18.01.2011

3. Sonntag im Jahreskreis A - 23.1.2011

(Fortsetzung)
Und genau dort brachte Jesus Licht ins Dunkel, damit den suchenden Menschen dort ein Licht aufging, damit sie nicht mehr im Dunkeln tappen mussten. Dabei griff er die Botschaft des Johannes auf: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“
Dabei heißt „Umkehr“ natürlich nicht, auf dem Absatz kehrt zu machen und den selben Weg zurückzugehen. Im Originaltext heißt es genauer: „Ändert euren Sinn!“
Umkehren bedeutet also: radikal anders denken, nicht alles mit meiner Brille betrachten, sondern von Gott her zu denken versuchen, an seinen Heilsplan für unsere
Welt glauben.
Umkehr ist dann immer etwas ganz Praktisches. Wer das Rauchen aufgeben will, der darf auch nicht bloß daran denken, sondern er muss es auch tatsächlich tun.
Umkehr, den Sinn ändern, das ist eine völlig neue Laufrichtung, ein neuer Weg, und zwar nicht halbherzig, sondern ganzherzig, mit meinem Herzblut. Dabei machte Jesus klar, dass Umkehr kein Selbstzweck ist. Es geht ihm um den Grund der Umkehr: „Denn das Himmelreich ist nahe.“
Umkehren macht nur Sinn, wenn ich auch weiß, wohin ich umkehren soll. Umkehren, die Richtung des Lebens ändern, ist also kein Sprung ins Nichts, sondern in die liebende Gegenwart Gottes!

Jesus suchte sich für die Verkündigung der Frohen Botschaft sofort Helfer und Begleiter. Die ersten, die ihm dabei über den Weg liefen, waren Petrus und sein Bruder Andreas. Sie waren keine Schriftgelehrten, keine Lehrer, keine Priester, sondern einfache Fischer. Und die sind keine Schwärmer, keine Theoretiker und wortgewandten Redner, sondern sie sind sehr bodenständig, mit der Natur verbunden. Eben mehr praktisch veranlagt und ganz handfeste Burschen.
Fischer können fest zupacken, aber sie wissen auch aus langer leidvoller Berufserfahrung, dass Anstrengungen nicht immer von Erfolg gekrönt werden. Keiner kann ihnen deshalb so schnell etwas vormachen!
Die beiden Brüder waren gerade mitten in der Arbeit. Offenbar standen sie im seichten Wasser am Ufer, um dort ein Netz auszuwerfen. Jesus rief sie: „Kommt her, folgt mir nach!“
Auch das klingt im Originaltext präziser: „Auf! Kommt hinter mich!“ - Da hört man doch noch eher die unglaubliche Wirkung Jesu heraus, seine Ausstrahlung, die Macht seiner Worte. Was ist das für einer, wenn solche gestandenen Mannsbilder alles stehen und liegen lassen, um sich hinter ihm aufzustellen, um ihm auf Schritt und Tritt zu folgen?
Jesus gab in seiner kurzen Stellenbeschreibung für die ersten Jünger auch gleich an, was er mit ihnen vorhatte: „Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ - Also nicht die Einsatzpläne und vielleicht demokratisch ausdiskutierten und abgestimmten Ideen der Jünger waren gefragt. Jesus sagte: Ich werde…“ -
Es war also alleinige Sache Jesu, sie auf ihren neuen Job vorzubereiten, und sie brauchten sich deswegen nicht den Kopf zu zerbrechen. Er sorgte schon dafür, was zu tun war und wie es zu tun war. Das ist auch für uns gut zu wissen, mit all unseren vielen Plänen und Sorgen in der Kirche, auch in den pastoralen Planungen in Bistümern und Gemeinden. Auch wir sind aufgerufen, uns vor allem ganz konsequent hinter Jesus zu stellen, ihm in seinen Fußstapfen vertrauensvoll zu folgen.

Im Bibeltext wird geschildert, wie Jesus noch ein weiteres Brüderpaar für die Jüngerschaft begeisterte. Auch sie ließen alles stehen und liegen und folgten ihm nach: „Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.“
Sie gaben also alles auf, ihre wirtschaftliche Sicherheit, Freunde, Verwandte, Heimat, ja sogar den Vater ließen sie zurück. Da sind wir natürlich geschockt!
Der Evangelist Matthäus zeigt hier ganz drastisch, dass Jüngerschaft Konsequenzen hat. Gottes Reich ist ihnen sogar wichtiger als der Vater. Das soll für uns heißen: als Jünger Jesu wirst du in deinem Leben Prioriäten setzen müssen, sonst wirst du vom dauernden „vielleicht – mal sehen“ ständig innerlich zerrissen. Du bist bei Jesus kein Aussteiger, sondern ein Einsteiger, du kommst als gläubiger Christ in seine Familie, in die der Gotteskinder!
Nichts gegen deine Eltern, die Freunde, die Heimat und was sonst noch! Der Christ muss aber überlegen, was er in seinem per-
sönlichen Leben an die erste Stelle setzt. Um es ganz klar zu sagen: Bin ich z.B. vor allem Deutscher oder vor allem Christ? -
Bin ich zuerst Freund und Kumpel oder vor allem Christ?
Da verlangt Jesus von jedem eine Grundsatz-Entscheidung, um die man sich nicht herumdrücken kann.
Wirklich ärgerlich, dass Jesus dabei mitten in die Arbeit hineinplatzt! - Auch wir sind ständig gerade dabei, unsere eigenen Netze auszuwerfen, unserer Meinung nach ganz Dringendes zu erledigen. Jesus lädt uns aber immer wieder ein: Überlege dir deine Prioritäten im Leben! Richte dich an mir aus, justiere deinen Lebenskompass auf mich ein!
Ohne Loslassen von Liebgewordenem wird dies kaum gelingen. Damit Gott wirklich Platz in meinem Herzen nehmen kann, muss ich selbst erst einmal Platz schaffen. Und dabei gibt der heutige Text wie viele andere Bibelstellen auch einen guten Rat, wie das geht: „Sofort ließen sie ihre Netze liegen…“
Wie heißt es doch so schön: die lange Bank ist des Teufels liebstes Möbelstück! - Unsere Vorfahren formulierten es auch gerne so: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“
Da steckt die Lebensweisheit dahinter, dass ständiges quälendes Abwägen, Zweifeln und Brüten im Grunde nicht zum Ziel führt.
Du kannst nicht ewig zögern, du musst dich entscheiden! - Andernfalls entscheidet das Leben für dich!
So ist es doch in vielen Bereichen: du kannst eben nicht 20 Jahre lang verlobt bleiben, du kannst nicht jahrelang überlegen, welchen Beruf du ergreifen möchtest…
Jesus rief den Fischern zu und auch uns heute: „Auf! Kommt hinter mich!“ - Es geht dabei um nicht mehr und um nicht weniger als das Himmelreich! - Also seien wir klug und machen wir es wie die Dunkelmänner im heutigen Evangelium: Nichts wie hinter Jesus her!

Predigt Pfr. Joseph Mohr, Heidelberg
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Predigt Prof. Dr. Dr. Klaus Müller, Münster
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Predigt Pfr. Stefan Mai: „Mehr als eine Randnotiz“
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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…ausgelegt von Prof. Dr. Ludwig Volz, Speyer
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EIN MANAGER - Die Schüler müssen einen Schulaufsatz schreiben mit dem Thema: „So stelle ich mir die Arbeit eines Managers vor." Alle schreiben fleißig. Lukas aber sitzt nur lässig da.
„Warum schreibst du eigentlich nichts?", fragt der Lehrer.
Lukas darauf: „Meine Sekretärin ist noch nicht da!"


URSÄCHLICHER ZUSAMMENHANG: Ein wirklich dicker Prälat
(lat. praelatus est = es ist vorgezeigt worden!) neckt einen auffallend schlanken Kaplan bei einer Begegnung im Dom mit den Worten: „Lieber Mitbruder, man muss auch mal auf ein Opfer verzichten können! Sie sehen ja aus, als wäre eine große Hungersnot über unser Land hereingebrochen." - Der Kaplan ist aber auch nicht auf den Mund gefallen: „Und Sie erwecken mit Ihrer hervorragenden Figur den Eindruck, als seien Sie schuld daran."


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