrers von Würzburg (pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Predigt Pfr. Josef Mohr: „Erntedank“
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Einige kurze Anregungen zu Erntedank
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