31.01.2012

Predigt 5. Sonntag im Jahreskreis B -- 05.02.2012

(Fortsetzung)

Sie kennt ihn zwar bisher noch nicht persönlich, aber sie hat unfreiwillig und indirekt schon mit ihm zu tun gehabt. Schließlich war er es, der für reichlich Wirbel in ihrer Familie gesorgt hat.
Einen einträg-
lichen Familien-
betrieb als Fischer und Fischhändler haben sie. Doch da kommt dieser Jesus vor ein paar Tagen einfach an und angelt sich ihren Schwiegersohn
und seinen Bruder gleich mit dazu. Menschenfischer sollen sie werden.
Der Schwiegermutter tut das erst einmal sehr weh: Wie steht
ihr Fischerei-Betrieb denn nun da? Wer soll nun deren Arbeit machen? Sicher müssen zwei zusätzliche Helfer neu eingestellt und bezahlt werden. Und vor allem: wie fühlt sich gerade ihre Tochter, mit der Simon schließlich verheiratet ist? Wie wird sie
mit seiner Abwesenheit fertig? Haben die Eheleute sich das auch wirklich reiflich überlegt? - So wälzt die fiebernde Schiegermutter die quälenden Gedanken immer wieder hin und her.
Im heutigen Bibeltext heißt es: „Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, faßte sie an der Hand und richtete sie auf.“
Die Jünger sprachen also mit Jesus über sie. Das heißt doch: Simon und Andreas machen sich offensichtlich so ihre Ge-
danken. Selbst den manchmal als etwas unsensibel geltenden Mannsbildern ist also nicht verborgen geblieben, dass diese Frau leidet, und zwar ganz offensichtlich nicht nur an ihrem Fieber.
Oder wer weiß: Vielleicht ist das Fieber sogar eine Folge ihrer Sorgen? Wir heute kennen dafür den Begriff „psychosomatische Krankheiten“. Der Volksmund weiß das auch, wenn er z.B. formu-
liert: Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen? --
Diese Frau ist krank. Sie ist aus der Bahn geworfen. Nun liegt sie flach und kann nicht mehr. Ihr Kopf brummt, und sie fühlt sich ganz elend. Die Sorgen lassen sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Sie weiß weder ein noch aus. Was soll das bloß weitergehen?
Jesus weiß offensichtlich Bescheid. Die Familien sei-
ner Jünger sind ihm nicht egal. Er geht jetzt im doppel-
ten Wortsinne auf die Frau zu. Ihre Blicke treffen sich.
Ein kurzer Augenblick, und dann streckt Jesus ihr die Hand entgegen. Wie wird die Schwiegermutter des Simon reagieren? Wird sie sich bockig in ihren Kummer verkriechen? Wird sie sich beleidigt hinter ihrer Krankheit verstecken? Oder wird sie Jesus jetzt Vertrauen schenken und ihm auch die Hand reichen?
Sie muss nun eine schnelle Entscheidung treffen, denn die Hand Jesu ist jetzt in diesem Moment ausgestreckt, immer noch aus-
gestreckt auf sie zu und zu ihr hin.
Da geschieht es: Diese Frau macht einen Riesenschritt, einen Riesenschritt im Kopf. Den Schritt des Vertrauens kann man nämlich auch im Liegen machen. Alle Schritte des Vertrauens beginnen nie in den Beinen, sondern immer erst im Kopf. Vorsichtig streckt sie Jesus ihre Hände ein Stück weit entgegen.
Zu gerne hätten wir alle dabei ihren Gesichtsausdruck gesehen – sicher einerseits noch skeptisch, aber auch voller Neugier und Staunen, nicht zuletzt darüber, was sie selbst da gerade tut.
Jesus steht nun direkt vor ihr. Was da geschieht, das beschreibt uns das heutige Evangelium leider nur in größtmöglicher Knapp-
heit: „… er ging zu ihr, faßte sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.“
Jesus packt also zu. Jesus hält sie fest. Ihre Hände in seinen Händen. Gleichzeitig aber zieht er die Liegende sogar hoch,
er richtet sie im Bett auf. - Er richtet sie auf. Das ist es: das brauchen die Menschen, das Aufrichten.
Gerichtet wird genug, aber aufgerichtet wird leider in unserem Alltag und manchmal auch im Umgang in der Kirche nur sehr wenig. Jesus aber richtet sie auf. Er schaut nicht auf sie herab, sondern er sorgt zuerst einmal dafür, dass sie beide auf gleicher Augenhöhe sind. Er ist der Richter, der aufrichtet, der Mut macht, der deine Lage verändert, der deinen und meinen Blick frei macht.
Ein unbeschreibliches Gefühl durchflutet nun die Frau. Sie und Jesus, einen Moment lang Hand in Hand, wenn man so will. Einen ganz langen Moment lang, den sie ihr Lebtag garantiert
nie vergessen wird.
Merkwürdig:
Die beiden sprechen überhaupt nicht miteinander. Jesus fragt nichts und befiehlt nichts. Und bei der Kranken auch nichts. Kein Ton kommt beiden über die Lippen. Alles passiert ohne Worte. Aber ihre Blicke sagen sich sehr viel. Blicke können können nämlich Bände sprechen, Blicke können töten, aber auch lebendig machen. Blicke können sagen: „Ich liebe dich!“ oder „Vertrau mir!“ und vieles mehr.
Im wahrsten Sinne des Wortes augenblicklich fällt alle Last schlagartig von der Schwiegermutter ab. Es ist so, als wenn sie jetzt endlich wieder richtig durchatmen könnte. Doch nicht nur ihr Atem wird frei, sondern ihre Gedanken auch. Im Blick Jesu darf sie gerade den Blick ihres Heilands erkennen.
Für sie gibt es jetzt nur noch Klarheit, absolute Klarheit, die man nicht für andere in Worte fassen kann. Für sie hat sich wirklich alles geklärt: Dieser Jesus ist hunderprozentig der Messias!
Da ist kein Millimeter Platz für Zweifel. Sie weiß es einfach.
Das hat ihr der Blick Jesu vorhin geschenkt. Und wir können ihn fast noch hören, ihren Freudenjuchzer!
Atemberaubend, was dann geschieht. Jesus hat die Kranke aufge-
richtet. Genau heißt es dann im Text: „Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte
für sie.“
Das Fieber weicht also von ihr, lässt sie los, verlässt sie wie ein böses Wesen, das einen festhalten und kaputtmachen wollte. Jetzt ist sie frei. Sie hat in und mit einem Augenblick so unfass-
bar viel Kraft bekommen, so viel Zuversicht, dass sie sofort aufstehen und an die Arbeit gehen kann. Auch das wird nur mit einem halben Satz erwähnt: „sie sorgte für sie“.
Wir sehen sie in diesem Moment geradezu vor uns, wie sie in ihrer Küche die Ärmel hochkrempelt und sich mächtig ins Zeug legt, um Jesus und die ersten Jünger mit allem zu bewirten, was die Küche hergibt.
Wie verwandelt ist sie. Ein neuer Mensch ist sie geworden. Ein Mensch, der ganz handfest an Jesus glaubt. Klar, sie steht nicht in der Reihe der Jünger. Aber die Schwiegermutter des Simon Petrus steht jetzt hinter Jesus.
Sie steht zu ihm, und von nun an steht auch ihr Haus Jesus und den Jüngern immer wieder ganz weit offen.
Diese Frau gehört zu den Menschen, die mit ihrem rührigen und eher unauffälligen Dienst denen da ganz vorne in der ersten Reihe den Rücken freihalten und die Jesus auf diese spezielle Weise nachfolgen. Berufungsgeschichten gibt es also nicht nur vorne in der ersten Reihe, wo es jeder sofort sieht, sondern auch weiter hinten beim Verpflegungstrupp! - Mit einem guten Schuss Humor könnte man sagen: Das war ganz schön clever von Jesus, diese Hausfrau zu heilen. Für gute Küche und Service
ist von nun an schon mal gesorgt…
Doch ernsthaft: Für Jesus ist dieser ereignisreiche Tag noch nicht zu Ende. Wie uns das Evangelium erzählt, heilt er noch viele Kranke, die an allen möglichen Krankheiten litten. Das dürfte also ein langer Abend geworden sein!
Doch wir hören auch, dass er „in aller Frühe, als es noch dunkel war“, zum Gebet regelrecht
an einen einsamen Ort flieht. Das Gebet, also der beständige und intensive Kontakt mit seinem himmlischen Vater, ist die Kraftquelle, aus der Jesus lebt. Dazu geht er aber meistens raus aus dem Trubel und zieht sich zurück.
Die Begeisterung für Jesus hier in Kafarnaum ist zwar riesen-
groß, aber machen wir uns nichts vor: es ist bei den meisten wohl eher die Begeisterung für den Heiler, nicht die für den Messias.
Geholfen haben will man, egal warum und auch egal von wem. So sehen viele in Jesus nur den hochwillkommenen Superheiler, so wie viele sich in ihm auch nur den populären Anführer gegen die verhassten Römer erhoffen.
Aber ist es heute anders? - Viele beten auch nur, weil sie im Grunde eine direkte Gegenleistung erwarten, nämlich spürbare Hilfe in ihren täglichen Sorgen und Nöten. Wie Jesus auf solche Geschäftsideen reagiert, erfahren wir auch gleich.
Während Jesus jetzt in der Einsamkeit betet, stehen seine Begleiter allerdings etwas dumm da: Jesus ist ihnen am Morgen kurzfristig abhanden gekommen. Man könnte sagen: er ist ihnen entwischt.
Bald werden sie wieder zu Dutzenden vor der Türe des Simon stehen, all die Kranken und Hilfesuchenden. – Verflixt, wo steckt Jesus denn bloß?
Es klingt schon leicht nach Panik, wenn im Evangelium steht: „Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.“ -- Im Originaltext steht übrigens noch schärfer statt „sie eilten ihm nach“ der Begriff „sie jagten ihm nach“. Sie jagen ihn also, sie wollen seiner habhaft werden. Er kann sie doch jetzt nicht im Stich lassen!
Und so klingt es auch wie ein Vorwurf, als sie ihn bei ihrer Suchaktion endlich entdecken. Während er eigentlich immer noch im Gebet versunken ist, machen sie sofort und ohne lange Vorrede ihrem Ärger deutlich Luft: „Alle suchen dich!“ -
Das soll ja wohl heißen: Lieber Jesus, so geht das aber nicht! - Du bist jetzt ein gefragter Mann, jemand, der sich den Leuten
und ihren Sorgen nicht entziehen darf! Alle suchen dich – alle brauchen dich! Du kannst jetzt keinen Rückzieher mehr machen!
Nicht nur die Leute damals, sondern auch wir heute können aus der eindeutigen Antwort Jesu lernen: „Er antwortete: Laßt uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.“
Es ist, als wenn Jesus ihnen zuruft: „So, und jetzt das Ganze auf Stopp!“ - Mit seiner heilenden Tätigkeit
am ersten Tag seines öffentlichen Auftretens in Kafarnaum hat Jesus die Menschen tief beeindruckt. Doch Jesus weiß um seinen eigentlichen Auftrag. Er lässt sich nicht überreden, sich total zu verzetteln und sein allerwichtigstes Ziel aus den Augen zu verlieren. - Das Heilen ist ein wichtiger Teil seines Handelns, aber heilen können in vielen Fällen auch andere in seinem Namen. Jesus heilt auch weiterhin, aber er lässt sich nicht als bloßer Medizinmann vereinnahmen.
Seine Jünger und damit auch wir sollen begreifen, dass Jesus vor allem gekommen ist, um zu predigen, wie wir eben gehört haben. Das heißt: Er ist gekommen, um die Frohe Botschaft
vom Reich Gottes zu verkünden. Das kann eben nur er mit dieser Kraft und Autorität. Möglichst viele Menschen sollen von der großen Liebe Gottes erfahren und zum Glauben finden. Daher fordert er seine Jünger auch auf, so fort mit ihm weiterzuziehen, zuerst in die benachbarten Dörfer.
Wem es nicht nur um die äußerliche Gesundheit geht, der wird ihm folgen, mit den Füßen oder mit dem Herzen. Dazu lädt er uns alle immer wieder ein, der Menschheitsarzt Jesus.
Kommen wir in seine Sprechstunde. Folgen wir ihm, folgen wir alle seinem Rat. Sprechstunde ist übrigens immer, rund um die Uhr. Und wenn Sie, liebe Mitchristen, in Ihrem Herzen spüren, dass Ihnen etwas fehlt, dann machen Sie sich auf zu ihm!
Sie kommen sofort dran, als sein Privatpatient. Versprochen!

Predigt von Papst Benedikt XVI.
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Predigten der Karl-Leisner-Jugend
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Predigt: „Besinnung und Stille sind nötig“ (pdf)
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Gottesdienstentwurf Predigtaushilfe Pfr. Bruno Layr
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Dienst am Wort – Gedanken zur Sonntagspredigt -nach unten scrollen bis 5.So / 5.2.2006 – dort Predigt anklicken:
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Der alte Schmitz ist ein fleißiger und sparsamer Inhaber eines kleinen Ladens, der als Familienbetrieb geführt wird. Doch nun hat sein letztes Stündlein geschlagen, und es geht ans Ende.
Die Kraft seiner Augen hat schon so nachgelassen, dass er niemand mehr erkennt. Seine Familie steht daheim um sein Bett und wartet auf ein letztes Wort von ihm, auch was das Ersparte und den Laden betrifft. Das kommt auch: „Edith, meine geliebte Frau, bist du da?“
– „Ja, Otto!“ – Zufriedenes Kopfnicken im Bett.

„Bernhard, mein lieber Sohn, bist du da?“
– „Ja, Vater!“
Anni, meine liebe Tochter, bist du da?“
– „Natürlich, Papi!“
Und du, Sabine, meine liebes Kind, bist du auch da?“

– Man hört ein Schluchzen, und dann endlich:
„Ja, Papi, alle
sind hier!“

Eine Sekunde herrscht Stille, dann richtet sich der alte Schmitz im Bett auf uns schreit zornig: „Und wer, zum Kuckuck, ist jetzt
im Laden…?“


Hans wird im Kloster der Stille aufgenommen. Bedingung ist, dass er ein ganzes Jahr lang kein einziges Wort sprechen darf. So lebt er als Bruder Johannes und wird nach Ablauf der Frist zum Abt gerufen. Der sagt: „So, nun darfst du zwei Worte sprechen!“ Nach reiflicher Überlegung teilt Bruder Johannes
ihm mit: „Hartes Bett!“ - „Nun gut“, meint der Abt, „wir besorgen dir ein weicheres Bett. Aber du musst jetzt ein weiteres Jahr
Stille halten!“
Das Jahr ist um, und Bruder Johannes steht wieder vor dem Abt. „Zwei Worte sind dir erlaubt“, meint der nur kurz. - „Schlechtes Essen“, berichtet Bruder Johannes.
„Hmm!“ meint der Abt genervt. „Gut, ich kümmere mich darum.“

Nach einem weiteren Jahr hat sich Bruder Johannes schon auf seine zwei Worte vorbereitet. „Ich gehe“, erklärt er dem Abt.
„Das ist auch besser so!“ erwidert der mit strengem Blick.
„Seit du hier bist, hast du ständig herumgemeckert!“


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