Am vorigen Sonntag haben wir gehört, wie Jesus die ersten Jünger auswählte, die er gleich von ihrer Arbeit als Fischer weg-
holte. Heute, in der sofort anschließenden Bibelstelle, geht er mit ihnen in seinem Wohnort Kafarnaum in die Synagoge.
Es ist Sabbat. Die jüdische Gemeinde ist gerade im Gotteshaus zum Gebet und zur Schriftlesung versammelt. Jeder durfte damals nach Absprache mit dem Gemeindeleiter das Wort ergreifen, um die Heilige Schrift auszulegen. Davon macht auch Jesus Gebrauch. Offenbar lehrt er mit großer Überzeugungskraft, denn im heutigen Evangelium heißt es: „Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der (göttliche) Vollmacht hat, nicht wie die Schrift-
gelehrten.“
Das Wort Vollmacht kennen wir. Mit der Voll-macht eines anderen können wir Geschäfte tätigen und verbindliche Erklärungen in dessen Namen abgeben. Mit einer Konto-Vollmacht z.B. sind wir über das Konto einer Person mit verfügungsberechtigt.
Jesus lehrt wie einer, der Vollmacht hat, göttliche Vollmacht.
Er allein lehrt mit göttlicher Autorität. Jesus hat die Zuhörer in der Synagoge von Kafarnaum so mit seinen Worten gepackt, dass sie sehr betroffen waren, heißt es. Das Wort „betroffen“ kann man dabei auch mit „erschreckt“ übersetzen. Das heißt, durch
die Schrifterklärung Jesu wurde den Menschen mit einem Schlag bewusst, wie lebendig Gottes Wort in Wirklichkeit ist und wie engstirnig sie es manchmal betrachtet hatten.
Die Schriftgelehrten hatten sich mit ihren Auslegungen sicher alle Mühe gegeben, aber sie klebten an Buchstaben und Sätzen, an Vorschriften und Geboten. Was Jesus nun genau gepredigt hat, ist leider nicht aufgeschrieben. Wahrscheinlich ging es aber um eine Liebesbeziehung, nämlich um die Liebe zwischen Gott und den Menschen.
Jesus bekommt schon einen kurzen Augenblick später die Gelegenheit, seine Schriftauslegung in der Synagoge praktisch zu veranschaulichen. Wie das Evangelium berichtet, sitzt dort nämlich ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen ist.
Das ist schon aufschlussreich: Dieser leidgeprüfte Mann sitzt also in der Synagoge, unter den Frommen und Schriftgelehrten, wahrscheinlich irgendwo in einer Ecke. Offenbar finden das alle „normal“, und niemand nimmt ihn sonderlich zur Kenntnis.
Man geht einfach zur Tagesordnung über und verrichtet die vorgeschriebenen Gebete. Alles geht seinen geordneten Gang. Man lässt sich bei der Ausübung seiner Religion nur ungern stören.
Der Erkrankte hat eben Pech gehabt, und womöglich findet sich in seinem Leben oder in dem seiner Eltern auch eine Erklärung für diese Strafe, die jetzt auf seinem Leben lastet.
Jesus sieht das offenbar ganz anders; vor allem: er sieht diesen Mann ganz anders. Er sieht nicht nur die Spitze des Eisberges, also den Mann, der da sitztund bloß nicht stören darf. Jesus allein sieht viel tiefer, er sieht den gesamten Menschen. Er sieht sein heulendes Elend, sein jahrelang getragenes Leid, seine Selbstvorwürfe, doch irgendwie an seinem Schicksal schuld zu sein. Er sieht seinen stummen Schrei nach Zuwendung und Hilfe.
Es hat den Kranken sicher alle Kraft gekostet, in der Synagoge aufzutauchen. Er weiß durchaus, wie hinter seinem Rücken über ihn getuschelt wird. Dieser Mann ist ein Gefangener. Er ist mit seiner Erkrankung unberechenbar in der Gewalt anderer, hat keine Gewalt mehr über sich selbst. In unserer modernen Spra-
che würden wir vielleicht sagen, er ist wie ferngesteuert oder wie von Banditen entführt, kraftlos, willenlos, hoffnungslos. Jederzeit und im Zeitpunkt nicht kalkulierbar kann er wieder von seiner heimtückischen Krankheit drangsaliert und hin- und hergerissen werden.
Aber was ist da bloß in ihn gefahren? - Als Jesus in seine Nähe kommt, wird das offensichtlich. Allein die Nähe Jesu wirkt für die Besatzungsmächte dieses Kranken schon so bedrohlich, dass sie heftige Reaktionen zeigen. Es schreit laut aus dem Mann heraus, wie die Warnung eines in die Enge getriebenen Wesens: „Hau bloß ab, komm mir nicht zu nahe!“ -- Im Evangelium ist das so formuliert: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?“
wegs dumm sind. Im Gegenteil, sie sind bestens informiert. Jesus wird nämlich ganz korrekt mit „Jesus von Nazaret“ angesprochen. Aber die pure Angst spricht aus der Nach-
frage, wozu Jesus gekommen ist.
Was die Menschen ringsum noch nicht erkannt haben, das haben ausgerechnet diese Mächte längst kapiert: In Jesus begegnet ihnen gerade in diesem Augenblick derjenige, den sie respektvoll als den „Heiligen Gottes“ betiteln.
Die dunklen Mächte erkennen also die Heiligkeit des Gottes-
sohnes, sie wissen sehr wohl, dass er der Messias ist. Aber wie man sehen kann, führt das keineswegs zu freiwilliger Umkehr und zum Glauben, sondern trotz dieses Wissens lehnen sie Jesus als ihren Herrn und Meister ab.
Da mag vielleicht manch einer denken: Ach, so ist das eigentlich auch bei vielen modernen Menschen, die sicher genug über Jesus wissen, aber ihm noch lange nicht nachfolgen wollen.
Jedenfalls signalisieren die Kräfte, die diesen Mann besetzt und in ihrer Gewalt haben, dass sie diesen Menschen nicht kampflos aufzugeben gedenken. Sie pokern ganz schön hoch und suchen mit lautem Getöse die direkte Auseinandersetzung mit Jesus: „Was haben wir mit dir zu tun…?“ - so schreien sie ihn an.
Das soll heißen: Was du tust, das geht uns nichts an, aber für dich gilt auch: was wir tun, das geht dich nichts an! Halte dich also da raus! Das hier ist unser Einflussgebiet, nicht deines!
Doch Jesus hat nicht vor, mit ihnen in irgendwelche Verhand-
lungen einzutreten. Mit dem Bösen schließt man keine Kom-
promisse und keine Waffenstillstands-Verhandlungen. Wenn man dem auch nur einen Finger reicht, nimmt es garantiert die ganze Hand.
Sabbatruhe hin oder her, hier muss Jesus eingreifen. Die bösen Mächte haben einen hilflosen Menschen zu ihrem Spielball gemacht. Mit einem einzigen Machtwort aus dem Munde Jesuist dieser Spuk jetzt zu Ende. Ein letztes Mal hat sich das Böse aufgebäumt und den Mann hin- und hergeschleudert. Dann verlässt es ihn mit wütendem Gebrüll.
Wir wissen nicht genau, welche teuflischen Mächte diesen Mann so lange gepeinigt haben.Das ist auch nicht die Hauptsache. Das Evangelium selbst formuliert, was hier wirklich wichtig ist: „Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.“
Das heutige Evangelium stellt es unmissverständlich und für jeden klar: Ja, ganz sicher gibt es das Böse, und das Böse kann furchtbare Macht über Menschen gewinnen.
Uns fällt es nicht schwer, dem zuzustimmen. Wir brauchen z.B. nur an die entsetzlichen Geschehnisse in den Konzentrations-
lagern des Dritten Reiches zu denken. Oder wenn wir die Nachrichten sehen, wird uns auch oft genug vorgeführt, zu welchen Grausamkeiten und schreienden Ungerechtigkeiten Menschen fähig sind, im Namen von was auch immer. Selbst ein Teil des Personals in Mutter Kirche hat sich im Laufe der Ge-
schichte nicht immer sonderlich mit Ruhm bekleckert.
Das Evangelium bestätigt aber nicht nur, dass es das Böse gibt. Es demonstriert auch, wer wirklich das Sagen hat, auch wenn das leider in unserem Alltag nicht immer so offensichtlich wird
wie hier. Die Menschen in der Synagoge haben es damals auf den Punkt gebracht: Wer solche Wundertaten allein durch sein Wort vollbringt, der ist ganz sicher mit göttlicher Vollmacht ausgerüstet.
Die bösen Geister dieses Mannes sind vertrieben. Er kann endlich aufatmen und ein ganz neues Leben beginnen. Ob er sich bei Jesus dafür bedankt hat, wird im Evangelium übrigens nicht verraten. In jeder Taufe und bei der Tauferneuerung in der Osternacht werden auch wir heutzutage daran erinnert, dass die bösen Mächte keineswegs in Winterschlaf gegangen sind. Wir sind konkret aufgerufen, stets wachsam zu sein und Widerstand gegen das Böse zu leisten: „Widersagt ihr dem Bösen?...Widersagt ihr dem Satan?“ heißt es, und von uns allen wird dann eine klare Absage erwartet: „Ja, wir widersagen!“Doch mit dieser feierlichen Absage allein ist die Angelegenheit nicht ein für allemal erledigt. Oft genug möchte man die Frage wiederholen: „Was ist bloß in uns gefahren?“ - Das ist nämlich wie mit einer chronischen Krankheit, die immer wieder versucht, sich zum Angriff auf unser Immunsystem zurückzumelden.
Aktuell in die Schlagzeilen geraten ist die Euro- und Finanzkrise. Etliche Leute konnten in der Vergangenheit den Hals nicht voll genug kriegen. Da wurde und wird an den Börsen in Sekunden-
bruchteilen spekuliert auf Teufel komm raus. Viele Millionen werden von Großinvestoren als Gewinne eingestrichen, und gleichzeitig werden weltweit viele Existenzen vernichtet und Unglück über viele verarmte Familien gebracht.
Die eigentliche Krise sitzt aber viel tiefer. Was ist da bloß in uns gefahren? - In der modernen Gesellschaft breitet sich die Gier in jeder denkbaren Variation aus wie die Finanzkrise. Die Gier nach Macht, die Gier nach immer mehr Geld, nach immer mehr Nervenkitzel, die Gier nach Sex, die Gier nach Anerkennung
und nach vielem mehr.
Man lebt zum Teil so, als sei das Leben wie immerwährende Olympische Spiele: Es muss noch ein neuer Rekord sein,man braucht noch eine Trophäe, noch einen Pokal.
Man sortiert die Menschen in Sieger und in Verlierer.
- Pech gehabt, mein Lieber, dass du so arm oder krank bist!
- Pech gehabt, dass du in einem armen Land lebst!
- Pech gehabt, dass du keine reichen Eltern hast!
Da ist so einiges Unheilvolle und Böse in uns, in die ganze heutige Gesellschaft hineingefahren. Achten wir als Christen also immer darauf, dass diese Quälgeister nicht auch von uns immer mehr Besitz ergreifen und uns zu Besessenen der allgemeinen Gier machen!
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Predigt Pater Werner Schwind SJ (pdf)
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Predigt Eberhard Gottsmann
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Markus Brunner Predigt (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Auslegung von Prof. Dr. Ludwig Volz
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Fotos und Infos: Kafarnaum
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Predigt R.Rumpel: „Macht – Ohnmacht – Vollmacht“
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„Beichte für Anfänger“ (Infos der Karl-Leisner-Jugend)
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Beispiel christlicher Psychotherapie bei Pallottinern
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Der „Fall“ Anneliese Michel – Dämonisch besessen?
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Meine Gedanken zu „Darstellung des Herrn“ 2.2. (Lk 2,22-40)
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Ein wortgewaltiger Prediger ist in der kleinen Gemeinde zu Gast und gibt sein Bestes, um die Gläubigen zu einem engagierten Christentum zu bewegen. So zieht er alle Register und drohtam Schluss mit theatralischer Geste mit den ewigen Qualen der Hölle. Man sieht es den Gesichtern an: die ganze Kirche ist geschockt und zittert vor Angst. Doch da traut er seinen Augen kaum: in der letzten Reihe sitzt ein Mann und grinst ständig vor sich hin. Erbost donnert der Prediger vom Ambo: „Auch wenn Sie so tun, als ginge Sie das Ganze nichts an – Ihnen da hinten wird das Lachen schon noch vergehen!“ Einen Moment eisige Stille, dann schallt es lautstark zurück: „Irrtum, Hochwürden, ich bin nämlich gar nicht von hier!“
Ein jüdischer Rabbi geht am heiligen Sabbat einige Schritte spazieren. Wie es das Schicksal so will, sieht er ausgerechnet heute eine Geldbörse auf der Erde liegen. Natürlich weiß er,
dass er gegen die Sabbatruhe verstößt, wenn er das gute Stück aufhebt, dann das wäre verbotene Arbeit am geheiligten Tag.
Da ist intensives Nachdenken vonnöten. Nach einer Weile fällt der Rabbi mit einem glücklichen Gesichtsausdruck auf die Knie und ruft: „Ich danke dir, Herr, für dieses große Wunder. Überall ringsum ist Sabbat, nur an dieser Stelle nicht!“
Diese Predigt können Sie selbst herunterladen
(der Link funktioniert bis mindestens 15.3.2012):
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