Wenn der Papst die Bischöfe nun mit Nachdruck bittet, endlich eine „gründliche Katechese“ zur Erklärung der Umstellung zu erarbeiten, dann deshalb, weil ohne diese Hilfestellung für die Menschen eine Umstellung nicht zu verantworten wäre. - Der Papst über die Gläubigen: „Sie werden fragen: Ist nun Christus nicht für alle gestorben? Hat die Kirche ihre Lehre verändert?... Ist hier eine Reaktion am Werk, die das Erbe des Konzils zerstören will?“
Es liegt Benedikt XVI. also sehr am Herzen, dass die Menschen informiert werden, dass sie nicht verletzt oder beunruhigt werden. Und so übernimmt der Papst selbst die Aufgabe, Grundzüge der zu erarbeitenden Kate-
chese aufzuzeigen. Darin soll z.B. dargelegt werden: „Wenn Jesus für alle gestorben ist, warum hat er dann in den Abendmahlsworten „für viele“ gesagt…?“
Der Papst macht es mit erstaunlich einfachen Worten sinngemäß so verständlich: Der Heilswille Gottes gilt allen Menschen; Gott hat seinen Sohn für alle hinge-
geben, wie im Neuen Testament mehrfach betont ist. Andererseits aber solle die Kirche „Respekt vor dem Wort Jesu haben, um ihm auch bis ins Wort hinein treu zu bleiben“. Der Heilswille Gottes gelte zwar allen Menschen, „aber faktisch, geschichtlich in der konkreten Gemeinschaft derer, die Eucharistie feiern, kommt er nur zu vielen.“
Man spürt bei diesem fast schon dramatischen Ap-pell des Papstes, wie dringend ihm die korrekte Wort-
wahl aus Ehr-
furcht vor Jesu Worten beim Hochgebet ist. In allen liturgischen Texten der frühen Kirche findet man das „für viele“, nirgendwo das „für alle“ – das sollte auch zu denken geben.
Nun wird es aber höchste Zeit, dass die deutschen Bischöfe endlich ihre längst überfälligen Hausaufgaben machen! – Das beliebte Argument, man könne doch nicht schon wieder etwas ändern, ist nicht wirklich überzeugend. Nicht nur, dass dies dann auch für die
von den Bischöfen vorangetriebene „GOTTESLOB“-
Umgestaltung und vieles andere gelten müsste. Die Bischöfe hatten 11 lange Jahre Zeit, um die gottes-
dienstliche Gemeinde ausführlich zu unterrichten. Was anderswo auf der Welt problemlos umgestellt wurde, sollte ausgerechnet in Deutschland schwierig sein?
Oder liegt es vielleicht eher daran, dass man bischöf-
licherseits mal wieder ausscheren will, wie das z.B. bereits bei der Anordnung geschah, zumindest am Sonntag drei Lesungen vorzusehen (vgl. meinen Artikel dazu HIER).
Auch dabei war das Argument der deutschen Bischöfe erstaunlich – man könne das der Auffassungsgabe der deutschen Gottesdienstbesucher nicht zumuten, sodass ich mir die Frage erlaubte, ob die deutschen Katholiken eigentlich dümmer sind als andere ?!
Bei der Formulierung „für viele“ wird niemand per se von der Erlösungstat Jesu ausgeschlos-sen. Das „für alle“ verführt doch gerade zu dem Missverständnis, es gäbe da einen Heils-Auto-
matismus, durch den alle wie bei einem bekannten Karnevals-
schlager ganz selbstverständlich in den Himmel kommen. Sie wurden dann gewisser-
maßen zwangserlöst, unabhängig davon, ob sie wollten oder nicht.
Das aber widerspricht der katholischen Lehre. Gott stülpt dem Menschen nichts über, sondern er macht ihm ein Geschenk, das der Mensch auch ablehnen kann,
mit allen Konsquenzen. Es ist fast wie bei einer Ehe:
Es genügt eben nicht, wenn nur einer der beiden Partner heiraten will – wenn der andere NEIN sagt, kommt der Ehebund nicht zustande, so sehr der eine sich auch bemüht.
Gott respektiert den freien Willen des Menschen; wir sind keine vorprogrammierten Roboter, und wir werden auch nicht wie auf einem Fließband unweigerlich ins ewige Leben vorangeschoben. Jesus Christus ist für alle gestorben und bietet allen die Rettung an. Nun sind die Menschen an der Reihe, jeder für sich. Wie bemerkte
es Angelus Silesius schon so treffend: „Und wäre Christus tausend Mal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir – du wärest tausend Mal verloren!“
- Aufsatz Pater Franz Prosinger >> BITTE KLICKEN !
- Pater Michael Wildfeuer: "Treue zum Testament des Herrn" (pdf) >> BITTE KLICKEN !
- Deutsche Bischöfe ignorierten Anweisung
>> BITTE KLICKEN !
- Einsetzungsworte: Zusammenschau der Evangelien >>BITTE KLICKEN !
zurück zur Hauptseite >> BITTE KLICKEN !
8 Kommentare:
Die Barmherzigkeit Gottes war schon immer größer als der Verstand des Menschen. Benedikt zeigt immer mehr und immer wieder, dass er sich in nebensächlichen Details verliert, die ich noch dazu für grundsätzlich falsch halte. Er hat schon lange aus dem Blick verloren, um was es Jesus Christus mit seinem Leben über den Tod hinaus geht.
Aber auch solche "Oberhäupter" müssen und können wir als Kirche mittragen im Vertrauen darauf, dass es letztlich der Geist Gottes ist, der uns führt und leitet und nicht ein schwacher Mensch.
Benedikt XVI. steht in dieser Frage ja nicht allein, wie einige uns glauben machen wollen. Wenn in dieser Frage jemand isoliert ist, dann sind es die deutschen Bischöfe.
Die Frage ist doch: Was hat Jesus wirklich gesagt?
Und da ist das "für viele" nunmal authentisch, ob uns das in den wir-sind-alle-lieb-Kram passt oder nicht.
Die Pius-Bruderschaft hat Grund zum Spott:
Von ihnen haben die deutschen Bischöfe immer "Gehorsam gegen Rom" verlangt. Mit dem eigenen Gehorsam dem Papst gegenüber "scheint es nicht weit her zu sein".
Alle anderen machen mit - nur die Deutschen müssen mal wieder aus der Reihe tanzen.
Herzlichen Dank, lieber Predigtgärtner, für Ihre klare Position und Papsttreue. Gott segne Sie!
Interessant, wie aus der linken Ecke sofort wieder scharf geschossen wird. So findet etwa der Dekan (!) der Kath. Theolog. Fakultät Münster, Prof. Dr. Klaus Müller, das Papstschreiben enthalte "gewundene Begründungen", die nur dazu dienten, "die Schwelle für die Pius-Bruderschaft und andere weiter abzusenken". Toll, was ein führender Theologe, der unseren Nachwuchs unterrichtet, dem Papst unterstellt. Es wird sogar noch übler. "Woher will der Papst wissen, ob nicht auch die Evangelisten interpretiert haben?" - was heißen soll: Die Entscheidung des Papstes ist unbegründet. Wirklich super, Herr Professor!
Um Gottes (Jesu) willen!
Die Befürchtung einiger Leute, dass alle Menschen in den Himmel kommen könnten, scheint riesengroß zu sein. Muss man unbedingt den bekannten Karnevalssong bemühen? Kann man nicht auch mit dem universellen Heilswillen des Herrn argumentieren? - Natürlich, wer sich gegen Jesus Christus entscheidet, kommt in ... - Ja, wohin kommt der eigentlich? Nicht in den Himmel!? In die Hölle!? In ein Zwischenlager bis am Ende der Zeiten der Herr "Herrscher über der ganzen Schöpfung"(2 Kor6,18) sein wird!?
Unser Papst legt großen Wert auf die Treue zum Wort des Herrn, wie er in seinem Schreiben an die deutschsprachigen Bischöfe sagt. Warum nicht genauso ernst an anderer Stelle? Z.B. Mt 23,8.10: "Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn nur einer ist euer Meister; ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen, denn nur einer ist euer Lehrer, Christus."
Aber in der Kirche wimmelt es nur so von selbsternannten "Hirten", "Oberhirten", "Heiligen Vätern", "Hochwürden" und "Hochwürdigsten", ganz zu schweigen von Geistlichen Räten, Monsignores, Exzellenzen und Eminenzen...
... und manchmal sogar Turbolenzen :)
Schön, dass das hier so anschaulich erklärt wird. Ich habe mich auch schonmal über das "für viele" gewundert, kann aber selbst kein Latein oder Griechsich, um mir den Originaltext anzusehen.
Kommentar veröffentlichen
Zur Zeit keine Kommentare möglich.
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.