18.01.2012

Predigt 3. Sonntag im Jahreskreis B - 22.01.2012

(Fortsetzung)

Im griechischen Originaltext steht hier das Wort „metanoite!“ – das kann man über-
setzen mit: Ändert euren Blickwinkel, ändert eure innere Einstellung!
Du kannst dich als Mensch noch so sehr anstrengen – so lange du immer noch auf dem falschen Dampfer bist, kommst du garantiert nicht dahin, wo du eigentlich hin möchtest. Das Umsteigen auf den richtigen Kurs geschieht aber nicht durch noch mehr eigene Anstrengung, durch noch mehr kluges Wissen oder noch mehr Gebote und Verbote. Das Umsteigen geschieht, indem man die grund-
sätzliche Richtung im Leben ändert, indem man nicht mehr den Herren spielt, sondern indem man die eigenmächtige Herrschaft aufgibt. Es geschieht, indem man umkehrt und glaubt. Und glauben ist dabei nicht etwas Intellektuelles, keine Ansammlung von klugen Sätzen, sondern es ist eine Frage der ganz konkreten Zugehörigkeit.
- Zu wem gehöre ich? - Wer ist mein Herr? - Wer hat Macht über mich? - Wem vertraue ich wirklich ganz und gar? - Kann ich mich Gott wirklich öffnen? - Kann ich sagen: Ja, Herr, hier bin ich! Zeige mir den Weg, den ich für dich gehen darf.
Im heutigen Evangelium stellt sich diese Frage gleich an-
schließend ganz konkret. Simon und Petrus sind gerade beim Fischen; in Ufernähe werfen sie ihr Netz aus. Was dann aber passiert, das beschreibt das Evangelium denkbar knapp:
„Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“
Da sträuben sich dem modernen Menschen bisweilen die Nackenhaare: Was macht Jesus denn da?
Reißt er Menschen willkürlich aus ihrer Umgebung heraus?
Kann er das denn überhaupt verantworten, dass nun die Familien vielleicht ohne Vater und Ernährer dastehen?
So kommen auch viele Christen, die so etwas hören, schnell zu der Meinung: Solch einem Gott, der mir und meiner Familie vielleicht die ganze Existenz zerstört und der mich einfach so für sich vereinnahmt, dem möchte ich lieber nicht ins Netz gehen. Da halte ich mein Christentum doch lieber ganz unspektakulär auf Sparflamme.
Von mir darf Gott so etwas nicht verlangen – ich bin einfach nicht zum Märtyrer geboren und habe außerdem auch Verantwortung für andere zu tragen! Mitten aus der Arbeit reißt er die Fischer heraus! - Auch das ginge nicht bei mir, ich habe doch noch so viel unerledigte Arbeit liegen. Die macht sich eben nicht von alleine. Soll ich das vielleicht einfach anderen aufhalsen, um Jesus ganz und gar zu folgen?
Kurzum: Beim Hören des heutigen Evangeliums sind wir wahrscheinlich einerseits von einer gewissen Bewunderung für diese mutigen Fischer erfüllt, andererseits aber machen wir sofort unsere eigenen Schotten dicht: Mit mir nicht, lieber Gott! Das ist nun wirklich zuviel verlangt! Das ist doch wohl nicht dein Ernst!
Diesen Schuh kann ich mir nicht anziehen, Jesus, denn der ist wirklich etliche Nummern zu groß für mich! Ich wäre dir also sehr dankbar, wenn du weiterziehst und dir jemanden anderen aussuchst!
Und dann noch dieser Tonfall bei Jesus! Wörtlich übersetzt spricht er die beiden eben nicht nur an mit einer einladenden Bitte „Kommt her, folgt mir nach!“, sondern geradezu gebie-
terisch: „Na los, hierher, hinter mich!“ – Ein harter Brocken
für uns moderne Menschen!
Fast ebenso irritiert sind wir über die Reaktion dieser Fischer. Die lassen doch tatsächlich alles stehen und liegen! Ein paar Meter weiter geschieht das gleiche mit Jakobus und Johannes, und da steht sogar ausdrücklich im Bibeltext dabei, dass sie ihren Vater mit seinen Tagelöhnern einfach im Boot zurücklassen. - Solch ein Gott, der seine Helfer einfach einkassiert, kann einem auf den ersten Blick schon Angst machen!
Die Frage ist also, wie wir diese schwer verdauliche Bibelstelle etwas besser verstehen können. So, wie sie da steht, mögen wir diesen großen Happen nicht so gerne schlucken; er könnte uns zu leicht im Halse stecken bleiben.
Was also ist das Geheimnis dieser Begegnung zwischen Jesus und den Fischern? - Warum folgen sie ihm sofort, wie es auch im Bibeltext heißt: „Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“
Zuerst einmal: Diese vier Männer und nach ihnen viele andere Jünger stehen mitten im Leben, so wie Sie und ich. Die sind keine Träumer und keine Faulenzer. Sie tun Tag für Tag ihre Arbeit, und die tun sie sicher gut. Doch ihnen passiert dann etwas, womit sie nicht rechnen konnten. Selber herbeigebetet haben sie das nicht. Die Initiative zum größten Ereignis in ihrem Leben ging nicht von ihnen aus, sondern von Jesus. Jesus hat sich entschieden, diese Fischer als seine ersten Jünger auszusuchen. Gerade diese hat er sich ausgewählt, und weder die noch wir wissen so ganz genau, warum eigentlich. Wesentlich für uns ist nur: Jesus hat sie gerufen, und sie haben seinen Ruf genau gehört. Irrtum ausgeschlossen – der meint tatsächlich uns beide!
Natürlich suchen wir heute bei allem nach Erklärungen, denn wir modernen Menschen wollen ja immer alles genau verstehen. Eigentlich wissen wir, dass man nicht alles erklären kann. Oder erklären Sie mal genau, warum Sie gerade diese Frau oder diesen Mann lieben, obwohl Tausende anderer Menschen ganz sicher auch sehr nett sind.
Oder erklären Sie mal, warum gerade Sie geboren wurden und nicht ein anderer im Mutterleib heranwachsen konnte.

Jesus entscheidet sich, damals und heute. Jesus ruft heraus aus dem Alltag. Er wählte keine Schriftgelehrten aus, sondern diese Fischer.
Wir können letztlich nur ahnen,warum er gerade sie auswählte. Fischer sind jedenfalls Menschen, die wie Hirten hellwach sein müssen. Schnelle Wetterwechsel waren auf dem See sehr gefürchtet. Sie halten stets Augen und Ohren offen.
Sie wissen, dass ihr Erfolg von vielem abhängt und nicht immer nur ihr Verdienst ist. Das Wetter muss mitspielen, und man muss im richtigen Augenblick an der richtigen Stelle im See sein, um Erfolg beim Fang zu haben. Dankbarkeit für gesunde Heimkehr und für ein volles Netz ist bei ihnen deshalb selbstverständlich. Zudem sind die Fischer ausgesprochene Team-Arbeiter, denn bis zu 14 Leute arbeiteten damals in einem Boot als Steuermänner, Ruderer und Fänger. Alle saßen wortwörtlich zusammen in einem Boot, jeder war von den anderen abhängig.
Jesus entscheidet sich. Er ruft Menschen konkret heraus. Letztlich weiß nur er allein, warum er gerade jenen ruft. Doch als Bibelleser wissen wir natürlich, dass Jesus auch Fehlschläge erlitt. Viele hat er gerufen, im ganzen Lande hat er zur Umkehr aufgerufen, aber lange nicht jeder, der gerufen wird, folgt auch diesem Ruf. Das war damals so, und heute ist es nicht anders.
Jesus ruft also weit mehr Menschen, als man aus dem heutigen Evangelium vermuten kann. Wie wir eben schon erkannt haben: Viele hören ihn, aber es fehlt ihnen der Mut, seinem Ruf auch wirklich zu folgen. Der Berg ihrer Einwände und Bedenken ist einfach zu groß. Oder sie sind unsicher, ob sie auch wirklich gemeint sind. Diese Angst lähmt.
Sie fühlen sich, als müssten sie wie ein Zirkus-Artist über ein Seil balancieren, den gefährlichen Abgrund unter sich. Wirkliche Artisten jedoch belehren uns: Sie können nur erfolgreich sein, wenn sie hart trainieren und sich vor allem absolut vertrauen. Der Springer streckt im entscheidenden Sekundenbruchteil nur die Hände aus, und nur der Fänger packt zu. Würde der Springer auch zupacken wollen, gäbe es ein Handgemenge und das Risiko einer gebrochenen Hand. Der Springer streckt nur die Hände aus, zupacken und fangen muss ein anderer. Anders geht es nicht.
So ähnlich ist es auch mit denen, die Jesus nachfolgen. Die Fischer damals haben das kapiert, und viele Tausende, die ihnen nachfolgen. Viele haben den Ruf Jesu gehört, egal ob für ein Leben im Kloster, ein Leben als Priester oder pastoraler Mit-
arbeiter oder auch für ein Leben als Christ in Familie und Gesellschaft.
Also die innere Einstellung ändern, hellhörig werden, den modernen Rattenfängern nicht auf den Leim gehen, denen die richtigen Klamotten und die Verjüngungscreme wichtiger sind als das ewige Heil. Darauf
kommt’s an.
„Die Zeit ist erfüllt“, ruft uns Jesus zu. Wenn er uns ruft, dann sorgt er auch für uns, dann packt er uns auch an der ausgestreckten Hand und fängt uns sicher auf. Da wird keine Familie verhungern, weder bei den Fischern noch bei uns.
Gott sorgt wunderbar für die, die sich ihm wirklich öffnen. Wir können nämlich nie im Leben tiefer fallen als bis in Gottes Hand, und die ist noch sicherer als das Rettungsnetz, das die Trapez-Artisten immer spannen. Das bezeugen viele, die sich wirklich so wie diese Fischer auf den Ruf Jesu eingelassen haben. Ihr Leben ist durch Jesus reich und schön geworden.

Da treffen sich nach langer Zeit zwei Bekannte zufällig an einer Imbiss-
bude. Der eine bestellt sich eine Currywurst mit Fritten. Er ist aber sehr erstaunt, als der andere sich das auch bestellt: „Ich denke, du bist Vegetarier?“ – Der andere antwortet darauf: „Ja, unbedingt!
Das stimmt schon, aber ich bin nicht praktizierend!“
Das finden wir sicher einfach lächerlich. Wie kann man bloß behaupten, ein Vegetarier zu sein, wenn man in der Praxis dann doch Fleisch isst?!
Wenn man das jedoch auf uns Christen überträgt, scheint das
bei vielen nicht lächerlich, sondern ganz normal zu sein: Man behauptet, ein Christ zu sein, aber in der Praxis lebt man überhaupt nicht so.
Wenn Jesus uns also das nächste Mal zuruft: „Das Warten ist vorbei – das Reich Gottes ist dir nahe! Komm auch du, komm hinter mich!“, dann könnten wir die Chance nutzen, die er uns bietet. Dann könnten wir es doch mal ausprobieren mit einer neuen Antwort.
Am besten mit dieser hier: „Ja, Herr, hier bin ich, mit all meinen Schwächen und Fehlern! Aber wenn du mich willst, dann zeige mir bitte den Weg, den ich für dich gehen darf!“

Predigt St.Josef Lohne: Nachfolge (pdf)
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Predigt Pfr. Dr. Jörg Sieger: „Hopp, hinter mir her!“
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Kurzpredigt: Rasch entschlossene Fischer
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Heinrich Spaemanns „Lebensregeln für alle Christen“
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Heiligen-Kalender online von „kirchensite.de“
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Ökumenisches Heiligenlexikon / Kalender
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Unkonventionelle Lösung: Anton ist ein extremer Geizhals. Als seine Mutter überraschend gestorben ist, muss er einen Sarg für sie besorgen. Ihn trifft allerdings fast der Schlag, als der Bestatter dafür immerhin 1.200 Euro haben will. „Ausgeschlossen!“, findet Anton, „so viel will ich auf gar keinen Fall ausgeben.“ – So zeigt ihm der allmählich etwas genervte Bestatter Sarg um Sarg, bis sie schließlich beim billigsten Modell für 390 Euro angelangt sind.
Das Gesicht von Anton verrät dem guten Mann schon, was sein Kunde davon hält. Da wird es dem Bestatter doch zu dumm.
Er holt tief Luft und meint nur: „Wissen Sie was, bringen Sie Ihre Mutter einfach her, und wir beide schrauben für 80 Euro schnell vier Griffe dran!“

Wie bekannt, tragen die Angehörigen von Ordensgemeinschaften hinter ihrem Namen ein Kürzel, das verrät, in welcher Gemein-
schaft sie tätig sind. Die Franziskaner z.B. benutzen das Kürzel OFM, die Jesuiten SJ und die Benediktiner OSB.
Bei einer Tagung treffen sich Mitglieder verschiedener Orden und geraten am späteren Abend in Streit darüber, welchen der Orden Gott wohl am liebsten habe. Schließlich kommen sie auf die rettende Idee, Gott selbst in dieser Sache zu befragen. Einen Zettel mit der Frage legen sie noch nachts auf den Altar der Kapelle im Tagungshaus. Für den nächsten Morgen haben sie sich um 8.00 Uhr in der Kapelle verabredet, um gemeinsam nachzusehen, ob Gott geantwortet hat.
Tatsächlich – in sauberen Druckbuchstaben steht Gottes Antwort auf dem Zettel: „Ihr Lieben alle ! Selbstverständlich sind mir alle Ordensgemeinschaften gleich lieb. Mein Segen für euch! Unterschrift: Gott SJ“

Sie können diese Predigt auch selbst herunterladen
(der Link funktioniert bis mindestens 1.3.2012):

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