06.10.2010

28. Sonntag im Jahreskreis C - 10.10.2010

(Fortsetzung)

Die Erkrankung wurde als Strafe Gottes ange-
sehen. So fühlte man sich nicht nur von den Mit-
menschen verlassen und
wie eine faule Frucht aussortiert, sondern auch von Gott. Man lebte nur noch dahin ohne jede Hoffnung, von Eiter stinkend und voller Schmerzen an Leib und Seele, und das bis zum Tod.

Die zehn Aussätzigen im heutigen Evangelium bleiben im ge-
bührenden Abstand vor Jesus stehen. Natürlich haben sie auch irgendwie von ihm erfahren, von diesem Rabbi Jesus, von seinen Wundertaten und seinen Predigten über das kommende Reich Gottes. Und jetzt, wo er fast vor ihnen steht, nutzen sie natürlich ihre Chance. Für sie geht es um alles oder nichts, und so schreien sie ihren verzweifelten Hilferuf hinaus: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“
Wie Jesus ihnen konkret helfen kann, das wissen sie selbst nicht so genau. So trauen sie sich nicht, ihm zuzurufen: „Mach uns gesund!“ Sie schreien ihm einfach all ihre Not entgegen, in der kühnen Hoffnung, dass dieser berühmte Rabbi sie doch noch aus dem grausamen Schicksal befreien kann.
Das heutige Evangelium hält sich nicht weiter mit ihren Gefühlen
auf, und auch die Betroffenheit und das Mitleid Jesu werden nicht erwähnt. Zügig geht es weiter, denn sofort anschließend heißt es: „Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern!“

Da sind wir ebenso verblüfft wie diese zehn Aussätzigen. Eigentlich hatte man doch damit gerechnet, dass Jesus sie etwas fragt und dass er z.B. ein feierliches Gebet spricht, um sie danach im Hand-
umdrehen von ihrem Leiden zu befreien.
Er aber gibt ihnen stattdessen das Kommando, sich auf den Weg zur medi-
zinischen Kontrolle zu machen, zu den zuständigen Priestern in Jerusalem. Was soll man denn davon halten? – Die Aussätzigen zögern jedoch nicht. Sie setzen sich tatsächlich in Bewegung, sie nehmen wirklich diese Anstrengung auf sich und setzen alles auf eine Karte.
Der Weg wird sie viel Kraft kosten, und immer wieder werden sie Gesunden ausweichen müssen. Ob und wie sie in Jerusalem ankommen werden, das können sie noch nicht absehen.
Das Wort Jesu hat ihnen in ihrer Not offenbar genügt, dieses Risiko einzugehen. Solch ein Glaube ist sicher auch für uns heute noch beeindruckend!
Warum aber mutet Jesus den Kranken diesen Weg zu? Wir denken schnell, es hätte doch genügt, wenn er ihre Wunden geheilt hätte. Jesus reagiert deshalb anders, weil er die Vorschriften genau kennt. Gesund und rein ist man nicht schon dann, wenn man sich wieder gesund fühlt, sondern im Sinne des Gesetzes erst dann, wenn man das auch amtlich bestätigt bekommen hat. Dann erst ist man wieder voll in die Gemeinschaft aufgenommen und darf auch wieder am Gottesdienst teilnehmen.

Während diese Zehn unterwegs sind, spüren sie an sich Veränderungen. Wie lange es gedauert hat, Stunden oder Tage, das erfahren wir nicht. Im Text heißt es nur: „Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.“ - Auch hier lässt das Evangelium alle Details weg; im Blick ist nur der Tatbestand an sich: sie alle sind diese entsetzliche Krankheit los. Voller Freude, aber auch mit ein wenig Bangen vor dem endgültigen Urteil der Gutachter in Jerusalem legen die Zehn die letzten Kilometer zurück.
Die Zehn? Nein, da ist zwischendurch noch etwas passiert.
Beinahe hätten wir es nicht mitbekommen. Einer der zehn ehemals Aussätzigen ist auf dem Weg zu den für ihn zuständigen Priestern sehr nachdenklich geworden. Ob er die Priester erreicht hat oder ob er schon vorher umgekehrt ist, lässt sich am Text nicht eindeutig klären. Wesentlich ist auch nur das Ergebnis: Nur dieser eine Mann macht sich auf den Rückweg zu Jesus. Nur dieser eine Mann von zehn hat sich vorgenommen, Jesus dafür zu danken und Gott für seine Rettung zu preisen.
Und jetzt kommt der Clou dieser Geschichte: Dieser Mann, der es als einziger für nötig befindet, ein herzliches Danke zu sagen, dieser Mann ist ein Mann aus Samarien. Wie wir wissen, standen die frommen Juden mit diesen Leuten aus ihrer Nachbarschaft etwas auf Kriegsfuß. Die Samaritaner hatten nicht so strenge religiöse Regeln wie die Juden und lehnten auch den Tempel in Jerusalem als zentrales Heiligtum ab. Jedenfalls war es so, dass die meisten Juden diese in ihren Augen sündigen Grenznachbarn als gottlos verachteten.

Ausgerechnet dieser Mensch kommt nun zu Jesus zurück! Ausgerechnet der, von dem man es am wenigsten erwartet hätte. Als er Jesus wieder trifft, merken wir, dass es ihm dabei nicht um eine höfliche, artige Danksagung geht.
Im Evangelium heißt es: „Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, daß er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien.“
Einer ist es, der Gott mit lauter Stimme lobt für dieses großartige Geschenk der Gesundheit. Wie vor einer Majestät wirft er sich vor Jesus auf den Boden, in den Staub der Straße. Intensiver kann er seine Dankbarkeit nicht ausdrücken. Alles, was er jetzt ist, verdankt er Jesus. Sein Herz ist übervoll von Freude.

Das Evangelium schildert uns, wie Jesus darauf reagiert. „Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“
Wer weiß, was mit den anderen neun passiert ist. Wahrscheinlich haben sie im Tempel nach ihrer Gesundschreibung ein Dankopfer dargebracht. Vielleicht sind sie so schnell wie möglich zurück zu ihren Familien gegangen. Vielleicht war es nur Gedankenlosigkeit.
Diese neun Geheilten stehen mit ihrer Haltung jedenfalls für viele Menschen. In ihrer großen Not haben sie um Hilfe gebettelt, und als es ihnen wieder gut ging, da war das Danken nicht mehr so wichtig. Hauptsache gesund, wie man heute so gerne sagt.
Das Evangelium jedenfalls befasst sich nicht weiter mit ihrem Verhalten; man spürt bei Jesus nur eine gewisse Enttäuschung.
Er stellt stattdessen lieber diesen Mann in den Mittelpunkt, der als einziger verstanden hat, worauf es wirklich ankommt. Man kann körperlich ganz heil sein, aber trotzdem nicht heil vor Gott. Wenn die Haut rein ist, kann die Seele immer noch unrein sein.
Bald wird der Alltag die neun Geheilten wieder fest im Griff haben, ohne dass sie Gott in ihrem Leben die Ehre geben, die ihm gebührt. Von ihrem ersten so erstaunlichen Vertrauen auf Jesus ist nicht viel übrig geblieben. Verfallsdatum abgelaufen.

Dieser geheilte Mann aus Samarien aber, den die frommen
Juden so gerne als schwarzes Schaf betrachten, mit dem man besser nichts zu tun hat, der ist wirklich radikal umgekehrt. Er ist ein neuer Mensch geworden, der Gott aus tiefstem Herzen preisen kann. Vielleicht fragt er sich das, was sonst so häufig in Leid und Not gefragt wird: Warum gerade ich? Womit habe ich das verdient? –
Dieser Mann spürt es: Sein Leben ist ihm einst geschenkt worden, und jetzt ist ihm vom gnädigen Gott sein neues Leben geschenkt worden, ein Leben in großer Dankbarkeit und Gottesliebe.
Was für ein Glückspilz er doch ist!

Damit geraten am Schluss wir selbst mitten hinein in diese Szene. Prüfen wir uns immer wieder selbst: Wir feiern gemeinsam Eucharistie, das heißt übersetzt „Danksagung“.
Danke ich wirklich Gott in dieser Stunde und in meinem ganzen Leben?
Wenn mir dieses Danken öfter schwerfällt: Wie wäre es mit dem Anlegen einer Geschenke-Liste, auf der ich nach und nach notieren kann, womit Gott mich in meinem bisherigen Leben schon beschenkt hat?
In schwierigen Zeiten meines Lebens kann mir der Blick darauf helfen, auch dann meine Danksagungen an Gott zu verschicken. Portofrei, versteht sich.

Predigt Pfr. Karl Sendker: „Ein hoffnungsloser Fall“
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Predigt Pfarrer Prof. Dr. Christoph Dinkel
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Predigt Pfr. Frank Nico Jaeger: „Mensch ärgere dich nicht“
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Lk 17,11-19 - ausgelegt von Prof. Dr. Ludwig Volz
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Vortrag Dr. Arnold Mettnitzer: „Dein Glaube hat dir geholfen“ (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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DAHW – „Hilfe, ich will meine Finger nicht verlieren!“
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Video: Mit Lepraärztin Dr. Ruth Pfau unterwegs in Pakistan (29 min.)
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„Lepra-Pater“ Damian de Veuster (Wikipedia-Artikel)
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Ab 7. Oktober zu haben: Erntedank-Briefmarke 55 ct
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Zehn kleine Christen …

Zehn kleine Christen sich ihres Glaubens freun, doch einem gefiel die Predigt nicht, da warens nur noch neun.
Neun kleine Christen hatten alles treu gemacht, der eine hat die Lust verlorn, da warens nur noch acht.
Acht kleine Christen hörten was von „Nächsten lieben“, der eine fand das viel zu schwer, da warens nur noch sieben.
Sieben kleine Christen macht Konfe ganz perplex, und einer sagt: „Ich mag nicht mehr“, da warens nur noch sechs.
Sechs kleine Christen meinten: „Die Kirch hat alle Trümpf“, der eine war dann sehr enttäuscht, da warens nur noch fünf.
Fünf kleine Christen, die warn der Kirche Zier, doch einer fühlt sich nicht geehrt, da warens nur noch vier.
Vier kleine Christen, die waren echt und treu, doch einer schafft das Tempo nicht, da warens nur noch drei.
Drei kleine Christen waren immer noch dabei, doch einer fand die Schar zu klein, da warens nur noch zwei.
Zwei kleine Christen – ein Anfang? Jedoch Nein, der eine hat den Mut nicht mehr, da war es nur noch ein.
Ein kleiner Christ, ach, der erscheint so klein, wenn auch die Neune laufen gehen, Gott lässt ihn nicht allein.
Ein kleiner Christ, der holt sich seinen Freund herbei, und der ging mit ihm in die Kirch, da warens wieder zwei.
Zwei aktive Christen, denen machte es Plaisir. Sie nahmen beide noch wen mit, da waren es schon vier.
Vier überzeugte Christen, die glaubten Tag und Nacht, das wirkte wie ein Virus, da waren es schon acht.
Jetzt noch zwei dabei, und dann wird man es sehn wenn du und ich da auch mitmachen, dann sinds schon wieder zehn.
(Quelle: Mir leider nicht bekannt)

Wie du mir… Zwei ehemalige Klassenkameraden treffen sich nach 40 Jahren zufällig am Kölner Hauptbahnhof. Beide haben es zu etwas gebracht: Einer ist General geworden, der andere Kardinal. Doch die beiden haben sich ihre gründliche Abneigung aus der Schulzeit offenbar gut bewahrt, und so frotzelt der Kardinal:
„Ach, verzeihen Sie, Herr Bahnhofsvorsteher, wann fährt der nächste Zug nach München?“ -

Der General blickt ziemlich missvergnügt auf den Kardinal, doch dann lächelt er und meint: „Wollen Sie in Ihrem Zustand wirklich
noch verreisen, gnädige Frau…?“


Ganz nach Wunsch: Der Gast hat ausgewählt: „Herr Ober, bringen Sie mir bitte eine Forelle!“ – „Gerne, der Herr!“ - Der Gast vom Nebentisch hat zugehört und ruft: „Mir bitte auch. Aber eine frische!“ - Der Ober gibt lautstark Anweisung an die Küche: „Bitte zweimal Forelle, eine davon frisch!“


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1 Kommentar:

Der Predigtgärtner hat gesagt…

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