11.10.2011

Mitgliederschwund bei Brasiliens katholischer Kirche - aber die Hintergründe sollte man kennen...

(Fortsetzung)

Insbesondere zahlreiche evangelische Pfingstkirchen, die wie Pilze aus dem Boden schießen, stoßen bei vielen Brasilianern auf großes Interesse. Kein Wunder, denn hier geht es nicht so liberal zu wie bei den Katholiken, sondern hier wird richtig geklotzt: Überall im Lande findet man Prediger, die mit großem Erfolg ihre eigene Kirche gegründet haben und ihren Anhängern Reichtum, Gesundheit und ein Leben im Himmel versprechen.
Gegen reichlich Bares (Mindestspende umgerechnet etwa 10 Euro) wird z.T. sogar die Heilung von Krebs oder AIDS ver-
sprochen. Kein Wunder also, dass einige der selbsternannten Kirchenführer schon ein Verfahren wegen Betrug oder Steuer-
hinterziehung am Hals haben. In manchen der Pfingstkirchen wird ganz strikt der Zehnte des monatlichen Einkommens kassiert, da kommen schon ein paar Milliarden zusammen.
Und dieses Geld wird zu einem großen Teil clever in Unter-
nehmen wie Radio-Stationen und Druckereien angelegt, aber auch die Führer selbst kommen wohl nicht zu kurz. Viele von ihnen haben einen netten (Zweit-)Wohnsitz in den USA. Jedenfalls sind der täglichen massenhaften Propaganda durch die Medien alle Tore weit geöffnet…
Wer einmal einen großen Gottesdienst solcher Sekten beobachten durfte, der weiß, was Massen-
suggestion ist. Bis zu 6.000 Leuten wird da mental eingeheizt, und ständig wird ganz fleißig Geld eingesammelt.
Um dort „Priester“ zu werden, genügt viel Engagement, eine beeindruckende Lebensgeschichte und ein sechsmonatiger Intensivkurs – fertig ist der Prediger. Ein klares, strenges Menschenbild und viel soziale Nähe, das ist es, was besonders viele ärmere Brasilianer anspricht.
Bemerkenswert ist auch, wie es zu einem solchen rasanten Anwachsen der Sekten kommen konnte. Gerne wird in Europa vergessen, dass mit Hilfe der amerikanischen CIA 1964 ein diktatorisches Regime in Brasilien an die Macht kam, dem die äußerst kritische Kirche ein Dorn im Auge war. So finanzierte man aus den USA großzügig jene Sekten in Brasilien, um die katholische Kirche zu schwächen. Das Regime ging brutal
gegen Kritiker vor, und viele verschwanden spurlos.
Die Folterer in manchen Gefängnissen wurden übrigens z.T.
vom US-Militär ausgebildet…
Wie man sich denken kann, fordert Brasiliens Bischofskonferenz seit Jahren vergebens, endlich die geheimen Regierungsarchive zu öffnen, um die damaligen Machenschaften offenzulegen.
Die Sekten konnten jedenfalls mit dickem Finanzpolster aus den USA immer mehr Zulauf verzeichnen, boten sie doch auch sozia-
le Hilfen für ihre Mitglieder und versprachen den Schwachen das Blaue vom Himmel. Und da in Brasilien alle Religionsgemein-
schaften ohne besondere Prüfung Steuerfreiheit genießen, kann jeder nach Belieben eine eigene Kirche aufmachen und damit auch noch satte Gewinne erzielen.

Ja, die katholische Kirche in Brasilien steckt in einer Krise.
Die Ursachen sind jedoch komplexer, als mancher hier meint.
Auch in Rom ist man durchaus besorgt, für die Kirche könne es in Brasilien noch dramatischer werden, wenn die Sekten weiter so aggressiv vorgehen. Der nächste Weltjugendtag beispiels-
weise ist deshalb für 2013 in Rio de Janeiro vorgesehen…

- Sektenprediger: Katholische Kirche ist vom Satan
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7 Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Danke!

P.Gregor hat gesagt…

Hervorragend auf den Punkt gebracht - Kann ich nur bestätigen. Die Pfingstler tun Gutes, aber sie verteufeln die Katholische Kirche.
Da ist viel Geld im Spiel für antikirchliche Propaganda!

Anonym hat gesagt…

Mir hat einmal ein venezuelanischer Priester gesagt, dass sie über Jahrzehnte in der Priesterausbildung regelrecht geschlafen haben. Nach einigen negativen Erfahrungen mit einheimischen Priestern liess man's eben bleiben und holte eben Missionare aus Europa. Wie's in Brasilien aussieht, weiss ich nicht. Dürfte aber interessant sein, einmal nachzufragen.
Wie weit eine Theologie à la Boff ihr Irrlicht verbreitete wäre ebenfalls zu überprüfen.

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Liebe Blogger-Kollegin,
warum so aufgeregt? Nirgendwo habe ich behauptet, dass Sie über den Zölibat geschrieben haben. Ich habe allerdings den Verdacht geäußert, dass mit Ihrem Beitrag unterschwellig demonstriert werden sollte, was der von Rom verordnete Zölibat in Brasilien anrichtet...
Wenn Sie meinen Beitrag genau lesen, können Sie zur Kenntnis nehmen, dass es in Brasilien keinen so pauschalen Priestermangel gibt, wie von Ihnen zitiert. Die Aussage mit dem Priester aus der weit entfernten Stadt, "der vielleicht einmal im Jahr vorbeikommt", ist ein an den Haaren herbeigezogenes Extrem und mag für ganz entlegene Dörfer gelten.
Deshalb habe ich Bischöfe zitiert, die klarstellen, dass es den Priestermangel so nicht gibt. Den deutschprachigen Raum mit seinen Problemen mit Brasilien und den aggressiven Sekten in einen Topf zu werfen, kann ich nicht nachvollziehen.

Anonym hat gesagt…

"Stimmungsmache", wie Bloggerin Ameleo es dem Predigtgärtner vorwirft, betreibt sie selbst. - Warum veröffentlicht sie ihren Artikel, wird man fragen dürfen. Sie behauptet, in Brasilien käme ein Priester "vielleicht einmal im Jahr vorbei".
Auf welchem Planeten lebt die Dame eigentlich?

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Eine Bitte: Oft ist es eine Bereicherung, wenn man verschiedener Meinung ist. Bitte aber immer respektvoll im Ton bleiben. Ich möchte Kommentare, auch anonyme, möglichst nicht löschen ...!

Giorgio hat gesagt…

endlich einmal Klartext zur dubiosen Rolle der USA und ihrer Instrumentalisierung der "Freikirchen"- Danke!

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