14.10.2011

Neu-Evangelisierung: "Paukenschlag" in Rom mit 8.000 Teilnehmern - und danach außer Spesen nichts gewesen... ???

(Fortsetzung)

Wenn dies nun mit und nach der Konferenz in Rom energischer als bisher angegangen werden soll, ist damit allerdings vom zuständigen Päpstlichen Rat nicht gemeint, es solle nun ein Rückeroberungskrieg organisiert werden, um verlorene Schäfchen wieder einzusammeln. Es geht auch nicht um eine bloße von Theologie-Experten vor Ort umzusetzende Wiedereintritts-Kampagne in die Kirche. Die Neu- evangelisierung will gewissermaßen die Schatztruhe unseres Glaubens neu für Menschen öffnen, denen der Schlüssel dazu verlorengegangen ist. In der Konferenz in Rom werden deshalb auch Projekte vorgestellt, mit denen schon erfolgreich neues Interesse für den Glauben gewonnen werden konnte. Als eine weitere Maßnahme auf diesem Wege ist auch eine große Initiative in der Fastenzeit 2012 in Vorbereitung, bei der eine „Stadtmission“ in 11 europäischen Großstädten statt- finden wird, z.B. in Köln und in Wien.

Den Verantwortlichen in Rom und anderswo ist durchaus bewusst, dass Neuevangelisierung erst einmal „Selbst- evangelisierung“ voraussetzt. Bereits Johannes Chrysostomos (344 – 407 n.Chr.) schrieb dazu ganz eindringlich: „Es gäbe keine Heiden, wenn wir wahre Christen wären… Aber: Dem Geld huldigen wir genau wie die Heiden. Vor dem Tod haben wir Angst wie sie. Armut fürchten wir wie sie… Wie sollen sie vom Glauben überzeugt werden?“ – Papst Paul VI. hatte es so ausgedrückt: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte…“

Hier freilich liegt auch der Knackpunkt bei dieser neuen Kampagne. So sehr ich dieser Initiative auch durchgreifenden Erfolg wünschen möchte: Es dürfte sehr schwierig werden! Sicher ist es erfreulich, wenn Bischöfe und weitere hohe Würdenträger aus aller Welt jetzt zusammenkommen, doch zugleich darf man fragen, wie hilfreich es ist, wenn man sich für das Thema nur einen einzigen Tag Zeit nimmt. Da reisen Tausende Teilnehmer von wer weiß wo her mit großem Aufwand an, und können nach wenigen Reden und Gesprächen schon wieder die Koffer packen. Ist das vom Aufwand her vertretbar?

So schön es ist, dass so viele hohe Kirchen- vertreter teilnehmen: Wäre es nicht sinnvoll ge- wesen, noch mehr Laien aus der Praxis einzubinden und auch Experten z.B. für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit?

Die Konferenz ist zu begrüßen, doch sollte man sich auch ehrlicherweise bewusst sein, dass der Erfolg der Überlegungen letztlich damit steht oder fällt, in welchem Zustand die Kirche und ihre Vertreter vor Ort sind. Glaubwürdigkeit ist heute mehr denn je gefragt, und Verkünder des Glaubens, denen man nicht ansieht, dass sie selbst wirklich von Gott begeistert sind, locken kaum jemand hinter dem Ofen der Bequemlichkeit hervor.

Eine Kirche, die sich z.B. in Deutschland eher als zerstritten präsentiert, wirkt nicht gerade einladend. Hinzu kommt, dass es eigentlich schon immer und auch ohne solche Konferenzen den Auftrag zur Missionierung gibt, laut kirchlichem Gesetzbuch besonders für Bischöfe und ihre Priester. Doch wie sieht die Realität aus…?

Früher gab es z.B. auch schon ähnliche Anstrengungen, etwa die Volksmissionen. Meistens besuchte ein Team von speziell geschulten Priestern die Pfarrei für mehrere Tage, hielt Vorträge, machte Hausbesuche und vieles mehr.

Doch wer traut sich sowas heute noch? Welcher Pfarrer macht systematisch Hausbesuche, deren Erfolg – auch bei aus der Kirche Ausgetretenen – bekannt ist? Ist es nicht eher so, dass Austritte registriert und abgehakt werden, und dass diese Menschen einfach vergessen werden? - Viele Gelegenheiten gibt es im Rahmen der „normalen“ kirchlichen Arbeit, z.B. bei der Sakramentenkatechese. Doch in der Realität sieht es leider oft ganz traurig aus, denn da reicht der Pfarrer diese wichtige Aufgabe gerne an Laien weiter, die oft weder theologisch noch pädagogisch dafür vorbereitet sind. Viel zu viele Kommunion- kurse werden auf diese Weise als Chance vertan, und man „winkt die jungen Leute einfach durch“, wie es Kardinal Walter Kasper einmal drastisch ausdrückte. Weder die Katechese noch Anlässe wie z.B. Beerdigungen werden ausreichend für die Evange- lisierung genutzt.

Neuevangelisierung – das ist etwas für Ausdauersportler im Glauben. Erfahrene Seelenführer wissen es: Diese zweite Bekehrung ist wesentlich schwieriger zu erreichen als die erste. Wer erst einmal den Schritt fort von der Kirche gegangen ist („mir fehlt doch nix, mir geht es gut“), der kommt nur selten mit fliegenden Fahnen zurück, bloß weil er einen Einladungszettel für einen Bibelabend in die Hand gedrückt bekommt.

Das Treffen in Rom soll ein „Paukenschlag“ sein zum Start der weiteren Maßnahmen der Neuevangelisierung, erklärt Nikolaus Buhlmann, Mitglied dieses Päpstlichen Rates. Man wolle sich gegenseitig stärken und die Glaubenszeugnisse anderer anhören, um sich dadurch selbst inspirieren zu lassen. Man darf gespannt sein! – Ich erinnere mich an ein vielbeachtetes internationales Bloggertreffen im vergangenen Jahr in Rom. Großes Echo, großes Interesse – und das war’s dann, oder…?

- Stadtmission geplant >> BITTE KLICKEN !

-LINEAMENTA für 2012 >> BITTE KLICKEN !

- Über 8.000 Teilnehmer erwartet >> BITTE KLICKEN !

zurück zur Predigtgarten-Hauptseite >> BITTE KLICKEN !

6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich halte von solchen Veranstaltungen, egal ob sie in Rom oder in den Diözesen stattfinden, schon lange nichts mehr. Wenn jeder Christ jeden Tag seinen Glauben konkret vor Ort im konkreten Alltag leben WÜRDE, wäre das Abendland schon längst wieder bekehrt!! Christ sein im Alltag - das macht Beispiel, das macht aufmerksam; künstliche Sitzungen und Veranstaltungen wo mal wieder auf geduldiges Papier hübsche Worte ohne Konsequenzen geschrieben werden... das machen wir seit fast 60 Jahren und die Früchte sind verhehrend. Sei Christ im Alltag, lebe was du vom Evangelium begriffen hast, aber LEBE ES - und du wirst sehen, wie leicht man evangelisieren kann ohne viel Bla bla und noch dazu kostenlos, außer einem freundlichen Lächeln. :)

P.Gregor hat gesagt…

Erst einmal alle Achtung vor Papst Benedikt! Wie Sie ganz richtig erkannt haben, versucht er von seiner Seite aus alles Mögliche, um die Kirche auf Kurs zu halten und auf Jesus auszurichten; siehe auch seine Hinweise in Deutschland zum Stichwort "Entweltlichung".
Seine zur Verfügung stehenden Mittel schöpft er aus. Nun ist es vor allem an den Bischöfen, ihren Teil dazu beizutragen, dass es gelingt.

Anonym hat gesagt…

Richtig - der Erfolg dieser geplanten Aktion hängt am Engagement der Bischöfe. Und da hätten sie auch ohne diese Konferenz schon längst aktiver sein können.
Im übrigen darf man die Einladungspolitik des Vatikans kritisch hinterfragen. So wurde beispielsweise der Bund der Katholischen Jugend Deutschlands (BDKJ) mit Hunderttausenden von Mitgliedern und riesiger Praxiserfahrung nicht eingeladen. An einen Zufall glaube ich da nicht...

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Als Blogger bin ich ab und zu wegen eingegangener Kommentare in der Zwickmühle, ob ich diese freischalten soll oder nicht. Lieber Leser F... M..., in Ihrem Falle habe ich mich zur Sperrung entschieden, weil ich einiges als beinahe beleidigend empfinde. Ich bitte um Verständnis.

Anonym hat gesagt…

Ein Schmankerl, das drastisch zeigt, wie der kirchliche Hase so läuft: Die Vollversammlung der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) hat zum Abschluss ihrer Beratungen am 2.Oktober erklärt, die Neuvangelisierung sei "bereits in vollem Gange". Na, dann...!

MC hat gesagt…

Ich halte es beim Thema Neuevangelisation mit dem Hl. Franziskus, der sie ja ebenfalls in seiner Zeit betrieben hat. Wir können noch so tolle gesellschaftliche Analysen, Beratungsteams und, wie in diesem Falle, Kongresse aufstellen und abhalten. Letzten Endes kommt es nur darauf an, ob wir denen, die wir missionieren - nix anderes ist es ja - dürfen rüberbringen können, das es 1. toll ist Christ zu sein und 2. dass wir ein Interesse daran haben, dass er es wird.
Über Franziskus geht das Wort um, dass derjenige, der in seine braunen brennenden Augen sah, wusste, dass dieser Mann ein ursprüngliches und unbedingtes Interesse an ihm, seiner Geschichte und seiner Seele hat. Wenn wir das dem Nächsten vermitteln können, ist viel gewonnen.

Kommentar veröffentlichen

Zur Zeit keine Kommentare möglich.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.