25.04.2012

Predigt 4. Sonntag der Osterzeit B -- 29.04.2012

(Fortsetzung)  
In vielen Gegenden war außerdem das Wasser knapp. Wer da nicht genau Bescheid wusste, der riskierte viele verdurstete Schafe. Schließlich gab es außerdem noch allerlei Gefahren durch wilde Tiere und auch durch Die-
be, die im Schutze der Dunkelheit einen Überfall starte-
ten und vielleicht etliche Schafe raubten. In dem zum Teil sehr unwegsamen Gelände konnte auch leicht ein Teil
der Herde bei der Futtersuche z.B. in einem Dor-
nengestrüpp landen und sich darin verheddern. Kurzum:
der Dienst eines Hirten war durchaus eine verantwor-
tungsvolle Aufgabe, die viel Erfahrung, Mut und Finger-
spitzengefühl verlangte. Begangene Fehler konnten sich bitter rächen, da oft genug weit und breit keine Hilfe in Sicht war.

Da die Schafe ausgesprochene Herdentiere sind, folgen sie ihrem Hirten im wahrsten Sinne auf’s Wort, zum gu-
ten Weideplatz - oder aber stattdessen in ihr Verderben. Wie Experimente gezeigt haben, können sie seine Stim-
me eindeutig von anderen unterscheiden und hören nur auf ihren eigenen Hirten, dem sie stets blind vertrauen wie vielleicht ein kleines Menschenkind seiner Mutter.

Wie die reale Erfahrung im damaligen Israel zeigte, gab es auch immer wieder bezahlte Hirten, denen die Her-
den selbst nicht gehörten. Sie arbeiteten wie andere Knechte auf der Basis von einem Denar Tageslohn.
Ihre Anstellung als Hirte war oft auf einige Wochen oder Monate im Jahr begrenzt.

Es versteht sich fast wie von selbst, dass diese Teilzeit-Hirten in der Regel nicht so viel Erfahrung hatten wie solche, die ihre eigene Herde jahrelang führen. Wenn es einmal hart auf hart kam und z.B. ein Wolf die Herde angriff, waren die meisten der nur angestellten Knechte nicht bereit, für den Schutz der Herde ihre eigenen Knochen hinzuhalten. Wer weiß, welche bösen Verlet-
zungen die wilden Tiere ihnen im Kampf zufügen konnten…!
Anschließend waren sie dann womöglich arbeitsunfähig, allerdings ohne die heutige Rente oder irgendeine Versicherung. Sie konnten dann nach einem Überfall sehen, wo sie blieben. Also galt für viele von ihnen:
Bei drohender Gefahr für das eigene Leben nichts wie weg von der Herde!

Jesus schildert seinen Zuhörern und uns dieses Verhalten ganz nüchtern, denn es heißt: „Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.“ - Das bedeutet allerdings im Ergebnis eine Katastrophe für die Herde: getötete Tiere, auseinander-
gejagte und verstreute Herden und auch noch die Gefahr, dass der Rest der Herde bald auch durch Futter- und Wassermangel elend eingeht.

So ist das, sagt Jesus, wenn man sich auf den falschen Hirten einlässt, auf einen Hirten, der einen irgendwann ins Verderben führt.
Wenn Jesus dies erzählt, dann will er uns wachrütteln. Es geht ihm natürlich um uns Menschen, nicht um Schafe; insofern darf man in solchen anschaulichen Bildern nicht immer alles 1 : 1 übersetzen.Wir Menschen haben im Gegensatz zu den Schafen das Glück, dass wir uns in aller Regel den Hirten aussuchen können, dem wir uns für unser Leben anschließen.

Doch genau darin liegt nicht nur unsere Chance, son-
dern auch unser großes Risiko. Jesus bestätigt uns: Ja, ihr habt es in eurer Hand, ihr habt die freie Wahl, wer für euch der Hirte sein soll. Darum schaut sie euch genau an, eure Führer, eure Leitfiguren, eure Ratgeber.
Seid auf der Hut vor denjenigen, denen es erst in zweiter Linie um euch und eure Zukunft geht, sondern hauptsächlich nur um ihr eigenes Wohlergehen.
Damit es auch wirklich jeder kapiert, sagt Jesus es gleich zweimal im Text: Ich bin der gute Hirt.“ – Direkt im Anschluss an diese Klarstellung liefert er eine nähere Begründung dafür: „Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“
Das heißt doch: Es gibt in Wahrheit nur einen einzigen wirklich guten Hirten. Jesus sagt schließlich nicht: „Ich bin ein guter Hirt“, sondern er sagt es ganz exakt und unmissverständlich: „Ich bin der gute Hirt.“ - Das ist nicht nur eine klare Distanzierung von all denen, die als Hirte versagt haben, sondern auch die Feststellung: es kann sowieso nur einen guten Hirten geben, und das ist Jesus selbst.
Dies wird noch besser verständlich, wenn man den Begriff „guter Hirt“ noch wörtlicher aus dem Originaltext übersetzt. Das Wort „kalos“ bedeutet nämlich so viel wie edel, schön, wahr. Jesus ist demnach also der wahre Hirt, er ist edel und schön – ein wirklich leuchtendes Vorbild.
In seiner Verant-
wortung für die ihm Anvertrauten geht Jesus sogar so weit, sein Leben für sie zu opfern. Wenn nur er allein der gute Hirte ist, ergibt sich daraus aber noch mehr: Es sind demnach auch
seine eigenen Schafe, sie gehören ihm. Er und diese Schafe – sie gehören zusammen. Alle diese Schafe stehen unter seiner Verantwortung, unter seinem Schutz. Er hat diese Verantwortung als Auftrag seines himmlischen Vaters empfangen. Nun steht er mit sei-
nem Herzblut ganz und gar für seine Herde ein. Er lässt keines seiner Schafe einfach im Regen stehen. Wer bei ihm ist, wird zwar auch Gefahren erleben, aber er wird sie unter der Führung Jesu meistern.

Dies wird auch deutlich an seiner Erklärung: „…ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich..“
Was aber bedeutet das genau? Was will Jesus mit dem Wort „kennen“ sagen?

Schon in unserer deutschen Sprache ist das Wort „kennen“ sehr vielschichtig. Sie kennen sicher die Bundeskanzlerin. Das heißt vielleicht aber nur, dass Sie wissen, wie sie heißt und wie sie aussieht. Sie kennen sicher auch ihren Nachbarn oder Arbeitskollegen.
Bei diesem Kennen geht es schon um deutlich mehr. Man weiß so einiges aus deren
Leben, aus deren Gewohnheiten und Einstellungen. Wenn man jemanden „kennengelernt“ hat, kann das jedoch eine Enttäu-
schung werden, denn der hat sich vielleicht bei einem ersten Treffen nur von seiner Schokoladenseite gezeigt. Ganz anders ist es, wenn man seine Mutter kennt oder seinen Ehepartner. Für die große Nähe einer solchen Beziehung reicht der Begriff „kennen“ eigentlich kaum aus.


Die Bibel spricht auch an verschiedenen Stellen von „kennen“. Damit ist ebenfalls immer ein ganz intensives Kennen gemeint, eine Beziehung, ein vertrauter Um-
gang miteinander, eine wirkliche Gemeinschaft.
Wenn Jesus also seine Schafe kennt, ist das alles andere als oberfläch-lich. Jesus weiß nicht nur, wer zu ihm gehört, sondern er kennt ihn oder sie auch ganz genau. Schon ein normaler Schafhirte kann alle Tiere seiner Herde voneinander unterscheiden, obwohl sie für uns Laien alle gleich aussehen.
Jesus aber kennt
die Seinen wirklich.
Er weiß nicht nur ihren Namen und ihre Eigenheiten. Er kennt sie durch und durch, also auch ihre Schattenseiten und Macken. Doch auch seine Herde kennt ihn so gut, dass man sie nicht täuschen kann: die Schafe wissen sehr genau, wer ihr Hirte ist, der es gut mit ihnen meint.
Trotzdem mag das Bild mit der Schafherde nicht jedem auf Anhieb gefallen. Gerade heutzutage wollen wir eigenständige Persönlichkeiten sein, und keine Massen, die jemandem hinterherlaufen. Da kommt der Gedanke, ein Schaf in der Herde Jesu zu sein, bei den meisten erst einmal nicht so besonders gut an.
Doch je länger ich darüber nachdenke, desto erfreuter bin ich über diesen Vergleich Jesu. Ja, ich bin wie Sie auch ein Schaf, und das ist keineswegs eine Beleidi-
gung! - Ich bin ein Schaf in der großen Herde Jesu, und ich bin sehr, sehr glücklich darüber!

Ich habe gelernt, dass dieser wirklich gute Hirte auf meinen und unseren Weg achtet. Ich bin ganz und gar nicht allein. Wir alle sind mit ihm auf dem Weg. Noch weitere Schafe werden dazukommen, denn Jesus sagt: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden
auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.“

Für uns ist der richtige Stallgeruch wichtig: Wir unter-
scheiden, wer zu uns gehört und wer nicht. Anderen gegenüber sind wir eher skeptisch oder gar ablehnend. Das durchzieht alle menschlichen Lebensbereiche einschließlich der Religion. Jesus jedoch prophezeit uns: Es wird so kommen, dass auch die anderen Schafe, die ihr nicht kennt, auf meine Stimme hören werden. Aus allen Herden wird nur eine einzige Herde werden unter meiner Führung.
Wirklich, was für ein Glück, ein Schaf zu sein! In der Gemeinschaft der Herde Jesu folgen alle einem Ruf, nämlich seinem Ruf. Der gute Hirte
weiß, wo es lang geht. Er ist immer für sie da, ganz egal, was passiert. Ganz zuverlässig führt er die Seinen zum Ziel. In dieser Gemeinschaft hat jedes Schaf seine Eigenart, und nicht alle kommen im gleichen Tempo voran. Manche brau-
chen mehr Zeit, manche sind schon mal zu stürmisch. Doch alle haben nur diesen einen
Hirten, und eine Konkurrenz untereinander ist völlig unsinnig. Der Hirte sorgt schon für das richtige Tempo und für alles, was seine Schafe brauchen.
Was für ein Glück, ein Schaf Jesu zu sein! Freilich: Damit man den Hirten nicht aus den Augen verliert und in irgend-
welche Ab-
gründe stürzt, muss
man schon selber mit aufpassen. Also immer Augen und Ohren auf!
Kostenlose Seh- und Hörtests gibt’s bei Jesus übrigens auch. Das kann man in aller Ruhe ausprobieren, und das sollte man auch möglichst oft. Dieses Test-
programm gibt’s als Buch, als Computerprogramm und vieles mehr. - Wie es heißt? Der Name ist ganz leicht zu merken: DIE BIBEL !



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- Ev. Brüderverein: Kurzinfo über Schafhirten (pdf) >>BITTE KLICKEN !
- Werkheft zum Gebetstag für geistliche Berufe >>BITTE KLICKEN !
- Gottesdienstentwurf: Weltgebetstag für geistl. Berufe >>BITTE KLICKEN !
- „MEIN PREDIGTGARTEN“ - 4. Ostersonntag C (2010) *) >>BITTE KLICKEN !
- „MEIN PREDIGTGARTEN“ – 4. Ostersonntag A (2008) *) >>BITTE KLICKEN !
*) Diese früheren Predigten kann ich Ihnen auf Wunsch per E-Mail als WORD-Datei zusenden!



Gut aufgepasst:  Der Bischof höchstpersönlich hatte sich ausnahmsweise zur Prüfung eines jungen Reli-
gionslehrers in einem Bergdorf angekündigt. Der Prü-
fungskandidat belehrte darum seine Schüler: „Kinder, glaubt bitte nicht, weil wir zu unserem Herrgott „du" sagen, dürft ihr auch unseren hochwürdigsten Herrn Bischof so anreden;
zu dem sagt man immer „Euer Bischöfliche Gnaden!"
Während der Religionsprüfung fragte der Oberhirt ein braves Mädchen: „Kannst du mir sagen, wie das sechste Gebot lautet?" - Das Mädchen dachte an die eindringliche Belehrung des Lehrers und antwortete pflichtbewusst: „Euer Bischöfliche Gnaden sollen nicht Unkeuschheit treiben."

Endlich ein Update: Die Bibel 2.0
Nachdem treue Anhänger jetzt seit zweitausend Jahren auf ein Update warten, gibt es endlich eine neue Version der Bibel. Die neuen Features im einzelnen:
- Anzahl der Gebote von zehn erweitert auf fünfzehn interne und fünf vom Benutzer definierbare.
- 3. Teil: Das "Brandneue Testament". Mit Erweiterung "Das irre coole Testament für Kids!" mit Autogramm-
adressen, z.B. Gott, Jesus, Maria.
- Statt einer jetzt bis zu zehn Gottheiten möglich!
Auch weibliche Götter! - "Gott Construction Kit" wird mitgeliefert!
- Sex vor der Ehe: Jetzt erlaubt!
- Homosexualität: Jetzt erlaubt!
- Sintflut-Option ergänzt durch: Erdbeben - Alienattacke - Atom-Gau – und Spinat.
- Jungfrauengeburt erweitert auf den neuesten Stand der Gentechnik!
- Statt zwangsläufiger Kreuzigung jetzt wahlweise - Finaler Rettungsschuss- Autounfall – Suizid ..
                    (Quelle: mir leider nicht bekannt)

Die heutigen Predigtgedanken können Sie auch selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.7.2012)
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1 Kommentar:

Katharina Schöbel hat gesagt…

Die Hirten-Matapher ist zwar die klassischste aller Klassischen, aber das hat einen guten Grund, beschreibt sie doch so treffend wie kaum eine andere das angestrebte Verhältnis von Mensch und Gott.

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