25.10.2010

Allerheiligen - 01.11.2010

(Fortsetzung)

Nein, von Freude und Jubel ist ausdrücklich die Rede. Diejenigen, die nach den oft brutalen Spielregeln dieser Welt von den meisten wohl eher als Verlierer angesehen werden,
die sind in Wirklichkeit,
in Gottes Wirklichkeit, ausgesprochene Glückspilze! - Sie hören hier eine verbindliche Zusage: Ihr habt
allen Grund zum Jubeln, zur Freude. Gott wird es euch auf seine
Art danken!

Viele Heiligennamen stehen in unseren Kalendern, und viele haben so im Laufe des Jahres ihren eigenen Festtag. Das heutige Fest erinnert uns aber daran, dass es viel mehr sind, unfassbar viele, die nach einem vorbildlichen Leben ihren Lohn im Himmel empfangen haben. Da gibt es eben nicht nur die Giganten unter den Heiligen und Seligen, deren Namen in aller Munde sind, vom heiligen Nikolaus über Franz von Assisi bis hin zu Mutter Teresa aus Indien.
Nein, allein die offizielle Liste der Kirche verzeichnet derzeit fast 7.000 Heilige und Selige und weit über 7.000 Märtyrer, von denen ganz zu schweigen, über deren Heiligkeit niemand weiß außer Gott.
Wenn man näher hinschaut, sieht man, dass da eine ganz bunte Schar zusammenkommt. Es gibt sie eben nicht, die Einheitsheiligen nach festem Normmaß. Da gibt es Kinder und Alte, da gibt es Handwerker und Priester, da gibt es einfache Menschen und tiefgeistige Mystiker.
Gerade in der Frühzeit des Christentums und in Hitlers Drittem Reich haben viele ihren Glauben nicht verleugnet, sondern sind dafür ins Leid oder gar in den Tod als Märtyrer gegangen. Auch heute noch werden zahlreiche Christen wegen ihres Glaubens in vielen Ländern verfolgt und benachteiligt.

Wir sind immer in der Versuchung, die Heiligen auf einen möglichst hohen Sockel zu heben. Da stehen sie dann gut.
Schön weit weg vom Alltag und für uns unerreichbar. Das hat den Vorteil, dass man die Heiligen als Exoten und irgendwie welt-
fremde Träumer abtun kann. Unsere Sprache spricht von „seltsamen Heiligen“ und meint damit schrullige Einzelkämpfer, fernab von Gut und Böse, fernab von jeder Realität, einfach lebensuntauglich.
Da ist es gut, dass uns das heutige Evangelium wieder auf den Boden zurückholt. Jesus zählt Verhaltensweisen auf, die keineswegs unerreichbar sind. Wenn er da z.B. sagt, „Selig, die arm sind vor Gott“, dann heißt das nicht, dass Leute gemeint sind, die keinen Cent mehr in der Tasche haben.
Arm sein vor Gott – das heißt doch in erster Linie: Wer sich in aller Demut vor Gott stellt und weiß, dass es nur Gott ist, der meine Leere mit seiner Gnade und Liebe füllen kann, der gehört vor Gott schon dazu zu seiner riesigen Jubelschar.
Wenn man sich die Lebensgeschichten von Heiligen anschaut, dann sieht man bei den meisten nicht nur eitel Sonnenschein. Manch einer von ihnen wurde wegen seines Einsatzes, wegen seines Eifers für Gott sogar in den eigenen Reihen misstrauisch beäugt und belächelt. Einige mussten großes Unrecht erdulden, das ihnen vom Boden-
personal Gottes auf die Schultern gepackt wurde. Als ein Beispiel von vielen will ich da Mutter Rosa Flesch nennen, die Gründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen. Unter schwierigsten Be-
dingungen baute sie die Ordensgemeinschaft auf und musste dann erleben, wie sie durch Manipulation und hässliche Intrigen ins Abseits geschoben wurde. Doch Rosa Flesch tat weiter als einfache Schwester schweigend ihren Dienst bis an ihr Lebensende.

Heilige und Selige – das sind Menschen, bei denen zum Teil auch Fehler und Schwächen erkennbar sind. Oft haben sie selbst darunter am meisten gelitten. Heilige sind Menschen wie du und ich, die Vorurteile und Ängste hatten, denen manchmal Informationen fehlten und die Kinder ihrer Zeit waren. Das wird von der Kirche nicht aus-
geblendet oder unterschlagen.
Manche von ihnen waren im Umgang auch recht unbequem und sperrig, besonders, wenn sie sahen, wie Menschen gegen Gottes Gebote lebten. Auch die Versuchung kannten sie, und von vielen Heiligen weiß man, dass sie sogar häufig furchtbar unter dem Gefühl der Gottesferne litten. Nach dem Tod fand man zum Beispiel ein Tagebuch von Mutter Teresa in Indien und war bestürzt, wie oft sie dort niedergeschrieben hatte, sich von Gott ganz und gar verlassen zu fühlen. Aber sie hat eben nicht alles hingeschmissen, sondern sie ist wieder und wieder durch solche dunklen Tunnel gegangen, bis sie das Licht sah.

Heilige – das müssen nicht immer Super-
männer und Superfrauen sein. Aber es sind Menschen, denen die große Sehnsucht nach Gott nicht abhanden gekommen ist. Menschen, die mit ihrem Leben dafür einstehen, was sie glauben. Heilige sind wie weithin sichtbare Wegweiser. Sie wissen, wo es lang geht. Den anderen zeigen sie die Richtung an:
Nimm diesen Weg, geh daher, ich kann dir das nur empfehlen,
denn das ist ein Weg, der zu Gott führt!

So sind die Heiligen, alle Heiligen, auf ihre Art für uns heute auch immer wieder Mutmacher. Wenn wir ihr Leben studieren, sehen wir, wie sie auf ihre Art und in ihrer Situation das angenommen haben, was als Aufgabe vor ihnen lag. Dabei sind sie in der Spur ihrer Aufgabe geblieben, wie mit Winterreifen, die sich mit genügend
Profil ihren Weg durch den Schnee bahnen.
Wenn wir beim Friedhofsgang unserer lieben Verstorbenen gedenken, dann sind wir voller Trauer über alle, die uns schon verlassen haben. Doch der Besuch der Gräber und die Segnung zeigen auch: Wir wissen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Wer an Christus glaubt, der stirbt nicht einfach, sondern er zieht um – man könnte sagen, er hat in der Heimat eine neue Adresse.
Er kommt nach Hause, dorthin, wo er schon mit Liebe erwartet wird. Unser Gedenken, unsere Fürbitte an den Gräbern möge unseren Verstorbenen helfen, dass sie gut in Gottes Händen ankommen.


Predigt Pfr. Dr. Robert Nandkisore (pdf)
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Predigt Erzabtei St. Ottilien
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Predigt Prof. Dr. Dr. Klaus Müller: „Christliche Charakterkunde“
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Allerheiligen – ein beständiger Strom der Erinnerung
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Meine Predigt zu Mt 5,1-12a am 4. Sonntag im Jahreskreis A
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Überblick über das Selig- und Heiligsprechungsverfahren
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Heiligenlexikon: Heiligsprechungsverfahren in der kath. Kirche
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Beispiel M. Rosa Flesch: Intrigen in den eigenen Reihen
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Neuregelung bei Winterreifenpflicht in Deutschland
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Kein Streit mehr…


Nicht jeder hat ohne Hilfsmittel das Talent
zur Heiligkeit. Der heilige Vincenz von Paul erzählte gerne, eines Tages sei eine einfache Frau zu ihm gekommen, die sich bitter be-
klagte, sie lebe in ständigem Streit mit ihrem Mann. Vincenz von Paul nickte und bat sie, am nächsten Tag wiederzukommen. Inzwischen werde er ihr Anliegen Gott vortragen.
Als die Frau gegangen war, suchte er im Fluss einen runden Stein, nicht zu groß, nicht zu klein. Den steckte er sich in die Tasche. Als die Frau am nächsten Tag kam, erklärte er ihr, er habe einen Stein, der besondere Kräfte besitze.
„Wenn dein Mann mit dir zu streiten anfängt, nimm einfach den Stein in den Mund. Du darfst ihn erst wieder herausnehmen, wenn dein Mann sich beruhigt hat.“ - Die Frau bedankte sich herzlich und ging.
Nach einiger Zeit traf Vincenz von Paul die Frau wieder und er-
kundigte sich, wie es denn in der Ehe jetzt klappte. Die Frau strahlte: „Sehr gut, dein Stein ist wirklich ein besonderer Stein. Wir streiten überhaupt nicht mehr…“
Wenn Vincenz von Paul dies erzählte, fügte er gerne hinzu:
„Sie konnte ja auch nicht reden mit dem Stein im Mund. Auch mir hat diese Methode geholfen, die Sanftmut zu erlernen.“

PHONETIK - Der Lehrer bittet die Kinder, einen Satz mit Norwegen zu bilden. Meldet sich Josef zu Wort: "Ich weiß einen Satz, Herr Lehrer. Gestern hat meine Mama zu meiner Tante gesagt: 'Du hast deinen Mann doch nor wegen des Geldes geheiratet.'"

BAUERNSCHLAUHEIT - Der am 16. Juni 2002 heilig gesprochene Pater Pio war kein missmutiger Heiliger. Er liebte Scherze und erzählte gerne folgenden Witz: Ein Bauer sitzt im selben Abteil zusammen mit einem Priester. Als der Zug besonders schnell fährt, macht der Bauer ein etwas furchtsames Gesicht. Das nützt der Pfarrer aus und sagt: „Ja, mein Lieber, ist schon recht, dass Sie sich fürchten, denn jetzt geht es vielleicht direkt in die Hölle".
Die Angst des Bauern aber verwandelt sich zum Erstaunen des Pfarrers in Freude, und er erwidert: „Wie gut, dass ich eine Rückfahrkarte habe!"

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1 Kommentar:

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