Mit den Ver-sprechungen hat auch die Mutter Kirche so ihre traurigen Erfahrungen machen müssen. Bei der Taufe wird von allen Eltern hoch und heilig vor Zeugen versprochen, das Kind im Glauben zu erziehen. Manche tun’s, manche sehen die Kirche auch erst wieder zur Erstkommunion ihres Kindes. Juristisch könnte man das als Vertragsbruch oder arglistige Täuschung bezeichnen. Manche wollten wohl nur eine feierliche Dienstleistung, also sagte man eben das als Bedingung er-
forderliche „Ja“. Das war’s dann aber auch. Auch das feierliche „Ja“ bei kirchlichen Hochzeiten und sogar bei Priesterweihen ist zuweilen ein solches „Ja“ bis auf Widerruf.
Es überrascht uns daher nicht, dass Jesus das Ja-Sagen auch immer wieder zum Thema macht. Er kennt die menschlichen Schwächen nur zu gut. Im heutigen Evangelium erleben wir ihn im Gespräch mit den Hohenpriestern und Ältesten seines Volkes.
Unmittelbar davor steht in der Bibel, dass Jesus im Tempel von Jerusalem lehrte. Da war er gewissermaßen in der Höhle des Löwen, nämlich direkt unter den Augen der religiösen Führer. Die ließen auch nicht lange auf sich warten, sondern sie inszenierten ganz bewusst ein Streitgespräch mit Jesus. Im Rahmen dieses Streitgespräches spielt das Gleichnis des heutigen Evangeliums. Jesus verlangt von ihnen dabei eine Stellungnahme zu einem konkreten Problem:
„Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er ant-wortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? - Sie antworteten: Der zweite.“
Der erste Sohn ist höflich und geradezu ehrfürchtig seinem Vater gegenüber. „Ja, mein Herr!“ heißt es bei ihm. Das soll heißen: „Klar, mit mir kannst du fest rechnen. Als dein Kind erfülle ich selbstverständlich deine Bitte!“ - Er weiß eben, was sich gehört. Zur Zeit Jesu ist der Vater im Orient eine Autoritätsperson. Was er sagt, das gilt, und was er von einem erwartet, das tut man auch!
Jesus schildert nun jedoch nicht weiter, warum dieser Sohn trotz seiner festen Zusage nicht in den Weinberg des Vaters geht. Egal, welchen Grund der Sohn auch haben mag – für Jesus spielt das gar keine Rolle. Wichtig ist nur, dass der Sohn zwar
JA sagt, aber NEIN tut.
Der Vater ist offenbar sehr enttäuscht darüber. Als er sieht, dass der Sohn sich einfach nicht in seinem Weinberg zur Arbeit blicken lässt, muss er als Familienoberhaupt handeln.
Wird er ihn zur Rede stellen?
Wird er ihm bittere Vorwürfe machen wegen seines undankbaren Verhaltens?
Wird er ihn bestrafen?
Nichts von alledem geschieht. Der Vater im Beispiel Jesu lässt seinem Sohn die freie Entscheidung auch dann, wenn sie gegen ihn selbst ausfällt. Aber er bleibt nicht untätig:Er macht etwas anderes: Jetzt ruft er seinen zweiten Sohn herbei und bittet diesen um Mithilfe.
Unfassbar für die damalige Zeit: Der junge Bursche lehnt es doch tatsächlich glatt ab, seinem Vater zu helfen. Der Sohn redet auch nicht drumherum. Er denkt sich keine klugen Sprüche aus, sondern er sagt einfach, wie es ist: „Ich will nicht!“ -
Ungeheuerlich ist das!
In den Zehn Geboten, die jeder Jude ganz genau kennt, steht schließlich auch, dass man die Eltern ehren soll! Ob der Herr Sohn nicht weiß, was er seinem Vater mit dieser Verweigerungs-
haltung antut?
Auch hier passiert zum Erstaunen der Zuhörer Jesu offenbar nichts. Der Vater müsste nach dem Empfinden der Zeitgenossen Jesu knallhart reagieren, etwa nach dem Motto: „So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…“!
Er könnte ihm dafür glatt das Haus verbieten. Mancher Vater hätte vielleicht in seinem Zorn sogar damit gedroht, ihn zu enterben.
Dieser Vater jedoch ist unbegreiflich gütig, auch wenn ihm seine Söhne sehr weh tun. Geduld scheint eine seiner wichtigsten Eigenschaften zu sein, neben einer riesigen Portion Liebe.
Und siehe da: Die Geduld des Vaters zahlt sich tatsächlich aus. Der zweite Sohn denkt offenbar schon bald gründlich über sich und sein Verhältnis zum Vater nach. Keine einfache Situationfür ihn! Sein liebloses, bockiges Verhalten tut ihm jetzt sehr leid. Er bereut seine Ablehnung und nimmt allen Mut zusammen.
Er kehrt um und macht sich auf den Weg. Er geht schnurstracks in den Weinberg, genau an den Platz, wo ihn sein Vater braucht.
Die Schriftgelehrten stehen jetzt vor der Frage, wer von den beiden Söhnen den Willen des Vaters erfüllt hat. Das ist nun wirklich kein großes Problem, das Jesus ihnen da vorlegt, denken sie. Das ist doch sonnenklar: Der zweite Sohn natürlich! Er hat doch schließlich nach einigem Nachdenken die Richtung geändert, er hat bereut und schließlich noch früh genug getan, was der Vater von ihm erwartete.Genau das wollte Jesus von ihnen hören. Sie haben selbst mit ihrer Antwort gleichzeitig das Urteil über den ersten Sohn und damit über sich selbst gesprochen. Der erste hat sich nicht wie ein wirklicher Sohn benommen und den Vater durch sein Verhalten beleidigt.
Jesus wird nun ernst und feierlich, denn er beginnt seine weiteren Erklärungen mit: „Amen, das sage ich euch“ - Das heißt: Jetzt kriegt ihr es von mir ganz offiziell und amtlich. Da kriegt ihr Brief und Siegel drauf. Das könnt ihr euch hinter die Ohren schreiben.
Was er dann sagt, ist hart: „Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.
Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.“
Das soll heißen: Ihr seid genau solche JA-Sager, die zwar tagtäglich voll-mundig vom Willen des Vaters reden, seinen Willen aber nicht wirklich tun! Gott hat mit euch einen heiligen Bund geschlossen, mit euch, seinem Volk.
Ihr aber ehrt ihn nur mit dem Mund.
Ihr predigt Wasser, aber ihr selber trinkt Wein! Was ihr macht, das ist so etwas ähnliches wie Ehebruch, denn ihr habt Gott die Treue versprochen. Wenn ihr den Willen des Vaters tun wollt, dann macht es wie die Zöllner und Sünder, die auf Johannes den Täufer gehört haben:
Kehrt um!
Als sie das von Jesus hören mussten, ist seinen Diskussions-
partnern sicher die Zornesröte ins Gesicht gestiegen. Da kommt dieser Rabbi aus irgendeinem kleinen Provinznest und will uns hier belehren! - Und was er uns da auf den Kopf zu sagt, das schlägt doch jedem Fass den Boden aus – eine Frechheit
ist das!
Diese Religions-Funktionäre haben nichts kapiert. Sie sind
sich ihrer Sache einfach so sicher, als hätten sie alle mit Gott persönlich gerade noch am Frühstückstisch gesessen.
Die Umkehr-Aufforderung des Täufers haben sie in den Wind geschlagen, und mit Jesus machen sie es genau so. Dass Jesus der erwartete Messias ist, das kommt ihnen absolut nicht in den Sinn. Johannes der Täufer ist zu diesem Zeitpunkt schon er-
mordet, und für diesen unbequemen Jesus wird sich die Lage bald auch dramatisch zuspitzen!
Die frommen Experten im heutigen Gleichnis sind empört: Das ist ja wohl die Höhe, uns mit Zöllnern und Dirnen zu vergleichen. Nicht nur das: sie werden uns sogar vorgezogen. Wenn Jesus sagt, dass diese eher in das Reich Gottes kommen als die super-frommen Schriftgelehrten, dann heißt das eigentlich im Originaltext wörtlich übersetzt: „Sie gehen euch voran!“ – Heute würde man vielleicht sagen: die haben euch ganz klar abgehängt, die haben euch glatt überrundet!
In den Augen seines Volkes ist ein jüdischer Zöllner zur Zeit Jesu jedoch ein Schmarotzer. Er arbeitet mit den verhassten Römern zusammen und kassiert seine Landsleute ab. Mit solch einem Halunken will niemand etwas zu tun haben. Für ihn gibt es nur allgemeine Verachtung, da ist man sich einig. Und wenn die römischen Soldaten nicht in Rufweite wären, würde man ihm gelegentlich gerne mal zeigen, was man wirklich von ihm hält. Zöllner sind einfach der Inbegriff eines Sünders. So lautet ja auch ein Vorwurf an Jesus, dass er sich „mit Zöllnern und Sündern“
(Lk 5,27-32) an einen Tisch setzt.
Besonders verabscheuungswürdig in den Augen der Frommen ist dabei, dass solch ein Zöllner gewissermaßen ein Wieder-
holungstäter ist, also ein notorischer Verbrecher. Er kann sich nicht damit herausreden, dass sein Fehltritt ein einmaliger Ausrutscher ist. Er tut es schließlich immer wieder. Man könnte sagen, er hat sich praktisch an die heidnischen Römer verkauft.
Das gilt natürlich auch für die moralische Beurteilung der Dirne. Sie verkauft sich sich selbst, ihren Körper und eigentlich damit auch die gültigen Regeln ihres jüdischen Glaubens. So wie der Zöllner sagt sie durch ihr anstößiges und öffentlich bekanntes Verhalten Nein zu Gott und seinen klaren Geboten. Gewissermaßen ver-unreinigt sie den Bund mit Gott, weil sie mit ihrem Verhalten oft genug in die Ehe anderer regelrecht einbricht. Das Band der Ehe ist gebrochen! Sie sagt dadurch ganz konkret Nein zu Gottes Bitte, in seinem Weinberg zu arbeiten.
Warum aber sollen solche Menschen nach der Aussage Jesu eher in das Himmelreich gelangen als viele Hohenpriester und Schriftgelehrten? Ihr übler Lebenswandel kann es ja nicht sein!
Nein, viele von diesen Außenseitern der Gesellschaft haben etwas getan, was etliche der Berufsfrommen nicht gemacht haben. Zöllner und Dirnen sind sich vielfach bewusst, in welcher miesen Lage sie sind, auch Gott gegenüber. Sie wissen meistens durchaus, dass sie versagt haben. Versagt nicht nur gegenüber der Gemeinschaft. Sie haben ganz konkret zu einem Leben nach Gottes Willen Nein gesagt.
Dieses Nein hat viele von ihnen irgendwann nicht mehr in Ruhe gelassen. Etliche haben sich aufgerafft und sind mit in die Wüste gewandert, zu dem berühmten Propheten Johannes. Und Jo-
hannes der Täufer hat sie wachgerüttelt: Schaut doch, was ihr aus euch und eurem kostbaren und einmaligen Leben gemacht habt! Lebt so ein Gotteskind? - Lasst es nicht bei eurem Nein! - Bereut endlich euer Verhalten und kehrt um zum Vater, der euch unendlich liebt!
Das heutige Gleichnis ist hart für die Schwätzer, die nur so tun als ob. Sie sagen JA und handeln NEIN. Ihr Leben ist ein ent-
schiedenes JEIN!
Klar, sie achten streng auf die religiösen Vorschriften und beten Tag für Tag im Tempel, was das Zeug hält. Das ist ihr JA. Aber sie verweigern Gott im Alltag die Gefolgschaft. Das ist ihr NEIN.
In Johannes und in Jesus sehen sie nur Störenfriede, nur Kritiker, die ihnen gefährlich werden können. Sie sind blind gegenüber dem, was Gott will.
Das Gleichnis Jesu ist aber auch ein großer Trost und eine Freude. Es stellt Gott vor als den geduldigen, liebenden Vater.
Er lässt seinen Kindern die Freiheit, sich zu entscheiden. Seine Bitte ist zwar herzlich und dringend, aber er setzt sie nicht mit seiner Macht und Autorität durch.
Nur wer verstanden hat, wie sehr Gott liebt, der kann auch über seinen eigenen dunklen Schatten springen. Egal, ob Zöllner oder Dirne oder sonst ein Sünder: Wer sich Gott öffnet, der kann sein NEIN immer noch korrigieren. Jeden falschen Weg kann man auch wieder zurückgehen, um auf den richtigen Weg zu kommen. Jesus bestätigt es mit diesem Gleichnis ausdrücklich für alle: Der Vater im Himmel traut seinen trotzigen Kindern die Umkehr zu.
Er weiß, dass unter den NEIN-Sagern viele sind, die durch un-
günstige Umstände auf den falschen Weg geraten sind. Er weiß, dass da viele Menschen sind, die den Überblick verloren haben.
Jesus weiß: ein NEIN ist nicht immer wirklich ein NEIN. Es ist manchmal auch ein JA, das nur noch nicht fertig ist.Ein JA, das erst regel-
recht aufgeweckt werden muss.
So manches NEIN war unüberlegt und voreilig, einfach nicht zu Ende gedacht. Ganz praktisch heißt das: Gott wartet, er wartet immer noch! Er möchte, dass alle umkehren zu einem ent-
schiedenen JA!
Dazu lädt Gott alle seine Kinder ein, auch Zöllner und Dirnen, einfach alle. Auch die Geschiedenen, auch die aus der Kirche Ausgetretenen, auch die, die sich nur alle Jubeljahre in der Kirche blicken lassen. Auch die, die es sich so schwer machen mit Gott, die um ihren Glauben ringen.
Für Gott gibt es offenbar keine aussichtslose Situation.
Das Wunder der Umkehr geschieht immer wieder. Da ist der Drogenabhängige, der mit nach Medjugorje fährt und von seinen Fesseln befreit wird, da ist der Schläger auf St.Pauli, der zum Sozialarbeiter wird. Da ist der Fabrikbesitzer und Millionär
Hubert Liebherr, der alles aufgibt, um ganz für Jesus zu leben.
Es gibt wahre Lebensgeschichten, die sind schon fast un-
glaublich - unglaublich toll!
Diese und viele, viele andere haben sich aufgerafft. Ihr Beispiel bestätigt das heutige Gleichnis Jesu: Nutze deine Chance -
mach dich auf die Socken und kehre um. Komm doch heim!
Gott wartet mit offenen Armen auf dich, heute noch!
Predigt Prof. Dr. Gerd Theisen: „Eine Testgeschichte für unsere Moral“ (pdf) >> BITTE KLICKEN !Predigt Pfr. Werner Sirch: „So ist das Leben“ (pdf)
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Predigt Pfr. Matthias Krieser: „Wer Gottes Willen tut, wird selig“
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Predigt Pfr. Winfried Klotz: „Das Gleichnis von den beiden Söhnen“ >> BITTE KLICKEN !
Predigt Pastor Andreas W. Lüdtke: „Im Prinzip ja, aber…“
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Aus der Kirche ausgetreten? – Wie man wieder hineinkommt…
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Weitere Infos zum Wiedereintritt beispielsweise hier
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Kath. Landvolkbewegung: Materialien für Erntedank 2011
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Kindergottesdienst-Tipps für Erntedank (2.Okt. 2011)
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Gottesdienstvorschlag Erntedank (KLB Münster / 14. S. pdf)
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Materialien der Liturgiebörse zu Erntedank
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Mein Buchtipp zu Erntedank-Gottesdiensten
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Erntedank-Broschüre der KLB Bayern (24 S. pdf)
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„Ihre Heilung haben Sie dem Herrgott und auch Ihrer robusten Natur zu verdanken" , klärt der Arzt den alten Bauern nach schwerer Krankheit auf. „Gut, dass Sie das so sagen, Herr Doktor. Ich hoffe, Sie be-
rücksichtigen diesen Tatbestand auch bei Ihrer Rechnung", erwidert schmunzelnd der sparsame Patient.
Warum steht ein Ostfriese am Hamburger Hafen und wirft Steine ins Wasser? - Weil da ein Schild steht: ,,Deutsche Werft"
Und warum laufen die Ostfriesen vor Weihnachten tagelang ohne Gebiss rum? - Weil die Frauen es zum Plätzchen ausstechen brauchen!
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