16.02.2012

Karneval in der Heiligen Messe? - Eine etwas ratlose Anfrage...

(Fortsetzung)

Hier gibt es bei uns Katholiken zwei Fraktionen. Die einen
finden es toll und erinnern daran, dass Gott sich ohnehin nicht
in eine Kirche einsperren lässt, sondern an unserem Alltags-
leben teilnimmt.
Die Contra-Position verweist darauf, dass jede Heilige Messe alles andere als etwas Närrisches ist. Hier wird Eucharistie gefeiert, argumentiert man, hier wird des Todes und der Auferstehung Jesu gedacht. Und die Befürchtung wird gerne angefügt, man verletzte mit solchem „Zirkus“ auch die Gefühle so mancher treuer Kirchgänger, nur um einige Dutzend Gelegenheitsbesucher anzulocken.
Ich gestehe, ich bin da auch etwas ratlos. Gibt es vielleicht so etwas wie einen sinnvollen goldenen Mittelweg? Oder was sollte man tun…?
- Auch im Kölner Dom offiziell: Gottesdienst der Karnevalisten
>> BITTE KLICKEN !
- Predigttext von Kardinal Meisner Karnevalsgottesdienst 2008 (pdf) >> BITTE KLICKEN !
- Buch über Büttenpredigten >> BITTE KLICKEN !

Ist solch ein Gottesdienst doch etwas übertrieben?

Der Predigt…
Wie schön, dass es den Menschen gibt,
und zwar in lustig, quirlig, in verliebt,
es gibt ihn auch in groß und klein,
auch dick und dünn, so muss es sein.
Es gibt ihn auch in leicht und schwer,
als Mann und Frau auch, bitte sehr!
Auch traurig gibt es ihn und sauer,
als Mieter und als Häuslebauer,
als Geizhals, aber auch spendabel,
nach Art des Kain, nach Art des Abel,
kurzum: ihn gibt es fast von jeder Sorte,
und das weltweit an jedem Orte.
Und manchmal hab ich mir gedacht:
Wie oft hat Gott dabei gelacht,
als er uns Menschen hat gemacht?
In Mutter Kirche ist’s auch so:
Der liebe Gott hat einen Zoo!

Der Pfarrer kann von solchen Dingen
ganz gewiss ein Liedlein singen.
Braucht die Messe eine Stunde,
so hört man schnell in mancher Runde:
Der Pfarrer nimmt sich sehr viel Zeit,
der ist ja wohl nicht recht gescheit!
Doch spart er zehn Minuten ein,
dann wird es auch nicht richtig sein.
Warum hetzt denn dieser Mann nur so,
da wird keiner mehr des Glaubens froh!
Der Sonntag ist Geschenk an Zeit,
ist Vorgeschmack auf Ewigkeit!
Wenn wir dabei Minuten sparen,
wie soll dann Gott mit uns verfahren?
Der Predigt Thema ist zu schwierig,
so meckern manche gerne gierig.
Die Messer sind gar schnell gewetzt,
doch wer daheim sich hingesetzt
und hat die Bibel schon studiert,
der hätt’ sich selbst nicht so blamiert.
Also nicht nur konsumieren,
sondern selber informieren!
Auch hört man deutlich dann und wann,
des Pfarrers Predigt sei zu lang.
Was habt ihr’s bloß so eilig, Leute?
Schlägt euer letztes Stündlein heute?
Also bitte deshalb nicht empören,
Gottes Wort durchaus noch hören;
es macht der Suppe gar nichts aus,
kommt ihr was später heut nach Haus.
Doch wenn der heut’gen Predigt Würze
liegt ganz besonders in der Kürze,
so heißt‘s, der Pfarrer sei nur faul
und red’ den Leuten nach dem Maul.
Er sollte uns gut unterrichten.
Doch tut er das? Oh nein, mitnichten!
Für die paar Worte, die paar Fetzen
lohnt es ja kaum, sich hinzusetzen.
Hat er es selber nicht kapiert,
die Bibel nicht genug studiert?
Ihr lieben Leut’, das ist wohl klar,
egal, wie seine Predigt war,
es ist dem Pfarrer kein Genuss,
was er sich dazu anhör’n muss.
Auch diese Predigt, ach, ihr Frommen,
wird nun an ihr Ende kommen.
Was ich auch noch sagen will…
Ach was, ich bin jetzt einfach still!
(Text: Erhard Eutebach, „MEIN PREDIGTGARTEN“)

zurück zur PREDIGTGARTEN-Hauptseite
>> BITTE KLICKEN !


3 Kommentare:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Ich gehöre zu einer Pfarrgemeinde, die sowohl kirchenrechtlich als auch närrisch zu Mainz gehört. Auch wir hatten und haben eine "Narrenmesse", allerdings muß ich hier differenzieren. Früher konnte man sagen, daß die Narrenmesse am Sonntag Nachmittag schlicht notwendig war, weil sonst knapp die Hälfte der Pfarrgemeinde gefehlt hätte im normalen Sonntagsgottesdienst. Närrisch war die Messe nur in bestimmten Punkten:

Die Predigt wurde in Reimform vorgetragen, war aber kein Büttenvortrag, sondern inhaltlich eine Predigt.
Die Ministranten haben die verschiedenen liturgischen Farben gemischt getragen, zB grüner Rock zu violettem Kragen.
Im Volk waren Kinder im Kostüm.
Zum Auszug gab es offen oder über die Pedalbegleitung im Baß den Narhalla-Marsch.

Die Fastnachter waren der Kern der Gemeinde, sei es im PGR und VWR, im Kirchenchor etc. Der Nachklang einer Sitzung konnte durchaus bis um 5 Uhr dauern (Sitzungsende ca 1- 2 Uhr), da war schlicht und ergreifend zum Hochamt um 10 Uhr ein gut Teil der üblichen Kirchbesucher noch nicht wieder richtig wach. Die Messe wurde allerdings würdig gefeiert. Es gab im Altarraum keine Abordnung der Gardemädchen oder ähnliches.

Doch dann gab es später einen Pfarrer, der im Engelskostüm zu Predigt im Altarraum herumhüpft. Der Anteil der Kirchgänger unter den Fastnachtern ist auch stark rückläufig.

Es kommt also darauf an, wer was warum macht, nicht nur, wie die Veranstaltung heißt.

ultramontan hat gesagt…

> Ist solch ein Gottesdienst doch etwas
> übertrieben?

Eine solche Messe braucht mindestens das entsprechende Gegengewicht, um im Lot zu bleiben, nämlich ordentliche Buß- und Fastenpredigten, die die Leute dazu aneifern, in gleicher Zahl die Beichtstühle zu stürmen.

Anonym hat gesagt…

Wir tun uns so etwas nicht an und weichen auf eine Heilige Messe im Nachbarort aus. Unser Pfarrer macht eine Reimpredigt, da tun einem Ohren und Seele weh...!

Kommentar veröffentlichen

Zur Zeit keine Kommentare möglich.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.