18.08.2010

21. Sonntag im Jahreskreis C - 22.8.2010

(Fortsetzung)

Jesus setzt sogar noch eins drauf, indem er seine Zuhörer darauf hinweist, dass der Hausherr persön-
lich irgendwann die Tür zum Festsaal abschließt. Die Himmelstür steht also lange offen, aber irgendwann wird auch hier dicht gemacht. Man kann eben nicht nur seinen Zug oder sein Flugzeug verpassen, sondern auch den Eintritt zum himmlischen Gastmahl.

Jesus malt die Szene noch weiter aus: Die da draußen so aus-
gesperrt stehen, die hämmern jetzt mit den Fäusten an die Tür, weil sie unbedingt noch rein wollen. Doch der Hausherr erklärt ihnen sogar gleich zweimal, dass er sie gar nicht kennt. Ihren Einwand, dass sie doch gute Bekannte von ihm sind, dass sie sogar schon zusammen gegessen und getrunken haben, ignoriert der Hausherr einfach mit der schockierenden Bemerkung: „Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!“
Jesus kommentiert das dann noch mit dem Hinweis auf die gewaltige Enttäuschung, die jetzt die Ausgeschlossenen packt. Heulen und mit den Zähnen knirschen werden sie, weil sie von draußen zusehen können, wer drinnen sitzt und kräftig feiert.

Das heutige Evangelium ist also ein richtiger Aufreger! Doch halt – da kommt ja noch der Schluss, und da verrät Jesus seinen Zuhörern, dass im himmlischen Festsaal ganze Völkerscharen angekommen sind und zu Tisch sitzen. Aus allen Himmels-
richtungen strömen sie herbei, was bedeutet, dass Menschen aus allen Ecken der Erde beim Festmahl willkommen sind. -- Und damit kommen wir der Sache auch schon näher. Da sind dann bestimmt nicht nur Juden und Christen dabei, sondern auch sogenannte Heiden. Aber wie kann denn das bloß sein?
Ausdrücklich vermerkt Jesus auch noch, dass manche von den Letzten die Ersten sein werden und umgekehrt.

Wie kann das alles bloß sein, was Jesus da erzählt?
Schockierend ist das, einfach schockierend! – Und genau das will es auch sein: Jesus will mit dieser Szene alle mal ganz kräftig wach-
rütteln. Gerade diejenigen, die doch seine Bekannten sind, die in seiner Kirche sind, die schüttelt und rüttelt er heute. Jesus kennt seine Pappenheimer. Ihm macht keiner was vor. Da gibt es gerade unter den treuen Christen eine ganze Reihe, die tun so, als hätten sie mit dem lieben Gott am Frühstückstisch gesessen. Wir sind doch katholisch – klar, dass wir in den Himmel kommen!
Gotteskinder sind wir, und einen Taufschein haben wir auch alle.
Wir beten, wir opfern, wir tun und machen. Da können wir doch wohl auch die entsprechende Gegenleistung Gottes erwarten, oder?

Jesus kennt uns. Deshalb rüttelt er uns wach: Wiegt euch nicht
in falscher Sicherheit – Gott ist nicht euer Geschäftspartner!
Die Spielregeln bestimmt nicht ihr, sondern er, der Herr!
Jesus will uns aufschrecken, will uns aus der Reserve locken.
Der Himmel steht euch offen und vielen anderen auch.
Aber man spaziert nicht einfach so locker hinein. Und reservierte Plätze für Leute mit Beziehungen gibt es schon gar nicht. Da fährt euch auch kein Taxi bis vor
die Tür.
Nein, da muss sich jeder selber auf-
rappeln und zur engen Tür kommen. Und dann wird sich herausstellen, ob
er oder sie sich klein genug machen kann, um da durchzupassen. Da kann einem auch niemand die Anstrengung abnehmen, sondern jeder muss selbst und einzeln da durch.

Schön und gut, mögen Sie jetzt denken, aber wie kommt man da durch, wie kommen diese vielen Menschen wohl da durch?
Und da sagt uns Jesus: Indem du dich ganz bewusst entscheidest. Nicht ein für allemal, sondern jeden Tag neu, denn solch eine Entscheidung ist leicht verderblich. Sie muss immer wieder frisch zubereitet und erneuert werden.
Um es mit einem Beispiel zu sagen: Stellen Sie sich ein frisch verheiratetes Paar vor, glücklich und verliebt.
Was wäre davon zu halten, wenn nun einer der beiden Partner sagt: „Wie du weißt, liebe ich dich. Diese Erklärung gilt nun für den Rest unserer Ehe, du brauchst also nicht mehr zu fragen.“
Natürlich wären wir da empört. Liebe kann man doch nicht ein für allemal erklären, und das war’s dann. Liebe will jeden Tag erneuert und dem geliebten Partner auf verschiedenste Weise gezeigt werden.

Der Appell Jesu will uns sagen: Mit der Gottesliebe ist das nicht viel anders! Wenn du Gott wirklich liebst, wenn er dir nicht aus dem Kopf geht, wenn du so leben willst, dass es ihn erfreut, dann musst du dich auch aufraffen!
Wie sieht denn deine Liebe zu Gott konkret aus?
Hast du überhaupt im Alltag Zeit für ihn übrig, für Gebet, Gottesdienst und vieles mehr?
Was tust du konkret zur Pflege eurer Beziehung?

Verlasse dich nicht auf deine einmalige Liebeserklärung, wie jener Ehepartner. Solche Beziehungen gehen leicht in die Brüche. Dann stehst du eines Tages da vor der Tür und musst dir eingestehen: „Ja, ich habe es vermasselt, Herr!“
Lass dich also von Jesus wachrütteln und schockieren. So wie liebende Eltern ihr Kind warnen: „Pack nicht an die heiße Herdplatte, denn dann verbrennst du dich!“, so weckt uns Jesus aus dem Schlaf der Sicherheit: Der Festsaal ist hergerichtet. Die Musik spielt, das Essen dampft in den himmlischen Schüsseln. Ein rauschendes Fest des Glücks und der ewigen Seligkeit erwartet dich.
Überlege dir gut, wie du dich verhältst. Es lohnt sich, wenn du jeden Tag mit aller Kraft näher auf diese Tür zugehst. Du wirst schon freudig erwartet – verpasse die Gelegenheit bloß nicht!

Predigt Diakon Josef Lengauer
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Predigt Prof. Dr. Dr. Klaus Müller
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Katholisches Bibelwerk: Hinweise zum Evangelium (pdf)
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Predigt Pfr. Heinz-Josef Löckmann
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Dompfarrer Jakob Ibounig: Predigt im O-Ton (8 min. mp3)
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Drei Kurzreportagen des SWR-Fernsehens über Eintritt ins Kloster
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In der Eisenbahn sitzt ein Kirchenhasser. Als sich ein Priester auf den freien Platz gegenüber setzt, will der Spötter sofort provozieren: „Wenn mein Sohn dumm wäre, würde ich ihm eine Ausbildung zum Priester nahelegen!“ - Der Priester schmunzelt und meint: „ Ihr Vater war in dieser Frage ja ganz offensichtlich anderer Ansicht!“

Die etwas schlichte Frau Höhler zählt zu den treuesten Gottes-
dienstbesuchern der Gemeinde. Heute jedoch stutzt der Pfarrer, als er vor der Sonntagsmesse an ihrem Platz vorbeikommt: Da liegt doch tatsächlich ein Gebiss auf ihrem Gebetbuch! Er vermutet Zahn-
schmerzen und will Trost spenden: „Ach, Sie haben Kummer? Das Gebiss drückt wohl ein wenig beim Singen?“
Die Angesprochene meint: „Nee, der Kummer hat jetzt ein Ende. Das Gebiss gehört meinem Mann daheim. Der frisst mir jetzt nicht mehr den Rinderbraten weg!“

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1 Kommentar:

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