25.08.2010

22. Sonntag im Jahreskreis C - 29.8.2010

(Fortsetzung)

Heute ist er von einem führenden Pharisäer zum Essen eingeladen worden. Es ist Sabbat, und es ist durchaus üblich, dass die frommen Pharisäer sich nach dem Sabbat-Gottesdienst zum gemeinsamen Essen und Meinungsaustausch treffen. Man kennt sich, man trifft sich, man versteht sich. Die Gäste sind gewissermaßen handverlesen.
Das bedeutet selbstverständlich auch, dass die Ehre, zu solch einem Treffen eingeladen worden zu sein, gelegentlich mit einer Gegeneinladung beantwortet werden muss.
Wir vermuten richtig, dass man Jesus nicht eingeladen hat, damit er endlich mal was besonders Gutes zu essen bekommt. Der Gast-
geber und seine Gäste wollen diesen Rabbi in ihrem kleinen Kreis mal gründlicher unter die Lupe nehmen. Im Evangelium heißt es dazu, dass man ihn genau beobachtete. Drastischer formuliert könnte man sagen: man observiert ihn, man belauert ihn. Was wird er sagen, wo wird er vielleicht Fehler machen?

Da passiert es auch schon kurz nach Jesu Eintreffen, dass direkt vor ihm ein Kranker wie aus dem Nichts auftaucht und um Hilfe und Heilung bittet, und das am heiligen Sabbat. Von wem der wohl den Tipp bekommen hat, wo Jesus gerade steckt?
Die betreffenden Verse sind im heutigen Evangelium leider aus-
gelassen. Jesus wendet sich darin klugerweise sofort an die umstehenden Pharisäer, um sie zu fragen, ob es ihrer Meinung nach erlaubt ist, am Sabbat zu heilen. Der Schwarze Peter liegt nun bei ihnen. Das hatten sie sich eigentlich etwas anders gedacht.
Erst nach ihrem Schweigen schreitet Jesus zur Tat und heilt den Mann. Na, das fängt ja gut an, wird der eine oder andere der Umstehenden gedacht haben.

Wie damals üblich, kommt man zu einem Gastmahl eher ein wenig zu spät. Und besonders wichtige Leute kommen gerne auch mal noch ein wenig später, denn dann haben sie ihren erhofften Extra-Auftritt. Die bereits Anwesenden haben sich längst einen Platz ausgesucht, der ihrer Meinung nach ihrer Stellung und ihrer persön-
lichen Beziehung zum Gastgeber entspricht. Da rückt manch einer ein bisschen näher zum Hausherrn, weil er den schließlich schon jahrelang und gut kennt.
Da sollte doch wohl ein Ehrenplatz in seiner Nähe drin sein. Den hat man sich im Laufe der Zeit gewissermaßen erarbeitet und reserviert.
Dann passiert immer mal wieder das fast Unvermeidliche: Die Tür geht auf, und ein richtig prominenter Zeitgenosse gibt dem Gast-
geber die Ehre.
Dem bleibt jetzt gar nichts anderes übrig, als einen Gast, der schon ganz in der Nähe des Hausherrn Platz genommen hat, höflich und doch deutlich um Räumung seines Sitzplatzes zu bitten. Das ist für den, der da umziehen muss, natürlich alles andere als lustig. So eine Blamage!
Diese bekannte Prozedur macht Jesus bei den Pharisäern zum Thema, weil er bemerkt, wie sie sich heute mal wieder um die besten Plätze drängeln. Auf den ersten Blick könnte man meinen, Jesus habe sein Betätigungsfeld gewechselt und arbeite nun als Benimm-Lehrer. Der Eindruck, Jesus kümmere sich hier um die komplizierten Regeln der gesellschaftlichen Etikette, wie sie etwa im „Knigge“ abgedruckt sind, täuscht natürlich. Wer wem wann die Hand schütteln oder in den Mantel helfen darf, ist eher nicht Jesu Spezialgebiet.
Wie so oft, nimmt er einfach ein gerade konkretes Geschehen zum Anlass, um seine Zuhörer auf einige Besonderheiten im Himmelreich hinzuweisen.
Es fällt auf, dass Jesus von einer Hochzeit spricht. „Wenn du zu einer Hochzeit ein- geladen bist…“ - so beginnt er seine Unterrichtsstunde. Jeder wird ihm da zustimmen müssen, wie er anschaulich schildert, was einem passieren kann, wenn man sich da vordrängelt, möglichst direkt in die Nähe des Vorstandstisches, gleich neben das Brautpaar. Vorstandstische sind schon in Ordnung. Jesus selbst hat beim Abendmahl mit seinen Jüngern auch ganz zentral gesessen. Aber unsereiner sollte sich hüten, die eigene Bedeutung falsch einzuschätzen.
Der Rat Jesu, sich dann doch besser an den untersten, an den letzten Platz zu setzen, klingt ein wenig wie Bauernschläue: Tu am besten ganz demütig, dann muss man dich im wahrsten Sinne des Wortes hochloben, hoch in die Nähe des Gastgebers. Der Philosoph Friedrich Nietzsche spöttelte darüber: „Wer sich selbst erniedrigt, will erhöht werden!“

Ist diese Belehrung Jesu wirklich ein Appell an uns, als Christen immer schön brav in gebückter Haltung aufzutreten? Fordert er uns damit auf, unser Licht immer unter den Scheffel zu stellen und bloß nicht aufzufallen? Will Jesus damit gar zu Heuchelei und über-
zogener Demut auffordern?
Ganz gewiss nicht. Jesus hat die Dinge immer beim Namen genannt. Es geht ihm also keines-
falls um eine Empfehlung zum Duckmäusertum. Sich den letzten Platz aussuchen – damit meint er nicht, dass man in der Kirche nur die letzte Bankreihe besetzen soll. Ganz bestimmt nicht, denn schließlich sind wir in der Eucharistie-
Feier eingeladen, und da bleibt man bei Familienfesten ja auch üblicherweise nicht im Flur stehen.
Das eigentliche Thema Jesu ist: „Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist…“ - Immer wieder ist dies das große Thema Jesu: Die damaligen Zuhörer Jesu und wir alle sind zu einer ganz großen Hochzeit eingeladen, und wir wissen auch, wer bei diesem himmlischen Fest der Gastgeber ist: Gott selbst ist es, der die Einladung ausgesprochen hat. Das will uns Jesus immer wieder so eindringlich klarmachen.
Wir alle sind Eingeladene, und das große Hochzeitsmahl findet garantiert statt. Doch als Christen sollten wir anders sein als die mehr oder weniger Prominenten, die nichts Besseres zu tun haben, als sich über die Rangordnung und über ihr Erscheinungsbild (heute sagt man dazu „Image“) so schrecklich viele Gedanken zu machen.
Das Geschachere um die besten Plätze ist der Christen unwürdig. Bei diesem üblen Gesellschaftsspiel um Wichtigkeit, um Neid und Ehrsucht sollten wir nicht mitspielen. Christen haben das auch gar nicht nötig, denn es genügt, wenn sie sich auf den Weg machen, um der Einladung Folge zu leisten, den Festsaal aufzusuchen.
Vom Hausherrn ist bereits für alles gesorgt. Der Streit um die Plätze ist vollkommen über-
flüssig, denn der himmlische Gastgeber hat längst für jeden von uns reserviert. Und so dürfen wir vertrauensvoll abwarten, welcher Platz uns dann zuge-
wiesen werden wird. Vor Gott brauchen wir uns jedenfalls nicht aufzuplustern, es sei denn, wir wollen ihn zum Lachen bringen.
Von Papst Johannes XXIII. ist überliefert, dass er sich in schwierigen Entscheidungs-Situationen immer mal wieder selbst ermahnen musste: „Ach, Giovanni, nimm dich nicht so wichtig…!“

Zum Schluss des Evangeliums greift Jesus noch kurz eine andere Fragestellung auf: Wen soll man denn einladen, wenn man selbst etwas zu feiern hat?
Na klar, da denkt jeder zuerst an Verwandte, an Freunde, an Menschen, die einem besonders wichtig sind. Jesus als unser Lehrer hofft aber, dass man das gerade vorhin Gehörte jetzt auch auf diese Situation anwenden wird: Frage dich doch dann einfach mal, ob du bei diesem ewigen Spiel „Wie du mir, so ich dir“
als Christ immer mitspielen musst! Wir kennen alle manchmal bis zum Verdruss den Kreislauf von Schenken und Wiederschenken, von Einladen und Gegeneinladung.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Nichts spricht dagegen, lieben Menschen eine Freude zu machen, ganz im Gegenteil!
Doch Christen kreisen nicht um sich selbst. Jesus wünscht, dass wir unsere Augen und Ohren weit öffnen. Dann bemerken wir, dass da viele Mitmenschen sind, die von Gott ebenfalls herzlich eingeladen sind. Und zwar auch dann und vielleicht sogar gerade dann, wenn sie nicht zu den VIP’s, zu den
„very important persons“ dieser Welt gehören, sondern ein Leben voller Not und Sorgen führen müssen.

Jesus appelliert an uns: Ladet diese Mitbrüder und Mitschwestern ebenfalls ein, wenn ihr feiern wollt. Das ist seine Benimm-Regel für Christen: Holt die Armen und Benachteiligten dieser Welt an eure Tische und an eure Herzen – das wird Gott euch nie vergessen. Dereinst werdet ihr dann über seine Großzügigkeit euch gegenüber staunen!

Pfr. Wilhelm Weber: Seid bescheiden und großzügig zugleich (pdf)
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Predigt Diakon Josef Lengauer
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Predigt Pfr. Wolfgang Kempf (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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VIRC Wien: Messtexte in versch. Sprachen, Lesejahr C (pdf)
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Weihnachtsessen Gemeinschaft St. Egidio
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Weltjugendtag 16. – 21. August 2011 in Madrid
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Herr Meiser ist schon 45 und zu seinem Bedauern immer noch
nicht verheiratet. So geht er schließlich zu einem Heiratsinstitut.
Die freundliche Dame im Büro hat seine Daten schon abgefragt und bittet ihn dann, seine Vorteile mit eigenen Worten zu beschreiben.
„Ich trinke nicht, ich rauche nicht, ich bin kein Spieler und ich flirte schon gar nicht mit anderen Frauen. Ich helfe gerne jeden Tag im Haushalt und lese meiner zukünftigen Frau selbstverständlich jeden Wunsch von den Lippen ab!“
Die Vermittlerin ist begeistert: „Na, da werden wir sicher schon bald jede Menge Bewerberinnen für Sie haben!
Aber sagen Sie mal, haben Sie denn eigentlich keinen Fehler?“ Herr Meiser lächelt etwas gequält und sagt: „Nun ja, ich muss zugeben, dass ich ziemlich oft lüge…“

Pfarrer Meier hält seinen letzten Gottesdienst in der Gemeinde. Anschließend beim Abschied stehen ihm und vielen seiner Schäfchen die Tränen in den Augen. Natürlich weiß er, wie wichtig jetzt ein tröstliches Wort des Seelsorgers ist: „Ihr bekommt bestimmt bald einen neuen Pfarrer, der viel besser ist als ich!“
„Das glauben wir nicht“, meint da der Pfarrgemeinderatsvorsitzende, „das hat uns der Herr Bischof beim Abschied Ihres Vorgängers schließlich auch versprochen!“

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1 Kommentar:

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