18.10.2011

30. Sonntag im Jahreskreis A - 23.10.2011

(Fortsetzung)

Nicht nur die Papier-Sintflut der Euro- päischen Union ist gewaltig und sorgt regelmäßig für den Zorn der Betroffenen. Auch unsere katholische Kirche hat, was Paragraphen betrifft, allerhand zu bieten, vom dicken Katechismus bis zum Amtsschimmel, der auch mit katholischer Stimmlage kräftig wiehern kann… Aus den Zehn Geboten war jedenfalls bis zur Zeit Jesu eine gewaltige Sammlung von Richtlinien geworden. Nicht jeder hatte die Zeit und die Mög- lichkeit, um all das zu beachten. Die Frage, mit der im heutigen Evangelium der Gesetzeslehrer an Jesus herantritt, ist also wirklich von brennendem Interesse: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“

Natürlich ging es dem Gesetzeslehrer hier nicht nur um eine pure Sachauskunft. Er wollte Jesus vielmehr auf die Probe stellen. Würde Jesus mit seiner Antwort etwa wichtige und unwichtige Gebote unterscheiden? - Dann könnte man ihm schnell vorwerfen, eine Auswahl nach persönlichem Geschmack zu treffen. Das aber durfte sich kein frommer Jude erlauben, denn damit würde man die Ehre Gottes schmälern. Alle Gebote waren schließlich verpflichtend einzuhalten.

Jesus hört sich diese Frage ruhig an, ohne den Gesetzeslehrer zu tadeln. Er sieht natürlich die ausgelegte Falle, aber er sieht auch, wie wichtig diese Frage ist. Man könnte fast sagen, er ist dankbar für diese Frage. Genau genommen wird er nicht nach dem größten Gebot gefragt, sondern nach dem „großen“ Gebot, also gewisser- maßen nach dem Zentrum der Heiligen Schrift, nach der Mitte der Thorah. Der Frager will im Grunde wissen, was in diesem gewaltigen Konzert wirklich die erste Geige spielt. Was gibt wirklich den Ton an?

Die Antwort Jesu fällt, wie so oft, gründlicher aus, als der Fragesteller es erwartet hat. Jesus zitiert zuerst das Gebet, das bis auf den heutigen Tag jeder fromme Jude morgens und abends betet (vgl. Dtn 6,4-9): Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.“ - Mit dieser Antwort zeigt Jesus seinem Gesprächspartner sofort, wie fest er als Rabbi auf dem Boden der jüdischen Religion steht. Er stellt gleichzeitig damit klar, dass Gott im Alten Testament diese Frage bereits eindeutig und unmissverständlich beantwortet hat. Also nicht eine Art private Auslegung ist das, was er da sagt, sondern anerkanntes Wort Gottes.

Mit diesem Teil seiner Antwort hat Jesus dem Frager natürlich sämtlichen Wind aus den Segeln genommen. Die Antwort steht doch längst fest, will Jesus damit demonstrieren. Für uns heute ist es gut, sie sich genau in Erinnerung zu rufen. Es heißt ausdrücklich „mit ganzem Herzen“ und „mit ganzer Seele“ . Das heißt doch, wir sollen uns mit allem, was wir haben, ganz auf Gott hin ausrichten! Er ist der Punkt, auf den wir uns hin orientieren sollen. Nur er führt uns zum Ziel unseres Lebens.

Seele, das ist die Lebenskraft des Menschen, sein ganzes Ich. So sagen wir schon mal lobend über jemanden: „Der ist eine Seele von Mensch!“ Solch ein Mensch ist herzensgut und gibt wirklich alles her. - Es geht auch in der Beziehung zu Gott um mein Innerstes, um mein ganzes Herz, so wie ich bin. Bei einem Schiff heißt das Kommando oft „Alle Kraft voraus!“, und die Maschinen stampfen mit höchstmöglicher Leistung los. So sollte es auch bei uns selbst sein.

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Daran erinnert Jesus. Er erinnert daran, dass es bei der Beziehung zwischen Gott und Mensch nicht um einen Vertrag aus Papier geht. Es geht um viel mehr, es geht auch um alle Kraft voraus. Es ist eine Liebesbeziehung im besten Sinne des Wortes. Gott schenkt den Menschen seine große Liebe. Man könnte fast sagen: Er hat sich in seine Menschen verknallt. Nach seinem Bild hat er sie geschaffen, und sie liebt er so sehr, dass er sich für sie in der Krippe ganz klein gemacht hat. Dieser liebende Gott, so meint es Jesus, will von uns kein Almosen, keine fromme Sonntags-Soße über einen ansonsten gottlosen Alltag. Er will mit uns leben, will Tag für Tag bei uns sein.

Und wir? - Es ist hier wie bei jeder Liebe: Halbe Sachen bringen da nur Schmerz und Kummer. Wer wirklich liebt, der will auf’s Ganze gehen, der spürt nicht nur einen Schmetterling im Bauch, sondern ganze Schwärme davon!

Wer schwer verliebt ist, dessen Gedanken drehen sich ständig um den geliebten Menschen, ohne dass ihn jemand dazu verpflichten muss. Er kann im Grunde gar nicht anders! So meint es auch Jesus vom Gebot der Gottesliebe: Wenn Gott zum Dreh- und Angelpunkt deines Lebens geworden ist, dann gibt es kein quälendes Muss Gott gegenüber, sondern nur Dankbarkeit und Glück.

Dem sprachlosen Gesetzeslehrer und auch uns fügt Jesus seiner Antwort noch etwas hinzu: „Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.“ Wörtlich übersetzt heißt es eigentlich: „das zweite aber ist ihm gleich“.

Das bedeutet: Mit dem Gebot der Nächstenliebe wird das Gebot der Gottesliebe näher erläutert. Es ist gewissermaßen wie bei einer Münze die zweite Seite. Gottesliebe geschieht also nicht im luftleeren Raum. Sie wird konkret, sogar sehr konkret, manchmal sogar richtig un-angenehm konkret! - Natürlich erinnern wir uns auch an Gleichnisse wie das vom barmherzigen Samariter. Das ist Nächstenliebe – ganz handfest! - Wer Gott lieben will, der soll dies also tun über die Liebe zum Mitmenschen, sagt uns Jesus mit aller Deutlichkeit. Man kann nicht Gott lieben und gleichzeitig Menschen verachten oder links liegen lassen. Die Gottesliebe gibt’s eben nur im Doppelpack, immer zusammen mit der Nächstenliebe.

Nicht nur ich bin von Gott geschaffen, angenommen und geliebt, sondern mein Mitmensch auch. Es kann dabei durchaus sein, dass mir seine Nase nicht passt. Sicher finden sich mühelos auch genügend Leute, denen es mit mir ebenso geht. Wir sind eben, wie wir sind. Alle sind nämlich Gottes Originale und keine billigen Kopien. Ob Gott ein bisschen geschmunzelt hat, als er mich geschaffen hat – ich weiß es nicht…! Jedenfalls können wir uns den Nächsten nicht malen, wie wir ihn gerne hätten. Edith Stein formulierte es so: „Der Nächste ist nicht der, den ich mag. Es ist jeder, der mir nahe kommt, ohne Ausnahme.“

Jesus sagt das Ganze freundlich, aber be- stimmt. Er droht nicht und schimpft nicht, sondern er informiert. Er sagt: So ist das mit der Gottesliebe, so und nicht anders! Darauf baut alles auf, daran hängt alles. Alles andere wird davon angestoßen, so wie bei einer Kettenreaktion. Der Weg zu Gott geht nur über die Menschen. Anders ist es von Gott nicht vorgesehen! Das ist so einleuchtend einfach, dass sich niemand herausreden kann. Der Humorist Mark Twain bemerkte deswegen einmal: „Mir machen nicht die Stellen der Bibel Sorgen, die ich nicht verstehe, sondern die, welche ich verstehe!“

Gerade hier besteht aber auch eine Gefahr: Man kann wie so oft im Leben auch dabei das Kind mit dem Bade ausschütten! - Jesus sagt nicht nur: „Liebe deinen Nächsten!“ - Er sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ Das heißt: Die Liebe zu deinem Nächsten sollte dir so selbstverständlich sein wie die Liebe zu dir selbst! - Jeder von uns isst und trinkt, um wieder Energie zu bekommen, und jeder von uns weiß, dass man unbedingt genug schlafen muss, um die Batterie unseres Körpers wieder aufzuladen. Wir achten selbstverständlich darauf, dass wir uns gesund erhalten und gehen Gefahren aus dem Wege, wo immer dies möglich ist. Wenn wir uns vernünftig verhalten und unsere Kräfte nicht überschätzen, wird es uns unser Körper danken.

In einer von Egoismus und Ellenbogen-Mentalität geprägten Gesellschaft kommt gerade bei manchen beson- ders engagierten Christen eine verständliche Scheu auf, es sich auch selbst gut gehen zu lassen. Eifrige Seelsorger und Laienchristen sind dadurch auch immer in der Gefahr, den Nächsten deutlich mehr zu lieben als sich selbst. Irgendwann sind sie dann vollkommen erschöpft und ausgebrannt. Womöglich erkranken sie ernsthaft, oder sie ziehen sich frustriert zurück. Inzwischen gibt es meterweise Bücher dazu, warum und wie man als Christ auch auf seine Kräfte achten sollte. Merke: Wenn wir auf der Nase liegen, haben weder wir selbst noch unsere Nächsten oder Gott etwas davon.

Wer gelernt hat, sich selbst zu akzeptieren, mit allen Fehlern und Schwächen, dem fällt es auch leichter, den Nächsten zu akzep- tieren, der ebenfalls seine Ecken und Kanten hat. Sie wissen ja sicher, warum wir alle zwei Augen haben: Das ist so, damit wir schon mal eines davon zudrücken können!

Jesus lädt uns auch mit dem heutigen Evangelium ein, uns immer wieder neu auf die Mitte, auf das Zentrum unseres Glaubens und Lebens zu konzen- trieren. Wir alle sind die unendlich geliebten Geschöpfe Gottes. Täglich neu dürfen wir uns von seiner Liebe beschenken lassen. Wenn wir dieses Geschenk in seiner Größe begreifen lernen, brauchen wir nicht mehr zu fragen: Muss ich dieses tun? Muss ich jenes lassen?

Wie von selbst, wie das bei Verliebten so üblich ist, werden wir immer wieder hinhorchen und Gott fragen: Was möchtest du von mir? Was darf ich für dich tun? Womit kann ich, so gut ich es eben kann, deine Liebe erwidern und dir eine Freude machen?

Die langen Löffel

Ein Rabbi kommt zu Gott: „Herr, ich möchte die Hölle sehen und auch den Himmel." – „Nimm Elia als Führer" spricht der Schöpfer, „er wird dir beides zeigen."
Der Prophet nimmt den Rabbi bei der Hand. Er führt ihn in einen großen Raum. Ringsum sitzen Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlich duftenden Gericht. Alle sind pausenlos damit beschäftigt, mit ihren langen Löffeln aus dem Topf zu schöpfen. Aber die Menschen sehen mager aus, blass und elend. Kein Wunder: Ihre Löffel sind zu lang. Sie können sie nicht zum Munde führen. Immer geraten sie mit den langen Stangen aneinander. Das herrliche Essen ist nicht zu genießen.
Die beiden gehen hinaus. „Welch seltsamer Raum war das?", fragt der Rabbi den Propheten. „Die Hölle!" lautet die Antwort.


Sie betreten einen zweiten Raum. Alles ist genau wie im ersten. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber - ein Unterschied zum ersten Raum fällt sofort auf: Diese Menschen sehen gesund aus, sind gut genährt und glücklich.
„Wie kommt das?" - Der Rabbi schaut genau hin. Da sieht er den Grund: Diese Menschen schieben sich die Löffel nämlich gegen- seitig in den Mund, sie geben einander zu essen. Da weiß der Rabbi, wo er ist. (Quelle: unbekannt)


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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf) >> BITTE KLICKEN !

Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf) >> BITTE KLICKEN !

Predigt P. Werner Schwindt SJ (pdf) >> BITTE KLICKEN !

„Wie hoch wäre denn mein Gehalt?" fragt der Lehrling als erstes. „480 Euro, später natürlich mehr", sagt der Personalchef. - „Gut, wenn das so ist, dann komme ich später wieder.“

Ein Türke stirbt und kommt in den Himmel. Am Himmelstor klopft er, und Petrus macht auf. „Ich will zu meinem Propheten Moham- med“, sagt der Türke. – „Da musst du weiter nach oben steigen!“ - Der Türke steigt die Himmelsleiter höher und kommt ans nächste Tor. Er staunt nicht schlecht: Jesus persönlich macht auf. - „Ich will zu meinem Propheten Mohammed“, erklärt er wieder. - Jesus sagt: „In Ordnung, da musst du noch höher steigen!“ - Der Türke steigt also noch etwas weiter empor und kommt schließlich ans letzte Tor. Unglaublich: Gottvater selbst öffnet ihm. -Der Türke sagt leicht verlegen: „Ich will bitte zu meinem Propheten Mohammed.“ - Gott nickt wohlwollend und sagt zu dem Türken: „Komm doch erst mal rein und ruh dich etwas aus. Wir trinken erst einen Kaffee, und dann sehen wir weiter!“ Der Türke tritt erwartungsfroh ein. Gott dreht sich jetzt um, klatscht zweimal in die Hände und ruft: „Mohammed, zwei Kaffee bitte…!“

KINDERLOGIK
Die kleine Maria sieht in der Kirche die digitale Liednummern- anzeige. Sie fragt ihre Mama: "Gibt es in der Kirche auch ein Fieberthermometer?"

Folgende aktuelle Dateien stehen für Sie zum Herunterladen bereit (die Links funktionieren bis etwa 20.11.2011, danach per E-Mail bei mir anfordern):

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